Wie erkennt man echte Klimaexperten?

Kennen Sie das auch: Sie lesen von dieser oder jener These eines Experten in der Zeitung – wissen aber nicht, ob Sie dem glauben sollen? Mir geht das außerhalb meines eigenen Faches so. Zumal wenn die in den Medien zitierten Fachleute sich scheinbar widersprechen. Wem glauben Sie nun? Wie stellen Sie fest, wer ein renommierter Experte ist, der gut etabliertes Wissen vertritt? Wer ist vielleicht ein echter Experte, aber mit einer Außenseiterthese, die von der Fachwelt sehr kritisch gesehen wird? Und wer gar ein Pseudoexperte, der Ihnen Fake News verkaufen will?

Vielleicht meinen Sie, wer häufig zu einem Thema in den Medien auftaucht, der muss wohl ein Top-Experte auf diesem Gebiet sein? Stimmt leider nicht immer. Vielleicht beeindruckt Sie der Professorentitel? Bitte jetzt nicht schockiert sein: die knapp 50.000 Professoren an deutschen Hochschulen sind zwar in der Regel in jeweils ihrem Fachgebiet kundig, aber eben nicht „der Experte für alles“, mit Universalkompetenz auch fürs Klima. Und wenn ein Journalist schreibt: „der weltweit renommierte Experte für Kugelblitze…“, dann kann das stimmen – muss aber nicht. Vielleicht gefällt dem Journalisten ja einfach nur, was dieser Mensch sagt.

Wie also kann man feststellen, wer wirklich ein weltweit renommierter Wissenschaftler ist? Im Zeitalter des Internets sehr leicht: auf Grundlage der Fachpublikationen in begutachteten, renommierten Fachzeitschriften. Sie müssen dazu die Qualität dieser Publikationen nicht einmal selbst beurteilen können – das überlassen Sie einfach denen, die dazu am besten qualifiziert sind, nämlich den lieben Fachkollegen bzw. -konkurrenten. Die stimmen ständig in einer Art crowd-sourcing über die Bedeutung von Fachpublikationen ab, indem sie sie in ihren eigenen Studien zitieren. Oder eben nicht (siehe Anhang). Zitiert wird, was als wissenschaftlich relevant wahrgenommen wird. Was wenig zitiert wird, hat also schlicht den Relevanztest der weltweiten Gemeinschaft der Forschenden nicht bestanden.

Wie oft werden deutsche Klimaforscher weltweit zitiert?

Nach diesen Vorbemerkungen nun zur Sache. Es gibt ausgefeilte Zitieranalysen – wie diese der Uni Flensburg über die meistzitierten deutschen Klimastudien 1994-2013 (pdf – hier der Artikel in Spektrum dazu). Und – was ich schon vergessen hatte und eben erst wieder gesehen habe – vor zehn Jahren habe ich hier schon einmal zu diesem Thema geschrieben.  Heute mache ich es mir leicht: ich habe einfach einmal in der Datenbank Web of Science nachgesehen, wie oft die Studien einer Reihe bekannter Klimaforscher im vergangenen Jahr zitiert wurden (Details im Anhang). Das ist in der folgenden Abbildung dargestellt.

Abb. 1 Die Häufigkeit, mit der die Studien einiger prominenter deutscher Klimaforscher laut Datenbank Web of Science im Jahr 2017 zitiert wurden. Insgesamt sind 2017 zum Suchbegriff „climate change“ 20.000 Studien erschienen.

Wie man sieht, sind die genannten Wissenschaftler alle im letzten Jahr hunderte Male zitiert worden – einige sogar über eintausend mal. Dies sind also allesamt sehr renommierte Forscher, deren Arbeiten in der internationalen Fachwelt weithin für wichtig gehalten werden. Meine Auswahl hier ist subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – es sind nur Beispiele von führenden deutschen Klimaforschern, von denen man öfters in den Medien hört und liest (für weitere Vorschläge bin ich offen). Ich habe mich auf die Klimaforschung im engeren Sinne beschränkt – also z.B. keine Forschung zum Emissionshandel oder zur marinen Biogeochemie berücksichtigt.

Und natürlich ist die Zahl der Zitate kein perfektes Kriterium für die Leistung einer Forscherin oder eines Forschers. Vielleicht gibt es ja gelegentlich das Genie, das jahrelang still vor sich hin werkelt ohne zu publizieren, um dann eines Tages unser Verständnis des Kosmos umzukrempeln. Oder die tolle Forschungsarbeit, die nur zwei Fachkollegen verstehen und die daher fast nie zitiert wird. Mag es ja geben. Nur halt extrem selten.

Und natürlich muss man Randbedingungen berücksichtigen. Wie groß ist das Fach? Experten für eine seltene Käfergattung mögen tolle Forschungsarbeit leisten, haben aber kaum Kollegen, die zu dem Thema schreiben und sie zitieren. Wie alt ist ein Forscher? Wann ist die Arbeit erschienen? Diese Faktoren beeinflussen, wie oft eine Studie und wie oft ein Forscher zitiert wird, einfach weil beide schon länger auf dem Markt sind. Es gibt viele tolle Nachwuchsforscher in Deutschland, die ich daher hier nicht aufgeführt habe. Doch innerhalb eines Fachgebietes ist ein Blick auf die Häufigkeit, mit der ein erfahrener Forscher zitiert wird, auf jeden Fall ein aussagekräftiger erster Indikator, und vermutlich sogar das beste objektive Maß für das Renommee eines Wissenschaftlers. Und es ist vor allem leicht in diversen Online-Datenbanken zugänglich.

Es kommt hier auch nicht auf das genaue Ranking an sondern auf die bei allen Genannten sehr hohe Zahl. Wenn also einer der Wissenschaftler aus Abb. 1 in den Medien zu Wort kommt, sollten Sie seine Aussagen sehr ernst nehmen. Wenn z.B. Forscher des PIK häufig von den Medien befragt werden und das PIK im aktuellen internationalen Ranking der Umweltinstitute auf Platz 1 gelandet ist, dann hat das seine Grundlage in der wissenschaftlichen Leistung. Daran wird sich durch den Führungswechsel diesen Monat auch nichts ändern. Johan Rockström, der gemeinsam mit dem Top-Ökonomen Ottmar Edenhofer die Leitung des PIK übernehmen wird, wurde letztes Jahr sogar 2.600 mal zitiert. [Ende des Werbeblocks.]

Auch wenn selbst die besten Experten natürlich nicht unfehlbar sind – hier wissen Sie zumindest, dass jemand zu Wort kommt, der tatsächlich zum Klima forscht und dabei nach Einschätzung der internationalen Fachwelt Wichtiges zum Wissensfortschritt beigetragen hat. Und kein Pseudoexperte wie in dem folgenden Cartoon, der leider durchaus treffend manche Mediendebatten auch zum Klima beschreibt, wo immer wieder selbsternannte „Klimaskeptiker“ ohne jede eigene Forschungsleistungen eine Bühne bekommen.

“So, wir sprechen jetzt mit Dr. Jenkins vom Nationalen Gesundheitszentrum über die Ergebnisse seiner dreijährigen Studie. Und dann, für eine andere Position, reden wir mit Roger hier, der offenbar zum gegenteiligen Schluss gekommen ist indem er auf dem Sofa saß und spekulierte.”

Weblinks

Spektrum: Exzellente deutsche Klimaforschung
Die Bundesliga der Klimaforschung
SPIEGEL vs. ZEIT – Welche Klimaexperten wurden zitiert?
Der Dämmskeptiker Konrad Fischer – oder: Wie erkennt man unseriöse Thesen?
Bjørn Lomborg, just a scientist with a different opinion?

