Wolkendynamik per Smartphone

Sommerzeit, Ferienzeit, daher hier wieder einmal ein leichter Beitrag! Ich bin ja bekanntlich ein Wolkenliebhaber. Vor einigen Jahren habe ich daher hier auf die Möglichkeit hingewiesen, mittels HDR-Fotografie den Wolkenhimmel hervorzuheben.

Aktuelle Smartphones bieten inzwischen aber eine weitere tolle Möglichkeit, Wolken darzustellen, von der ich als Junge immer nur geträumt habe: im Zeitrafferfilm. Damit kann man sogar aus der Hand Zeitrafferaufnahmen machen, denn das unvermeidliche Wackeln der Hand wird automatisch herausgefiltert. Als Beispiel hier ein Zusammenschnitt einiger Szenen, die ich diesen Sommer eingefangen habe.

Wolken… hier aus Copyrightgründen ohne Soundtrack, aber ich empfehle dazu Armand Amar, La terre vue du ciel.

Noch mehr Kontrolle hat man freilich mit einem Stativ und einer richtigen Kamera, die automatisch eine Serie von Einzelbildern macht, die man dann später zu einem Film zusammenfügt (das geht z.B. mit dem Windows MovieMaker). Der Hintergrund ist dann (dank Stativ) unbeweglich – einige der Szenen in meinem Filmclip sind so gemacht. Dann kann man die Abspielgeschwindigkeit frei wählen und die Bilder vorher bearbeiten (Kontrast, Ausschnitt etc). Man muss freilich genug Bilder machen – bei rasch ziehenden Wolken z.B. ein Bild pro Sekunde, bei weniger Bewegung reicht auch ein Bild alle fünf Sekunden. Die Smartphone-Filme, bei denen der Hintergrund nicht so starr ist und man die Kamera auch langsam schwenken kann, haben dadurch für mich aber noch einen besonderen Reiz. Und schneller ablaufen lassen als beim Smartphone vorgesehen kann man sie natürlich nachträglich auch.

Wer den Wolkenhimmel bislang vor allem als Standbild wahrgenommen hat und nicht in seiner dynamischen Entwicklung, dem empfehle ich, vielleicht in diesen Ferien einmal mit der Zeitraffer-Option seines Smartphones zu experimentieren. Gerade auch für Kinder ein tolles Aha-Erlebnis!

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

15 Kommentare

    • Sieht auf den ersten Blick halt wie so ein typisches “Klimaskeptiker”-Papier aus. Wenn die Expertise der Autoren schon dadurch nachgewiesen werden soll, dass sie “IPCC expert reviewer” waren, deutet das darauf hin, dass sie gar keine Expertise haben – denn jeder kann sich selbst als “expert reviewer” beim IPCC anmelden. Außerdem ist das Manuskript nicht in einer begutachteten Fachzeitschrift erschienen, sondern einfach auf einen Internetserver gestellt worden. Die These, dass die Klimasensitivität durch negative Feedbacks fast null sein soll, wird durch die Erfahrung mit der Klimageschichte widerlegt – Eiszeiten, Warmzeiten, die sich nur nachvollziehen lassen, wenn die Klimasensitivität eben so groß ist, wie es auch die Klimamodelle berechnen. Die können mit einer Klimasensitivität von 3°C gut die Klimageschichte der letzten 3 Millionen Jahre reproduzieren, siehe http://www.realclimate.org/index.php/archives/2019/04/first-successful-model-simulation-of-the-past-3-million-years-of-climate-change/
      Jedenfalls ist das kein Papier, das zu lesen mir meine Zeit wert wäre. Jedes Jahr erscheinen 20.000 Studien zum Thema “climate change”, die ordentlichen peer review durchlaufen und daher erstmal ein Minimum an Glaubwürdigkeit haben.

  1. Lieber Herr Rahmstorf,

    teile Ihre Begeisterung für Wolken. Dank deshalb für Ihren Beitrag. Für Ihre anderen natürlich auch.

    Darüberhinaus freue ich mich diebisch, daß die rein zahlenbasierte Wissenschaft an diese wunderbaren Gebilde nicht herankommt. Ja, selbst die Systeme und ihr Zusammenspiel können kaum vorausgesehen werden. Und so rauschen sie um “unsere” Erde, Partisanentrupps nicht unähnlich, und wirken mal hier mal dort. Teils extrem örtlich begrenzt.

