Ein Klimavertrag im Entstehen

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Gastbeitrag von Klaus Bittermann (Doktorand am Potsdam-Institut)

Morgen ist der letzte Tag der ersten von drei Bonner Vorbereitungskonferenzen für Paris, Ende des Jahres. Für die erste Woche konnte ich mich als Beobachter für das PIK akkreditieren lassen. Hier sind ein paar Beobachtungen und Hintergrundinfos mit Links für die weitere Recherche.

Vom ersten bis zum elften Juni treffen sich die 195 Parteien (194 Nationen + EU) der UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change) in Bonn, um über einen umfassenden, rechtskräftigen Klimavertrag zu verhandeln. Der große Showdown ist zwar erst für Paris im Dezember 2015 angekündigt, die wirkliche Arbeit wird aber schon weit im Voraus geleistet, auf Konferenzen wie dieser. Der zukünftige Vorsitzende der Konferenz in Paris, Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, hat bei der Eröffnung schon klar gemacht, dass die Franzosen großen Wert auf ihre Sommerferien legen und er deshalb so bald wie möglich einen fertigen Vertragstext haben möchte, den man dann in Paris verabschieden kann.

Dass es so leicht nicht werden würde, war allen klar. Als Außenstehender merkt man das schon an den komplexen Strukturen. Um also kompliziert einzusteigen: es treffen sich in Bonn nicht einfach die Nationen der Welt, sondern, technisch gesehen, ist es die 42ste Session des ‚Subsidiary Body for Implementation‘ (SBI 42) und des ‚Subsidiary Body for Scientific and Technical Advice‘ (SBSTA 42), außerdem der neunte Teil der zweiten Session der ‚Ad Hoc Working Group on the Durban Platform for Enhanced Action‘ (ADP 2-9). (Man sieht, vor Akronymen darf man sich in der UN-Welt nicht fürchten.) Was am Ende die größte Beachtung finden wird, ist die Arbeit der ADP. Diese verhandelt den Text für das, was meist als Klimavertrag verstanden wird. Diesen Text gibt es auch schon seit dem Treffen (ADP 2-8) in Genf im Februar (http://unfccc.int/resource/docs/2015/adp2/eng/01.pdf). Nun hat dieser Entwurf aber noch viele Optionen und Paragraphen, die teils gestrichen, teils zusammengefasst und gestrafft werden müssen. Hier zeigt sich die Kompromissbereitschaft der Parteien, denn bisher hat jeder auch seine Lieblingsformulierung im Text untergebracht und verzichtet ungerne auf sie. Es ist zusätzlich aber auch ein sehr feines Gespür nötig. Was für den Laien erst einmal gleich klingen mag, kann für lange Kontroversen sorgen. So kann es auch einmal vorkommen, dass sich eine kleine Debatte über das Wörtchen ‚und‘ anstelle eines Kommas entspinnt. Es bilden sich also Arbeitsgruppen die sich mit einzelnen ‚kleinen‘ Passagen beschäftigen und ihre Ergebnisse dann der großen Runde präsentieren, wo alles noch einmal Satz für Satz besprochen werden kann.

Es ist natürlich einfach und in der herrschenden allgemeinen Politikverdrossenheit nicht einmal unüblich, darüber nur den Kopf zu schütteln. So könnte man darin einen aufgeblasenen sich selbst erhaltenden Apparat sehen, in dem jeder kleinkariert die eigenen Interessen verfolgt. Oder aber man staunt ob der enormen Komplexität des Themas und des Engagements der Beteiligten.

Natürlich vertritt jedes Land seine eigenen Interessen. So würden die verwundbarsten Länder die 2-Grad-Grenze gerne zu einer 1,5-Grad-Grenze machen – was auch durch die neue wissenschaftliche Analyse für die Pariser Konferenz durchaus gestützt wird. Andere Länder achten vielleicht darauf, dass bestimmte Passagen weichgespült werden, aber es gibt niemanden, der noch in Abrede stellt, dass dringend gehandelt werden muss. Der Konsens der Wissenschaft ist also in der Politik angekommen. Der Leitspruch, den die Generalsekretärin der UNFCCC Christiana Figueres zu Anfang herausgegeben hat, war ‚All Together Now‘. Sie hat alle darauf eingeschworen, indem sie es beim Begrüßungsbankett so geschickt eingeleitet hat, dass es alle Anwesenden, über Parteigrenzen hinweg, im Chor ausgerufen haben.

