Können Bäume das Klima retten?

Die letzten Wochen hat eine neue Studie von Forschern der ETH Zürich für weltweite Schlagzeilen gesorgt (Bastin et al. 2019). Es geht um Bäume. Die Forscher hatten sich die Frage gestellt: wieviel Kohlenstoff könnten wir speichern, wenn wir überall dort auf der Welt Bäume pflanzen, wo das Land nicht schon für Ackerbau oder Städte genutzt wird? Da die Blätter der Bäume diesen Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid – CO2 – aus der Luft ziehen und dann den Sauerstoff – O2 – wieder freigeben, ist das eine tolle Klimaschutzmaßnahme. Die Forscher kamen auf 200 Milliarden Tonnen Kohlenstoff – vorausgesetzt wir pflanzen über tausend Milliarden Bäume.

Der Knalleffekt der neuen Studie beruhte vor allem auf der Aussage der Pressemitteilung der ETH, Bäume könnten damit zwei Drittel der bisherigen menschengemachten CO2-Belastung ausgleichen. Die Folgen von über zwei Jahrhunderten industrieller Entwicklung mit einer derart simplen und wenig kontroversen Maßnahme zum größten Teil ausgleichen zu können – das klingt wie ein Wunschtraum! Und wurde umgehend begrüßt von jenen, die von Klimaschutz träumen, der niemandem weh tut:

Leider ist es auch zu schön um wahr zu sein. Denn dabei werden Äpfel mit Birnen verglichen und wichtige Rückkopplungen im Erdsystem vergessen. Mit ein paar Grundfakten zum CO2-Anstieg in unserer Atmosphäre ist das leicht zu verstehen. Die Menschheit pustet derzeit jährlich 11 Milliarden Tonnen Kohlenstoff (Gigatonnen C,  abgekürzt GtC) in Form von CO2 in die Luft – Tendenz steigend. Diese 11 GtC entsprechen 40 Gigatonnen CO2, weil das CO2-Molekül 3,7-mal schwerer ist als nur das C-Atom. Seit dem Jahr 1850 waren es insgesamt 640 GtC – davon 31 % durch Landnutzung (meist Abholzung), 67 % durch fossile Energienutzung und 2 % sonstige Quellen. All diese Zahlen sind vom Global Carbon Project, einem internationalen Forscherkonsortium, das sich dem Monitoring von Treibhausgasen widmet.

Die Folge ist, dass die CO2-Menge in unserer Luft um die Hälfte angestiegen ist und damit höher liegt als seit mindestens 3 Millionen Jahren (Willeit et al. 2019). Das ist der Hauptgrund der fortschreitenden Erderhitzung; der Treibhauseffekt von CO2 ist seit dem 19. Jahrhundert bekannt, physikalisch verstanden und in der Wissenschaft völlig unumstritten.

Raum für mehr Bäume? Schafland in Neuseeland auf abgeholzten Flächen.
Raum für mehr Bäume? Schafe weiden auf abgeholzten Flächen in Neuseeland. (Foto S.R.)

Doch jetzt kommt’s: dieser CO2-Anstieg in der Luft entspricht nur einer Gesamtmenge von knapp 300 GtC, obwohl wir 640 GtC emittiert haben! Das bedeutet: zum Glück ist nur weniger als die Hälfte unserer Emissionen in der Luft geblieben, der Rest ist von Ozeanen und Wäldern aufgenommen worden. Was nebenbei auch der Beweis dafür ist, dass der CO2-Anstieg in der Atmosphäre komplett vom Menschen verursacht wurde. Das zusätzliche CO2 kommt nicht etwa aus dem Ozean oder anderswo aus der Natur – lassen Sie sich da keinen Bären von der AfD aufbinden. Das Gegenteil stimmt: das natürliche Erdsystem zieht einen Teil unserer CO2-Belastung wieder aus der Atmosphäre heraus.

Umgekehrt bedeutet das aber auch: wenn wir 200 GtC aus der Atmosphäre herausholen, dann nimmt die Menge in der Atmosphäre nicht um 200 GtC ab, sondern um deutlich weniger, weil Ozeane und Wälder auch dies abpuffern. Auch das ist in der Fachliteratur schon genauer untersucht worden (Jones et al. 2016). Sinnvoller ist es daher, die CO2-Aufnahme von gepflanzten Bäumen als „negative Emission“ zu betrachten und mit unseren sonstigen Emissionen zu vergleichen. Die 200 GtC wären weniger als ein Drittel der 640 GtC Gesamtemissionen, nicht zwei Drittel. Und die Autoren der neuen Studie sprechen davon, dass es fünfzig bis hundert Jahre dauern würde, bis die tausend Milliarden Bäume 200 GtC gespeichert haben – im Schnitt wären das also 2 bis 4 GtC pro Jahr, um die unser derzeitiger Ausstoß von 11 GtC jährlich reduziert würde. Also um rund ein Fünftel bis ein Drittel – und dieser Anteil wird kleiner wenn die Emissionen weiter wachsen. Das klingt schon ganz anders als die Aussicht, gleich zwei Drittel des Klimaproblems mit Bäumen zu lösen. Und gerade weil Aufforsten sehr lange dauert sollte es tabu sein, heute noch alte ausgewachsene Wälder wie den Hambacher Wald abzuholzen, die große Kohlenstoffspeicher und eine wertvolle Schatzkammer der biologischen Vielfalt sind.

Dazu kommt noch ein Problem, das die Autoren nicht erwähnen: ein erheblicher Teil des für die Pflanzung infrage kommenden Landes liegt im hohen Norden in Alaska, Kanada, Finnland und Sibirien. Dort kann man zwar auch mit Bäumen Kohlenstoff speichern, wenn auch sehr langsam – aber für das Klima wäre das sogar kontraproduktiv. Denn in schneereichen Gegenden sind Wälder viel dunkler als schneebedeckte unbewaldete Flächen. Während letztere viel Sonnenstrahlung ins All zurückspiegeln, nehmen die Wälder sie auf und heizen damit netto die Erwärmung an statt sie zu reduzieren (Bala et al. 2007, Perugini et al. 2017). Eine verstärkte Erwärmung gerade der arktischen Permafrostgebiete wäre alles andere als ratsam, denn im Permafrost schlummert mehr Kohlenstoff als in allen Bäumen der Erde zusammen: rund 1.400 GtC. Diesen schlafenden Riesen sollten wir keinesfalls wecken.

Und es gibt noch weitere Fragezeichen. Die Forscher haben auf hoch aufgelösten Satellitenkarten mit Hilfe von Google Earth analysiert, wo es geeigneten Platz für Wald gibt, auf dem derzeit keiner wächst, und dabei Ackerland und Städte ausgespart. Mit Hilfe von Machine-Learning-Technologie wurden naturbelassene Flächen weltweit daraufhin ausgewertet, unter welchen Klima- und Bodenbedingungen Wald gedeihen kann. Die so gefundenen freien und geeigneten Landflächen belaufen sich auf 1,8 Milliarden Hektar – so viel wie die Fläche von China und den USA zusammen.

