Erfundene Katastrophe? Teil 2

BLOG: KlimaLounge

Nah dran am Wandel
KlimaLounge

Hier folgt der 2. und letzte Teil unseres Gastbeitrags von Johannes Wandt. Heute geht es um Meeresversauerung, Eiszeitzyklen und Sonnenaktivität!

Versauerung der Meere und atmosphärischen CO2-Konzentration

Laut dem „Klimaskeptiker“-Buchautor Günther Vogl ist auch die Versauerung der Ozeane durch im Wasser gelöstes CO2 eine Lüge (Die Erfundene Katastrophe, Seiten 185):

„Palejero et al haben in einer Studie im Jahre 2005 folglich auch festgestellt, dass man im Bereich des südwestlichen Pazifiks keinen Trend zu niedrigeren pH-Werten innerhalb der letzten 300 Jahre feststellen kann. Die angebliche gemessene „Versauerung“ der Meere gibt es nicht. Wieder einmal wird mit bewusster Manipulationsabsicht argumentiert. In der Hoffnung, dass der Normalbürger nicht genug Informationen hat, um die Lüge zu erkennen.“

In der von Vogl zitierten Publikation von Palejero et al. wird allerdings nicht der pH-Wert der Ozeane untersucht, sondern spezielle Prozesse, welche in Korallenriffen ablaufen und den pH-Wert im Korallenriff zusätzlich beeinflussen. Die Autoren erwähnen die Versauerung der Ozeane absolut unmissverständlich und wiederholt. So liest sich beispielsweise der erste Satz der Kurzzusammenfassung (!) folgendermaßen: „Die Ozeane werden saurer auf Grund der Absorption von anthropogenem CO2 aus der Atmosphäre“. Dies ist das exakte Gegenteil von Vogls Behauptung. Man kann nicht umhin, dies als eine Falschaussage bzw. Täuschung zu klassifizieren und außerdem eine Unterstellung gegenüber den Autoren des Fachartikels.

Das Paper von Palejero et al. ist geeignet, auch noch eine zweite von Vogls Thesen zur widerlegen. Auf den Seiten 84 bis 93 in Die Erfundene Katastrophe behauptet Vogl, dass die atmosphärische CO2-Konzentration im 19. Jahrhundert schon einmal Werte über 400 ppm aufwies. Als Belege dienen Vogl unter anderem ein Eintrag aus Meyers Konversationslexikon aus dem Jahre 1885 (!) und die Recherche eines gewissen Studienrats namens Ernst-Georg Beck. Wie Eiskernbohrungen zeigen, lag – in der Realität – die CO2-Konzentration in vor-industrieller Zeit bei ca. 280 ppm und steigt seitdem kontinuierlich an, vor allem durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe. Neben Eiskernbohrungen kann man den Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentration auf Grund Verbrennung fossiler Brennstoffe indirekt auch aus dem abnehmenden Anteil des 13C-Kohlenstoff-Isotops in der Luft ableiten, denn fossiler Kohlenstoff enthält nur wenig 13C. Genau diesen Effekt, genannt Suess-Effekt, beobachten Palejero et al. bei der Analyse der Korallen. Sie schreiben dazu: „Das auffälligste Feature der δ13C Kurve ist der Trend zu niedrigeren Werten seit 1800. […] Der langanhaltende Abfall des Korallen-δ13C [-Anteils] kann dem Suess-Effekt zugeschrieben werden, ausgelöst durch die Aufnahme des Ozeans von atmosphärischem CO2 welches auf Grund der Verbrennung fossiler Brennstoffe zunehmend abgereichert wurde an 13C.“ Vogl gelingt hier also das Kunststück, mit einem einzigen Zitat gleich zwei seiner Thesen zu widerlegen.

Lag or Lead

Unter dem Titel „Statistiken und Scheinkorrelation“ präsentiert Vogl ein Argument, welches unter Klimaskeptikern auch als „Lag-or-Lead“ (in etwa: „folgen oder führen“) bekannt ist. Dieses Argument betrifft die zeitliche Korrelation der CO2-Konzentration und der Temperaturen und zielt auf die Frage ab, was Ursache (lead) und Konsequenz (lag) ist.