Es besteht also Hoffnung, dass in Paris ein rechtskräftiger Klimavertrag verabschiedet wird – das alleine reicht aber nicht. Dieser Vertrag wird, für sich genommen, das Klimaproblem nicht lösen, er wird nicht festsetzen was jedes Land im einzelnen zu leisten hat, aber er wird Rahmenbedingungen setzen, quasi ein großes Fundament bilden auf dem Adaptions- und Mitigationsmaßnahmen aufgebaut werden können. Ein entscheidender Baustein dabei ist das ‚Long Term Goal‘ (LTG), allgemeinhin auch als das 2-Grad-Grenze bekannt. Was die Parteien im Augenblick zu leisten bereit sind (also quasi das ‚Near Term Goal‘) kann man an den INDCs, den ‚Intended Nationaly Determined Contributions‘, sehen. In Lima haben sich die Parteien 2014 darauf geeinigt, diese so früh wie möglich im Jahr 2015 einzureichen. Es handelt sich dabei um einen Maßnahmenkatalog, in dem beschrieben wird, wie auf nationaler Ebene Emissionen vermieden und Anpassungen vorangetrieben werden sollen. Jedes Land sollte auch begründen können, warum es der Meinung ist, damit seinen fairen Teil zu leisten. Dies gelingt jedoch nicht immer. Bisher haben erst 39 Parteien (davon alleine 28 EU Länder) ihre INDCs eingereicht (http://unfccc.int/focus/indc_portal/items/8766.php). Nach UN-Umfragen wird die größte Welle an INDCs im September eingereicht werden, aber es ist jetzt schon abzusehen, dass die Zusagen nicht auf dem Weg zum 2-Grad-Ziel liegen (der aktuelle Trend geht zu 4 Grad, würden alle INDCs eingehalten, Richtung 3 Grad) – das hat auch Christiana Figueres auf Nachfrage ganz klar gesagt. Ihrer Ansicht nach sind diese Zusagen allerdings auch nicht der in Stein gemeißelte Weg, den die Welt nun geht, sondern nur eine erste ‚Anzahlung‘ der Länder. In welchen Zeiträumen diese Anzahlungen nun überarbeitet und potentiell aufgestockt werden und ob sich der faire Anteil irgendwie einvernehmlich objektivieren lässt, wird noch diskutiert. Aber auch ohne diese allgemein anerkannten objektiven Kriterien lassen sich schon Urteile fällen (http://climateactiontracker.org/) und es fällt den Parteien schwer schwache Ambitionen zu kaschieren – die bisher eingereichten Selbstverpflichtungen mussten nämlich von den Parteien vorgestellt und verteidigt werden.

Was auffällt, wenn man derzeit in Bonn und vor allem um das UN-Viertel herum unterwegs ist, sind grün-schwarze Plakate. Diese hängen von Laternen, Litfasssäulen, Plakatwänden, werden sogar in der U-Bahn projiziert. Sie sollen dem Betrachter zeigen, dass sich die Welt bewegt. Es sind viele Positivbeispiele aus der Industrie und Politik, Städte, die klimaneutral werden wollen, bis hin zu internationalen Konzernen, deren Ziel es ist auf Ökostrom umzusteigen (http://climateaction.unfccc.int/). Lauter kleine und große Beiträge, die das Feld quasi von unten aufrollen und die verhandelnden Parteien noch einmal zusätzlich motivieren sollen. Ein weiteres Positivzeichen kam vorgestern von ganz oben. Die G7 hat sich in ihrem Abschlussbericht zum 2-Grad-Ziel in Kombination mit einer Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bis 2100 bekannt.