Bei vielen dieser Flächen dürfte es aber gute Gründe geben, warum dort kein Wald steht. Oft handelt es sich einfach um Weideflächen – dem entgegnen die Autoren, dass sie dort nur einen losen Baumbesatz angenommen haben, der für die Weidetiere sogar förderlich sein könnte. Das norddeutsche oder irische Weideland würde dann eher einer Savanne ähneln. Dennoch dürfte es auf vielen dieser Flächen erhebliche Hindernisse ganz unterschiedlicher Art geben, die aus der Vogelperspektive der Satelliten nicht ersichtlich sind. Auch die Autoren der Studie schreiben, dass es unklar ist, wie viel der gefundenen Flächen tatsächlich für Pflanzungen verfügbar wären.

Daher halte ich es noch für optimistisch, wenn auch nur die Hälfte des berechneten theoretischen Potenzials in der Praxis realisierbar ist. Dann sprechen wir von 1-2 GtC negativer Emissionen pro Jahr. Aber gerade die werden wir demnächst dringend brauchen. Denn die jetzigen globalen CO2-Emissionen können zwar durch Energie-, Wärme- und Mobilitätswende um 80-90 % verringert werden – aber es wird ein Rest bleiben, den wir nicht wegbekommen (z.B. aus der Landwirtschaft, industriellen Prozessen und Fernflügen) und den wir ausgleichen müssen, um das Weltklima zu stabilisieren.

Die Studie der ETH-Forscher hat aber noch ein weiteres wichtiges Ergebnis, über das kaum berichtet wurde. Ohne effektiven Klimaschutz wird die fortschreitende Erwärmung zu einem massiven Verlust von existierendem Waldbestand führen, vor allem in den Tropen. Dabei können die Modelle noch keine belastbaren Aussagen dazu machen, wie Wälder in einem sich ändernden Klima mit neuen Extremen, Feuer, tauendem Permafrost, Insekten, Pilzen und Krankheiten zurechtkommen.

Durch die Erderwärmung drohen massive Waldverluste (rot), vor allem in den Tropen. Abb. 3 aus Bastin et al., Science 2019

Das massive Pflanzen von Bäumen weltweit ist also ein Projekt, das wir rasch anpacken sollten – nicht mit Monokulturen sondern sorgfältig, naturnah und nachhaltig. Nur darf man sich keinen Wunschträumen darüber hingeben, wie viele Milliarden Tonnen das bringen wird. Und schon gar nicht der Illusion, man könnte sich deshalb beim Ausstieg aus der fossilen Energienutzung mehr Zeit lassen. Im Gegenteil – wir brauchen das rasche Ende der fossilen Energienutzung gerade auch deshalb, um die vorhandenen Wälder der Erde zu bewahren.

Links

Können wir durch großflächige Wiederbewaldung den Klimawandel stoppen? Forstexperte Marcul Lindner vom EFI weist auf die Brände in Russland und Erfolgsgeschichte in China hin.

How to erase 100 years of carbon emissions? Plant trees—lots of them. National Geographic zeigt die Bedeutung indigener Völker als Wächter des Waldes hin.

Restoring forests as a means to many ends Der Kommentar in Science zur Bastin-Studie dreht sich um die Frage, wie eine nachhaltige Aufforstung mit vielfachem Nutzen über die reine Kohlenstoffspeicherung hinaus gestaltet werden kann.

Wälder könnten zwei Drittel der menschengemachten CO2-Belastung ausgleichen Spiegel Online

Tree planting ‘has mind-blowing potential’ to tackle climate crisis Guardian

Wie die Studie zur Aufforstung diskutiert wird Bioökonomie.de

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

47 Kommentare

  1. Es gibt noch ein anderes Argument, dass wir mehr Zeit hätten. Das SPIEGEL-Interview (Abobereich/5. Oktober 2018), in dem der Klimaforscher Jochen Marotzke wohl gesagt hatte, dass sich die “Galgenfrist” verlängert, weil frühere Klimamodelle zu empfindlich waren. Weil Ozeane und Wälder mehr CO2 schlucken als gedacht. So wird es jedenfalls auf einschlägigen klimas(k)eptischen Internetportalen kommuniziert und so schwappt es in die Foren wie beispielsweise Zeitonline. Was ist davon zu halten? Würde mich sehr interessieren.

  2. Ja, Aufforstung hat das Potenzial in einer bereits weitgehend dekarbonisierten Wirtschaft zu insgesamt Nullemissionen zu kommen. Aber eben nur das Potenzial. In der Realität ist es bereits schwierig nur schon den heutigen Baumbestand zu halten. Das liegt vor allem daran, dass sich entwickelnde und sich industrialisierende Länder einen ähnlichen Pfad beschreiten wie Europa zu Beginn der Industrialisierung. Und dabei wird das Land erschlossen, was etwa bedeutet, dass Wälder von neu angelegten Strassen durchquert werden. Von Strassen, die auch die Erschliessung von Wäldern und den Abtransport von gefällten Bäumen erleichtern. Es gibt bereits eine Transamazonika und Rinderfarmen, Minen und Staudämmen entlang dieser Strasse. Dort wo früher Wald stand.
    Auch der Kongo-Urwald wird zunehmend von einem Strassennetz durchzogen ( siehe https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2019/06/blog-strassen-kongo-regenwald-kleinschroth.html ) mit ähnlichen Folgen.
    Dass Klimaschutzmassnahmen die Erschliessung der letzten Ur- und Regenwälder stoppen, ist wohl eher nicht zu erwarten.

    Das ist überhaupt das Hauptproblem des weltweiten Klimaschutzes. Er muss die Entwicklung und Industrialisierung miteinbeziehen. Es müssen Formen des Wirtschaftens und Wirtschaftswachstums gefunden werden, die die Emissionen kaum erhöhen. Das bedeutet aber, dass sich entwickelnde Länder nicht einfach den Entwicklungsweg etwa Chinas kopieren dürfen.

  3. Wieder ein toller und verständlich geschriebener Bericht!
    Ich hatte einige der Argumente schon gelesen. Aber nicht zusammenhängend und nicht mit Zahlen untermauert. Der Effekt der Baumpflanzung ist nochmals deutlich niedriger als ich vermutet hatte. r

  4. Hallo,
    habe mir sowas ähnliches schon gedacht.

    Bäume brauchen Zeit zum wachsen – vorallem um so groß zu werden, wie der Baum bei mir um die Ecke in Dresden vor kurzem wieder unnötigerweiße gefällt wurde… wahnsinn wie sich ein Ort ändert nachdem ein 20-30m großer Baum weggerissen wurde.

    …wenn diese Bäume die seit1850-akkumulativen Co2-Emissionen – “nur” zu 2/3 ausgleichen ist in der Zeit einiges hinzu gekommen… der Vergleich macht also keinen SInn, sondern man muss die gleichen Skalen dafür anwenden. Eine jährliche Co2-Emission mit einer akkumulativen Co2-Absorbtion – erst in vielen jahren – zu vergleichen macht also keinen Sinn.