Die Abbildung 2 zeigt die CO2-Konzentration und Temperaturen-Änderungen in Tropen und Antarktis während der letzten 800.000 Jahre, beides bestimmt aus Eiskernbohrungen. Beim Übergang aus einer Eis- in eine Warmzeit wird der Temperatur-Anstieg initial durch die Änderungen der Bahnparameter und Achsenneigung der Erde angestoßen; diese Milanković-Zyklen wiederholen sich periodisch alle ca. 100.000 Jahre. Die CO2-Konzentration steigt dann in als Folge dieses initialen Temperaturanstiegs durch Veränderungen der (bio-) chemischen Prozesse, was über einen Feedback-Mechanismus einen weiteren Beitrag zum Temperaturanstieg leistet. Genau dies geschah auch beim Einsetzen der aktuellen Warmzeit, des Holozäns, vor etwa 10.000 Jahren. Unabhängig davon (oder zusätzlich dazu) führen die anthropogenen CO2-Emissionen der letzten 250 Jahre zu einem weiteren Temperaturanstieg und hier ist CO2 in die Ursache, nicht Konsequenz, des Temperaturanstiegs.

Abbildung 2 Zeitliche Korrelation von atmosphärischer CO2-Konzentration (oben, grün) mit Variation der tropischen Wassertemperatur (mitte, pink) und der Temperatur der Antarktis (unten, lila). IPCC, 2013: Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Nach Abbildung 5.3, Seite 400.

Man muss also unterscheiden zwischen i) der natürlichen Warm-Kaltzeit Abfolgen mit CO2-Anstieg als Konsequenz (plus Feedback-Loop) und ii) dem anthropogenen Klimawandel mit CO2-Anstieg als Ursache. Genau diese Unterscheidung lässt Vogl aber unter den Tisch fallen (Die Erfundene Katastrophe, Seite 32):

„Mit dieser Graphik hat man nachzuweisen versucht, dass Kohlendioxid die Temperatur beeinflusst. Viel Kohlendioxid bedeutet eine hohe Temperatur. Also treibt der Ausstoß von CO2 die Temperatur nach oben. So einfach. Und so falsch.“

Das ist ein klassisches Beispiel eines Strohmann-Arguments, bei dem man eine vermeintliche Aussage eines Gegners widerlegt, welche dieser nie geäußert hat. Die Klimaforschung hat nämlich nie behauptet, dass CO2 bei den in Abbildung 1 gezeigten Prozessen die initiale Triebkraft ist. So steht zum Beispiel im paläoklimatologischen Teil des 5. Sachstandberichts des IPCCs:Mit hoher Sicherheit ist der Orbitalantrieb die primäre externe Triebkraft der Kaltzeit-Zyklen. Allerdings spielt der atmosphärische CO2-Gehalt eine wichtige Rolle als interner Feedback.“; Schönwiese schreibt dazu in einem Klimatologie-Lehrbuch folgendes (4. Auflage 2013, Seiten 301-302):

„Bei diesem Phänomen darf die formale Korrelation der Variation von Temperatur, CO2– und CH4 Konzentration […], wie sie bei derartigen Eiskernbohrungen auftaucht, aber nicht zu Fehlinterpretationen verleiten. Wahrscheinlich haben nämlich primär die Klimavariationen, hervorgerufen durch die oben geschilderten Prozesse (Orbitalparameter), in dieser zeitlichen Größenordnung die CO2– und CH4 Variation gesteuert und nicht umgekehrt, obwohl damit natürlich auch eine gewisse Rückkopplung und somit Wechselwirkung verbunden ist.“

Vogl widerlegt somit eine Aussage, welcher er der Klimawissenschaft selbst in den Mund gelegt hat.

Sonnenaktivität vs. CO2-Treibhauseffekt

Auf den Seiten 103 bis 108 in Die Erfundene Katastrophe präsentiert Vogl ein weiteres Argument, welches häufig gegen den anthropogenen Klimawandel vorgebracht wird. So wären die Temperaturschwankungen der letzten Jahrhunderte inklusive der globalen Erderwärmung der letzten 150 Jahre im Wesentlichen durch die Variation der Sonnenaktivität erklärbar. Auf das gleiche Argument stützt sich das Klima-Manifest des bayrischen Ablegers der WerteUnion, wie schon dessen Überschrift verrät: „Die Sonne steuert unser Klima, nicht das CO2“. (Siehe dazu auch den KlimaLounge Beitrag Das Klima-Manifest 2020 der Werte-Union.)