Wenn es dann ernst wird, auf der großen Klimakonferenz in Paris (30.11-11.12.2015), der COP21/CMP11 (21st Conference of the Parties & 11th Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Kyoto Protocol, http://www.cop21.gouv.fr/en), hat die französische Regierung erstmals Pavillons vorgesehen, die jedermann auch ohne eine Akkreditierung besuchen kann. Dort soll es allerhand Nebenveranstaltungen, Ausstellungen und die Möglichkeit geben, sich auch mit den einzelnen Verhandlungsparteien kurzzuschließen. Eine Möglichkeit für jeden direkt zu partizipieren und möglicherweise einen historischen Moment zu erleben.

Wer die Verhandlungen noch weiter verfolgen oder das Bisherige nachbearbeiten will, der findet unter anderem hier weitere Infos:

http://newsroom.unfccc.int/

http://www.iisd.ca/climate/adp/adp2/

http://www.climatenetwork.org/event/bonn-climate-change-conference-adp29-sbisbsta-42

http://www.klimaretter.info/dossiers/bonn-2015/

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Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

19 Kommentare

  1. nach zwei drittel musste ich aufhören, vielleicht habe ich was übersehen…

    Bin ich falsch informiert, oder geht es bei Paris 15 gar nicht um einen verbindlichen Vertrag, sondern um freiwillige Angebote der einzelnen Ländern, welche sie dann auch einhalten versuchen. Man verspricht sich daraus mehr, da sonst wieder nichts zu Stande kommt, wie in Copenhagen.

    Außerdem ist es ja so, dass Länder, welchen irgendwann die Klimaabkommen (Kyoto) nicht passen, ganz einfach aussteigen (Canada…) und dafür existieren freilich auch keine völkerrechtlichen Regelungen, also keine/kaum Konsequenzen und übrigens hat eh fast kein Land die Kyoto Vereinbarungen erfüllt. Aus Fehlern sollte man lernen.

  2. Ich dachte immer das PIK wäre für Klimaforschung zuständig und nicht für klimapolitische Ziele (Klimaaktivismus)…. Wie passt das zusammen Klimaforschung und Einmischung in Politik? … Wie wirkt sich das auf die Klimaforschung aus? ….. Und warum muss man immer wieder betonen das ein sog. Konsens besteht, wenn dass schon seit über einen Jahrzehnt für alle Klimaschützer und politischen Entscheidungsträger klar ist?

    • Zu den Aufgaben des PIK gehört nicht nur Forschung sondern auch die Politikberatung. Der Direktor, Prof. Schellnhuber, ist Vorsitzender des von der Bundesregierung berufenen wissenschaftlichen Beirat globale Umweltveränderungen, an dem ich auch schon 8 Jahre mitgewirkt habe. Auch in anderen Gremien sind PIK-Wissenschaftler entsprechend beratend tätig.