    Ich dachte erst es wären 2/3 PRO JAHR – alles andere hätte ja keinen sinn gemacht.
    Bäume müssen schon 20-30+ jahre stehen um irgendwie zu wirken.

    An die Albedo Änderung durch Bäume im Polargebiet habe ich garnicht gedacht, stimmt auch, logisch. Aber – abgesehen davon ob das ökologisch überhaupt möglich ist – frage ich mich ob das so schlimm wäre, wenn man dadurch viel Co2 absorbiert?
    Da würde mich eine konkrete Rechnung in W/m2 oder ähnliches interessieren.

    Und zu guter letzt würde das – würde man es WIRKLICH ernst nehmen – einen sofortigen Kurzwechsel in der globalen Entwaldung bedeuten…
    von den aktuellen Feuern mal abgesehen… ist momentan nirgends in Sicht wie wir alle wissen.

    Dann lieber noch Windräder im Wald aufbauen: Wenn dafür eine Ölquelle (#DeepwaterHorizon) oder ein Braunkohle-Loch verhindert wird ist es das wert. Die Schäden bei denen sind viel höher.

    Es ist eine Tragödie was auf diesem Planeten abgeht.
    Mich würde interessieren wie das in 50 oder 100 Jahren dokumentarisch/filmisch verarbeitet wird – wenn dann überhaupt noch irgendwas verarbeitet wird.

    Liebe Grüße und halten Sie durch! 🙂

  5. “Ohne effektiven Klimaschutz wird die fortschreitende Erwärmung zu einem massiven Verlust von existierendem Waldbestand führen, vor allem in den Tropen. Dabei können die Modelle noch keine belastbaren Aussagen dazu machen, wie Wälder in einem sich ändernden Klima mit neuen Extremen, Feuer, tauendem Permafrost, Insekten, Pilzen und Krankheiten zurechtkommen.”
    Ein, wie ich finde sehr nahe liegender Befund. Bei sich rasch ändernden klimatischen Bedingungen sollten Organismen mit hoher Generationenfolge im Vorteil sein, die sich rasch anpassen. Für Wälder und höhere Tiere werden die Bedingungen kritisch. Die Tropenwälder arbeiten bereits am natürlichen Limit, was die CO2 Verwertung anbelangt, zusätzliches CO2 führt lediglich zu vermehrtem Stress für die Bäume.

  6. Vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich habe mich etwas an der Zahl festgehakt, dass 1 Billion Bäume 2 bis 4 Gt Kohlenstoff pro Jahr speichern können. Wenn ich es richtig heruntergerechnet habe, bedeutet das, dass ein Baum 2 bis 4 Kilo Kohlenstoff pro Jahr speichern kann (Zum Vergleich, jeder von uns verursacht so um das tausendfache). Dies ist natürlich ein Mittelwert, der Anteil variiert mit Alter und Sorte der Bäume und wohl auch mit der Lage. Genau diese Variation würde mich interessieren. Sind es eher die jungen aufstrebenden Bäume, die viel Kohlenstoff binden oder eher alte Blätterriesen, die Jahr für Jahr ihr Laubwerk neu bilden müssen? Bei der CO2-Bilanz wird man auch den Waldboden berücksichtigen müssen? Ein Teil der abgestorbenen Biomasse wird im Waldboden gespeichert, ein anderer Teil wohl als CO2 ausgegast. Auch hier hätte ich gern eine Quantifizierung. Ich weiß, dass diese vielschichtig ist und von den Gegebenheiten abhängt. Aber sie ist wichtig, auch dann, wenn man verstehen will, wie sich die Verbrennung (zur Energiegewinnung) eines Teils des Waldes auf die Kohlenstoffbilanz der Atmosphäre auswirkt.

  7. Aufforstung kann mMn nur eine sekundäre Maßnahme sein. Wenn das Waschbecken überläuft, dreh ich ja auch zuerst mal den Hahn ab, bevor ich einen evtl. verstopften Abfluß reinige.
    Und Wälder abholzen um Braunkohle zu verbrennen – perverser geht’s eigentlich nimmer.

  8. Auch wenn es nur die Hälfte oder weniger bringt: wo ist (unter Berücksichtigung des erwähnten Albedoproblems) das Problem, wenn wir wieder mehr Bäume haben? Wenn man es richtig macht, wird es nicht Schlechter und zumindest ein bisschen besser aber vor allem schöner.

  9. Leider muss man feststellen, dass es im Bereich der Umwelt- und Klimaforschung mehr und mehr um populistische “Knalleffekte” geht, so auch in dieser Studie. Dass die Bildung von Biomasse der Atmosphäre zunächst mal CO2 entzieht ist ja nicht neu. Entscheident wird sein, dieses gespeicherte CO2 über einen längeren Zeitraum der Atmosphäre zu entziehen. Denn wird dieses gespeicherte CO2 durch Rotteprozesse gar in Form von CH4 wieder freigesetzt, geht der Schuss nach hinten los. Aus klimapolitischer Sicht sind Bannwälder, großflächig der Nutzung entzogene Naturparks – reservate etc. absolut kontraproduktiv.

