Die NASA-Temperaturdaten für 2013 sind da

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Gestern hat das Goddard Institute for Space Studies (GISS) der NASA die globalen Temperaturmessdaten für 2013 bekannt gegeben. Die NASA schreibt dazu in ihrer Pressemitteilung:

2013 tied with 2009 and 2006 for the seventh warmest year since 1880, continuing a long-term trend of rising global temperatures. With the exception of 1998, the 10 warmest years in the 134-year record all have occurred since 2000, with 2010 and 2005 ranking as the warmest years on record.

Eine gute Gelegenheit um an unser Klimawidget zu erinnern, das die NASA-Jahreswerte zusammen mit der CO2-Konzentration und Sonnenaktivität graphisch darstellt und automatisch mit den neuesten Daten updatet (Dank an unseren Leser Bernd Herd, der diesen Service bereitstellt):

Die Grafik lässt sich dort nach Wunsch konfigurieren und kann in jede Website eingebaut werden (Beispiel). Die CO2-Konzentration ist dabei so skaliert, wie es der besten IPCC-Abschätzung der Klimasensitivität entspricht – dass der Anstieg von CO2-Konzentration und Temperatur ähnlich steil ist, ist hier also nicht angepasst, sondern ergibt sich dadurch, dass der physikalisch erwartete Effekt des CO2 auf die Temperatur etwa gleich groß ist wie der beobachtete globale Temperaturanstieg. (Details dazu in diesem früheren Blogartikel.)

Und so sieht die Karte der Temperaturanomalie für 2013 aus: GISS_map_2013Die USA haben also ein eher kühles Jahr hinter sich, für Australien war es dagegen das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch die NOAA hat eine ähnliche Analyse publiziert. Mehr zur globalen Temperaturentwicklung demnächst hier.

Kleines Update: Laut GISS Vizechef Gavin Schmidt ist der Temperaturwert 2013 durch die in den letzten Tagen noch eingetrudelten Daten von 0,60 um ein hundertstel Grad noch auf 0,61 Grad gerutscht – womit 2013 in den NASA-Daten jetzt gleichauf mit 2003 auf Rang 5 liegt. Die NOAA-Daten zeigen 2013 sogar auf Rang 4.

p.s. Wer die globalen Temperaturen selbst analysieren will, für den gibt es eine schicke Smartphone-App namens Climate Mobile, mit der man sich u.a. verschiedene globale Temperaturdatenreihen ansehen kann, auch mit unterschiedlicher Glättung, um kurzfristige Schwankungen herauszufiltern. Unten ein Screenshot mit den 15-jährigen gleitenden Mittelwerten der NASA GISS Daten (orange) und der NOAA NCDC Daten (hellblau). Ist gratis – einfach ausprobieren, macht Spaß!

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p.p.s. In eigener Sache: Die KlimaLounge hat bei der Wahl zum Wissenschaftsblog des Jahres 2013 den 3. Preis gewonnen, den Wissenschaftsblock in Bronze! Dank an alle Leser, die uns dabei unterstützt haben.

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

17 Kommentare

  1. “Die USA haben also ein eher kühles Jahr hinter sich”?
    Das ist aus der Grafik nicht ersichtlich. Alaska ist der größte Bundesstaat, da war es ziemlich warm.

  2. Das Widget ist klasse, aber ich würde mir eine Skala für die Sonnenintensität wünschen 🙂

    • Die Sonnenfleckenzahl ist auf der Temperaturskala positioniert – der Umrechnungsfaktor von Sonnenfleckenzahl in Temperaturanomalie stammt aus der beobachteten Korrelation dieser beiden Zeitreihen.

  3. “In eigene Sache: 3. Preis zum Wissenschaftsblog des Jahres 2013”.
    Wie ich bei “Wissenschaft kommuniziert” gelesen, habt ihr den Blog von “Science Skeptical” in letzter Minute ganz knapp geschlagen. Dann hat es sich doch gelohnt für KlimaLounge zu stimmen.

    Gratuliere!

    Und 2014 wird noch besser!

