Klimagipfel in 83 Sekunden

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KlimaLounge

In Doha wird derzeit wieder über ein globales Klimaabkommen verhandelt.

Was – Sie blicken nicht mehr durch, was in der globalen Klimadiplomatie abläuft? Abhilfe schafft dieses Video, das in 83 Sekunden die ganze Geschiche der Klimaverhandlungen seit 1992 erklärt:

p.s. Für die, die mehr als 83 Sekunden Zeit haben: der Hessische Rundfunk hat ein aktuelles 20-Minuten Interview mit mir zur Klimaentwicklung und zu Doha als podcast.

p.p.s. Unbedingt lesen: das exzellent recherchierte ZEIT DOSSIER zu den Hintergründen und Aktivitäten der “Klimaskeptiker”, der Gegenlobby gegen Klimaschutzpolitik, die nicht unschuldig am mangelnden politischen Fortschritt ist. (Der Artikel ist der beste Beleg dafür, warum wir profesionellen, finanziell gut ausgestatteten Recherchejournalismus brauchen!)

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Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

11 Kommentare

  1. Meerespiegelanstieg in ORF ZIB

    .. mit Kurzstatement von Prof. Rahmstorf.

    http://tvthek.orf.at/programs/1203-Zeit-im-Bild

    [Antwort: Danke für den Hinweis. Ein Missverständnis könnte man bei diesem Bericht haben: es entsteht der Eindruck, wir würden jetzt von einem schnelleren Anstieg des Meeresspiegels ausgehen, als man früher gemessen habe. Es geht aber um einen schnelleren Anstieg, als der IPCC früher (in seinen letzten beiden Berichten) vorhergesagt hat. Also um einen Vergleich von Messdaten und Modellprognosen, nicht um neue Messdaten im Vergleich zu älteren Messdaten.

    Einen exzellenten Bericht zu unserem neuen Paper findet man hier, die Autorin unterscheidet sauber zwischen Messungen und Projektionen. Man braucht eben Fachjournalisten, die verstehen, wovon sie reden! Stefan Rahmstorf]

  2. Meeresspiegelanstieg

    Herr Rahmstorf kam lt. neuester Studie also zu dem Ergebnis, „dass der Meeresspiegel seit Beginn der 1990er Jahre durchschnittlich nicht um 2, sondern um 3,2 Millimeter pro Jahr stieg.“ und weiter „Der jüngste Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC von 2007 geht noch von einem jährlichen Anstieg um höchstens 2 Millimeter aus.“

    Wenn man die Annahme 2007 mit der aus der jetzigen Studie vergleicht, kommt man natürlich auf die erschreckenden 60% -ige Steigerung. So weit so gut.
    Wie ist nun folgendes Zitat zu verstehen: „Satellitenmessungen zeigen für den Zeitraum 1993-2003 einen Anstieg um 3,1 mm/Jahr – berücksichtigt man die neuesten Daten bis 2006, sogar um 3,3 mm/Jahr.“ Dieses stammt aus dem Buch „Der UN- Weltklimareport“ aus dem Jahr 2007, Kapitel „Der Anstieg des Meeresspiegels“ (nachzulesen unter http://goo.gl/fZc5w).

    Demnach ging man bereits damals, im UN- Weltklimareport von 2007, nicht, wie jetzt von Herrn Rahmstorf behauptet, von höchstens 2mm jährlich sondern von 3,1mm und unter Berücksichtigung neuester Daten aus 2006 sogar von 3,3mm/Jahr aus. Die sich daraus ergebende Abweichung der Weissagungen der neuesten Studie 2012 gegenüber 2007 beträgt also nicht 60% sondern lediglich 3,2% (3,1 zu 3,2mm). Und wenn ich die 2007 angegebenen „sogar 3,3mm/Jahr“ zugrunde lege, ergibt sich ein RÜCKGANG um mehr als 3%!

    So, und jetzt abschließend, eine Frage an alle: Wem sind denn nun die Aussagen von 2007 im UN- Weltklimareport zuzuordnen?

    Auflösung: Als Lead Author fungierte Prof. Dr. Stefan Rahmstorf.

    Der Autor, der 2007 den voraussichtlichen jährlichen Meeresspiegelanstieg mit 3,1 bis max. 3,3mm bezifferte, ändert nun diese Aussage rückwirkend auf 2mm, um auf die beeindruckende Steigerung von 60% zu kommen.
    Mag sich jeder sein eigenes Bild über diese wissenschaftliche Glanzleistung machen.