  10. Ich hab’s geahnt- der Hausmeister hat den Artikel geschrieben. Er hat dreißig Jahre dazu benötigt.
    Herr Professor, Sie sagten bereits, daß die angegebene Fläche Wald (900 Mio Hektar) nicht 200 Gt , sondern lediglich 100 Gt Kohlenstoff aus der Atmosphäre bindet. Ich hab’s überschlagen- es stimmt! 100 t Kohlenstoff werden pro Hektar Wald gebunden, also 100 Gt auf 900 Mio ha. Daß dies in nördlichen Wäldern weniger ist, zumal auf eben noch Tundra gewesenen Flächen, unterschlage ich optimistisch.
    Wer weiß auch, ob die angegebene potentielle Fläche von 900 Mio ha stimmt. Denn Wald wächst von Natur aus überall dort, wo er wachsen kann und der Mensch keine Flächen benötigt- wo will man da aufforsten?
    Diesen Satz von Ihnen verstehe ich komplett nicht: “wenn wir 200 GtC aus der Atmosphäre herausholen, dann nimmt die Menge in der Atmosphäre nicht um 200 GtC ab, sondern um deutlich weniger, weil Ozeane und Wälder auch dies abpuffern. ” Also… wenn wir 200 Gt rausziehen, sind sie weg…. Können Sie das näher erläutern?
    Sowohl der Artikel als auch Sie erwähnen nicht, daß der Wald, falls er angepflanzt werden sollte, eines Tages wieder vergehen wird und dann alles C wieder in die Luft pustet.
    Nach der Auswirkung der sich ändernden Albedo bei Waldwachstum hatte ich Sie bereits gefragt, qualitativ haben Sie die Frage nun beantwortet, gibts auch ne Zahl in W/m²?
    Ich habe mir erlaubt, etwas mehr darüber nachzudenken und auch ein bißchen zu rechnen, vielleicht haben die Damen und Herren hier Lust, Fehler in meinen Überlegungen zu finden, würde mich freuen:
    Also, ich gehe von 100 Gt C aus, die gespeichert werden könnten, nach dem was Sie hier schreiben, scheint es viel zu viel , egal.
    Ebendiese 100 Gt C (entspr. 370 Gt CO2) sind der weltweite Ausstoß von zehn Jahren. Wobei: “gebunden” ist der falsche Begriff, denn dieses CO2 wird beim Vergehen das Waldes wieder frei, es ist mitnichten dauerhaft gebunden. Im Kohlenstoffkreislauf wären 50 Gt C (Durchschnitt von 0 und 100) mehr eingebunden als gegenwärtig, also klimaunwirksam. Oder anders: über den gesamten Zeitraum der wohl 150 Jahren, die Anpflanzen und Wachstum dieses Waldes in Anspruch nähmen, verschwänden in Summe zehn Jahre (100 Gt C, 370 Gt CO2) jetziger Emission mit kaum merklicher Geschwindigkeit in diesem Wald und verlangsamten den CO2-Anstieg in der Luft. Wären dann zweihundert o.ä. Jahre nicht in der Luft, so lange wie der Wald steht. Und kämen dann innerhalb kürzerer Zeit wieder raus.
    Jetzt daraus einen Verlauf der CO2-Konzentration über die Zeit zu errechnen, ist ziemlich schwer, denn niemand kennt die Entwicklung der Emission. Ich gehe mal von einem gleichmäßigen Rückgang über 100 Jahre aus, also 2020 37 Gt CO2-Ausstoß, 2120 null. Und 150 Jahre gleichmäßiges Waldwachstum, wie oben gesagt.
    Ausgehend von jetzt 750 000 Gt Luft , davon 3000 Gt CO2 (=400 ppm) hätten wir dann im Jahr 2120 3900 Gt CO2 in 750.000 Gt Luft (stimmt nicht ganz, wegen Dichte Sauerstoff, aber zu vernachlässigen), das sind 520 ppm.
    Zu dieser Zeit hätte der wachsende Wald aber bereits 250 seiner potentiellen 370 Gt CO2 aus der Atmosphäre gesaugt, also nicht 3.900 CO2 in der Luft, sondern lediglich 3650 Gt. Macht 485 ppm.
    Nach weiteren 50 Jahren hat der Wald nochmal 125 Gt entnommen bei null Emission, macht 3525 GT C =470 ppm.
    Etwa nach 200 Jahren verwest der Wald und gibt innerhalb von hundert Jahren alles wieder ab. Also oben genannter 520 ppm Co2-Gehalt stellt sich nun, mit dreihundert Jahren Verspätung ein.
    Wenn wir (naja, nicht “wir”, sondern “sie”) dann nur noch 2 Mrd. Menschen auf der Erde sind, können wir den nächsten Wald viel größer anbauen und der CO2-Gehalt taumelt zwischen 280 und 520 ppm hin und her. Da unsere Nachfahren geschickt vorgehen, wird sich ein konstanter Mittelwert von (280+520)/2= 400 ppm einstellen, der jetzige, und die Durchschnittstemperatur wäre 2K höher als vorindustriell.
    Vielleicht gibts dann keine Grünen und keine Kuttenträger mehr, dann geht auch CCS. Dann kann man noch ein paar zig ppm in der Erde verschwinden lassen. Eventuell läßt es sich damit leben. Aber man muß erstmal dahin kommen.
    Anmerkung: diese Rechnung kann man auch mit 8 Mrd. Menschen gegen 2 Mrd. Menschen anstellen. Oder mit 2 Mio Elefanten und 2.000. Immer wird zeitweilig C der Atmosphäre entzogen, je mehr Elefanten leben, desto besser.

    Summa: mit Glück kann man eine gewisse Menge an Kohlenstoff aus der Atmosphäre zeitweilig im Wald verstecken (so er wächst) und am Kohlenstoffkreislauf teilhaben lassen, 50% der zusätzlichen Waldmasse wird zum Schluß wirksam, da der Durchschnitt zwischen Werden und Vergehen zählt, bei der Emission zählen immer 100%. Gegenwärtig wird das Gegenteil von zusätzlicher Aufforstung getan: Wald wird zusätzlich geholzt, dazu auch noch massenhaft in den Tropen. Diese menschliche Heldentat ist bis jetzt mit 15% an der Erwärmung beteiligt.

  11. @Mark,
    Denn wird dieses gespeicherte CO2 durch Rotteprozesse gar in Form von CH4 wieder freigesetzt, geht der Schuss nach hinten los.
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    Da geht garnichts “nach hinten los”.
    In einem Wald wird auf Dauer und permanent genau so viel Biomasse zuwachsen wie darin verrottet. Er entzieht der Atmosphäre so viel CO2 wie er abgibt. Die Bilanz ist ausgegelichen und der Wald spreichert dauerhaft CO2.

  12. Stephan

    “Sowohl der Artikel als auch Sie erwähnen nicht, daß der Wald, falls er angepflanzt werden sollte, eines Tages wieder vergehen wird und dann alles C wieder in die Luft pustet.”
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    Warum sollte er vergehen? Wälder können quasi ewig bestehen bleiben wenn man sie entweder garnicht oder nachhaltig nutzt. Also nur so viel entnimmt wie nachwächst.

  13. Stephan

    Summa: mit Glück kann man eine gewisse Menge an Kohlenstoff aus der Atmosphäre zeitweilig im Wald verstecken

    ___________________________________________________

    Nicht zeitweilig sondern dauerhaft.
    Solange der Wald als solcher besteht, solange ist der Kohlenstoff darin gespeichert.

  14. @Frankfurter,
    die Frage ist, was wird aus dem, was verrottet? Ein Teil davon wird doch kohlenstoffhaltiger Humus und vermehrt den Waldboden. Die Speicherung von Kohlenstoff eines Waldes nimmt also im Laufe der Zeit zu. Unsere fossilen Brennstoffe stammen aus wenigen Wäldern, denen man halt lange Zeit gelassen hat. Der Wald ist also ein wachsender CO2-Speicher. Allerdings stört man diesen Prozess, wenn man dem Wald Holz entnimmt und es verbrennt. Leider gelingt es mir nicht, das zu quantifizieren. Das wäre aber doch so wichtig.

  15. @ Frankfurter
    ehämm… Mark sprach von CO4. Das ist pro Molekül 30 mal so klimawirksam wie CO2. Wenn ein Baum mittels CO2 Masse aufbaut und nach dem Absterben CH4 abgibt, hat er eine dreißig mal so klimawirksame Wolke erzeugt wie er vorher eingesaugt hat. Das Dilemma des Reisanbaues…

  16. Stephan,

    ich stimme mit Ihnen überein dass unklar ist was das eigentlich für Flächen sein sollen wenn sie eigentlich Waldwachstum erlauben sollten aber dies nicht tun. Dass von der berechneten Menge an gespeichertem Kohlenstoff etwa die Hälfte der Atmosphäre entzogen wird ist doch nicht schwer nachzuvollziehn, einfach analog dazu dass auch nur 50% unserer Emissionen in der Atmosphäre verbleiben – der Puffer wirkt in beide Richtungen. Wieso gehen sie davon aus dass der Wald nach 150 Jahren den ganzen Kohlenstoff wieder abgibt? Dies passiert natürlich nur durch Rodung oder wenn die Umweltbedingungen zum Absterben der Bäume führen – wann das jedoch passiert ist schwer vorherzusehen. Im Gleichgewicht wäre der Kohlenstoff natürlich langfristig gespeichert da ja junge Bäume ebenso nachwachsen wie alte Bäume absterben.