Anhang

Was ist ein wissenschaftliches Zitat? Für alle, die mit wissenschaftlichem zitieren nicht vertraut sind, hier eine kleine Illustration dazu. Jede Studie der Fachliteratur zitiert frühere Studien (typischerweise einige Dutzend) – zum Beispiel um bestimmte Aussagen und Argumente zu belegen, oder um auf die detaillierte Dokumentation verwendeter Untersuchungsmethoden hinzuweisen. Ein wichtiger Teil jeder Studie ist die Einleitung, in der der Kontext und der bisherige Forschungsstand zum Thema zusammenfassend dargestellt werden. Hier wird besonders viel zitiert. Und da man natürlich nicht alles zitieren kann, findet man hier die (nach Meinung der Autoren) wesentlichen Meilensteine. Beispiel:

Die vollständigen Quellenangaben stehen dann in der Literaturliste am Ende des Artikels.

Datenbanken Es gibt verschiedene Datenbanken, die wissenschaftliche Fachpublikationen sammeln und die gegenseitigen Zitate auswerten und anzeigen – z.B. Web of Science, Scopus, Mendeley oder Google Scholar. Persönlich ziehe ich Web of Science vor, u.a. wegen der strengen Beschränkung auf Artikel in begutachteten Fachjournalen (keine „graue Literatur“ wie Bücher, Buchkapitel, Reports etc), und weil man leicht die Anzahl der Zitate listen kann. Leider braucht man zur Nutzung ein Abo – was allerdings die meisten Universitäten und Forschungsinstitute haben. Bei Google Scholar habe ich die zweieinhalbfache Anzahl der Citations wie bei Web of Science – weniger weil ich selbst viel graue Literatur publiziert hätte, sondern weil ich in letzterer zitiert werde. Wenn meine Leser mit den gratis verfügbaren Datenbanken Erfahrung gesammelt haben, bitte gerne in den Kommentaren mitteilen. Um die Fachpublikationen einer Person aufzulisten, reichen die Gratistools allemal – man muss dann aber kritisch darauf schauen, welche davon wirklich in Fachjournalen erschienen sind, sonst hält man womöglich Bjørn Lomborgs populärwissenschaftliche Bücher für Wissenschaft.

Analysemethode Ich habe im Web of Science Core Collection unter „Nachname, Initial“ nachgeschaut, bei dem Suchergebnis kann man (zumindest bei den meisten Namen) dann auf „Select articles grouped for author name“ klicken. Damit werden mehrere Autoren mit dem gleichen Namen in Gruppen eingeteilt, die das Web of Science für dieselbe Person hält. Das funktioniert nicht immer: in Einzelfällen muss man die Publikationen noch nach Fachgebiet sortieren – wenn etwa lauter Artikel aus der Medizin auftauchen, die offensichtlich nicht vom meinem Klimaforscherkollegen stammen sondern von einem Namensvetter. Dieser Algorithmus findet auch die Publikationen einer Person zusammen, die unter leicht verschiedenen Namen publiziert hat, etwa mit einem Initial, zwei Initialen und vollem Vornamen. Dann klickt man auf Create Citation Report und bekommt die Zahl der Citations für jedes Jahr angezeigt. Falls sich bei der Auswertung Fehler eingeschlichen haben sollten, dann ist das meine Schuld – bitte melden!

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

54 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wer am meisten zum Thema veröffentlicht hat ist wohl wirklich ein Klimaexperte, denn so wie heute Forschung betrieben wird, bedeutet es ja auch immer, das der Betreffende die Literatur und damit die Arbeit der Fachkollegen kennt.
    Im Prinzip sollten aber die Lead-Autoren des IPCCC mindestens so viel wissen wie die Leute, die am meisten veröffentlicht haben, denn die IPCCC-Autoren konsultieren ja die gesamte Literatur zum Klimawandel.

    • Als Lead-Autoren des IPCC werden ja vor allem gerade Autoren ausgewählt, die aufgrund ihrer Publikationsbilanz ausgewiesene Experten sind. An IPCC-Berichten mitzuarbeiten ist eine ehrenamtliche Tätigkeit der Forscher. Allerdings wird beim IPCC auch auf eine regionale Balance geachtet, d.h. zum Beispiel Autoren aus Entwicklungs- und Schwellenländern, die aus strukturellen Gründen oft nicht eine Publikationsbilanz an der Weltspitze haben, aber eben die besten Experten aus den jeweiligen Ländern sind.

  2. Sehr guter Beitrag, den ich nur weiterempfehlen kann! Vielen Dank dafür!

    Vielleicht wäre es als Ergänzung noch gut, den Unterschied zwischen Artikel und Reviews zu erläutern. Eine Lieblingstaktik von Klimaleugnern ist ja, Ergebnisse von Einzelstudien fachfremder Wissenschaftler, die in Außenseiterzeitschriften publiziert haben, als Beweis dafür heranzuziehen, dass der Forscherkonsens zum Klimawandel nicht existiere. Nun ist die Brandbreite der Ergebnisse in Einzelstudien naturgemäß immer größer als in Reviews, die die Ergebnisse der Einzelstudien zusammenfassen. Daher sollte man die Ergebnisse von Reviews höher gewichten als die Ergebnisse von Einzelstudien. Wie solche Reviews zustande kommen, können Sie als Insider mit Sicherheit besser erklären als ich.

    Noch ein Wort zu Google Scholar. Ich nutze es selbst, einfach weil es frei zugänglich ist, aber es ist Vorsicht geboten. Google Scholar listet alle möglichen Studien, sowohl peer-reviewte als auch nicht peer-reviewte, Bücher, Reports usw. Diese Breite kann sowohl ein Vorteil sein (z.B. da man hervorragend zitierte Bücher findet), was in Web of Science nicht möglich ist, sie ist aber auch problematisch, da dort ebenfalls großer Schund als wissenschaftliche Arbeit verkauft wird. Dort tauchen z.B. auch “Studien” von EIKE auf oder von anderen anti-wissenschaftlichen Organisationen. Generell begünstigt Google Scholar also über die große Breite dort auch Fake-Wissenschaftler und Fake-Zeitschriften. Allerdings kann man dort natürlich auch wieder sehen, wer solche Arbeiten zitiert. So kann man z.B. gut erkennen, dass EIKE-Studien wie z.B. von Horst-Joachim Lüdecke kaum wahrgenommen werden und die vereinzelten Zitierungen entweder Selbstzitierungen (von ihm oder anderen EIKE-Personen) sind und diese wiederum auch kaum aus peer-reviewter Literatur stammen, sondern von selbst herausgegebenen Arbeiten ohne Qualitätsprüfung.

    Fake-Zeitschriften wie die jüngst medial bekanntgewordenen “predatory journals” zu erkennen ist dann schon schwieriger. Allerdings hilft dann oft Googeln. Gute Zeitschriften mit Tradition haben einen (meist hohen) Impact Factor und oft auch einen Wikipediaartikel, während Fake-Zeitschriften keinen Impact Factor haben und auch Wikipedia unbekannt sind. Prüft man all das nach (also Fachkompetenz des Autors/der Autoren, Zitierungen in Datenbanken, Journal, in dem er publiziert hat, Zitierung der konkreten Arbeit) dann kann man schon mit sehr großer Sicherheit sagen, ob man einen Experten oder einen Möchtegern-Experten vor sich hat.

  3. Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu EXPERTEN in unseren Medien. Täglich werde ich im Fernsehen mit Experten der Politik, Wirtschaft, Klima, Bienenzucht, Rollmopsdreherei etc. konfrontiert. Als mediengeschädigter ehemaliger DDR Bürger werde ich bei all dem das Gefühl, dass es sich hierbei auch um Lobbyismus handeln könnte, nicht los. Lobbyisten sitzen in diesem Land ja bekanntlich an allen entscheidenden Schaltstellen- warum nicht auch in unseren “überparteilichen” Medien.Hier bestimmen sie u. a. die politische und ideologische Zusammensetzung von Talk Shows um bestimmte von oben “gewünschte” Informationen unters Volk zu streuen. So könnten Lobbyisten der Autoindustrie auch auf entsprechende “freundlich eingestellte Klimaexperten” zurückgreifen und in Sendungen lancieren um die Frohe Botschaft der Autoindustrie in Sachen Klimawandel zu popularisieren.
    Und da der Begriff “Experte” rechtlich nicht geschützt bzw. definiert werden kann, kann sich so ziemlich jeder eitle Pfau mit diesem Titel schmücken und entsprechend labern…

  4. Schon allein, dass bei den “Klimas(k)eptiker-Internetportalen EIKE & Co in den Impressen steht, dass für den Inhalt der Artikel keine Verantwortung übernommen wird, müsste Laien skeptisch machen. Eigentlich.