Als Beleg werden verschiedene Maße für die Aktivität der Sonne, z.B die Anzahl der Sonnenflecken, mit der Änderung der globalen Durchschnittstemperatur korreliert. Generell ist der von der Sonne eingestrahlte Energiefluss, gemessen an der Obergrenze der Atmosphäre, relativ stabil bei ca. 1370 Wm-2. Die Abweichung davon ist gering (Größenordnung von 0.1%) und wird von einem 11-jährigen Zyklus dominiert. Überlagert wird der 11-jährige Zyklus von langjährigen Trends, welche durchaus einen Effekt auf die globale Temperatur haben. So zeigt die der Sonne zuzuordnende Temperaturanomalie (Abbildung 3 b) in den Jahren 1880 bis ca. 1980 in der Tat einen zunehmenden Trend, der in diesem Zeitfenster (1880 bis 1980) rein qualitativ grob zur Kurvenform der gesamten Temperaturanomalität zu passen scheint (Abbildung 3 a). Allerdings ist der absolute Beitrag der Sonnenaktivität in diesem Zeitraum mit < 0.1 °C vergleichsweise deutlich kleiner als die gesamte globale Temperaturanomalie. Außerdem hat sich der Trend der Sonnenaktivität seit ca. 1970-1980 umgekehrt (pink hinterlegter Bereich in Abbildung 3 b), während in der gleichen Zeit die globale Durchschnittstemperatur weiter gestiegen ist. Dies zeigt anschaulich, dass die Sonnenaktivität nicht hauptverantwortlich sein kann für die globale Erderwärmung der letzten 150 Jahre. Diese offensichtliche Diskrepanz – steigende Temperatur bei abnehmender Sonnenaktivität seit ca. 1980 – wird von Klimawandel-Skeptikern einfach ignoriert, indem die gezeigten Abbildungen einfach bei ca. 1980 enden und die Diskrepanz damit nicht ersichtlich wird. So zeigt Vogl zwei Abbildungen, welche jeweils die Sonnenaktivität mit der globalen Durchschnittstemperatur korrelieren (Die erfundene Katastrophe, Seiten 105 bis 107). Die Zeitachsen dieser Abbildungen reichen von 1860 bis 1980 bzw. von 1670 bis ca. 1988.

Dieses Vorgehen, also die gezielte Auswahl „passender“ Daten welche die eigene Argumentation stützen und das Weglassen unliebsamer Daten, wird in der Wissenschaft als Cherry-Picking (zu Deutsch in etwa Rosinenpicken) bezeichnet.

Abbildung 3 a) Anomalität der globalen Oberflächen- Temperatur (im Vergleich zu einer Referenzperiode) und b) Beitrag der Sonnenaktivität zu Temperaturanomalität. IPCC, 2013: Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Nach FAQ5.1 Figure 1, Seite 393.

Weitere eindeutige Belege, dass anthropogene CO2-Emissionen und nicht die Variation der Sonnenaktivität hauptverantwortlich sind für die globale Erderwärmung, liefern „Detection and Attribution“-Studien (siehe auch „Detection and Attribution und der Angriff auf Benjamin Santer“ in Teil 1). Die Idee hinter diesem Ansatz ist folgende: Verschiedene mögliche Ursachen für eine globale Erderwärmung müssten unterschiedliche, spezifische „Fingerabdrücke“ aufweisen. So kann man aus Klimamodellen ableiten, dass eine Zunahme der Sonnenaktivität sowohl die Troposphäre (untere Schicht der Atmosphäre) als auch die Stratosphäre (obere Schicht der Atmosphäre) erwärmen müsste. Ein durch CO2-Emissionen verstärkter Treibhauseffekt würde hingegen nur die Troposphäre erwärmen, während sich die Stratosphäre abkühlen müsste. Und genau dies zeigen Satellitenmessungen (Abbildung 4): Die Troposphäre erwärmt sich, während sich die darüber liegende Stratosphäre gleichzeitig abkühlt. Dies ist ein klarer Fingerabdruck des anthropogenen Klimawandels, ausgelöst durch CO2-Emissionen. Eine Änderung der Sonnenaktivität kann eine gleichzeitige troposphärische Erwärmung und stratosphärische Abkühlung nicht erklären. Die Gleichzeitigkeit troposphärischer Erwärmung und stratosphärischer Abkühlung ist so prägnant und signifikant, dass sie sich nicht einfach durch geschickte Auswahl der Daten (wie bei der Korrelation Sonnenaktivität vs. Globale Durchschnittstemperatur) verstecken lässt. Daher wird der Sachverhalt einfach komplett verschwiegen, quasi Cherry-Picking auf einem höheren Level. So erwähnt Vogl die stratosphärische Abkühlung in keinem seiner beiden Bücher.