    [Antwort: Lieber Herr Grothe, wie bereits unter dem vorigen Kommentar erläutert, vergleichen wir in der Studie nicht neue Daten mit früheren Daten (da ergibt sich in der Tat praktisch kein Unterschied), sondern Messdaten mit früheren Modellprojektionen. Leider haben einige Medien das missverstanden, auch auf meiner Facebook-Seite habe ich darauf schon hingewiesen. Das Paper ist hier und die PIK-Pressemitteilung dazu hier, wenn Sie sich selbst überzeugen möchten. 2007 haben wir schon einmal einen solchen Vergleich publiziert, auch damals kam das gleiche heraus, nämlich dass der Meeresspiegel mit knapp über 3 mm/Jahr ansteigt und dass dies deutlich mehr als in den Modellprojektionen ist. Dass der Anstieg rascher abläuft als vorhergesagt ist also keine neue Erkenntnis; das aktuelle Paper ist nur ein Update mit 5 weiteren Jahren an Messdaten. Stefan Rahmstorf]

  3. ZEIT-Dossier

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    mein Kompliment gilt auch dem exzellenten ZEIT-Artikel. Er ist “schuld”, dass ich überhaupt auf dieses und andere Blogs aufmerksam wurde und mich seit einer Woche intensiv mit dem Thema Klimawandel und ihre Leugner auseinandersetze.

    Bei meiner ersten Recherche im Internet war ich entsetzt, welcher Müll einem entgegenschlägt, wenn man nach einschlägigen Begriffen und Namen googelt. Ich kann schon verstehen, wenn einfache Gemüter, die nicht wissen was Wissenschaft eigentlich ist, auf diese Flut an Falschinformationen hereinfallen. Die Morano- und Vahrenholt-Jünger haben hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Wenn ich mir den Fall Steinbrück angucke, bei dem der Vorwurf der Befangenheit aufgrund seiner Vortrags-Tantiemen immer schnell laut wird, wundert es mich, dass so viele Menschen (und leider auch Medien!) bei diesen Klimawandel-“Skeptikern” die Abhängigkeit von der Energiebranche nicht erkennen.

    Machen Sie weiter so und suchen Sie die Öffentlichkeit!

    Mit freundlichen Grüßen
    Ein ZEIT-Leser

  4. [Antwort: Danke für den Hinweis] Gerne !
    Mir war schon klar, daß “Aktuelle Messwerte höher als frühere IPCC-Prognose” gemeint ist.
    Im zuge anderer Berichte über Eismassenverlust auf Festland-Arktis und Antarktis war zu lesen, daß beide zusammengenommen derzeit einen MSPL-Anstieg von 1mm/Jahr verursachen. Gehen dann die verbleibenden 2mm/Jahr auf das Konto aller Nicht-POL-Eismassen, um auf die 3mm/Jahr zu kommen ?
    Gibt es aktuelle Zahlen, in welchem Verhältnis sterischer MSPL-Anstieg (Ausdehnung des Wasserkörpers) zu eustatischem MSPL-Anstieg stehen ?
    Danke !
    Viele Grüße
    Toni Erlbacher

  5. Grönland

    ich möchte gerne wissen, warum ein paar Tage Schmelzen an der Eisoberfläche Grönlands irgndwas mit dem Sturm Sandy Monate später zu tun haben könnten.

    Mich würde auch interessieren, warum es wegen mehr Abschmelzen um Grönland zu einer synoptischen Häufung von blockierenden Hochdruckgebieten in diesem Gebiet kommen kann. Nun haben wir auch hier schon gehört von solchen “Hochs”, welche ua. auch um die Kara See häufiger werden sollen, nur wird das ganze dann aber bald ein bisschen komisch, denn wo haben denn dann die Tiefs noch Platz bzw. wie soll sich die ganze Dynamik, die Wellengleichung in der Westwindrift überhaupt noch vereinbaren lassen, wenn quasi überall wo es im höheren Norden milder wird, stabile Hochs zunehmen. Ich kann das nicht nachvollziehen, auch die Studien dazu sind bestenfalls spekulativ und im ernst, den AGW für die Zugbahn von Sandy verantwortlich zu machen, ist einfach nicht angebracht.

