Deutscher Klimaatlas

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Der Deutsche Wetterdienst präsentiert jetzt eine sehr praktische Website für alle, die sich für die Klimaentwicklung in Deutschland interessieren, ohne dabei selbst aufwändig Daten herunterladen und plotten zu wollen. Beim neuen, interaktiven Deutschen Klimaatlas kann man sich problemlos Karten und Zeitreihen für eine ganze Reihe von Klimaparametern (z.B. Temperatur und Niederschlag) anzeigen lassen.

Kam Ihnen der Juli auch irgendwie kalt vor? Beim Klimaatlas sieht man das sofort (siehe Grafik daraus): außer im Ostseeraum war der Juli tatsächlich zu kalt (der kälteste seit 2000). Das Frühjahr 2011 war dafür das zweitwärmste (nach 2007) seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881.

Abweichung der Lufttemperatur im Juli 2011 vom "Normalwert" (also dem Juli-Mittelwert im Zeitraum 1961-1990).

Neben der Vergangenheit und aktuellen Werten zeigt der Klimaatlas auch Zukunftsszenarien aus Modellen. Die "aktuellen" Daten, die man sich als Karte anzeigen lassen kann, starten allerdings erst mit dem Jahr 2009 – schön wäre natürlich, auch frühere Jahre darstellen zu können, die Daten dazu muss der DWD ja haben.

Auch einige weitere Punkte sind meiner Meinung nach noch verbesserungsfähig. So finde ich die Zeitreihendarstellung etwas unübersichtlich, weil hier über die letzten fünfzig Jahre die Modellszenarien über die Messdaten gelegt sind. Hier sollte man die Modellszenarien ausblenden können, um die Messdaten besser zu sehen. Schön wäre auch die Option, sich die gerade im Bild angezeigte Messreihe auch als Daten ausgeben zu lassen (wie es etwa woodfortrees.org für die globalen Temperaturdaten oder klima-potsdam.de für die Säkularstation Potsdam erlauben). Auch die Grafikauflösung lässt noch Wünsche offen. Zwar gibt es eine Lupenfunktion, aber selbst wenn man sich die Grafik als pdf-Datei ausgeben lässt, ist die Auflösung nicht besser als oben im Beispiel gezeigt. Hier könnte man eigentlich eine skalierbare Vektorgrafik erwarten. Und die Einheit "K" (für Kelvin) bei der oben gezeigten Grafik versteht nicht unbedingt jeder Laie.

Trotzdem ist der Klimaatlas schon jetzt ein nützliches Tool – bleibt zu hoffen, dass es nur der Anfang ist und noch weiter daran gearbeitet wird.

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Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

3 Kommentare

  1. Spracheinstellungen

    kleiner Hinweis für die Verwendung des Klimaatlasses. Die Seite funktioniert unter Umständen nur, wenn die Spracheinstellungen des Browsers passen. Mit firefox 3.6.8 muß unbedingt deutsch als erste zu verwendene Sprache eingestellt sein. Diese Webseite eignet sich wunderbar zum Überprüfen der Browsereinstellung: http://www.cs.tut.fi/…in/run/~jkorpela/lang.cgi.

    Passt die Spracheinstellung nicht, wird keine Webseite geladen.

    Jetzt bin ich gespannt auf den Inhalt der Seite 🙂

    [Antwort: Ja richtig, das Problem sehe ich auch. Es klappt aber, wenn ich (bei mir ist Englisch voreingestellt) auf den Link klicke und dann dort die deutsche Fahne anklicke – dann erscheint die Seite. Noch etwas für die DWD-Kollegen zum Verbessern! Stefan Rahmstorf]

  2. durchaus interessant

    und wie sie auch anführen ist es schade, dass man nur bis 2009 zurückblicken kann. Das wird sich wohl noch verbessern lassen wie auch die Auflösung.
    Ich zweifle aber am Nutzen für interessierte Laien, weil diese die Simulationen über Dekaden in die Zukunft für zu ernst nehmen könnten. Das downscaling aus noch sehr mit Unsicherheiten behafteten GCM`s bringt noch mehr Fehler mit sich und ich warte seit Jahren, dass endlich jemand mal die Häufigkeitsvariationen der GWL mit in die Deutsche Klimageschichte des 20. Jahrhunderts einbaut. Würde ja sehr nahe liegen, auch am PIK (Hess&Brezowsky) und für den Alpenraum lässt sich damit gut ein überwiegeder Teil der Erwärmung erklären, weil ganz einfach “warme” GWL auf Kosten von kalten deutlich zugenommen haben. Sieht man auch indirekt an der Zunahme der Sonnenscheindauer von ca. 20% zum WMO Vergelichszeitraum 61-90.
    Aber ich verstehe natürlich, dass diese Analysen bei Forschern, die alles über CO2&Co. erklären wollen, wenig Interesse finden.