  5. Herr Rahmstorf, könnten Sie im “Web of Science”, zu dem ich als Nicht-Wissenschaftler keinen Zugriff habe, nachschauen was Sie zum neuen Wissenschaftsberater des US-Präsidenten, Dr. William Happer (Emeritus der Princeton University) finden. Werden seine Arbeiten oft zitiert, oder eher selten?
    In Google Scholar finde ich mit “w happer” 5390 Einträge. Wenn ich den Haken bei “include citations” entferne und erneut suche sind es 5110 Resultate, das wären dann 280 Zitierungen. Mit dem Suchbegriff “w happer citation” gibt es dann aber 2450 Fundstellen.

    Er war und ist kein Klimawissenschaftler, hat sich aber auch mehrfach sehr skeptisch zu einer über 1°C liegenden Klimasensivität des CO2 ausgesprochen. Aufgrund seiner eigenen Forschung im Infrarotbereich hat er sich anscheinend auch mit den Absorbtionsbanden von CO2 beschäftigt.
    Er hat einen Artikel veröffentlicht “Why has global warming paused?”
    https://www.worldscientific.com/doi/pdf/10.1142/S0217751X14600033
    der allerdings nur gegen Bezahlung zu lesen ist und den ich deshalb nicht kenne.
    Außerdem hat er unter dem gleichen Titel einen Vortrag gehalten, der in youtube kostenlos zugänglich ist:
    https://www.youtube.com/watch?v=Oog7-KOtpEA
    Mit meinen Kenntnissen von nur wenigen Semestern Physik erscheint mir dieser Vortrag plausibel, doch vielleicht haben Sie oder ein Kollege aus dem Bereich Klimawissenschaft diesen Vortrag und/oder den Artikel schon auf “Schwachstellen” untersucht. Sind in seinen physikalischen Ausführungen angreifbare Punkte?

  6. Golzower hat es schon angesprochen, mit medialen Experten ist Vorsicht geboten. Die Klimaforschung hat es da vergleichsweise einfach, weil sie meist einen guten Job macht und auch die Medien nicht versagen in diesem Punkt.
    Wenn es jedoch um Wirtschaftswissenschaften geht, könnte es anders aussehen, entsprechende Kriterien, wie sie oben beschrieben werden, dürften dort durch und durch besetzt sein mit Vertretern ideologischer Neoklassik.

    In weiten Teilen der Medien war es jedenfalls lange so, daß der Begriff “Wirtschaftsexperte” ein Anlaß zur Vorsicht oder zum sofortigen Wegschalten war, Ausnahmen abgesehen, erst in letzter Zeit ändert sich das etwas.
    Letztlich kommt es auf den eigenen Instinkt an, Fehlbarkeit inklusive, und wer entsprechend eingestellt ist und zur Klimaleugnung neigt, wird ohnehin selektiv suchen.

    • Da gibt es einen fundamentalen Unterschied zwischen den Naturwissenschaften, wo die Methodik und die Gesetze der Physik klar und unumstritten sind, und Gesellschaftswissenschaften, wo es Denkschulen und Lagerbildung je nach Weltanschauung gibt.

  7. Schwachsinn und Unfug verbreitende Spaßvögel wie Hans von Storch, Josef Reichholf und Richard Lindzen sind für sich genommen das kleinere Problem. Signifikante destruktive Wirkung können sie nur dann entfalten, wenn sich die Medien aus sinistren Gründen mit ihnen verbünden.

    Ben Goldacre greift in seinem Buch Bad Science ein markantes Beispiel heraus:

    I will now defend the heretic Dr Andrew Wakefield.

    The media are fingering the wrong man, and they know who should really take the blame: in MMR, journalists and editors have constructed their greatest hoax to date, and finally demonstrated that they can pose a serious risk to public health. But there are also many unexpected twists to learn from: the health journalists themselves were not at fault, the scale of the bias in the coverage was greater than anybody realised at the time, Leo Blair was a bigger player than Wakefield, and it all happened much later than you think.

    It is madness to imagine that one single man can create a 10-year scare story. It is also dangerous to imply – even in passing – that academics should be policed not to speak their minds, no matter how poorly evidenced their claims. Individuals like Wakefield must be free to have bad ideas. The media created the MMR hoax, and they maintained it diligently for 10 years. Their failure to recognise that fact demonstrates that they have learned nothing, and until they do, journalists and editors will continue to perpetrate the very same crimes, repeatedly, with increasingly grave consequences.

    http://www.badscience.net/2008/08/the-medias-mmr-hoax/

    Zehn Jahre lange wurde Wakefield von den Medien benutzt, um mit einem von ihnen selbst inszenierten Schwindel Aufmerksamkeit zu erregen. Als der Schwindel nicht mehr zu verbergen ist, wird Wakefield als der Schuldige präsentiert.

    Ähnlich wie gerade beschrieben läuft es beim Thema Klimawandel. Der in einem früheren Artikel herausgegriffene SPIEGEL gibt ein typisches Beispiel für diese global verbreitete Praxis ab.

    • Mit MMR ist die Masern-Mumps-Röteln Impfung gemeint; Andrew Wakefield hatte in einer unseriösen und später zurückgezogenen Fachpublikation einen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus hergestellt.

  8. Herr Rahmstorf, wo die Naturwissenschaft derzeit an ihre Grenzen stößt, gibt es schon Lagerbildung. Ich denke an die Versuche in der Physik, die dunkle Materie zu erklären oder an des Problem der Vereinheitlichung der 4 Grundkräfte. Es gibt aber einen Unterschied zum Klimastreit. Die verschiedenen Lager in der Physik begegnen sich mit gegenseitigem Respekt. Ein solider Wissenschaftler wird immer mit Höflichkeit und einer gewissen Bescheidenheit, fähig zur Selbstkritik, auftreten. Zu einem Experten gehört auch eine solide wissenschaftliche Ausbildung. Wenn ich auf einen Meteorologen treffe, auf den diese beiden Eigenschaften zutreffen, so bin ich geneigt, mich mit ihm zu beschäftigen. Für mich als Laien ist auch wichtig, ob er in seinem Fach etwas gilt. Ich kenne den Vorwurf, dass das Genie verkannt sein kann. Das verkannte Genie ist eine beliebte Fiktion, in Wahrheit aber eine Rarität. Die meisten berühmten Forscher in den Naturwissenschaften waren in ihrer Zeit berühmt und verehrt. Einzelne Gegenbeispiele widerlegen das nicht. So ist das, was man “Mainstream” nennt, durchaus auch ein Kriterium, auf das man sich stützen kann. Ganz ohne Vorurteile geht es sicher nicht. Daher sollte auch der interessierte Laie bescheiden bleiben und sich nicht aufspielen. Wo diese Grundregel mißachtet wird, man findet es beispielsweise heraus, wenn man zählt wie oft das Wort “Lüge” vorkommt, kann man davon ausgehen, das kein Klimaexperte am Werk ist. Wir alle können uns irren aber wir sind keine Lügner. Ich beziehe hier die sogenannten Klimaleugner mit ein.

  9. @Stefan Rahmstorf
    Zum Einen Zustimmung, zum Anderen sind, je nach Fach, auch Verhältnisse denkbar, die aus ideologischen Gründen bestimmte Ergebnisse erwarten und nur denjenigen noch Raum lassen, die bereit sind, sie zu liefern.
    Klimaforschung könnte auch auf die bloße Leugnung ausgerichtet werden, aber es braucht wohl ein (teil)diktatorisches Regime, um das ideologisch durchzusetzen.
    Wenn das aber gegeben ist, sind Naturwissenschaften genauso leicht auf Linie zu bringen wie andere auch.