    [Antwort: Sandy hat mit dem Schmelzen von Grönland mit Sicherheit nichts zu tun. Möglicherweise aber mit dem Abschmelzen von arktischem Meereis. Offenes Meer bietet der polaren Atmosphäre aufgrund der großen Wärmeflüsse in Herbst und Winter eine völlig andere Randbedingung als eisbedecktes Meer, sodass es nur plausibel ist, dass die atmosphärische Zirkulation davon beeinflusst wird. Es gab (vor Sandy) mindestens 4 Fachpublikationen, die konsistent eine Tendenz zu mehr Hochdruck über dem nördlichen Atlantik als Folge des arktischen Meereisschwundes finden. Zunächst wurde dies durch Modellrechnungen von Petukhov und Semenov (2010) vorhergesagt, später auch in Korrelationsanalysen in den Beobachtungsdaten gefunden. Stefan Rahmstorf]

  6. Eine Sache habe ich nicht ganz verstanden. Wenn die Modelle einen langsameren Anstieg voraussagten als der messbare tatsächliche Anstieg, warum hat man sie nicht verworfen? Ging man davon aus, dass der Anstieg sich wieder verlangsamt?

    [Antwort: Gute Frage, verstehe ich auch nicht. Ich bin aber ziemlich sicher, dass IPCC diese Modelle nicht einfach zur Vorhersage benutzt hätte, wenn sie für das 20. Jahrhundert einen viel zu großen Anstieg ergeben hätten. Stefan Rahmstorf]

  7. Interview im hr

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf, der Beitrag im hr war sehr informativ und deutlich, was die Gefahren für die Zukunft betrifft. Ich bewundere jedoch Ihren Optimismus hinsichtlich der Erreichbarkeit des 2-Grad Zieles. Ich wette, dass es nicht klappt. Politiker sind einfach, pardon, zu doof und gehen ihren Wahlzyklusinteressen nach (und den Aufträgen, die sie aus der Wirtschaft erhalten). Der russische Vizepremier Rogosin, bis vor kurzem russischer Botschafter bei der NATO, hat den Krieg um die Arktis ausgerufen. Man glaubt sich in die Zeit des kalten Krieges zurückversetzt. Der Grund wird klar benannt – die Rohstoffe in diesem Terrain. Die Öl- und Gasvorkommen will man ja nicht sichern, um ihre thermische Nutzung zu verhindern und den CO2 Ausstoß zu bremsen; nein, nein, das soll alles in die Luft gepustet werden. Wenn man die jahrzehntelangen vergeblichen versuche Russlands betrachtet seine Wirtschaft zu verifizieren, bleibt denen auf Gedeih und Verderb auch nichts anderes übrig als die Ausbeutung von Öl und Gas weiterzutreiben. Nur so lassen sich die Devisen erwirtschaften um das Land ruhig zu halten.[http://de.rian.ru/…tics/20121204/265068526.html] Man muß sich wohl bald um den Umgang mit den Folgen kümmern, verhindern läßt sich das alles nicht mehr. Sorry, privat bin ich ein optimistischer Mensch, aber kein Träumer und Realitätsverdränger.

  8. Ist es nicht sonderbar,

    dass ausgerechnet RWE diesen Blog zu Reklamezwecken nutzt? Man hat den Eindruck, sie wollten ihren langen Arm zeigen.

  9. Ergänzung

    Letzte Meldung über die beginnende Kommerzialisierung der russischen Nordroute [http://www.stefanschroeter.com/…hen-seeweg.html]
    Die Sache nimmt im wahrsten Sinne des Wortes Fahrt auf. Es ist alles darauf angelegt, die Ausbeutung fossiler Brennstoffe zu erweitern und zu verbilligen (für den Exporteur). Von Beteilung an Reduktionszielen keine Spur – leider. Paßt zum Beitrag in Zeit Online.

  10. ZEIT-Dossier – Frage

    Im ZEIT-Dossier “Klimakrieger” (22.11.12) ist von Michael Mann die Rede in Verbindung mit 2009 gestohlenen Emails, “Trick”, Angriffen, usw.

    Aber das habe ich bisher mit dem Namen Phil Jones verbunden. Es kann ja auf beide zutreffen…. ?

    [Antwort:Wenn ich mich recht erinnere, ging es um einen Satz aus einer Mail von Phil Jones an Mike Mann, der von den Klimaskeptikern fehlgedeutet und propagandistisch ausgeschlachtet wurde. Stefan Rahmstorf]