  17. @Frankfurter
    Bei jeder Rotte entsteht ein mehr oder weniger großer Teil (abhängig vom anaeroben Anteil der Rotte) an Methan und indirekt auch Lachgas. Methan hat eine Klimasensitivität von 23 – 28 CO2- Äquivalenten, Lachgas gar 280-290. Jetzt den Schuss nach hinten verstanden?

  18. Die klaren konsequenzen sind Hände weg von den Wäldern, Regenwald, Russland, Hambi. Die Waldschäden in unseren Wäldern durch den Klimawandel wie Dürre, Sinkendes Grundwasser,Waldbrände und Stürme schreiten voran. Um da eine Wende einzuleiten ist ernsthafteres anzuleiern als politische Posen. Da werden händeringend Szenarios beschworen, die den Stellenwert der gravierenden Fakten relativieren sollen. man sehnt sich nach dem Alltagsgeschäft zurück, in dem unsere Vertreter wieder die Macher sein wollen und man sich wieder um die Geschäfte kümmern kann.

  19. “wenn wir 200 GtC aus der Atmosphäre herausholen, dann nimmt die Menge in der Atmosphäre nicht um 200 GtC ab, sondern um deutlich weniger, weil Ozeane und Wälder auch dies abpuffern. ” Also… wenn wir 200 Gt rausziehen, sind sie weg…. Können Sie das näher erläutern?”

    Einfach formuliert.

    Betrachten Sie einmal eine Flasche Mineralwasser mit Kohlensäure. Sieht recht friedlich aus. Öffnen Sie den Deckel, beginnt das Wasser auf einmal zu sprudeln. Sie haben den Gegendruck von außen gesenkt und das CO² verlässt die Flasche, bis sich alles eingependelt hat.

    Gleiches Prinzip beim Ozean. Blasen wir CO² in die Luft, erhöhen wir den Partialdruck des CO² in unsere Atmosphäre. Dadurch “drücken” wir CO² in den Ozean. Jedenfalls so lange, wie der Partialdruck des CO² im Ozean schwächer ist, als in unserer Atmosphäre. Sehen Sie es als Armdrücken. Wer stärker ist, bürdet dem anderen sein CO² auf.

    Wenn wir aber nun anfangen weniger CO² in die Luft abzugeben, dann wird der CO² Druck im Wasser stärker werden, als der in unserer Atmosphäre. Dem entsprechend entweicht dann das CO² aus dem Ozean, bis sich der Druck ausgeglichen hat, oder der (CO²) Druck in der Luft wieder so stark zunimmt, dass der Ozean wieder CO² aufnimmt.

    Falls ich mich irren sollte, möge bitte Einspruch erhoben werden.

    MfG

  20. Zumal es aktuell riesige Probleme gibt die bestehenden Wälder zu erhalten und umzubauen. Zu trocken, zu warm (Borkenkäfer). Und da will man weltweit massiv aufforsten. In Gegenden wo es evtl noch trockener ist?
    Ich kann den Hype um diese Meldung wirklich nicht verstehen. Ja wir müssen Wälder schützen und wieder aufforsten. Aber das ist nur ein kleiner Teilaspekt eines Riesenpakets.. Das keiner aufmachen will.

  21. Täglich werden ca. 550 Millionen m2 Regenwald abgeholzt – für Tropenholz, Papier, Umwandlung in Ölpalm- oder Sojaplantagen, Rinderweiden oder zur Ausbeutung von Bodenschätzen wie Eisenerz, Gold, Öl oder Gas…wäre doch schon mal ein Anfang das wir diesem Wahnsinn Einhalt gebieten, das sind lange gewachsene alte Wälder, ich verstehe nicht warum das in der ganzen Klimadiskussion NIE Erwähnung findet!!!

  22. Wer selbst den CO2-Ausstoss der Menschheit nachrechnen möchte, findet nachstehend eine Schätzung basierend auf den aktuellen Zahlen der weltweiten Energieproduktion.

    2018 wurden insgesamt knapp 15 Gtoe (Gigatonnen Öl-äquivalent) gefördert/produziert, davon 32% Öl, 26% Kohle und 23% Gas. 81% entfielen also auf fossile Energien, mithin etwa 12 Gtoe. Eine Tonne Öl-äquivalent entspricht etwa 850 kg Kohlenstoff und 150 kg Wasserstoff, produziert bei der Verbrennung folglich etwa 850 kg × 44/12 = 3.1 t CO2. Fossile Energien setzten somit 2018 insgesamt 37 Gt CO2 frei.

    Um diese Menge in Beziehung zur atmosphärischen Menge an CO2 zu setzen, schätzen wir diese ab. Der Luftdruck auf Meereshöhe beträgt rund 1 bar. Das heisst auf jedem Quadratcentimeter lastet eine Kraft von zehn Newton, welche vom Gewicht der Luftsäule darüber verursacht wird. Die Atmosphäre hat folglich eine Masse von rund 1 kg/cm² × 4pi×(6370 km)² = 5.1 Millionen Gt. Der aktuelle CO2-Gehalt liegt bei 400 Volumenteilen pro Million (ppmv). Da CO2 mit 44 g/mol ungefähr 1.5× so massereich ist wie Sauerstoff (32 g/mol) und Stickstoff (28 g/mol), macht CO2 folglich rund 600 Massenteile pro Million (ppmm) aus: 5.1 Millionen Gt × 600 ppmm = 3060 Gt CO2.

    Verbliebe alles neu freigesetzte CO2 in der Luft, würde dies einen jährlichen Anstieg der CO2-Konzentration um 1.2% oder 4.8 ppmv verursachen. Gemessen wurde aber ein Anstieg von 19 ppmv zwischen 2007 und 2017, also nur etwa 40% des Anstiegs, der ohne Absorption durch Ozeane und Pflanzen entstanden wäre.

  23. @Stephan:

    Diesen Satz von Ihnen verstehe ich komplett nicht: “wenn wir 200 GtC aus der Atmosphäre herausholen, dann nimmt die Menge in der Atmosphäre nicht um 200 GtC ab, sondern um deutlich weniger, weil Ozeane und Wälder auch dies abpuffern. ”

    Stephan Rahmstorf schreibt sinngemäß:
    Seit 1850 wurden insgesamt 640 GtC freigesetzt. (31 % durch Landnutzung, 67 % durch fossile Energienutzung und 2 % sonstiges). Die Atmosphäre hat davon aber nur 300 GtC abbekommen. Der Rest wurde aufgenommen von Wäldern und Meeren.