  10. “… zum neuen Wissenschaftsberater des US-Präsidenten, Dr. William Happer …”

    Der “neue” ist ein sehr, sehr “alter” “Berater” verschiedener (konservativer) US-Administrationen. Damit ist nicht das sehr zu gönnende Jahresalter des Herrn Happer gemeint, sondern seine lang anhaltenden Aktivitäten auf dem Gebiet des Lobbyings (u.a. für das “Marshall-Institute” und die berüchtigte GWPF). Alle seine diversen Aktivitäten sind verschiedentlichst gut dokumentiert und ein wirklich Interessierter würde schon anhand der WP-Artikel leicht erkennen, wer da warum irgendwas äußert. Aber es geht ja angeblich um die wissenschaftliche “Kredibilität” des Herrn – dazu kann man natürlich gerne seine Veröffentlichungen betrachten. Bei seiner Alma Mater etwa, die eine schlichte Liste bevorratet:

    https://academictree.org/physics/publications.php?pid=284745

    Wenn man den wenigen Veröffentlichungen nachgeht, in denen es (entfernt) um “Klima” geht, dann wird man leicht feststellen, dass es sich um reine Op-Eds ohne peer review handelt (wenn sie überhaupt in irgendeinem Journal veröffentlicht wurden). Ansonsten hat sich Herr Happer gerne und oft in den diversen Jahrzehnten *öffentlich* mit irgendeiner Meinung geäußert (z.B. im berüchtigten WSJ) – das hat natürlich auch nichts mit relevanter Forschung zu tun, wird aber durchaus oft als “gray matter” zitiert (ggf. als Beweis für eine öffentlich vorhandene irrige Meinung, die dann im zitierenden paper explizit widerlegt wird. Auch so und mit reinen “gray matter”-Publikationen kommt man auf zahlenmäßig manchmal erstaunliche Zitationsmengen.

  11. Wolfgang Richters, 7. September 2018, Hinweis auf William Happer fand ich als Testfall dafür, wie man echte Klimaexperten erkennen kann, ganz interessant. Ich habe daher unabhängig von Herrn Rahmstorfs Urteil mal geschaut, zu welchem Ergebnis man als Fachfremder kommen kann.

    Offensichtlich arbeitet Happer nicht als Klimawissenschaftler. Bei einer Suche bei Google Scholar muss man ja genauer hinschauen, um welche Art von Veröffentlichung es sich handelt. Ich finde, neben einigen populärwissenschaftlichen Beiträgen, nur den schon oben genannten Fachartikel “Why has global warming paused?” aus dem International Journal Modern Physics A. Es scheint sich zwar nicht um ein Predatory Journal zu handeln, wo man gegen Geld jeden Mist veröffentlichen kann, es ist aber auch kein Fachjournal zur Klimatologie, sondern beschäftigt sich mit “Particles and Fields; Gravitation; Cosmology”. Das bestätigt den Eindruck, dass es sich wohl um einen Fall von “fachfremder Ex-Professor” handelt.

    Trotzdem: Wie wurde dieser eine Artikel nun aufgenommen? Dieser Artikel wurde neunmal zitiert. Es lohnt sich, sich die Zitierungen genauer anzusehen: Es scheint keine zustimmende klimawissenschaftliche Zitierung darunter zu sein. Die unteren, spanischsprachigen, sind anscheinend nur Arbeitspapiere (vielleicht mit Ausnahme von Española de Climatología. Serie A, die sich aber im Kern nicht mit Happers These beschäftigt), die Arbeit von “H Harde” ist, wie eine kurze Suche ergibt, in einem “Predatory Journal” erschienen. Zwei Zitierungen stammen aus einer Untersuchung, die einen fast einhelligen Konsens der Klimawissenschaft zur globalen Erwärmung zeigt, sie erwähnen lediglich Happers Arbeit als eines einer Handvoll Gegenbeispiele. R. Tol ist Ökonom und erwähnt die Arbeit ebenfalls lediglich als Beispiel.

    Die einzige, die sich inhaltlich mit Happers These auseinandersetzt, scheint besonders interessant zu sein: Erschienen in dem Klima-Fachjournal “Geophysical Research Letters”, scheint sie auf anderen anerkannten Arbeiten aufzubauen. Dort wird ausdrücklich erwähnt, sie würden (nebenbei) Happers These widerlegen. Diese Arbeit wurde zustimmend von einem Nature-Artikel zitiert.

    Ohne Happers einzige Facharbeit inhaltlich beurteilen zu können, ist mein Resümé: Es scheint sich um eine in der Fachwelt praktisch nicht wahrgenommene Außenseiterarbeit zu handeln, die wahrscheinlich widerlegt ist. Auch das spricht nicht dafür, Happer den Status eines Klimaexperten zuzusprechen.

  12. Zitat:
    Vielleicht gibt es ja gelegentlich das Genie, das jahrelang still vor sich hin werkelt ohne zu publizieren, um dann eines Tages unser Verständnis des Kosmos umzukrempeln.

    Mag es ja geben.

    -> Ja, wieso nur so selten?
    Gerade weil die gWissenschaftsgemeinschaft eine eigene Idee davon hat, was als “relevant” gilt und was nicht. Die im Detail wesendlichen Inhalte mögen oft als unrelevant erkannt werden. Aber vielleicht passen sie auch einfach nicht gegenwärtige wissenschaftliche Weltbild (welches es unzweifelhaft gibt – sich aber noch als derart “relevant” erweisen muß)?
    Und dann kann man ewig auf “Zitierungen” warten oder nur mit direkter Kritik am falschen Inhalt rechnen.

    Das ist dann etwa auch die Situation, wie in kommentar:
    DH
    9. September 2018 @ 22:47

    In ihrem ersten Antwortkommentar oben haben Sie das IPCC kurz beschrieben. Mir ist dabei aufgefallen (oder die Ahnung davon, weil ich neulich hörte, das IPCC macht keine eigenen Studien), dass diese Institution quasi einzigartig in der Wissenschaftslandschaft ist….obwohl es keine Wissenschaft praktiziert.

    Würden sie, Herr Rahmsdorf, dem zustimmen?

    Ein wenig weiter unten erklären sie:

    Da gibt es einen fundamentalen Unterschied zwischen den Naturwissenschaften, wo die Methodik und die Gesetze der Physik klar und unumstritten sind, und Gesellschaftswissenschaften, wo es Denkschulen und Lagerbildung je nach Weltanschauung gibt.

    -> Das kann ich nur ansatzweise als ein gültiges Argument anerkennen. Es gab früher auch diese “Denkschulen” in den Naturwissenschaften.
    Und es gibt sie noch heute in Teilbereichen.
    Das einige wesendliche makrophysikalischen Erkenntnisse sich als unbestreitbar heute darstellen, ist unbestritten. Aber das gab es damals auch.

    Mit Sicherheit würde niemand erklären, dass das gegenwärtige Wissen um die Wirklichkeit allumfassend und erfüllend ist und gar in vollem Umfang der Wirklichkeit entspricht und diese vollumfänglich erfüllend beschreibt.

    Wer das behauptet, erkennt die Grenzen der gegenwärtigen Erkenntnisse nicht.