Abbildung 4 Temperatur-Änderungen der Stratosphäre (obere Abbildung) und Troposphäre (untere Abbildung); Agung, El Chicon und Pinatubo kennzeichnen Vulkanausbrüche. Met Office Hadley Centre for Climate Science and Services.

Fazit/Postfaktische Beliebigkeit

Die Liste der Scheinargumente in Vogls Büchern ließe sich noch lange fortsetzen. Das Ziel dieses Beitrags ist allerdings nicht die vollständige inhaltliche Widerlegung – es gibt schon exzellente Sammlungen zur den Klassikern der Klimawandel-Leugner  -, sondern die Analyse der rhetorischen und stilistischen Konstruktion dieser Argumente.

Zwar ist es auch ohne Vorbildung in der Klimaforschung mit geringem Aufwand möglich die Argumentationsweise der Klimawander-Leugner zu durchschauen, dennoch erscheinen zumindest manche der Argumente auf den ersten Blick überzeugend genug zu sein, um beim Laien Zweifel an der anthropogenen Klimaerwärmung zu erzeugen. Und das Säen von Zweifeln ist ausreichend, um ein Festhalten am Status-Quo zu rechtfertigen und notwendige gesellschaftliche Veränderungen abzulehnen. Langfristig führt der Angriff auf die Wissenschaft – nicht nur in der Klimaforschung – so zu einer Beliebigkeit der Fakten. Diese postfaktische Beliebigkeit ist ein Gift, welches droht der Entscheidungsfindung in demokratischen Gesellschaften die Grundlage zu entziehen.

Johannes Wandt ist studierter Chemiker und in der Lithium-Ionen Batterieforschung tätig. 2007 war er Bundessieger Jugend Forscht.

Direkt zu Teil 1 dieses Artikels

Die meisten der klassischen Klimaskeptiker-Thesen, wie sie auch Günther Vogl verbreitet, sind bei Skeptical Science widerlegt.

Eine gute deutsche Quelle für Informationen zu Klimawandel und Klimaskeptiker-Thesen ist Klimafakten.de.

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

13 Kommentare

  1. Vielen Dank für den sehr verständlich geschriebenen Artikel.
    Allerdings wäre wohl die Bezeichnung “Lüge” für Vogls Lügen angemessener als “Täuschung”…
    Können Sie bitte noch die biochemischen Prozesse nennen, welche in der Folge der durch die Milankovic-Zyklen initiierte Erwärmung den CO2-Anstieg in der Atmosphäre bewirken?

    • Das ist Gegenstand einer ganzen Vorlesungs-Doppelstunde in meiner Paläoklimavorlesung. Mit anderen Worten: es ist kompliziert, es gibt eine ganze Reihe von Prozessen, die während der Eiszeiten mehr CO2 in den Ozean einspeichern (und in Warmzeiten wieder freigeben): biologische Pumpe und Eisendüngung, Veränderungen der Ozeanzirkulation und Meereisdecke, Veränderung der Löslichkeit von CO2 (die ist höher in kaltem Wasser), usw.

      • Höhere Löslichkeit von CO2 in Wasser bei kälteren Temperaturen ist trivial und ein physikalischer, kein biochemischer Vorgang. Aber wohl der wichtigste Rückkopplungsmechanismus überhaupt.
        Ich kenne keinen einzigen, deshalb interessieren sie mich enorm.
        Bleibt mir wohl nur der entsprechende Vorlesungsbesuch bei Ihnen.

  2. Herr Wandt, nochmals vielen Dank für diese wichtige Arbeit im Sinne der Aufklärung. Es ist wichtig dass man die Vorgehensweise der Leugner analysiert und entlarvt.
    Für mich ist aber immer wieder verblüffend, wie einfach es ist, Menschen mit noch so schlechten Argumenten oder durchsichtigen Lügen zu überzeugen, solange diese in ihr bequemes Weltbild passen.

    Diese postfaktische Beliebigkeit ist ein Gift, welches droht der Entscheidungsfindung in demokratischen Gesellschaften die Grundlage zu entziehen.