    Ich verstehe das so:
    Der CO2-Gehalt der Atmosphäre liegt im Gleichgewicht mit dem CO2-Gehalt der Meere. Von dem durch fossile Energienutzung zusätzlich in die Atmosphäre abgegebenem CO2 wird so viel in den Meeren gepuffert, bis durch Konzentrationsausgleich das Gleichgewicht wieder hergestellt ist.
    Wenn man jetzt durch Aufforstung (oder auch eine andere CO2-Senke) der Atmosphäre wieder CO2 entzieht – die CO2-Konzentration in der Luft also senkt, strömt das im Wasser gebundene CO2 wieder zurück in die Atmosphäre. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre reduziert sich also um ein kleineren Betrag als durch die Aufforstung zu erwarten wäre.
    Ob aber das von den Wäldern aufgenommene CO2 ebenfalls wieder in die Atmosphäre austritt, kann ich nicht nachvollziehen.
    Hier wäre ich um eine Antwort dankbar.

  24. Eberhard Freitag
    die Frage ist, was wird aus dem, was verrottet? Ein Teil davon wird doch kohlenstoffhaltiger Humus und vermehrt den Waldboden. Die Speicherung von Kohlenstoff eines Waldes nimmt also im Laufe der Zeit zu.

    ____________________________________________________

    Das stimmt wohl. Der Humusgehalt, also auch C-Gehalt eines Waldbodens könnte beständig zunehmen so dass er eine dauerhafte C-Senke darstellt, und nicht nur einen Speicher.
    Quantifiziren kann ich das auch nicht.
    Es ist jedoch zu bendenken, dass durch Holznutzung nur ein erstaunlich kleiner Teil aus dem C-Kreislauf eines Waldes entnommen wird. Die große Masse verbleibt im Wald: Wurzelstock, Äste, und vor allem Laub (welches ja jährlich anfällt).
    Das gerade Laub so einen großen Anteil darstellt, erkannt man daran, dass die früher übliche Streunutzung den Waldboden für mehrere Generationen “aushagerte”; den Humushegalt also merklich verschlechterte.

  25. @ Eberhard Freitag 17.7.

    “Unsere fossilen Brennstoffe stammen aus wenigen Wäldern, denen man halt lange Zeit gelassen hat. Der Wald ist also ein wachsender CO2-Speicher.”
    Sie irren. Ein Steinkohlenlager entsteht über viele Millionen in einem Sumpfwald von riesiger Ausdehnung, der auf einem Gebiet besteht, welches sich mit der gleichen Geschwindigkeit senkt, wie dieser wächst und vergeht, so daß dieser unter Luftabschluß gerät. Das Wachstum wird beendet, wenn sich das Gelände so schnell senkt, daß das Wachstum nicht mehr mithalten kann und die Erosion der angrenzenden Gebirge die ca. 20 bis 300 m mächtigen unverrotteten Sumpfwldschichten luftdicht bedeckt. Oft besteht dieser Wald nur zum minimalen Teil aus Bäumen, weit überwiegend sind es Moose. Diese Unmengen Exwald vulgo Kohlenstoff sind so dauerhaft der Atmosphäre entzogen.
    Wichtig also: luftdichte Überdeckung schon beim Wachstum im Sumpft, völlige Entziehung aus dem Kohlenstoffkreislauf durch Bodenüberdeckung bis 1000m.

  26. @frankfurter 17.7.
    “Warum sollte er vergehen? Wälder können quasi ewig bestehen bleiben wenn man sie entweder garnicht oder nachhaltig nutzt. Also nur so viel entnimmt wie nachwächst.”
    Weil er nur eine bestimmte Zeit lebt. Wenn er vergeht, ist aller zeitweilig entzogene Kohlenstoff wieder in der Atmosphäre. Der Mittelwert, der für den mittleren CO2-Gehalt der Atmosphäre verantwortlich ist, liegt zwischen Null und der Menge, die im lebendigen Wald enthalten ist.
    So hatte ich es geschrieben.

  27. @Gregor Mendel
    “Dass von der berechneten Menge an gespeichertem Kohlenstoff etwa die Hälfte der Atmosphäre entzogen wird ist doch nicht schwer nachzuvollziehn, einfach analog dazu dass auch nur 50% unserer Emissionen in der Atmosphäre verbleiben – der Puffer wirkt in beide Richtungen. ”
    Das ist ist genau der Punkt, den ich nicht nachvollziehen. Und halte ihn für einen Irrtum.
    Außerdem- was nutzt es, wenn CO2 im Ozean verschwindet und ihn versauert?

  28. @M.J. Groenewald 18.7.
    Ja, Sie irren sich. Der Partialdruck des CO2 in der Luft ist größer als im Ozean. Das CO2 wandert ins Meer, egal, ob sie pro Zeiteinheit mehr oder weniger CO2 in die Luft entlassen.
    Erst, wenn Sie soviel CO2 der Atmosphäre entziehen, daß der Partialdruck dort geringer ist als im Meer, kommt es wieder raus.

  29. @HuSky
    “Der CO2-Gehalt der Atmosphäre liegt im Gleichgewicht mit dem CO2-Gehalt der Meere.”
    Das ist der Punkt!
    Liegt/lag das Gleichgewicht
    a) ständig vor und wird durch den CO2-Eintrag in die Luft ständig gestört
    oder
    b) liegt es überhaupt (noch) nicht vor und irgendwann durch unseren CO2-Eintrag hergestellt?
    a) ist logisch und müßte der Fall sein, wurde mir aber noch nie so vermittelt, so daß b) mein Wissenstand ist.

  30. HuSky
    19.07.2019, 13:36 Uhr

    @Stephan:
    Ich verstehe das so:
    Der CO2-Gehalt der Atmosphäre liegt im Gleichgewicht mit dem CO2-Gehalt der Meere.

    Wenn man jetzt durch Aufforstung (oder auch eine andere CO2-Senke) der Atmosphäre wieder CO2 entzieht – die CO2-Konzentration in der Luft also senkt, strömt das im Wasser gebundene CO2 wieder zurück in die Atmosphäre.

    _______________________________________________________________
    Das Gleichgewicht zwischen Meer und Atmosphäre liegt aber noch lange nicht vor. Man müsste sehr viel CO2 der Atmosphäre entziehen bis sich das Partialdruckgefälle zwischen Atmosphäe und Meer umkehrt und CO2 vom Meer abgegeben wird.

    • Es muss sich ja nicht umkehren. Wenn wir ohne Aufforstung 11 Gt emittieren, mit Aufforstung aber nur 9 Gt, dann wird von beiden Mengen jeweils rund die Hälfte aufgenommen und die andere Hälfte bleibt in der Atmosphäre. Die 2 Gt, die durch Aufforstung aus der Luft genommen werden, verringern den atmosphärischen CO2-Gehalt daher um rund 1 Gt.