    • Lieber Herr Fankhauser, ich würde mich über einen sachlichen Diskussionsstil freuen. Wie Sie der Quellenangabe (Link “Details dazu…” oben folgen) entnehmen können, handelt es sich um die Sonnenfleckendaten des Solar Influences Data Analysis Center in Belgien und nicht einer “PIK eigenen Fantasie”, wie Sie unterstellen. Sonnenflecken haben wir als Indikator gewählt, weil dieses Widget (siehe ebenfalls den Originalartikel dazu) eine Replik auf ein beliebtes “Klimaskeptiker”-Widget ist, das ebenfalls Sonnenflecken zeigt. Die Sonnenflecken korrelieren hoch mit der Sonnenleuchtkraft, die erst ab 1978 aus Satellitenmessungen verfügbar ist. Auch diese Satellitenmessungen zeigen seit den 1970ern keinen Trend in der Sonnenleuchtkraft und die schwächste Sonne im letzten Minimum von 2007-2010 – also just gleichzeitig mit dem wärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen (2010). Auch die von Ihnen verlinkte Grafik zeigt übrigens für den oben gezeigten Zeitraum ab 1950 nichts wesentlich anderes, sodass es mich umso mehr wundert, weshalb dies Fantasie sein soll?

    • @J. Fankhauser:
      Mir scheint, Sie verwechseln hier etwas, um nicht zu sagen: einiges. Die Solarkonstante, seit 1978 direkt per Satellit im Orbit gemessen, beträgt 1367 Watt pro Quadratmeter. Sie schwankt hauptsächlich in einem 11-jährigen Zyklus um etwa 0,1 Prozent, sowohl im sichtbaren Bereich als auch in der Gesamtstrahlung. Es gibt keine Hinweise, dass dies in den letzten Jahrtausenden anders war (zumal auch keine astrophysikalischen Daten dafür sprechen). Diesen Kurvenverlauf gibt die an erster Stelle stehende Grafik exakt wieder, wenn auch nur über einen relativ kurzen Zeitraum.

      Der solare Nettoantrieb hingegen ist die durch die Lufthülle gefilterte Sonneneinstrahlung an der Erdoberfläche. Sie ist in gewissem Maße abhängig vom Zustand bzw. von der Zusammensetzung der Atmosphäre und kann deshalb größeren Schwankungen unterliegen, Stickoxide und Aerosole (zum Beispiel durch heftige Vulkanausbrüche) können die Wärmestrahlung dämpfen, während eine zunehmende Konzentration an Treibhausgasen sie entsprechend erhöht.

      Auf Zeitskalen von 5000 Jahren und darüber können zudem die Änderungen der Erdbahnparameter bereits eine Rolle spielen (Präzession und Neigungswinkel der Erdrotationsachse, Exzentrizität der Erdumlaufbahn). Auch diese Faktoren (bekannt unter dem Namen Milankovic-Zyklen) sind langfristig in der Lage, den solaren Nettoantrieb in die eine oder in die andere Richtung zu steuern. Mit der Sonne selbst haben diese Schwankungen allerdings nicht das Geringste zu tun.

  4. Vor 20 Jaĥren wären derartige Temperaturen als “unerhört” bezeichnet worden. Heute streiten sich die Forscher darum, ob dies nun der 4. oder 7. höheste Wert sei.

  5. Danke für die aufschlussreiche Graphik, in der Temperatur-, CO2- und Sonnenaktivität zusammengestellt sind. Auf der Webseite der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) fand ich jedoch eine interessante Kurve der Sonnenaktivität, die im 20. Jahrhundert parallel zum Temperaturanstieg steil nach oben steigt:
    http://www.zamg.ac.at/cms/de/images/klima/bild_ip-klimawandel/klimasystem/antriebe/2-2-5_1_solarkonstante

    Zudem schein das Sonnenmagnetfeld einen anderen Kurvenverlauf zu besitzen als die dargestellten Sonnenflecken. Das Sonnenmagnetfeld kulminiert erst in den 1980er/90er Jahren, nicht um 1960. Ich denke, man kann die Sonne nicht ganz so einfach aus der Gleichung eliminieren wie es hier getan wird, zumal auch die Trägheit des Klimasystems keine vollständige, sofortige Umsetzung von Klimaimpulsen erlaubt. Auch eine konstant heiße Herdplatte (hohe Sonnenaktivität in der zweiten Hälfte des 20. Jh.) kann eine stetige Erwärmung hervorrufen.