    Exakt. Auch wenn das nichts Neues ist. Der demokratische Weg war und ist langsam mühsam, voller Umwege und Sackgassen, welcher mit grellen Wegweisern von Populisten und Lobbyisten versehen sind.
    Das Besondere an der Leugnung des Klimawandels ist, dass man sich hier nicht mehr allzu viele Umwege und Sackgassen leisten kann.
    Aufklärung und kritische, wissenschaftlich fundierte Bildung, beginnend in den Grundschulen kann gar nicht genug gefördert werden. Aber da der Mensch nur allzu gerne glaubt, was für ihn bequem ist, hilft auch das nur sehr begrenzt.
    Das Gute ist, der Großteil der Menschen hat intuitiv verstanden worum es bei der Übernutzung der Planetaren Ressourcen geht. Aber die Minderheit der Leugner ist sehr aktiv in den Medien unterwegs. Schließlich geht es um die “ganz große Verschwörung”, “wir oder Sie”, am Ende ist es archaischer Tribalismus, der sehr tief in uns verwurzelt ist.

  3. Im Artikel werden nur der Milanković-Zyklus sowie der 11-jährige (Schwabe-) Zyklus der Sonne genannt.
    Welche Wirkung aufs Klima haben die folgenden weiteren Zyklen der Sonne, deren gegenseitige Überlagerung (zeitweise noch durch Vulkanismus verstärkt) nach meiner -hoffentlich richtigen- Information zu der “Kleinen Eiszeit” (LIA) von ca. 1300 bis 1850 führten?
    – Hale-Zyklus, 22 Jahre
    – Gleissberg-Zyklus, 90 Jahre
    – Suess-DeVries-Zyklus, 210 Jahre
    – Zyklus ohne Namen, 500 Jahre
    – Eddy-Zyklus, 1000 Jahre
    – Hallstat-Zyklus, 2300 Jahre.

    Die Sonnenforscher erwarten für die nächsten Jahre und Jahrzehnte eine gegenüber den letzten 30 oder 40 Jahren abgeschwächte Sonnenaktivität und sagen, dass dies zu einer Abkühlungsphase der Erde führen könnte.

    Wie weit kann man die Kleine Eiszeit und die damaligen Sonnenzyklen (Maunder-Minimum) mit der heutigen Entwicklung vergleichen bzw. was ist heute anders?

    Laut dieser Studie:
    “A prequel to the Dantean Anomaly: the precipitation seesaw and droughts of 1302 to 1307 in Europe”
    https://cp.copernicus.org/articles/16/2343/2020/
    ähnelt zudem nun auch noch der Verlauf des Klimas und Wetters der letzten 5 Jahre sehr dem Verlauf der Jahre 1302 bis 1307, als die “Kleine Eiszeit” ziemlich abrupt begann.

    Kann es sein, dass der Einfluss der Sonne (indem sie “schwächelt”) jetzt wieder zunimmt, wie es James Hansen in seinem Blog auch schon für möglich gehalten hat (“Therefore, because of the combination of the strong 2016 El Niño and the phase of the solar cycle, it is plausible, if not likely, that the next 10 years of global temperature change will leave an impression of a ‘global warming hiatus’.) ?
    Fundstelle: http://www.columbia.edu/~jeh1/mailings/2018/20180118_Temperature2017.pdf

    • Zur Sonnenaktivität und ihrer Wirkung aufs Klima verweise ich auf eine neue Veröffentlichung der ETH Zürich in deren News:
      “Aerosole verändern Sonneneinstrahlung über Jahrzehnte”
      https://t1p.de/408h

      Interessant ist folgnde Aussage, bezogen auf die Sonneneinstrahlung:
      “Weshalb es zu den über Jahrzehnten beobachteten Schwankungen kam, ist jedoch nur unzureichend geklärt. Besonders umstritten ist, ob die Schwankungen durch die Luftverschmutzung und die damit verbundene Blockierung des Sonnenlichts durch Aerosole verursacht werden oder ob sie eher eine Folge natürlicher Schwankungen im Klimasystem sind.”