  31. @Johannes Reisch
    Jair Bolsonaro erwidert sinngemäß, solange ihr Kohle verbrennt braucht ihr mich nicht wegen der Regenwaldnutzung zu kritisieren.
    Anscheinend haben wir in der BRD, global betrachtet, doch einen größeren Einfluss auf das Klima als, laut Wikipedia Stand 2011, den Anteil von 2,4% Kohlenstoffdioxyd.

  32. @HuSky
    Wenn ich es richtig verstanden habe, scheiden vorhandene Tropenwälder als zusätzlicher CO2 Puffer aus, da sie bereits unter Vollast arbeiten und höhere CO2 Konzentrationen nicht zu einer grösseren Produktion gebundener Biomasse führen. Für Wälder und Vegetation in anderen Klimazonen gilt das nicht, dort kann tendenziell ein höherer atmosphärisch er CO2 Gehalt auch zu schnellerem Wuchs und einer höheren gebundenen Biomasse führen. Aber dieser Puffer ist begrenzt und kann sich bei einer zu raschen Verschiebung der Klimazonen durch Stress, Trockenheit, Waldbrände und Parasitenbefall ins Gegenteil verkehren. Bei einer schnellen Erderwärmung könnten sowohl Wälder, als auch Ozeane von einerCO2 Senke zur Quelle werde.

  33. Mit Bäumen das Klima retten dürfte auch aus einem anderen Grund schwierig werden. Zumal der Klimawandel den Wäldern in Deutschland jetzt schon enorm zusetzt. “Stürme und Borkenkäfer haben bundesweit mutmaßlich etwa 110.000 Hektar Wald zerstört. Die Waldeigentümer schätzen, dass deutschlandweit für die Wiederaufforstung etwa 300 Millionen Bäume nachgepflanzt werden müssten, die Kosten beliefen sich nach Schätzung der AGDW auf weitere 640 Millionen Euro.”
    Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Forstbetriebe-fuerchten-Milliardenschaeden-article21157044.html

    Zudem breiten sich infolge des Klimawandels bisher nie gekannte Schädlinge in den Wäldern massiv aus. Die geschädigten Bäume müssen dann vernichtet werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. An weitere Neuanpflanzungen ist also gar nicht zu denken. Wir können froh sein, wenn sich Teile des jetzigen Baumbestands retten lassen.
    Näheres hier: https://www.pnp.de/nachrichten/bayern/3393363_Krabbelnde-Invasion-Die-fuenf-schlimmsten-Feinde-des-Waldes.html

  34. Lieber Herr Rahmstorf, das EIKE messert Sie mal wieder von hinten:

    https://www.eike-klima-energie.eu/2019/07/21/wie-kinder-und-kindische-erwachsene-die-welt-vor-dem-klima-retten/

    Nett, wie EIKE um die Kinder dieser Welt besorgt ist. Ich bin einmal mehr extrem froh, das alles vor Jahrzehnten vorausgesehen und daher ganz bewusst keine Kinder gezeugt zu haben (sonst wäre ich schon längst Klima-Amok gelaufen), ich lehne mich also in meiner Dachgeschosshütte einmal mehr gaaaanz entspannt zurück… bei 40°C am Donnerstag.

    LG,
    Nemesis

  35. @Frankfurter
    “Es ist jedoch zu bedenken, dass durch Holznutzung nur ein erstaunlich kleiner Teil aus dem C-Kreislauf eines Waldes entnommen wird”. Da mögen Sie recht haben. Aber in der CO2 Bilanz spielt das schone eine Rolle. Für eine Holzfeuerstelle werden im Jahr so um 2 Ster Holz verbraucht, das entspricht so einer Tonne, ich schätze (alles sehr grob), dass dabei eine Tonne CO2 entsteht. Wir haben in Deutschland über 10 Millionen Holzfeuerstellen. Zusamman kommt also eine ein- vielleicht sogar zweistelliger Betrag an Millionen Tonnen CO2. Das ist schon respektabel.
    @Gudea, Sie korrigieren mich, was die Geschichte unsere Kohlelagerstätten angeht, danke vielmals. Von dem Gedanken, dass Wälder wachsende CO2-Speicher sind, kann ich aber dennoch nicht ablassen. Aussagen wie von Ralph, dass Tropenwälder als zusätzliche CO2 Puffer ausscheiden, erschrecken mich. An unserer lebhaft geführten Diskussion fällt mir auf, dass sehr viel Unsicherheit über die Funktion der Wälder im Hinblick auf die CO2-Bilanz herrscht. Eine Stellungnahme von wissenschaftlicher Seite wäre hilfreich.

  36. ” Gudea

    @frankfurter
    “Warum sollte er vergehen? Wälder können quasi ewig bestehen bleiben wenn man sie entweder garnicht oder nachhaltig nutzt. Also nur so viel entnimmt wie nachwächst.”
    Weil er nur eine bestimmte Zeit lebt. “

    __________________________________________________
    Wie gesagt kann ein Wald als solcher ewig leben. Der darin gespeicherte Kohlenstoff bleibt dann auch ewig gespeichert und der Atmosphäre entzogen.
    Natürlich nicht ein bestimmtes C-Atom, das wird beständig ausgetauscht.
    Aber das ist ja irrelevant. Es geht nur um die Menge.

  37. “zur Quelle werde.

    Antworten
    Mona
    22.07.2019, 09:39 Uhr

    Mit Bäumen das Klima retten dürfte auch aus einem anderen Grund schwierig werden. Zumal der Klimawandel den Wäldern in Deutschland jetzt schon enorm zusetzt. “Stürme und Borkenkäfer haben bundesweit mutmaßlich etwa 110.000 Hektar Wald zerstört. …”

    ______________________________-
    Uninteressant. Der so oder so (natürlich oder durch künstliche Verjüngung) nachwachsende junge Wald wirkt jetzt jahrzehntelang als Senke. Also als CO2-“Abfluss”.
    Und wenn er ausgewachsen ist wieder als Speicher.

  38. @Prof. Rahmstorf
    “Die 2 Gt, die durch Aufforstung aus der Luft genommen werden, verringern den atmosphärischen CO2-Gehalt daher um rund 1 Gt.”

    Jein. Da der Wald irgendwann wieder vergeht, wird alles CO2, das zu seinem Enstehen benutzt wurde, wieder in die Atmosphäre entlassen. Wenn dann vielleicht ein Kreislauf entsteht, weil gleich wieder von selbst neuer Wald entsteht, wird die Atmosphäre effektiv um den Mittelwert aus besagtet 1 Gt und 0 Gt entlastet.
    Wenn die ganze Sache sinnvoll werden soll, muß dasselbe passieren, was vor 300 …15 Mio Jahren passierte: der Wald muß unter der Erde verschwinden.
    Die Sache mit dem Wald ist ein Hype, trivial und unüberlegt hinausposaunt, geht viel zu langsam und hat kaum einen Effekt. Der CO2-Anstieg wird eine zeitlang verlangsamt und nicht gestoppt. Ich bin gespannt, wann die Herren in Zürich eine Berichtigung mit real aufforstbaren Flächengrößen bringen. Die ergeben sich nicht nur aus Länge mal Breite.

