• Von Stefan Rahmstorf
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Schönheit der Wolken

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KlimaLounge

In den Sommerferien einmal nichts zum Klima, sondern ein Beitrag über Wolken: den Himmel fotografieren mit iPhone und HDR-App.

altRegenschwaden fallen aus einer Gewitterwolke über dem schweizerischen Ufer des Bodensees: ein Schauspiel, das sich hier im Sommer oft beobachten lässt. HDR bringt die eindrucksvollen Wolkenstrukturen erst richtig zur Geltung.

Ich liebe Wolken. Weshalb sie nicht nur im Titel meines aktuellen Buches Wolken, Wind & Wetter stehen sondern dort auch ausführlich besprochen werden. Doch wer den Wolken den ihnen gebührenden prominenten Platz in Landschaftsfotos geben möchte, der kennt das Dilemma: belichtet man auf den Himmel, ist die Landschaft oft unterbelichtet und düster, vor allem, wenn sie nicht von der Sonne beschienen ist. Belichtet man dagegen die Landschaft richtig, ist der Himmel zu hell und ausgewaschen und die Wolken blass oder gar unsichtbar. Unser Auge hat das Problem nicht, denn es nimmt eine Szene nicht in ihrer Gesamtheit in einer „Belichtung“ wahr, sondern indem es von hier nach dort wandert und dabei automatisch Fokus und Helligkeit anpasst.

altLandschaft bei Ahrenshoop. Ein typischer Problemfall: bei einem normalen Foto wäre entweder der Himmel zu blass oder das Feld vorne zu dunkel geworden. Das Bild zeigt aber zugleich ein Problem von HDR: der Stiel des vom Wind bewegten Wiesen-Bärenklau nahe der Bildmitte erscheint doppelt.

In der klassischen Fotografie gibt es zahlreiche Tricks, das Problem zu umgehen. Der Himmel wird mit Hilfe von Polarisationsfiltern oder partiellen Graufiltern dunkler gemacht, in der Schwarzweiß-Fotografie auch mit Gelb- und Orangefiltern (die ich auch noch in der Schublade habe). Und wer regelmäßig seine Abzüge selbst in der Dunkelkammer erstellt, hat sicher öfter mal den Himmel nachbelichtet.

altBei diesem Himmel muss man kein Experte sein um zu erkennen, dass ein Schauer droht!

Mit der Digitalfotografie ist nun eine weitere Möglichkeit hinzugekommen. Was liegt näher, als einfach zwei Bilder zu machen und sie dann zu kombinieren: eines auf den Himmel belichtet und eines auf die Landschaft? Das ist (vereinfacht gesagt) die Grundidee der HDR-Fotografie, wobei das Kürzel HDR für den etwas sperrigen Anglizismus „high dynamic range“ steht. Ein Bild aus zwei oder mehreren zusammenrechnen, das können Computer gut – wie man es aus den praktischen Panomara-Apps wie AutoStitch oder 360 Panorama kennt.

alt altDie gleiche Szene zum Vergleich oben normal, unten als HDR-Bild. Bei diesem Licht ist das normale Foto im Himmel ausgewaschen und vorne trübe und kontrastarm; das HDR-Foto kommt dem Eindruck des Auges deutlich näher.

Meister der HDR-Fotografie zaubern damit Bildwelten, die irgendwo zwischen surreal und hyperreal angesiedelt sind (siehe etwa diese Bildserie von Urbex Maestro von den verlassenen Heilstätten Beelitz, unweit von Potsdam). Faszinierend, aber nichts für mich, dachte ich lange. Denn ich gehöre zu den altmodischen Menschen, die immer noch am liebsten auf Film fotografieren (vor allem mit meiner Mamiya 6 Mittelformatkamera) und keine Lust haben, stundenlang Bilder am Computer zu bearbeiten. Bis ich letztes Jahr ein iPhone 4 bekam, wo HDR einfach als Option anwählbar ist.

altStrandszene auf dem Darss.

Schon in der Grundausstattung kann man bei der iPhone-Kamera HDR einschalten und damit ganz normal ohne Mehraufwand fotografieren. Ich habe das einige Male ausprobiert, fand die Ergebnisse aber durchweg unbefriedigend. Erst kürzlich erfuhr ich dann von der Pro HDR App, mit der ich die Beispielfotos zu diesem Artikel gemacht habe. Im Automatikmodus muss man dabei auch nur auf den Auslöser drücken, der Rest geschieht von selbst. Allerdings muss man einige Sekunden warten, bis das Bild fertig ist, weil die App erst den Bildkontrast analysiert und dann zwei Fotos macht; danach dauert es weitere Sekunden, bis das kombinierte Bild errechnet ist. Die Ergebnisse sind oft schon ziemlich gut.

altHDR muss keine dramatischen Effekte ergeben: an diesem Bild gefällt mir gerade, dass es nicht auf den ersten Blick als HDR-Aufnahme auffällt.

Bei dieser App kann man aber auch von Hand eingreifen und die Belichtung der beiden Einzelbilder selbst festlegen. Dazu muss man nur zwei kleine Fenster auf die Bildbereiche ziehen, auf die belichtet wird. Nach ein paar Versuchen hat man schon raus, wie man damit den HDR-Effekt stärker oder subtiler gestalten kann. Das ist wichtig: das Problem mit HDR ist, dass die Bilder schnell künstlich oder schrill aussehen. Ein zweites Problem sind bewegte Objekte: die erscheinen mal doppelt, mal gar nicht oder auch mal „normal“, je nachdem, welche der beiden Belichtungen im entsprechenden Bildbereich wie stark verwendet wurde. Zum Fotografieren von Menschen ist HDR daher weniger geeignet – auch wenn sich damit manchmal lustige Effekte erzielen lassen. Bei Landschaftsfotos ist es meist kein Problem, aber bei rasch veränderlichen Wolken können sich die 1-2 Sekunden Abstand zwischen beiden Belichtungen schon bemerkbar machen. Einige Wolkenkonturen erscheinen dann doppelt.

In vielen Fällen ist HDR aber eine sehr gute Möglichkeit, die Schönheit der Wolken in Landschaftsbildern besser zum Ausdruck zu bringen. Wer ein iPhone hat, sollte es einfach ausprobieren: es macht Spaß und ist kinderleicht.

altSpaziergang an der Ostsee.

Link: Mehr Fotos von mir gibt’s bei Flickr.

http://de.wikipedia.org/wiki/HDR-Fotografie
Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.