    Wie in diesem Kommentar angemerkt:
    Eberhard Freitag
    9. September 2018 @ 17:40

    -> Und sie sollten mit ihrem Beitrag nicht auch noch unterstützen, dass allein wegen “Glaubensfragen” sich im Wettstreit um die beste Beschreibung der Wirklichkeit jene beschreibung etabliert, die irgendwie durch Glaubenskriege zur Wahrheit geworden ist. Die Strategie, der Welt erklären zu wollen, wer als wirklicher Experte glaubhaft
    ist, entsspricht auch nicht der erforderlichen wissenschaftlichen Prämissen. die beste beschreibung wird sich durchsetzen. Nur beim Klimawandel ist leider es so, das man nicht so viele “Versuche” der Wirklichkeitsfindung haben wird. daraus entsteht Panik, die kaum hilfreich für die Lösung des Problems ist.
    Quasi-autoritär an hierbei nicht sehr aussagekräftigen Wissenschaftsstrukturen (Zitations-Quote) die Glaubwürdigkeit zu erzwingen, erzeugt “Gläubige”, keine Wissenden.

    Und das ist eine beunruhigende Szenerie, die nur dann auftritt, wenn Menschen allzu Gläubig sind – vergleichbar mit traditionel fundamentalistischer Religiösität.

    “Gläubigkeit” aber ist ja das Problem im Sinne der Aufklärung. Daher ist es unrühmlich, wenn man, wie sie hier im Beitrag Oben, zu sehr darauf bestehen, die wahren Spezialisten müsse man ja an den Funktionen des Systems erkennen.

    Solcherart “autoritärer” Zwangsglaube ist schon immer Anzeichen von sehr speziellen gesellschaftlichen Schieflagen gewesen. Und das, wo wir doch mehrere hundert Jahre in der aufgeklärten Gesellschaft leben und forschen!

    Ich will hier nicht den Klimawandel leugnen. Dieser findet statt. Aber er findet sowieso statt und wird mit relativer Sicherheit nicht zu verhindern sein. Weil diese “Zivilisation” in einer Entwicklungsphase eingetreten ist, die nie wieder rückgäng zu machen sein wird. Ausser, die Zivilisation bricht global zusammen, was eine Katastrophe ganz anderer Art wäre.

    Nicht nur christliche Apokalyptriker reden zuweilen vollkommen gerechtfertigt über eben diese Apokalypsen…und Weltuntergänge. Denn es hat sie immer schon gegeben und es wird sie wohl immer wieder geben – egal, in welcher Form.
    meistens waren es Katastrophen, die regional oder lokal stattfanden. Indem etwa Groß- oder Kleinreiche zusammenbrachen. Manche fanden aber global wirksam statt, wie etwa die Ursache des Aussterbens der Dinosaurier.

    Und wenn möglicherweise nur das CO2 das Problem ist, so wird es eine Katastrophe mit globalem Ausmaß werden. Und wenn es nicht am CO2 liegen wird, kommt diese Katastrophe trotzdem. Wieso?
    Weil es eben auch an Quantengravitation liegen kann, die spezielle Mechanismen in er Atmosphäre beeinflusst – im Zusammenhang mit allem Leben und deren Bedürfnisse auf der Erdoberfläche. Auch werden wohl Ladungspotentialunterschiede zwischen Erdoberfläche und Ionosphäre Einflüsse darauf ausüben, wann und wie Wasserdampf in der Atmosphäre kondensiert und in Niederschlag übergeht.

    Solange diese Grundlagen der Bedingungen von Atmosphären in Verbindung mit der Quantenphysik nicht erfüllend erforscht sind, solange wird man nur erklären können, das es einen Klimawandel gibt, nicht aber, wie er funktioniert. Und auch nicht, was dagegen sinvollerweise zu machen sei.

    Und ich gehe davon aus, dass mit CO2-Reduzierung dieser Klimawandel nicht aufzuhalten ist. Sondern, dass die einzige Möglichkeit, diesen klimawandel für alles Leben auf der Erde erträglich zu gestalten, nur in der Beherrschung der quantenphysikalischen Grundlagen in Verbindung mit den Bedingungen in der Atmosphäre ermöglicht werden können. Also etwa durch die Beherrschung der Kunst des kontrollierten Regenmachens. In der Regel kann man davon ausgehen, dass normalerweise immer genug Wasserdampf in der Atmosphäre enthalten ist, dieser aber nur nicht regelmäßig genug wieder kondensiert und zu Niederschlag wird.

  13. Herr oder Frau Krishna Gans,

    kommt jetzt eine EIKE-Quelle, wonach Lesch eine Grafik gefälscht haben soll? Überschrift: “Prof. Harald Lesch verwendet gefälschte Grafik”. Egal, diesseits des (Ver)leumdner-Mistes erklärt Lesch den menschenverursachten Klimawandel für den Laien verständlich und Rahmstorf wird kaum je was zu beanstanden haben, wie Lesch es rüber bringt, dass besser der Mensch aufhört zu kokeln mit Erdöl und Kohle relativ hurtig. Behaupte ich jetzt einfach mal so und überlege, ob man EIKE nicht verklagen könnte.

    https://www.youtube.com/watch?v=TG-Wu36-G7g

  14. zu William Happer:

    1. Happer is credited with a key insight in 1982 that made adaptive optics possible: there is a layer of sodium in the mesosphere, at around 90 to 100 km of elevation, which could be lit by a laser beam to make an artificial guide star. His idea was tested successfully by DARPA but classified for possible military applications. The military-designed technology was partially unclassified in 1991, after the same idea was independently proposed by two French astronomers. In 1994, Happer and co-authors published a declassified version of the JASON reports on adaptive optics.

    2. Happer disagrees with the scientific consensus on climate change, stating that “Some small fraction of the 1° C warming during the past two centuries must have been due to increasing CO2, which is indeed a greenhouse gas”, but argues that “most of the warming has probably been due to natural causes.” Michael Oppenheimer said that Happer’s claims are “simply not true” and that the preponderance of evidence and majority of expert opinion points to a strong anthropogenic influence on rising global temperatures. Climate Science Watch published a point-by-point rebuttal to one of Happer’s articles. A petition that he coauthored to change the official position of the American Physical Society to a version that raised doubts about global warming was overwhelmingly rejected by the APS Council.

    Das steht über Happer im englischsprachigen Wikipedia Artikel.

    Seine Ansichten erläutert er hier:

    https://thebestschools.org/special/karoly-happer-dialogue-global-warming/william-happer-interview/

  15. Lesch selbst ist in dem Fachgebiet Astrophysik zu hause und gibt bei der Klimawissenschaft den allgemeinen Stand der Wissenschaft wieder, soweit ich das sehen kann.

    Und das er vom ZDF als Experte für Klimawissenschaft vorgestellt wird, kann ich nicht bestätigen. Vielmehr schafft Lesch, Wissenschaft, selbst wenn es nicht sein Fachgebiet ist, auch dem geneigten Zuschauer zu erklären.

    Übrigens hat nie eine Dissertation geschrieben.

  16. @Demolog

    Ihr Zitat: “In ihrem ersten Antwortkommentar oben haben Sie das IPCC kurz beschrieben. Mir ist dabei aufgefallen (oder die Ahnung davon, weil ich neulich hörte, das IPCC macht keine eigenen Studien).”

    Mit dieser Erkenntnis sind Sie ehrlich gesagt ein bisschen spät dran. Denn genau unter dieser Prämisse wurde das IPCC 1988 gegründet, und daran hat sich in den letzten 30 Jahren auch nichts geändert. Im Grunde sind die Sachstandsberichte des IPCC ein groß angelegtes Review, das Tausende von wissenschaftlichen Arbeiten auswertet und zusammenfasst.

    Dem Rest Ihrer Ausführungen entnehme ich, dass Sie mit klimatologischen Erkenntnissen und dem gegenwärtigen Forschungsstand offenbar nicht sehr vertraut sind.

  17. Wikipedia hilft: “Harald Lesch (* 28. Juli 1960 in Gießen) ist ein deutscher Astrophysiker, Naturphilosoph, Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator.”
    Na – was macht ein Moderator?

  18. Haben Sie da einen Beleg für diese Behauptung, Herr Gans? Mir ist so eine Angabe des ZDF diesbezüglich nicht bekannt, genauso wenig eine entsprechende Einblendung im Bild.