  3. Der UNFCC-Klimaprozess mit seinen COP’s war im Rückblick geprägt durch Konfrontation und Warten auf Zugeständnisse der jeweils anderen Seite. Offenbar weil die beteiligten Parteien vor allem die Kosten von Zugeständnissen für sich selbst sahen. Zudem wurde der Schwerpunkt zu stark auf die politische Seite gelegt. Die implizite Annahme vieler Beteiligter, auch vieler Klimawissenschaftler war wohl, dass das 2°C-Ziel dann eingehalten werden kann, wenn die Länder sich zu Emissionsreduktionen verpflichten. Am Anfang stehe also der poilitische Wille, die Realisation sei jedoch technisch durchaus möglich.
    Das scheint mir aber sowohl technisch als auch psychologisch nicht unbedingt der beste Weg. Denn eine Abkehr von der jetzt überwiegend fossilen Energieversorgung ist weit mehr als ein technisches Problem und kann durch Willensbekundungen allein nicht erreicht werden. Vielmehr hätte von Anfang an viel mehr Kooperation im technischen und infrastrukturellen Bereich angestrebt werden müssen. Jetzt gibt es erste Anzeichen für mehr länderübergreifende Kooperation. So will Deutschland seine bis jetzt im Alleingang betriebene Energiewende auf seine Nachbarländer ausdehnen. Dazu sollen die Nachbarländer in ein Netz eingebunden werden das dann in seiner Gesamtheit für den Ausgleich von Energieschwankungen verantwortlich ist. Durch engere Kooperation, durch Eingehen einer Schicksalsgemeinschaft wird auch die Versuchung kleiner, die Schritte des jeweils anderen abzuwarten bis man sich selber verpflichtet. Wenn Europa nicht eine rein politisch/ökonomische Gemeinschaft bleibt, sondern zur Energiegmeinschaft wird, dann ist viel gewonnen. Unter anderem, weil die verschiedenen europäischen Länder ganz andere Voraussetzungen im Energiebereich haben und beispielsweise von Polen nicht genau das gleiche gefordert werden kann wie von Italien oder Deutschland. Zudem ist die Transmission von Strom und von anderen Energieträgern oft die kostengünstigste Art um lokale und zeitliche Engpässe zu überwinden. Dass es eine gemeinsame Energiepolitik in Europa erst ansatzweise gibt, hat wohl damit zu tun, dass der Energiebereich immer als wesentliches Element für die Souveränität eines Landes betrachtet wurde. Dieses Denken muss überwunden werden und das Vertrauen in eine gemeinsam betriebene Energiepolitik gestärkt werden.
    Das gleiche gilt auch für Asien und Afrika. Afrika beispielsweise verfügt über ein gewaltiges hydrologisches Potenzial, das allerdings in wenigen Ländern konzentriert ist (z.B. Inga-Fälle). Gäbe es ein transafrikanisches Netz grosser Kapazittät könnte Strom aus Wasserkraftwerken und Solarenergieanlagen den Bedarf jedes afrikanischen Landes abdecken und allfällige Schwankungen in der Produktion ausgleichen. Wiederum ist hier die Kooperation der entscheidende Faktor. Es braucht recht viel Vertrauen jedes einzelnen Landes in die Gemeinschaft um eine solche gesamtafrikanische Lösung zu verfolgen.

    • “Das scheint mir aber sowohl technisch als auch psychologisch nicht unbedingt der beste Weg. Denn eine Abkehr von der jetzt überwiegend fossilen Energieversorgung ist weit mehr als ein technisches Problem und kann durch Willensbekundungen allein nicht erreicht werden.”

      Jein, mit politischen Willensbekundungen allein nicht. Aber ohne sie vermutlich auch nicht. Selbst wenn es ein (fast) rein technisches Problem ist, können politische Rahmenbedingungen die Erreichung des Ziels beschleunigen oder ausbremsen.

      “Vielmehr hätte von Anfang an viel mehr Kooperation im technischen und infrastrukturellen Bereich angestrebt werden müssen. Jetzt gibt es erste Anzeichen für mehr länderübergreifende Kooperation.”

      Das sehe ich auch so.

      “So will Deutschland seine bis jetzt im Alleingang betriebene Energiewende auf seine Nachbarländer ausdehnen.”

      Hmm, es wird immer so getan, als wenn Deutschland das einzige Land der Welt wäre, was verstärkt seine Energiegewinnung (auch) nach ökologischen und klimatorischen Faktoren ausrichtet. Vermutlich steckt da auch ein stückweit deutsche Überheblichkeit in dieser Denkweise dahinter. 😉 Denn ich sehe Deutschland nicht so wirklich in einer führenden Rolle, was die Senkung der Treibhausgas-Emissionen und mehr EE angeht. Da sind Länder in Skandinavien und dem Alpenraum schon wesentlich weiter. Mag sein, dass es auch an den günstigen geographischen Gegebenheiten liegt, oder das deren Gesellschaften das Gemeinwohl als hohes Gut ansieht. Deutschland wurde mal in einem internationalem Ranking bzgl. der Energiewende auf Platz 24 eingestuft (http://www.dw.de/deutschland-verliert-vorbildrolle/a-17541370). Vielleicht sollten wir erstmal schauen, was wir von anderen Ländern übernehmen könnten, statt immer nur so zu tun, als wenn nur wir eine Energiewende durchführen.

      Ansonsten Zustimmung zu Ihren Ansichten zu Europa, Asien und Afrika.