    Ganz schön komplex das Ganze. Sollten wir mehr Respekt vor haben, sonst hau’n die uns was um die Ohren, daß die wegfliegen. Und dann werden wir ganz taub und mehr. Wirtschaft und Politik sind es heute schon …

    Und hier https://www.windy.com/?51.427,6.702,5 habe ich Folgendes entdeckt:
    Das Islandtief kreist nicht um Island, sondern um das noch nicht ganz erklärbare Kälteloch vor Grönland.
    Liege ich damit richtig und wenn ja: Wie ist das zu erklären?

    Viel Gruß aus dem Ruß
    Harald Jochums / Archetekt / Duisburg-Rheinhausen

  2. Lieber Herr Rahmmstorf,

    habe noch eine Ergänzung zu meinem Beitrag und Ihrem letzten Absatz:

    Anstatt mit dem Ei-Pott rumzudatteln: Wie wär’s denn mit: Einfach mal hinsetzen, den Himmel beobachten und die Gedanken mitfliegen lassen?

    Zugegebenermaßen habe ich es da einfacher als andere Menschen: Habe von meinem alten, umgebauten Doppelwasserturm in Duisburg-Rheinhausen eine wunderbare Sicht auf den Himmel und die Wolken – von morgen bis abends. Natürlich auch nachts.
    Himmel und Wolken sind also mein täglich Brot. Sie können gerne mal vorbeikommen und reinschau’n. Bitte aber vorher Bescheid sagen, mit welcher Wolke Sie ankommen …

    Harald Jochums

  3. Vielen Dank für die Anregung. Habe mir sofort einen Smartfonadapter für mein Fotostativ besorgt und ein paar Zeitrafferfilmchen über dem Bodensee gemacht. Das hat sich gelohnt.So bekommt man eine ganz andere, faszinierende Sichtweise auf das Geschehen am Himmel und darunter.

  4. :-), danke für die Zerstreuung und Tschuldigung, falls ich nerve. Mich treibt um, was seit Monaten in den Threads auf Zeitonline aus einem SPIEGEL-Interview mit Jochen Marotzke (Abobereich/5. Oktober 2018) von “Klimaskeptikern” gemacht wird (https://www.zeit.de/2019/32/sommer-hitze-temperaturen-aufstaende-kriminalitaet-klimawandel?cid=25607160#cid-25607160), in dem der Klimaforscher wohl gesagt hatte, dass sich die “Galgenfrist” verlängert, weil frühere Klimamodelle zu empfindlich waren. Weil Ozeane und Wälder mehr CO2 schlucken als gedacht. So wird es jedenfalls auf einschlägigen klimas(k)eptischen Internetportalen kommuniziert und so schwappt es in die Foren wie beispielsweise Zeitonline. Was ist davon zu halten? Würde mich sehr interessieren. Würde mir eine Antwort von Ihnen hoch geschätzten Klimawissenschaftler mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit helfen. Behaupte ich jetzt einfach mal so. Mit dem Ziel, präventiv aufzuklären, noch bevor eine neuere Pseudoskeptiker-Sau durch’s Forum getrieben wird.

    Danke, dass es Sie gibt und Liebe Grüße

  5. Mein Versuch, hier nur noch zwei Fragen zu stellen: Was sind die Gründe dass im IPCC-Bericht zu 1,5 Grad für das vereinbarte Emissionsbudget etwas großzügiger als früher abgeschätzt wurde? Und sind Sie mit dem Klimaforscher Jochen Marotzke konform, dass sich die “Galgenfrist” um 10 Jahre aufgrund der etwas großzügigeren Abschätzung verlängert?

  6. Lieber Herr Prof. Dr. Rahmstorf,

    vielen Dank für das Special zum Thema Wolken als leichte Sommerlektüre. Da wir beim Thema Sommer sind und Sie gelegentlich mitlesen: Ist dieser Artikel im Focus mal umgekehrte Panikmache oder ist da was dran (https://www.focus.de/wissen/klima/arktis-ab-2030ern-eisfrei-neue-un-studie-sieht-drastische-erwaermung_id_10489964.html). Und wenn da was dran ist, müßte das nicht schlimme Auswikungen auf das grönländische Festlandeis haben, weil a) das nicht vorhandene Meereis auch keine kühlende Funktion im arktischen Sommer mehr hat und b) sich das arktische Meer ohne den schützenden Eisschild aufwärmen würde?

    Freundliche Grüße

  7. Danke für die Links mit der Anmerkung, dass es gut wäre, wenn ein Klimaforscher in Deutschland die doch komplexe Materie hinsichtlich des Kohlenstoffbudget auf Deutsch erklärt. Ich weiß, kostet Zeit, kostet Energie, wäre aber glaube ich nicht schlecht.