  19. @Rahmstorf vom 9. September 2018: Ist die Biologie keine Naturwissenschaft? Ein ehemaliger Klassenkamerad von mir ist ein bekannter Affenforscher, er hat Zoologie studiert und jetzt eine Professur für Soziobiologie. Soziobiologen arbeiten v.a. mit spieltheoretischen Modellen, ein methodischer Ansatz, der vom Ökonomen Oskar Morgenstern begründet worden ist. Für eine erste Orientierung:

    https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/soziobiologie/62267

    Fachlich gilt für mich folgendes:
    a. Wirtschaftswissenschaft beschäftigt sich mit einem bestimmten Erfahrungsobjekt,
    b. Ökonomie ist ein langfristiges Fundamentalprinzip bzw. Resultat aller evolvierenden belebten Systeme,
    c. Ökonomik ist eine Forschungs-Methode, die den historischen oder zukünftigen Weg zu b. aufzeigt.

    Hier ein Literaturtipp zu b.: https://www.verlagdrkovac.de/978-3-8300-8022-0.htm

    Der weltweit meistzitierte Ökonom, Gary. S. Becker, hat den sog. „ökonomischen Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens“ entwickelt (das wäre dann also “Ökonomik”). Für Nicht-Insider mag eine „ökonomische Theorie der Ehe“ oder „der Kriminalität“ oder „der Demokratie“ zunächst skurril wirken, aber die empirischen Tests erbringen regelmäßig einen erstaunlich hohen Grad an Bestätigung. Ich wäre auf eine „ökonomische Theorie der Klimapolitik“ gespannt.

    Auf der makroskopischen Ebene ist Wirtschaftswissenschaft sehr komplex, hier gibt es methodisch-strukturelle Parallelen zur Klimatologie (Modellanalyse, Interdependenz, Simulation usw.). Ich würde die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Klima nicht einfach als Appendix der Physik betrachten. Bei der „Erforschung des Komplexen“ (Ilya Prigogine) handelt es sich für mich in methodischer Hinsicht um einen fachübergreifenden Forschungsbereich sui generis.

    Ökonomen deduzieren aus Verhaltensannahmen, das ist, wenn es vernünftig betrieben wird, weitgehend angewandte Biologie. Bitte bei der Beurteilung anderer Fächer nicht einfach in eingefahrenen Bahnen denken!

  20. Krishna Gans
    10. September 2018 @ 22:30
    ….Prof. Dr. Harald Lesch einordnen, der vom ZDF ja als Experte auch in Sachen Klima vorgestellt wird ?
    _____________________________________________________________________
    Wird er das denn wirklich?? Dann wäre der Begriff Experte aber sehr weit gefasst.
    Lesch ist bekanntermaßen Astrophysiker, der sich sehr unterhaltsam auch mit allen möglichen anderen Themen befasst.
    Seine Darstellungen sind leider oft etwas “schnuddelig”, sogar in seinem eigenen Fachgebiet. Bisweilen sogar regelrecht falsch.
    Trotzdem weckt er Interesse und Begeisterung für die jeweiligen Themen.
    Genau das ist sein “Job”. Und den macht er sehr gut.
    Gruß Frankfurter

  21. @Krishna Gans
    Ist für Sie ein Experte nur dann ein Experte wenn er zu einem Thema forscht?
    Ein Heizungsbaumeister ist für mich auch ein Experte in Sachen Heizung. Aber er forscht nicht selber. Er “baut” nur Heizungsanlagen. Warum sollte Herr Lesch kein Experte sein. Wenn er aufgrund seiner Ausbildung die wissenschaftlichen Arbeiten anderer Verstehen, einordnen und bewerten kann. Und wenn er dann auch noch dieses Wissen anderen verständlich machen kann, warum sollte Herr Lesch dann kein Experte sein? Mit Sicherheit ist er mehr Experte als alle selbsternannten Schreiberlinge, die durch angebliches eigenständiges Nachdenken zu den abenteuerlichsten „alternativen Fakten“ kommen.

  22. Vor Jahren versuchte ich beim Deutschen Wetterdienst, Informationen über Windgeschwindigkeiten in verschiedenen Regionen Deutschlands zu erhalten- ohne Erfolg.
    Vielleicht können Sie mir dazu Tipps geben?

  23. Die Anzahl von Publikationen in der Wissenschaft ist als alleiniges Kriterium sehr problematisch.

    Beispiel:

    100 Wissenschaftler arbeiten an einem Thema. 95 Wissenschaftler sind sich weitest gehend einig aber 5 kommen zu anderen ergebnissen. Wobei einer durch gute Darstellung sich hervor tut aber sich mehr auf seine 4 Kolegen stützt. Dieser eine taucht dann immer wieder in den Publikationen der übrigen 95 auf. Und am ende ist tatsächlich der meißt zitierte.

    Ist dann dieser eine DER Experte?

    Noch problematischer sind politisch aufgeladene Themen. Hier kommen noch wissenschafts ferne verzerrende Elemente dazu.

    Diese beiden Faktoren sollten Sie bedenken, wenn Ihre Arbeit wirklich werthaltig sein soll.

    • Da Wissenschaftler die Dinge fachlich beurteilen können, lassen sie sich in der Regel nicht durch gute Darstellung blenden sondern erkennen, wer wirklich für neue Forschungserkenntnisse verantwortlich ist. Das korrekte zitieren der originalen Quelle ist ein wichtiger Aspekt der Wissenschaft, den man auf der Uni lernt.

  24. dem Artikel des Herrn Freitag vom 9. September kann ich nur voll zustimmen mit einer kleinen Ergänzung: der Weg zum C02, nämlich die exotherme Oxidation, die Verbrennung von Holz, Kohle, Gas, Öl etc. im Lauf des letzten Jahrhunderts führte zur verwunderlich geringen Erwärmung. Das C02 ist nur das Fieberthermometer, das in der Athmosphäre als Reflektor oder Absorber nur eine geringe Wirkung haben kann. Nach wie vor geht es um den kondensierten Wasserdampf ohne den es ungemütlich kalt wäre auf dieser Erde.

    • Der Wasserdampfgehalt der Atmosphäre hängt direkt von der Temperatur ab, damit ist Wasserdampf wichtig, aber nur als Rückkopplung. Die Wasserdampfrückkopplung verstärkt den Effekt unserer CO2-Emissionen auf das Klima.

  25. @ Herr Golzower:
    Sie bemerken völlig richtuig, dass “Experte” keine geschützte Berufbezeichnung ist und dass daher

    sich so ziemlich jeder eitle Pfau mit diesem Titel schmücken

    könne. Völlig richtig. Aber: lesen Sie mal aufmerksam die deutschen Presseerzeugnisse! Sie werden zu dem Schluss kommen (müssen), dass nicht eitle Pfauen sich selber so titulieren, sondern dass es im Regelfall folgendermaßen läuft: Schreiberling XY vom Kleckersdorfer Anzeiger hat eine Ansicht, die ihm sehr am Herzen liegt und die er ganz autoritativ rüberbringen will. Also schreibt er nicht “ich meine, dass sich x, y, und z soundso verhält” – nein, er sucht sich irgendjemand, der genau das auch behauptet und schreibt dann dass “der renommierte Dingsbums-Experte YZ festgestellt hat dass sich x, y, und z soundso verhält”. Das ist eine ebenso weitverbreitete wie absolut zu verurteilende Unart, und ich bin durchaus der Meinung dass diese Unsitte in deutschen Medien noch viel verbreiteter ist als in denjenigen ausländisschen Medien, die ich dank eigener Sprachkenntnisse beurteilen kann.
    Und selbst wenn der Schreiberling solchess nicht im ungebremsten Missionseifer, sondern im guten Glauben macht so ist das Elend immer das gleiche: Unfähigkeit oder blanke Unwilligkeit, durch elementarstes Googeln nachzuschauen, welche Credentials der zum “Experten” hochgejazzte Mensch denn wirklich vorzuweisen hat.
    Wohlgemerkt: auch Wissenschaftler mit allerbestem Renommé können irren – und haben sich oft genug geirrt! – denken Sie an Prof. Virchows Beurteilung der von J. C. Fuhlrott beschriebenen Neandertaler-Skelette. Aber insgesamt irren sie eben eher seltener als Außenseiter ohne wissenschaftliche Credentials. Also sollte man als Nicht-Insider im Zweifelsfall sein Geld eben auf die (wissenschaftlichen) Favoriten setzen, gewissermaßen.