      • Dass die Energiewende nur in Deutschland stattfindet, ist wirklich ein Mythos, der nicht totzukriegen ist. Genau wie der Mythos, dass die Energiewende erst 2011 nach Fukushima begonnen habe. Tatsächlich ist die Energiewende ein Prozess, der bereits in den 1970er Jahren begonnen hat, erst ganz zaghaft und kaum wahrnehmbar, aber doch begonnen. Dieser Prozess hat sich in den 1990ern und 2000er Jahren deutlich beschleunigt und ist mittlerweile im “Mainstream” angekommen, auch wenn es nachwievor sehr viele ideologische Kritiker gibt.

        Tatsächlich ist Deutschland aber noch nicht mal Pionier der Energiewende. Das ist Dänemark. Zudem sind wir weder in relativen noch in absoluten Zahlen Spitze, sondern bestenfalls in der Spitzengruppe. Relativ sind viele Staaten wie z.B. Dänemark, Spanien, Portugal, Schweden, Irland usw. deutlich weiter als Deutschland, absolut liegen die so viel gescholtenen Staaten China und USA deutlich vor Deutschland. In China ist heute mittlerweile bereits 3 mal so viel Windkraftleistung installiert wie in Deutschland (mehr als 120 GW), auch bei der PV liegt das Land längst vor Deutschland. Und die Wachstumsraten dort sind gigantisch. Alleine dieses Jahr soll China über 17 GW PV installieren http://energy.globaldata.com/media-center/press-releases/power-and-resources/china-will-lead-global-solar-installations-by-adding-176-gigawatts-in-2015-says-globaldata und bei der Windenergie werden es wohl wieder über 20 GW werden. Damit baut das Land in 2 Jahren die gleiche Leistung zu wie Deutschland in den vergangenen 25 Jahren insgesamt.

        Zudem tut sich auch in der Forschung einiges. In den letzten Jahren kam es zu einer sehr starken Zunahme internationaler Studien, die eine regenerative Vollversorgung ganzer Staaten, Regionen oder Kontinente untersuchen und für realistisch halten. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/wene.128/abstract Und zwar richtige Forschung, keine Auftragsstudien für Ökoverbände usw. und auch längst nicht nur in Deutschland, sondern auch für viele andere Staaten. Erst vor wenigen Wochen erschien z.B. eine Arbeit von niemand geringerem als Mark Z. Jacobson (Hauptautor) im Journal “Energy and Environmental Science”, die einen Plan für die vollständige Energiewende in den USA bis 2050 skizziert. In dieser Studie wird auch klar, wieso die Energiewende auch jenseits von allen Klimawandelschäden und Folgeschäden ökologisch und ökonomisch zwingend notwendig ist: Die Vermeidung von 600 Mrd. Dollar Gesundheitsschäden jedes Jahr durch die Verbrennung fossiler Energieträger ist nun wirklich ein schlagendes Argument für die Energiewende. Und das sind nur die Gesundheitsschäden in den USA. Die Klimaschäden beziffern Jacobson et al übrigens mit 3,3 Billionen Dollar, ebenfalls pro Jahr und nur auf die USA bezogen. http://pubs.rsc.org/en/Content/ArticleLanding/2015/EE/C5EE01283J#!divAbstract

        • die 3,3 Billionen sind eine Zukunftsprojektion für 2050.
          Welcher Zeitraum wären denn einer, oder welches Klima, welches keine Klimaschäden anrichtet?

          Komisch das die THG Emissionen Chinas weiter ansteigen, trotz dieser vielen PV usw. Anlagen. Vorreiter? Ich dachte, es geht um einen Rückgang der Emissionen?

          Wie soll eigentlich Deutschland eine stabile Stromversorgung garantieren, wenn irgendwann um 80% aus Wind und PV etc. kommen sollten, alles extrem witterungsabhängige Leistungsträger mit enormen Speicherbedarf. Aus Afrika, aus Norwegen, woher? Ich rede von einem Ausfall von über 50% über einer Fläche von 1 Million km² bei sehr ungünstigen Wetterlagen. Wie soll das auch nur annähernd funktionieren, wenn man ca. 400 Speicherkraftseen benötigt und bis heute gerade 1% davon mit Ach und Krach umgesetzt wurden?