  39. Leider scheinen einige zu glauben, das wäre die Lösung. Dass wir um eine sofortige und massive Reduktion der Treibhausgas-Emissionen nicht herumkommen, wollen diese Leute wohl nicht wahrhaben.

    Einen ähnlichen Denkfehler sehe ich beim Thema Erdgas als “Brückentechnologie”. Das Treibhauspotential von Methan ist gigantisch. Bei der Förderung und beim Transport gibt es massive Lecks. Wenn da auch nur 1-2 % des Erdgases entweichen (ich schätze es ist mehr!), würde das doch den gesamten Vorteil ggü. der Kohle zunichte machen und das Klima sogar noch mehr anheizen!

    Ich habe die große Sorge, dass man wie beim Thema “Bäume pflanzen” einem fatalen Trugschluss unterliegt. Mit dem Unterschied, dass die Bäumepflanz-Idee ziemlich utopisch ist, während Erdgas tatsächlich die Kohle ablösen könnte!

  40. Meine laienhafte Meinung hält alles für gut, was uns einen Aufschub bringt. Was hier Herr Lindner unter “effektiv” versteht, erscheint mir fragwürdig. Da er sich schon bei Markus Lanz darauf zurückgezogen hat, er hätte von Technik keine Ahnung, sondern sei Politikwissenschaftler, kann es sich wohl um keine technische Beurteilung handeln. Was aber dann? Hat er vorgerechnet, das dies bei gesamtwirtschatlich gleichen Kosten mehr bringt, als beispielsweise eine CO2 Steuer? Wo kann man das nachlesen?

    Der Vergleich aus meinem letzten Beitrag zur Vernichtung höheren Lebens durch einen Asteroideneinschlag statt durch Klimawandel ist übrigens nicht von mir. Wenn diesen nicht schon jemand anderer vorher gezogen hat, stammt das Beispiel von dem Cartoonisten und Juristen Ruben Bolling (Künstlername).

    Um einem möglichen Missverständnis vorzubeugen, möchte ich noch darauf hinweisen dass nicht grundsätzlich etwas dagegen spricht Klimaschutz aus ethischer Perspektive zu sehen, sich also etwa die Schuldfrage in der Art zu stellen, ob es eine persönliche Schuld der Koch Brüder ist, Klimaleugnung zu fördern, ohne sich der Frage zu stellen, was sie damit Ihren Mitmenschen antun. Auch wenn man Selbstmord für ethisch vertretbar hält, kann man einen Selbstmord, der andere mit hineinziehen kann, wie etwa ein absichtliches Steuern in den Gegenverkehr, für verwerflich halten.

    Ich kritisiere hier eine moralische Antwort auf eine Frage zu geben, für die sachlich eine wissenschaftliche Frage erforderlich wäre. Die AfD müsste also Wissenschaftler finden, die die Meinung vertreten, dass die Menschheit nichts sinnvoll gegen einen tatsächlichen Klimawandel unternehmen kann. Damit fallen diejenigen als Argumentationsstütze weg, die sich ihrerseits darauf stützen, der Klimawandel sei deswegen ungefährlich, weil er nicht existiert. Gibt es jemanden, der dies Wir-können-nichts-tun-Haltung vertritt?

  41. @thorstenv
    Ich bin der Meinung, wenn morgen die Errichtung von desertec beginnt, weltweit natürlich, kann in fünfzig Jahren bis achtzig Jahren die Umstellung auf fossilfreie Energieproduktion beendet sein. Wir würden dann bei etwa 500 ppm enden mit entsprechenden Auswirkungen.
    Ob es durch die UNO zu einer ad-hoc-Aktion a la FCKW-Verbot kommt, hoffe ich zwar, ich glaube aber nicht daran.
    Da überhaupt nichts geschieht, und auch überhaupt nichts in Planung ist und nichts absehbar ist, wage ich nicht, meine durchaus existierenden Vorstellungen des CO2-Gehaltes für das Jahr 2100 niederzuschreiben.
    Es wird aber irgendwann etwas geschehen, das ist klar, denn bei 800 ppm wird auch niemand ankommen wollen. Nur es wird viel zu spät sein.
    Und natürlich müssen Koch Industries samt amerikanischer Regierung und ihren Adlatussen, wie etwa die sogenannte AfD und Eike. und wen es sonst noch international gibt, zur Verantwortung gezogen werden, was denn sonst?

  42. @Eberhard Freitag
    Es ist richtig, daß ein wachsender Wald über die Zeit seiner Existenz Kohlenstoff speichert, so an die 100 t pro Hektar in Mitteleuropa, in nördlichen Gefilden weniger bis deutlich weniger.. Während des Wachstums verlangsamt dies den CO2-Anstieg in der Atmosphäre. Wenn der Wald “fertig” ist, geht der Anstieg lustig weiter. Und: irgendwann stirbt der Wald dann doch.
    Bei der Betrachtung bitte nicht vergessen: wir verpulvern gegenwärtig in einem Jahr soviel fossile Brennstoffe, wie ehemals in ca. einer Mio Jahren gewachsen sind und unter Luftabschluß und zum Schluß ganz unter die Erdoberfläche geraten sind, bis zu tausend Meter.

  43. Gudea
    “Warum sollte er vergehen? Wälder können quasi ewig bestehen bleiben wenn man sie entweder garnicht oder nachhaltig nutzt. Also nur so viel entnimmt wie nachwächst.”
    Weil er nur eine bestimmte Zeit lebt.

    ___________________________________________-
    Nein. Ein Wald lebt unbestimmte Zeit. Ohne weiteres auch ewig.

  44. Sehr geehrter Herr Rahmsdorf!

    Im Januar 2019 wurde eine Arbeit von A. Koch mit dem Titel “Earth system impacts of the European arrival and Great Dying in theAmericas after 1492” veröffentlicht. Die Autoren behaupten die Ankunft der Europäer in Amerika hätte zu einem Massensterben der Eingeborenen geführt in deren Folge sind die landwirtschaftlich genutzten Felder verwildert und riesige neue Wälder sind entstanden. Die CO2-Entnahme aus der Atmosphäre war so stark, dass die CO2-Konzentration um 7 – 10 ppm innerhalb kürzester Zeit zurückgegangen ist und verantwortlich sein soll für die kälteste Periode der kleinen Eiszeit. Halten Sie die Ergebnisse und Schlussfolgerungen für realistisch? Wenn ja, es wäre ja ein gutes Beispiel die kurz- und langfristigen Folgen einer weltweiten massiven Aufforsten einzuschätzen.

    • Sehr interessant! Den Koautor Mark Maslin kenne ich als sehr geschätzten Paläoklimatologen, das ist auch ein sehr renommiertes Fachjournal (also guter peer review) – ich gehe daher davon aus dass das belastbare Ergebnisse sind (auch ohne bislang mehr als den Abstract gelesen zu haben).