  26. Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    ich widerspreche Ihnen. Ich weiß aus meiner eigenen Forschung gut genug, dass die Wissenschaft eine Hure ist, die einerseits versucht ihr spezielles Forschungsgebiet in den Vordergrund zu rücken, möglichst durch katastrophale Meldungen, die es unbedingt erforderlich machen, noch mehr Geld diesem Gebiet zur Verfügung zu stellen, andererseits Ergebnisse eher in die Richtung des Geldgebers zu deuten als in die andere.

    Speziell auf dem Gebiet der Klimaforschung gibt es auch genügend Beispiele, bei denen echte Experten in der Öffentlichkeit Aussagen getroffen haben, hätten sie diese in Publikationen getätigt, wären sie dafür auseinander genommen worden bis zum geht nicht mehr. Hat nicht ein sehr prominenter Kollege von Ihnen dies Kommentiert mit ‘Würden wir es nicht so überzogen darstellen, würden wir keine Aufmerksamkeit bekommen’?

    Für weniger ideologisch aufgeladene Themenfelder stimme ich Ihrem Ansatz zu, bei eben jenen nicht.

    • Das Klimaproblem braucht kein Wissenschaftler überzogen darzustellen. Sie nennen kein einziges konkretes Beispiel, und das angebliche Zitat halte ich bis zum Beweis des Gegenteils durch eine nachvollziehbare Quellenangabe für falsch. Vermutlich handelt es sich um die bekannte Falsch-Zitierung von Stephen Schneider aus dem Jahr 1989 durch Klimaleugner? Dass diese fast 30 Jahre alte Story heute immer noch aufgebracht wird spricht schon Bände.

  27. Das soll “wissenschaftlich” sein?? Die Anzahl der Zitate bestimmt die Qualität des Wissenschaftlers??
    Sie unterscheiden u.a. nicht ob jemand z.B. häufig als Negativbeispiel zitiert wird!
    Nach Ihrer Methode wäre auch Hitler der am höchsten renommierte Politiker, weil niemand so viel zitiert, in Dokumentationen und Forschungsarbeiten erwähnt wird, wie er!
    Behaupten Sie um Gotteswillen nicht, das wäre wissenschaftlich!

    • Natürlich werden auch Studien negativ zitiert, d.h. ihre Aussagen infrage gestellt oder widerlegt. Damit kommt eine Studie aber niemals annähernd auf hunderte Zitierungen, weil nicht hundert Studien alle wieder aufs neue sagen, dass eine Studie falsch ist. Das wird einige male gesagt, und dann wars das. Wenn die Gegenargumente stichhaltig sind, dann wird eine einmal als fragwürdig erkannte Studie kaum weiter zitiert.

  28. Nochmal zu William Happer:
    So fachfremd, wie ich bisher auch annahm, ist er dann doch wohl nicht.
    Gerade fand ich ein sehr langes und ganz neues Interview mit ihm, in dem das Thema Klimawandel den allergrößten Teil ausmacht:
    https://thebestschools.org/special/karoly-happer-dialogue-global-warming/william-happer-interview/
    In der Einleitung steht, dass Happer mehrfach vor verschiedenen Kongresskommittees zum Thema AGW / Klimawandel als Gutachter ausgesagt hat (engl: testimony).
    Ich habe infolge der Länge des Textes nur ein paar Stellen gelesen, wobei mir auffiel, dass er keineswegs ein Leugner des AGW ist, aber viele Aussagen des IPCC und der Klimawissenschaft sehr skeptisch sieht.
    Er sieht die Klimasensivität des CO2 nahe bei 1°C und sieht eigentlich nur Vorteile durch die Zunahme des CO2 – doch das ist alles sehr umfangreich von ihm beschrieben, das muss man selbst lesen.

  29. Gutes Thema.

    Was ist für mich ein guter Wissenschaftler? – Neben seinem Fachgebiet, muß er die Fähigkeit besitzen, Probleme. Lösungen einfach ,auf Logik (persönliche Erfahrungen) bauend, dem Normalbürger erklären zu können! Beispiel: abtauende Eiskappen! mit Eiswürfel im Glas. Wechselwirkung von verschiedenen Faktoren – Kippeffekt! mit Gesunheitsprobleme Älterer. Immer gibt es Beispiele, welcher jeder versteht!

  30. @ DH
    “Wenn das aber gegeben ist, sind Naturwissenschaften genauso leicht auf Linie zu bringen wie andere auch.”
    Vielleicht ist es etwas ketzerisch, aber nach dem Motto:
    Die Hand die einen füttert beißt man nicht.
    Wird ein Forscher, der sich wie die meisten durch öffentlich geförderte Gelder finanziert nicht unbedingt Ergebnisse aus Modellrechnungen veröffentlichen, die besagen, dass sein Forschungsgegenstand keine großen Auswirkungen auf die Zukunft der Menschheit hat. Er will verständlicherweise morgen ja auch noch seine Familie ernähren können.

  31. ich widerspreche grundsätzlich!
    Nicht unbedingt auf diesen Artikel hier, da ich eben keiner der oben zitierten Experten bin.
    Allerdings möchte ich zu bedenken geben das eine hohe Anzahl von Zitaten, bzw. von Veröffentlichungen mitnichten von hohem forscherischen Wert sein müssen, und hohem Wharheitsgehalt, sondern in erster Linie von guter Vermarktung Zeugnis tragen.
    Wir alle wissen dass Lobbyverbände erstklassige Arbeit machen um Ihre Sicht der Dinge unter das Volk zu bringen. Eines der Paradebeispiele für mich ist die Cholesterin-Thematik.
    Bei der Klimadiskussion könnten die Interessenlagen konträrer nicht sein. Daraus folgt eine sehr einfache Regel: “Wer hat das bezahlt??” Mit dem Ursprung der Mittel lässt sich im Regelfall sehr einfach auch das Ziel ableiten. Den “Ursprung” herauszufinden, mag mitunter schwierig sein, und hier setzt meines Erachten seriöse journalistische Arbeit an.
    Von der ich mir mehr wünschen würde…..

    • In der Tat ist die Frage nach dem Geldgeber wichtig. Die seriöse Klimaforschung findet zum allergrößten Teil an öffentlichen Forschungsinstituten und Universitäten statt, die im Dienste der Öffentlichkeit arbeiten und vom Steuerzahler finanziert werden. Die Klimaleugner dagegen arbeiten entweder offen for Think Tanks, die von Interessengruppen finanziert sind, oder verschweigen (wie Willie Soon) gar heimliche Finanzierung durch die fossile Energiewirtschaft. Seit vielen Jahren habe ich immer wieder Journalisten gebeten, den Geldgebern der Klimaleugner nachzuforschen. Erst in letzter Zeit passiert das auch in Deutschland, siehe diesen TV-Beitrag zu EIKE.

  32. Herr Rahmstorf, mich würde auch interessieren, ob Sie Herrn Lesch zu den Klimaexperten zählen, da er auch bei Ihnen im PIK-Observatorium dreht. Herr Ranga Yogeshwar tritt ebenfalls im TV in Talkshows und seinen Sendungen oft als Klimaexperte auf. Würden Sie den auch zu den Klimaexperten zählen?