          • Hallo Herr Prinz,

            [Komisch das die THG Emissionen Chinas weiter ansteigen, trotz dieser vielen PV usw. Anlagen.]
            Dass sie dass tun, trifft auf die Vergangenheit zu. Möglicherweise führen die Anstrengungen auch dort zu einer Trendwende. Möglicherweise entdecken auch die Chinesen die Vorzüge von sauberer Luft. Die besagte Trendwende ist offiziell erst für 2030 angekündigt, aber das vielleicht von der Wirklichkeit überholt:

            [ (Bloomberg) — China’s emissions of carbon dioxide fell last year for the first time in more than a decade, helping stall global production of climate-warming gases. The finding, along with new data from the International Energy Agency, is a sign that efforts to control pollution are gaining traction.
            Total carbon emissions in the world’s second-biggest economy dropped 2 percent in 2014 compared with the previous year, the first drop since 2001, according to a Bloomberg New Energy Finance estimate based on preliminary energy demand data from China’s National Bureau of Statistics.]

          • Zitat aus dem Link:

            “China has publicly committed only to peak CO2 emissions by 2030 or earlier, to peak coal use by 2020″…

            ja, gute Absichten! Sehen wir dann.

            In der Graphik ist 2015 bereits dabei und hier wird ein leichter Rückgang Chinas CO2 Emissionen aus Kohle..etc..suggeriert. Interpoliert auf das Jahr?
            Sonstige CO2 Quellen?
            Naja, wir werden es bald genauer wissen.

  4. Ich kann von einem weiteren “Positivzeichen” berichten:

    “Zu ehrgeizigem Klimaschutz, erneuerbaren Energien und Energieeffizienz gibt es auf Dauer keine sinnvolle Alternative. Deutschland und Europa nehmen zu Recht hier eine weltweite Vorreiterrolle in Anspruch. Die Bundesregierung sollte diesen Anspruch bei der Weltklimakonferenz in Paris noch einmal bekräftigen.”

    Geschrieben hat das soeben (Überschrift: “Zur Energiewende gibt es keine sinnvolle Alternative”) Peter Terium, Vorstandsvorsitzender der RWE AG seit 1. Juli 2012, in der FAZ-Beilage vom 9. Juni 2015 (Vahrenholt war übrigens Vorstandsvorsitzender der RWE Innogy bis Juli 2012).

    Zum erstenmal bin ich, was das Klima betrifft, nur noch eingeschränkt realistisch-pessimistisch.

  5. Der zukünftige Vorsitzende der Konferenz in Paris, Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, hat bei der Eröffnung schon klar gemacht, dass die Franzosen großen Wert auf ihre Sommerferien legen und er deshalb so bald wie möglich einen fertigen Vertragstext haben möchte, den man dann in Paris verabschieden kann.

    Klingt nicht unwitzig.

    Ansonsten könnte idT versucht werden das Holozän einen guten Mann sein zu lassen und das sogenannte Anthropozän konstruktiv anzunehmen, auch die Chancen betreffend.
    Ob es hier zu Verträgen kommen muss, ist nicht ganz klar, die Heterogenität und die Unterschiedlichkeit der zeitgenössischen Zivilisationen lädt nicht unbedingt dazu ein, nicht unbedingt zumindest dazu anzunehmen, dass die Verträge eingehalten werden.
    Wenn es schon auf EU-Ebene nicht klappt mit dem “Pacta sunt servanda” …

    Irgendwelche 1,5 oder 2 Grad Kelvin-Ziele leiden ohnehin “ein wenig” an einer unzureichend stabil festgestellten sogenannten Klimasensitivität, das atmosphärische CO2 meinend.

