Blockade? Blogade? Blog ade? Block ade!

Labyrinth des Schreibens


Das war jetzt wirklich eine lange Pause: Vom 31. Dez 2013 bis heute, 19. März 2014! Ich will nicht lange darum herumreden: Ich habe mir da während der vergangenen zweieinhalb Monate eine massive Schreibblockade eingefangen. Sie betraf allerdings nur diesen Blog.

In anderer Umgebung war ich zwischendurch sehr fleißig: in meinen Seminaren und bei der Arbeit an meinem aktuellen Roman-Projekt. Wer den Anfang meines letzten Posts vom Jahresende liest, findet dort den Auslöser meiner Blockade:

Das Thema “Schreiben an der Universität”, das eigentlich ansteht, hat sich als sperriger und schwieriger herausgestellt als geplant. Deshalb soll dies der erste Post im nächsten Jahr werden. Also morgen. Oder in den nächsten Tagen –


Von wegen “in den nächsten Tagen”. Erst als ich mich daran machte, den Rat zu befolgen, den ich anderen Leuten mit Schreibblockaden gebe, löste sich meine eigene endlich auf. Getreu der Empfehlung von Sigmund Freud, einen etwaigen Widerstand gegen Einsichten in ein Problem nicht gewaltsam zu brechen, sondern zunächst einmal die Blockade genau zu beschreiben, tat ich eben dies. Und entdeckte: Da schleppe ich aus den Zeiten meines Psychologiestudiums noch eine ganz ordentliche Traumatisierung durch die Universität mit mir herum!
Sie hat mit dem Schreiben der letzten großen Arbeit zu tun (einem Gutachten), bei dem ich zweimal gescheitert bin und wegen der ich drauf und dran war, das Studium abzubrechen; die ich dann jedoch im dritten Anlauf (mit “ministerieller Sondergenehmigung”) doch noch geschafft habe.
Natürlich war ich damals selbst schuld an meinem Versagen. Aber das gesamte Procedere des Studiums war schon auch mächtig Steinzeit – und ist es offenkundig auch heute noch, was die Möglichkeiten Lebendigen Lernens angeht. Die entdeckte ich erst Jahre später, längst als Psychologe berufstätig: In den Jahren der Ausbildung in der Gruppenarbeits- und Seminarleitungs-Methode der ThemenZentrierten Interaktion nach Ruth C. Cohn.

Aber jetzt muss ich doch noch das Rätsel des Titels dieses Beitrags auflösen:
Von der Blockade zur Blogade, also einer Blockade beim Schreiben in einem Blog, ist das Wortspiel leicht nachvollziehbar. Blog ade war lange Zeit mein Gedanke: also die Arbeit an diesem Blog völlig einzustellen, wenn und weil mir der Beitrag zum Thema “Schreiben an der Universität” einfach nicht gelingen wollte.
Aber jetzt – und dieser Beitrag zeigt es ja – kann ich sagen: Trauma (zumindest ein Stück weit) aufgearbeitet und dadurch “Block ade!”
.
Allgegenwart des Labyrinth-Mythos
Und was das Labyrinth-Thema angeht: Wer als Studienanfänger durch die Gebäude, Stockwerke und Gänge der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (oder irgend einer anderen solchen Institution irgendwo auf der Welt) irrt, weiß, das man sich da lange wie in einem Irrgarten vorkommt. Bis man sich endlich zurechtfindet.
Von manchen Studiengängen wie der Psychologie kann man zusätzlich behaupten, dass sie (nicht nur) den Neuling lange Zeit sehr verwirren: gerade wenn sie auch mit der eigenene Psyche zu tun haben und einen so manches Thema nicht kalt lässt, sondern sehr betroffen machen kann. Was bei Physik, Chemie oder Mathematik nicht so leicht der Fall sein dürfte. (Ein Studienkollege, der mit mir das Psychologiestudium begann, hatte allerdings vorher Mathematik studiert und stürzte später eine Weile ziemlich heftig ab – vielleicht lag es ja doch an der Mathematik – oder am LSD, das wir damals als sehr direkten Einstieg in unser Unbewusstes experimentell erforschten?)

#274 / 1000 JvS / 892 SciLogs / Aktualisiert 19. März 2014/20:03 / v 2.1

"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

2 Kommentare

  1. Das im europäischen Kulturraum von Anbeginn anzutreffende Labyrinth-Motiv könnte wie im obigen Beitrag angetönt auch das Verlieren in sich selbst bedeuten. Vielleicht braucht es ja den Ariadnefaden um aus dem selbst gestrickten Labyrinth zu entkommen. Das würde dann nahelegen, dass der Ariadnefaden für eine geistige Leitplanke steht.
    Die Irffahrt des Odysseus könnte für eine Irrfahrt in der inneren Welt stehen. Ein Gedanke, der schon von den alten Griechen nicht rundweg als falsche Auslegung abgelehnt würde. Es ist wohl kein Zufall, dass so viele psychologische Fachbegriffe ihren Ursprung in den griechischen Sagen haben. Die alten Griechen werden bereits eine psychologische Interpretation ihrer Sagen mitgedacht haben.

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