  33. Herr Rahmstorf, Herrn Lesch und Herrn Yogeshwar zählen Sie also zu den Vermittlern von Klimawissenschaft. Ich frage mich, wie man als Nicht-Klimaexperte etwas vermitteln kann, wofür man nicht “Experte” ist? Man kann als Nicht-Experte eigentlich nur Meinungen vermitteln. Das ist das Problem. Die Zuschauer und Leser können sich ebenso nur eine Meinung bilden, dass Thema aber selbst nicht beurteilen, da sie keine Experten sind. Dieses Problem sehe ich auch bei der “Expertenfindung”. Einstein galt seiner Zeit in Deutschland nicht als “Experte”. Zitiert wurde er in Deutschland nicht, war aber trotzdem der Experte in Sachen Relativitätstheorie und Gravitationswellen, etc.. Ebenso Galilei in der Astronomie, soweit ich das beurteilen kann. Seinerzeit waren aber die Schriften und Zitierungen der Kirche ausschlaggebend. Im Grunde genommen können nur die Experten selbst die Dinge beurteilen. Wer wen wie oft zitiert entscheiden idR auch keine Experten. Dabei kommt es darauf an, wer die meisten Artikel schreibt und einreicht und dann am meisten zitiert wird. Die Leute, die da zitieren sind idR auch kein Klimaexperten. Das sind meisten Leute, die bisher nicht oft zitiert wurden, folglich auch keine “Klimaexperten” sind. Und wenn ein “Klimaexperte” den anderen zitiert, weil man sich und die Arbeiten seiner Kollegen gut kennt, ist das auch kein Gütesiegel. Bei den bekennenden Leuten, die für den Klimaschutz eintreten, haltet es sich folglich um Leute, die keine “Klimaexperten” sind und sich nur eine Meinung gebildet haben, anhand von Leuten, die ihnen sagen, wer die “Experten” sind. Diese Leute haben weder selbst Daten ausgewertet, noch eigene Erfahrungen in der Klimaforschung, meinen aber zu glauben, wer “Experte” ist und wie zu handeln ist. Da liegt das Problem. Die Lösung liegt darin, dass diese Leute an die Unis gehen und Vorlesungen in Klimaforschung belegen, um sich selbst eine Meinung bilden zu können. Z.B. anhand der eigenen Auswertung von Daten und deren Interpretation. Das habe auch ich gemacht.

  34. Etwas weniger euphorisch würde ich sagen. Sie (Lesch und Yogeshwar) machen einen Job, der sein muss und der interessierte Laie kann etwas dabei lernen. Ich möchte nochmals zurückkommen auf den Beitrag von Wolf Niese vom 11. September. Es geht um eine Grafik, die Herr Lesch im Fernsehen verwendet hat,
    https://tinyurl.com/ybr7a9vc
    Eike hat das sehr ausgeschlachtet. Rechts ist die Version von Lesch und links eine wohl ältere Wikipedia-Version. Das Dumme ist, dass beide Grafiken identisch sind bis auf die Zeitskala. Diese endet in der ersten Grafik bei 1990 und in der zweiten bei 2015. Eike macht daraus einen Betrugsvorwurf. Ärgerlich kann man das Ganze schon finden und man darf wohl erwarten, dass Herr Lesch dazu Stellung nimmt. Mir ist nicht bekannt, dass er sich dazu geäußert hat. Vielleicht weiß jemand was hier im Blog. Mein eigener kleiner Versuch, bei Herrn Lesch persönlich nachzufragen, blieb unbeantwortet. Das nehme ich nicht weiter übel, aber eine Erklärung hätte ich schon gern und grabe daher noch weiter nach.

  35. Stichwort Harald Lesch: Seit Lesch die Aussagen zum Klima in einem gewissen Parteiprogramm als das entlarvt hat, was sie sind – nämlich eine Sammlung unzutreffender und falscher Aussagen -, gilt er jenen Kreisen, die dieses Parteiprogramm vertreten, als persona non grata – mit der Folge, ihn in Misskredit zu bringen, wo es nur geht.

  36. @Henry Meyer: “Wir alle wissen dass Lobbyverbände erstklassige Arbeit machen um Ihre Sicht der Dinge unter das Volk zu bringen.”

    Bloß wie schaffen es Lobbyverbände, dass tausende Wissenschaftler die Arbeit eines bestimmten anderen Wissenschaftlers zitieren? Ich befürchte, wir kommen in der Diskussion nicht sonderlich weit, wenn man viele Aspekte, die mit dem eigentlichen Inhalt des Artikels wenig zu tun haben, in einen Topf werfen. Die Frage war ja, woran erkennt man einen Klimaexperten? Die Frage ist analog zu, wie erkennt man überhaupt einen Experten.

    “Bei der Klimadiskussion könnten die Interessenlagen konträrer nicht sein. Daraus folgt eine sehr einfache Regel: “Wer hat das bezahlt??” Mit dem Ursprung der Mittel lässt sich im Regelfall sehr einfach auch das Ziel ableiten.”

    Nach derselben Argumentation haben wir auch eine staatsgelenkte Mathematik, Physik, Biologie usw., weil zu großen Teilen der Staat die Forschungsgelder ausgegeben hat. Es käme aber wirklich kaum jemand auf die Idee, die Forschungsergebnisse der Mathematik aus genau dem Grund anzuzweifeln. Selbst dann nicht, wenn die Ergebnisse damals aus der UdSSR oder China kamen. Wer wirklich glaubt, dass der Geldgeber die Wissenschaft erheblich in seinen Aussagen beeinflusst, der muss konsequenterweise jede Publikation aus staatlich finanzierten Instituten in Zweifel ziehen und nicht nur in den Klimawissenschaften.

  37. Herr Rahmstorf, u.a. aufgrund der Weltuntergangsszenarien, welches Herr Schellnhuber, Sie und das PIK, also die Klimaexperten an die Wand mahlen, fühlen sich gerade sog. “Klimaaktivisten” im Hambacher Forst dazu aufgerufen gegen den Statt (Gerichte, Polizei) zivilen Ungehorsam zu praktizieren und Gewalt auszuüben. Es würde mich interessieren, ob Sie sich dafür mit verantwortlich fühlen?

    MfG

    Martin Grube

  38. @Thomas Mayer

    Da hat Herr Rahmstorf absolut recht. Die Stellung eines Wissenschaftlers in der Community beruht hauptsächlich auf der Anzahl von Zitierungen in der Fachliteratur. Diese werden in der Regel zum sogenannten h-index zusammengefasst.

    https://de.wikipedia.org/wiki/H-Index

    Daneben sind noch ein paar “Kleinigkeiten” zu beachten, zum Beispiel die Reputation des Journals, in dem publiziert wird (die sich wiederum im “Impact Factor” widerspiegelt), sowie das Erscheinungsjahr und das Themenfeld. Eine Studie über die benthischen Foraminiferen des Eozäns (die durchaus klimatische Relevanz haben kann) mit 25 Zitierungen gilt dabei in der Fachwelt als durchaus gelungen und anerkannt, während andere Themen, die auf ein breitgefächertes Interesse stoßen, im Laufe der Zeit manchmal drei- oder vierstellige Zitierungen aufweisen.

  39. @Kai Fuchsberger
    Man könnte auch umgekehrt sagen, daß öffentlich geförderte Forschung angehalten ist, keinen Alarm zu schlagen und in die von Teilen der Politik gewünschte “Uns gehts doch gut” -Symphonie mit einzustimmen.
    Die Frage der Finanzierung ist immer ein Problem, stimme zu, ein hochpolitisches dazu.
    Unter anderem deshalb hat die Wirtschaft ein so großes Interesse an der Ausdünnung der öffentlichen Haushalte und dem daraus -unter anderem- folgenden Druck auf Forschung und Bildung, die berüchtigten “Drittmittel” in Anspruch nehmen zu wollen, großer Einfluß der Geldgeber inklusive.
    Öffentliche Förderung ist bestimmt nicht perfekt, aber das sind immerhin noch wir alle. Aus meiner Sicht immer noch das bessere Modell, das eine gewisse Unabhängigkeit nicht garantiert, aber die Chancen darauf deutlich erhöht.

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