    • Letzteres Argument ist zwar grundsätzlich valide, aber wie groß dieses “Hinterherhinken” des Klimasystems tatsächlich ist können Sie an der Wärmeaufnahme des Ozeans messen. Rund zwei Drittel der Erwärmung entsprechen dem gegenwärtigen Strahlungsantrieb, nur ein Drittel kommt noch hinterher. Es kann in der Praxis also nicht sein, dass die Sonneneinstrahlung bis 1950 zugenommen hat, dass aber (wie beobachtet) drei Viertel der globalen Erwärmung erst nach 1980 eingetreten sind. Vielmehr hätten dann rund zwei Drittel der globalen Erwärmung vor 1950 stattgefunden haben müssen, wenn es denn an der Sonne gelegen hätte. Selbst unter Berücksichtigung der thermischen Trägheit des Klimasystems passt der Zeitverlauf der Sonnenleuchtkraft einfach nicht zum beobachteten Verlauf der globalen Temperatur – ganz abgesehen davon, dass der Strahlungsantrieb durch die Leuchkraftveränderung viel zu klein ist im Vergleich zum Strahlungsantrieb durch die Zunahme der Treibhausgase.

      • Ich finde, das “Hinterherhinken” des trägen Klimasystems durchaus plausibel. Es gibt mehrere Arbeiten, die in längeren Datenreihen einen deutlichen Verzug zwischen Sonne und Klima festgestellt haben. Dazu gehört auch eine Arbeit aus 2012 von Jennifer Wurtzel, die das Klima Venezuelas für die letzten 2000 Jahre untersucht hat und auf Seite 55 schreibt:
        “However, solar variability leads the Cariaco temperature record by 25-40 years suggesting the linkage between solar variability and tropical SSTs is driven by relatively slow marine processes rather than faster atmospheric ones.”

        http://dspace.sunyconnect.suny.edu/bitstream/handle/1951/59919/Wurtzel_grad.sunysb_0771M_10870.pdf?sequence=1

        Die Kurve der Entwicklung des Sonnenmagnetfeldes der letzten 150 Jahre möchte ich ergänzend zu meinem vorherigen Kommentar noch nachtragen. Siehe Abbildung 1 auf http://www.kaltesonne.de/?p=5364

        • Beim Cariacobecken geht es (a) um Proxidaten mit erheblicher Datierungsunsicherheit, und (b) allein um lokale Meerestemperaturen. Ein Grund für die rasche Reaktion der globalen Lufttemperatur auf Sonnenänderungen liegt darin, dass (a) ein Drittel der Erde von Land bedeckt ist, wo es keine nennenswerte thermische Trägheit gibt, und (b) ca. 30% der ankommenden Sonnenstrahlung direkt in der Atmosphäre absorbiert wird.

          • Richtig. Und da zwei Drittel der Erde von Wasser bedeckt sind, sind auch die Ozeane am Klimasystem maßgeblich beteiligt. Es sind genau diese Ozeane, die die Trägheit in vielen klimatischen Wechselwirkungen verursachen, darunter auch die solare Beeinflussung unseres Klimas.

  6. Herr Frankenhauser,

    Gucken Sie mal in den Diagrammen in Ihrem Link, wieviel Strahlungsantrieb die Variation der Sonnenaktivität überhaupt in der Lage ist zu liefern. Bedenken Sie bitte auch, dass von den etwa 340W/m2 Erdoberfläche noch ein drittel durch Reflektion verloren geht und dieses in Ihren Grafiken nicht berücksichtigt ist..
    Dann vergleichen Sie mal diese Variation mit dem Strahlungsantrieb durch erhöhte Treibhausgaskonzentrationen.
    Sie werden mit eigenen Augen sehen, dass die Sonne zwar durchaus das Klima beeinflussen kann, wenn andere Faktoren konstant gehalten werden, dass diese anderen Faktoren aber die Variation der Sonneneinstrahlung bei weitem überwiegen.
    Das ganze ist keine PIK Fantasie, sondern wieder und wieder nachgewiesen, veröffentlicht und diskutiert.