    MFG
    Dr. W

  6. Lieber Herr Stefan Rahmstorf, liebe Kommentatoren und Kommentatorinnen,
    Sie alle verkennen, dass es nicht darum geht, ob eine Erwärmung um 1 °C; 2 °C usw. bis zur Jahrhundertwende stattfindet oder nicht, sondern um mögliche negative Folgen für einen Teil der Menschheit auf Grund einer Erwärmung. Sie unterhalten sich nur um Klimapause ja oder nein – dies juckt niemanden. Da Herr Rahmstorf gemäß seiner eigenen Aussage auch in der Politikberatung tätig ist, sollte er verantwortungsbewußt sein. Wenn es stimmt, dass Sie Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen sind, Herr Rahmstorf, also einer Partei, die alles nur oberflächlich betrachtet und nur Phrasen nachplappert (z.B. die fatale oberflächliche Behauptung, dass mit Mare Nostrum das Flüchtlingsdrama behoben wird), ist dies unverantwortlich. Man wird nicht Mitglied einer Partei, nur weil diese einen bezüglich eines Spezialgebietes lobt. Wenn Sie und andere Experten (Pro und Contra) in diesem Forum statt über Entwicklungen der globalen Durchschnittstemperatur über Entwicklung von Dürreperioden, Desertifikation, Niederschlägen etc. streiten würden, wäre dies viel hilfreicher. Wissen Sie eigentlich, warum mich die CO2-Debatte ärgert und weshalb ich daher seriöse Klimaskeptiker (nicht die zunehmende Zahl von Spinner und Spinnerinnen bei EIKE) schätze – weil das Ergebnis von Kyoto das fatale Land-Grabbing für Energiepflanzen z.B. für Biosprit mit all seinen negativen Folgen für Mensch und Umwelt initiiert hatte !!! Wenn es also stimmen sollte, Herr Rahmstorf (berichtigen Sie mich bitte, falls ich mich irren sollte), dass Sie Mitglied einer derart oberflächlich denkenden Partei wie Bündnis 90/Die Grünen sind nur weil Sie von deren Führung und Mitgliedern gelobt werden, bin ich mehr als enttäuscht von Ihnen. Ich erwarte auch von Ihren wissenschaftlichen Gegenspielern in diesem Forum, dass Sie auf Entwicklungen wie Dürreperioden, Niederschlagsereignisse, Meeresströmungsveränderungen etc. eingehen und sich nicht nur an einer albernen “Klimapause”
    aufhalten !
    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer

    • Lieber Herr Denzer, ich bin in keiner Partei Mitglied, um meine Distanz zur Politik und Unabhängigkeit als Wissenschaftler zu wahren. Ich darf Sie auch auf das WBGU-Gutachten zur Bioenergie aus dem Jahre 2008 hinweisen, dessen Mitautor ich bin und das deutlich auf die von Ihnen genannten Probleme mit Bioenergie hinweist. Wikipedia dazu: “So riet das Bioenergie-Gutachten von einer Förderung von Biotreibstoffen ab, was zur späteren Kehrtwende der EU-Bioenergiepolitik beitrug.[36]”

    • Guten Tag Herr Denzer,
      ich halte es für eine Unsitte, anderen Personen Dinge zu unterstellen, um diese zu privaten öffentlichen Bekenntnissen zu verführen.
      Wenn Sie von den Mitdiskutanten erwarten, “dass Sie auf Entwicklungen wie Dürreperioden, Niederschlagsereignisse, Meeresströmungsveränderungen etc. eingehen”, wünsche ich mir von Ihnen statt oberflächlicher parteipolitischer Aussagen Sachbeiträge zu diesen Themen.
      Raimund Kamm

    • Lieber Herr Denzer,
      es gab da so einen Mißstand bei vielen Grünen, was das Aufzeigen und Lösen von Problemen angeht, die Tendenz zum sog. „Paketschnüren“. Da ging es dann etwa im Gemeinderat nicht nur um Tempo 30 in einem Stadtviertel, nein, man musste „im Paket“ zugleich auch noch für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen, gendermäßig einen Schritt vorankommen, die Kitaplätze ausbauen, den Individualverkehr ganz generell reduzieren, und natürlich: Afrika retten! Afrika retten war immer die Krönung!