      Außerdem ist es verblüffend, dass laut der Studie, über die berichet wird, seit den 1950er-Jahren die Sonnenaktivität laufend abgenommen hat und dann dieses “global dimming” ab den späten 1980ern wieder ein “brightening” einsetzte.
      Dieser Verlauf steht nach meinem Dafürhalten in relativ enger Korrelation mit der Globaltemperatur, die bekanntermaßen von ca. 1940 bis 1975 etwas abkühlte und dann bis 1998 realativ “steil” anstieg, dann bis 2010 einen geringeren Anstieg zeigte und dann wieder zu einem steileren Anstieg wechselte:
      Lineare Trends: https://t1p.de/kffr
      bzw. die nicht linearisierten Daten: https://t1p.de/7u4e
      Nebenbei interessant: die letzten 5 Jahre sind die Temperaturen wieder rückläufig: https://t1p.de/76v5 wobei wegen des aktuellen La Nina auch 2021 mit keinem Temperaturanstieg gerechnet wird.

      Im Blog “Das Klimamanifest 2020 der Werte-Union“ vom März 2020 ist ja auch schon die hochinteressante Grafik aus der Studie von Stauning zu sehen, nach der die Temperaturen der NH bis 1980 sehr eng mit der Sonnenaktivität korrelierten.

      Das hier im Blog aufgeworfene Thema der Wirkung oder Nicht-Wirkung der Sonnenaktivität auf die Globaltemperatur und das Klima gewinnt durch die von der ETH-Zürich publizierte Information neues “Gewicht”.
      Nach Aussage der Publikation stehen zwei Erklärungen zur Verfügung, zwischen denen eine Entscheidung zur Zeit offensichtlich nicht möglich ist: haben im betrachteten Zeitraum die Aerosole oder die Sonne selbst die Globaltemperatur beeinflusst.

      • Die Abschattung der Sonne durch die Aerosolverschmutzung der Atmosphäre ist Teil des anthropogenen Klimawandels und hat nichts mit Sonnenaktivität zu tun; bei Letzterer geht es um Veränderungen in der Sonne und nicht hier auf der Erde.

  4. Bild 4 legt nahe dass Aerosole zur Erwärmung der Stratosphäre beitragen. Wie hat sich ihre Konzentration langfristig (abgesehen von Vulkan-Ausbrüchen) entwickelt?

  5. herzlich wollkommen im kampf, herr wandt!

    berichten Sie dann auch von den angriffen, die Sie erleben werden?

    erschreckend, wie man mit solchen büchern kasse machen kann. bin mal gespannt, wann an anderer stelle der sozialen medien diese “werke” zum lesen empfohlen werden…

    • Bei den Verlagen des Herrn Vogl dürfte es sich um sog. “Zuschussverlage” handeln, bei solchen müssen für eine Auflage zunächst erhebliche eigene “Druckkostenzuschüsse” geleistet werden. Der verdient also vermutlich nichts an seinem Kram, im Gegenteil: ich denke, der zahlt erheblich drauf!

      Zu all den Lyriksammlungen, Liebesschnulzen à la Rosamunde Pilcher, Motorradfahrten nach China, Pornos, literarischen Verarbeitungen erlittenen Unrechts, Krimis und Beziehungsgeschichten … – zum immer schon gängigen Repertoire der bundesdeutschen “Ich bin Buchautor”-Träumer sind in den letzten Jahren eben auch diverse Klimasatiren à la Vogl dazu gekommen.

      Der ehemalige Cheflektor vom Rowohlt-Verlag Dirk Vaihinger hat 1999 über die i.d.R. unterirdische Qualität solcher ihm regelmäßig zugeschickten Elaborate einmal in der ZEIT einen wunderbaren Artikel geschrieben: https://www.zeit.de/1999/40/Koennen_Sie_schreiben_
      Passt alles wirklich sehr gut zu den Anmaßungen des Herrn Vogl!

      Viel Hassausbrüche der von den Profis Abgelehnten gab es auch damals schon, erzählt Vaihinger, solche Emotionen der Gedemütigten sind also nichts Neues: “Ihr werdet noch um Gnade winseln. Ihr steht auf meiner Liste. Und Sie, Herr sogenannter Le(c)ktor, Sie werden bezahlen.”

      Ein viel größeres Problem ist, dass die “Autoren” meistens die nicht abgesetzten Restauflagen, die in die tausende gehen können, selbst abnehmen müssen. Der ganze Krempel landet dann oft in der Garage und das Auto muss fortan draußen bleiben. Das ist mit e i n Grund dafür, warum die Parkplätze vor all den Villen so knapp sind.

      Mit fällt jetzt noch ein „Tünnes-und Schäl“-Witz dazu ein, aber der wäre zu ordinär! Das kann ich zarten Physiker-Seelen nicht zumuten!

Schreibe einen Kommentar