      Ich fand sowas gar nicht ganz unsympathisch (schadete ja niemandem und hatte beim Zeitung lesen immer einen hohen Unterhaltungswert), es werden bei kompromißlosen Alles-oder-nichts-Positionen jedoch auch sinnvolle Projekte blockiert, politische Fokussierung wirkt in einer pluralistischen Interessengesellschaft beim sog. „bargaining“ fast immer effektiver.

      Nun sehe ich, daß Sie selbst, Herr Denzer, kritikmäßig der allergrößte „Paketschnürer“ sind, und auch das „oberflächlich“ trifft am Ende am ehesten auf Ihre eigene Argumentation zu, da ja von Ihrem Hauptvorwurf zuletzt rein gar nichts übrig geblieben ist.

      Also: Ich denke, wir sollten Klimaforscher, Kommentatoren und Kommentatorinnen entlasten, für alle Übel dieser Welt verantwortlich zu sein.

      P.S.: Ein bisschen ist mein Kommentar humoristisch gemeint (auch Ihr Beitrag ist ja nicht wirklich ernst zu nehmen). Übrigens schleppen auch andere Parteien so einige systematische Defizite mit sich herum!

    • Meiner Ansicht nach sollte man eine Frage nach der persönlichen politischen Überzeugung oder Parteiung im gegebenen Zusammenhang eines “SciBlogs” nicht stellen.

      Nicht weil das eine nichts mit dem anderen zu tun hätte oder haben kann, sondern weil es im Zusammenhang niemanden etwas angeht. Das ist einfach eine mindestens unhöfliche Verletzung der Privatsphäre. Der öffentlich agierende Experte “Rahmstorf” ist niemandem Rechenschaft schuldig über den Privatmann “Rahmstorf” und dessen Aktivitäten (das fand ich schon anderswo bei den komischen Anfragen neulich hinsichtlich des privaten Konsumverhaltens beim Energieverbrauch höchst unangemessen). Ich sehe, dass Herr Rahmstorf auch hier keine Scheu hat, Auskünfte zu geben und das ist ihm sehr hoch anzurechnen – aber es bleibt trotzdem eine unzulässige Frage.

      Sie kommt ja auch nicht von ungefähr. In der Sphäre der Ablehnenden des wissenschaftlichen Kenntnisstandes war es immer schon Usus, durch Diskreditieren des Lebenswandels oder der “Moral” irgendwelche Punkte zu machen – legendär z.B. die “energieverschwendende Lebensweise” des A. Gore oder die Angriffe auf Autoren von Fachberichten, weil sie bekannte Mitglieder bei “WWF” oder “Greenpeace” oder dergleichen sind (als Privatleute). Das ist eine schlechte und falsche Strategie statt auf die Argumente im Fach auf die private Person loszugehen.

      Das gehört sich unter zivilisierten Bürgern nicht.

  7. Lieber Martok,
    wenn man nur die halbe Wahrheit nennt wie Sie in Ihrem Kommentar vom 12. Juni 2015 über China, kommt dies auch einer Falschmeldung gleich.. China hat riesigen Energiehunger und baut alle Arten von Energie aus, außer Windkraft und Photovoltaik und Wasserkraft auch in gleichem Maße Kohlekraft und Kernkraft. Chinas Umweltprobleme sind z.B. was Qualität der Atemluft in den Großstätten betrifft, so gewaltig wie in kaum einem anderen Land der Erde – Indien ist zugegeben
    noch schlimmer. Was Förderung von Kohle (hauptsächlich Steinkohle) betrifft, so gibt es in China
    so viele nicht zu löschende Schwelbrände in den Kohleflözen, dass der damit verbundene CO2-
    Ausstoß seit Jahren beträchtlich ist. Zusammenarbeit mit geeigneten deutschen Unternehmen
    versucht dieses Problem zu lösen. Also erzählen Sie hier bitte keine Märchen, indem Sie nur die
    halbe Wahrheit schildern. Herrn Rahmstorf möchte ich übrigens nochmals für seine Antwort auf meinen letzten Kommentar danken – ich habe mich über Ihre Antwort sehr gefreut, Herr Rahmstorf

    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer