12 000 Wissenschaftler stellen sich hinter die streikenden Schüler

“Die Anliegen der demonstrierenden jungen Menschen sind berechtigt!”

Das ist die Kernaussage einer heute veröffentlichten Stellungnahme zu den Schülerprotesten für Klimaschutz, die von über 12 000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unterzeichnet worden ist. Schon unter den über 700 Erstunterzeichnern finden sich zahlreiche führende Klima-, Energie- und Umweltforscher. Zum Beispiel die Direktorin des Alfred-Wegener Instituts für Polar- und Meeresforschung, Antje Boetius. Die Direktoren des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, Jochem Marotzke und Martin Claußen. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie, Markus Reichstein. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemie, Meinrat Andreae. Der Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, John Schellnhuber. Die Direktorin der Biologischen Anstalt Helgoland, Karen Wiltshire. Der Direktor des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik, Clemens Hoffmann. Der Direktor des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung, Ulrich Bathmann. Der Generaldirektor des Forschungsinstituts und des Naturmuseums Senckenberg, Volker Mosbrugger.

Und viele weitere Professoren wie Wolfgang Cramer, Ulrike Herzschuh, Georg Kaser, Claudia Kemfert, Reto Knutti, Mojib Latif, Claus Leggewie, Reinhold Leinfelder, Peter Lemke, Anders Levermann, Gerrit Lohmann, Ulrike Lohmann, Wolfgang Lucht, Hans-Otto Pörtner, Volker Quaschning, Ulf Riebesell, Christian Schönwiese, Thomas Stocker, Martin Visbeck, Heinz Wanner, Ernst Ulrich von Weizsäcker, usw. usf. (um einen rein subjektiv ausgewählten kleinen Querschnitt zu geben). Es sind auch eine Reihe Paläontologen und Paläoklimatologen darunter – dies nur für diejenigen, die fälschlich meinen, die natürlichen Klimaveränderungen der Erdgeschichte seien ein Grund zur Entwarnung (das Gegenteil stimmt).

[Update 15.3.: wir haben noch bis gestern Abend weiter gesammelt – ein paar Tage mehr und jetzt haben schon mehr als 23 000 Forscher unterschrieben!]

Die Liste der weiteren Unterzeichner – jenseits der Erstunterzeichner – habe ich noch gar nicht angeschaut, aber Johan Rockström, einer der beiden neuen Direktoren des Potsdam-Instituts, erzählte mir gerade, dass er auch darunter ist.

Vergleichbare Stellungnahmen hat es auch in anderen Ländern gegeben – Australien, Belgien, England, Finnland, Holland, Neuseeland, Tschechien, USA… Übrigens haben Wissenschaftler auch schon früher, unabhängig von den Schülern, sehr klar und eindringlich vor den Folgen der globalen Erwärmung und Umweltzerstörung gewarnt, etwa 2017 in der World Scientists’ Warning to Humanity: a second notice, die von mehr als 15,000 Wissenschaftlern aus 170 Ländern unterzeichnet worden ist.

Vorstellung der Stellungnahme in der Bundespressekonferenz heute Vormittag

Die Schüler treten dafür ein, dass die Erwachsenen das halten, was sie versprochen haben: das Pariser Klimaabkommen umzusetzen. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein und keinen Schülerstreik erfordern. In Paris haben 195 Staaten nach mehr als 20 Jahren Verhandlungen beschlossen, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, sie unter 1,5 °C zu halten. Selbst Ölstaaten wie Saudi Arabien haben diese Notwendigkeit angesichts der großen Gefahr durch zu große Erwärmung akzeptiert.

Wenn jetzt so manche Politiker und Kommentatoren mit Abwehr auf die Schülerforderungen reagieren, zeigt das vor allem eines: diese Menschen sind nur dann für Klimaschutz, wenn der sich auf schöne Worte und straflos zu verfehlende Zukunftsziele beschränkt. Die konkrete, praktische Umsetzung fürchten sie wie der Teufel das Weihwasser. Doch diese Heuchelei lässt die junge Generation der Politik nicht mehr durchgehen. Zurecht, denn sie muss sonst den hohen Preis dafür bezahlen.

Im Folgenden dokumentieren wir den Text der deutschsprachigen Stellungnahme zu den Schülerstreiks. Das Original, die Liste der Unterzeichner, eine Liste wichtiger Fakten sowie Quellenangaben und Belege findet man auf der Webseite von Scientists For Future. Bis einschließlich Donnerstag werden noch weitere Unterzeichner gesucht!

Stellungnahme von Wissenschaftlerinnen & Wissenschaftlern
zu den Protesten für mehr Klimaschutz  –  #Scientists4Future

Die Anliegen der demonstrierenden
jungen Menschen sind berechtigt

Zurzeit demonstrieren regelmäßig viele junge Menschen für Klimaschutz und den Er­halt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Als Wissenschaftlerinnen und Wissen­schaftler erklären wir auf Grundlage gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse: Diese Anliegen sind berechtigt und gut begründet. Die derzeitigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichen bei weitem nicht aus.

Das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 verpflichtet die Staaten völker­rechtlich verbindlich, die globale Erwärmung deutlich unter 2 °C zu halten. Darüber hinaus haben alle Länder Anstrengungen versprochen, die Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen.

Es kommt nun darauf an, die Netto-Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen schnell abzusenken und welt­weit spätestens zwischen 2040 und 2050 auf null zu reduzieren. Eine schnellere Absenkung erhöht hierbei die Wahrscheinlichkeit, 1,5 °C zu erreichen. Die Verbrennung von Kohle sollte bereits 2030 fast vollständig beendet sein, die Verbrennung von Erdöl und Erdgas gleichzeitig reduziert werden, bis alle fossilen Energieträger durch klima­neutrale Energiequellen ersetzt worden sind. Unter Berücksichtigung von globaler Kli­magerechtigkeit müsste in Europa dieser Wandel sogar noch deutlich schneller ablau­fen.

Auch wenn weiterhin Beteiligungs- und Diskussionsbedarf besteht: Jetzt muss gehan­delt werden. Beides schließt einander nicht aus. Es gibt bereits viele gesellschaftliche und technologische Innovationen, die Lebensqualität erhalten und menschliches Wohl­ergehen verbessern können, ohne unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören.

In allen deutschsprachigen Ländern werden beim Umbau der Bereiche Ener­gie, Ernährung, Landwirtschaft, Ressourcennutzung und Mobilität die notwen­dige Größenordnung und Geschwindigkeit nicht erreicht. Deutschland wird die selbstgesteckten Klimaschutzziele für 2020 verfehlen und auch die Er­reichung der Ziele der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie für 2030 ist hochgra­dig gefährdet. Zudem mangelt es weiterhin an einem wirksamen Klimaschutzgesetz. Öster­reich hat sich in seiner Klima- und Energiestrategie Ziele gesetzt, die dem Pariser Vertrag in keiner Weise gerecht werden und selbst dafür sind weder die erforderlichen Maßnahmen noch die finanziellen Mittel vorgesehen. Zugleich sind Bodenverbrauch und -versiegelung pro Person und Jahr in Österreich die höchsten in Europa. Die Schweiz hat ihre Treibhausgas-Emissionen seit 1990 nur geringfügig verringert; gleichzeitig stiegen die im Ausland verursachten Emissionen erheblich an. In der ersten parlamentarischen Debatte zur Totalrevision des CO2-Ge­setzes wurden die inländischen Reduktionsziele gestrichen und die Reduzierung der Schweizer Emissionen sollte durch Kompensation im Ausland erfolgen. Schließlich ist das Gesetz vorläufig gescheitert.

Die jungen Menschen fordern zu Recht, dass sich unsere Gesellschaft ohne weiteres Zögern auf Nachhaltigkeit ausrichtet. Ohne tiefgreifenden und konsequenten Wandel ist ihre Zukunft in Gefahr. Dieser Wandel bedeutet unter anderem: Wir führen mit neuem Mut und mit der notwendigen Geschwindigkeit erneuerbare Energiequellen ein. Wir setzen Energiesparmaßnahmen konsequent um. Und wir verändern unsere Ernäh­rungs-, Mobilitäts- und Konsummuster grundlegend.

Vor allem die Politik steht in der Verantwortung, zeitnah die notwendigen Rahmen­bedingungen zu schaffen. Insbesondere muss klimafreundliches und nachhaltiges Handeln einfach und kostengünstig werden, klimaschädigendes Handeln hingegen un­attraktiv und teuer (z. B. durch wirksame CO2-Preise, Einstellung von Sub­ven­tionen für klimaschädliche Handlungen und Produkte, Effizienzvorschriften und soziale Inno­vationen). Eine sozial ausgewogene Verteilung von Kosten und Nutzen des Wandels ist dabei unerlässlich.

Die enorme Mobilisierung der neuen Bewegungen („Fridays for Future“ in Deutschland und Österreich, „Klimastreik“ in der Schweiz) zeigt, dass die jungen Menschen die Situation verstanden haben. Ihre Forderung nach schnellem und konse­quentem Handeln können wir als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nur nach­drücklich unterstreichen.

Als Menschen, die mit wissenschaftlichem Arbeiten vertraut sind und denen die derzei­tigen Entwicklungen große Sorgen bereiten, sehen wir es als unsere gesellschaftliche Verantwortung an, auf die Folgen unzureichenden Handelns hinzuweisen.

Nur wenn wir rasch und konsequent handeln, können wir die Erderwärmung begrenzen, das Massenaussterben von Tier- und Pflanzenarten aufhalten, die natürlichen Lebensgrundlagen bewahren und eine lebenswerte Zukunft für derzeit lebende und kommende Generationen gewinnen. Genau das möchten die jungen Menschen von „Fridays for Future/Klimastreik“ erreichen. Ihnen gebührt unsere Achtung und unsere volle Unterstützung.

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

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  1. Erwachsene dürfen sich legal wie Kinder benehmen, wenn sie mit Trillerpfeifen auf Straßendemos für die Erhöhung ihrer Gehälter demonstrieren. Ihnen geht es um läppische vier oder fünf Prozent Gehaltserhöhung und alle bekommen deswegen arbeitsfrei . Wenn Kinder schulfrei wollen, weil es um ihre Zukunft auf diesen Planeten geht, werden sie von diesen Trillerpfeifen niedergemacht. Dass die Politik incl. Kanzlerin inzwischen das Anliegen der Kinder “ernst” nimmt, ist pure Heuchelei und diesem Wahlkampfjahr(Europawahl, Landtagswahlen ) geschuldet. Kinder hatten und haben in diesem Land keine Lobby…

  2. Die Zahl der in den genannten Ländern arbeitenden Wissenschaftler könnte so bei einer halben Million liegen. Demnach hätten 488 Tausend Wissenschaftler (darunter ich) nicht unterschrieben.

  3. In Zürich sind am 24.3.2019 Regierungsratswahlen. Das sind die Minister oder Senatoren in der Regierung dort. In der Schweiz darf man jeden Namen eintragen, den man als Regierungsrat haben möchte. Warum gelingt es 12´000 Unterschriften von Wissenschaftlern zu finden, aber es gelingt nicht Reto Knutti von der ETH Zürich in den Regierungsrat zu wählen? Dafür benötigt man von ca. 1 Mio Stimmberechtigten in Zürich 120´000 Stimmen und seine Zustimmung natürlich. Ich habe ihn gefragt, aber schuldet mir noch eine Antwort, weil er es sich noch überlegen wollte. 12 Tage sind noch Zeit. Knutti for Regierungsrat! Das macht 25% von einem Tausendstel der weltweiten CO2-Emissionen, aber immerhin ein Anfang.

  4. Das ist wie beim “arabischen Frühling”, die können sich einen Wolf demonstrieren, eine Lösung die ganzheitlich bis zur Ursache aller Probleme unsere Vernunftbegabung zu Verantwortungsbewusstsein wandelt, die wird es nur geben, wenn Kommunikation ohne die Symptomatik des “demokratisch-freiheitlichen” Wettbewerb stattfindet – Enteignung / Verstaatlichung sollte nicht nur in Laberrunden ums Thema Wohnen und Miete vorkommen!!!

  5. Leider habe ich von der Unterschriften-Aktion keine Kenntnis gehabt – aber ich unterstütze die Aktionen der Schüler. Weiterhin habe ich gerade mit Freude gelesen, dass sich offensichtlich auch “the kids in America” den Demos anschließen. Und ihr Manifest ließt sich besser/logischer/vernünftiger als was ich in letzter Zeit von diversen Politikern vernehmen musste.
    Zukünftige Generationen brauchen auch in Zukunft etwas zu essen. Landwirtschaftlicher Anbau mag jedoch keine extremen Wetterereignisse. Und auf Malaria und Co kann ich in Europa gerne verzichten. Das politische System sollte reformiert werden, z.B. jedes Jahr könnte eine (zufällige) Auswahl von Uniprofessoren die Regierung bilden. Oder wir sollten mal die Frauen in der Welt regieren lassen – bei Männern wird es leider immer schnell aggressiv.

    Zum Schluss noch ein großes Dankeschön und Lob an Herrn Rahmstorf für den tollen Blog.

  6. 12.000 – Wahnsinn. Ich warte auf die 1000 Berichterstattungen und Sondersendungen dazu. Bei der Stellungnahme von 100 Lungenärzten waren es dutzende Berichte. Und bei den 12.000 handelt es sich dagegen sogar noch um den wissenschaftlichen Konsens und nicht um abstruse Minderheiten-Theorien.

    Das gibt Motivation, am kommenden Freitag auf die Straße zu gehen. Auch wenn ich kein Jugendlicher mehr bin.

  7. @MS Keil

    Sie können noch unterschreiben bis zum 14. 3., einfach auf den link oben im Text drücken: “Unterzeichner gesucht!”

    Ich habe es getan.

  8. Wir haben in Chemnitz eine Gruppe gegründet mit dem Namen : “Endspiel um die Zukunft – Bündnis Klimagerechtigkeit Chemnitz.
    Alle sind eingeladen, am 8.4.2019 ab 16:00 Uhr mit uns eine Menschenkette “Rote Linie” ueber 1850 Schritte (1,2 km) zwischen dem Hauptquartier von RWE in Sachsen und dem Eingang von” eins energie” (Braunkohlekraftwerk Chemnitz 2×100 MW, Wirkungsgrad je 20 und 25%) zu bilden.

  9. Vermutlich hat Sie niemand gefragt. Mich auch nicht, somit zähle auch ich zu den 488 Tausend die nicht unterschrieben haben, obwohl ich es getan hätte.

  10. @Forkert. Dennoch, es bleibt eine Stellungnahme einer Minorität, was per se nichts Schlechtes ist. Ich habe die Gelegenheit genutzt, bei dieser Gelegenheit das Manifest der Göttinger 18 wieder einmal nachzulesen. Im Jahre 1957 haben diese hochrangigen Atomwissenschaftler sich gegen die atomare Aufrüstung der Bundesrepublik gewandt, welche Adenauer und Strauß propagierten. Das Manifest war, wie wir wissen, ein Erfolg. Es ist schwer zu urteilen, worauf dieser Erfolg beruhte, jedenfalls nicht auf der Masse der Unterzeichnenden. Bei der Unterschriftenaktion der >12000 stört mich ein gewisse Blauäugigkeit. So kann ich den Satz “die Netto-Emissionen …. welt­weit spätestens zwischen 2040 und 2050 auf null zu reduzieren” einfach nicht ernst nehmen und schon gar nicht unerschreiben. Zum Beispiel wird derzeit eine gewaltige Gasindusrtrie aufgebaut, die auf viele Jahrzehnte ausgelegt ist und in anderen Bereichen schaut es ähnlich aus.

    • Dann nehmen Sie nicht ernst, was alle Staaten nach langen Jahren des Verhandelns in Paris beschlossen haben. Denn das ist nur erreichbar, wenn die Netto-Emissionen so rasch auf null reduziert werden. Das wussten alle, denn die IPCC-Berichte waren Grundlage der Verhandlungen, und deren Zusammenfassungen für Entscheidungsträger werden von Regierungsvertretern aller Staaten Satz für Satz im Konsens verabschiedet. Ein langwieriger Prozess (ich war dabei) aber so kann keine Regierung hinterher sagen, sie hätte das nicht gewusst.

  11. Na endlich entsteht ein direkter Kontakt zwischen Wissenschaft und Schule, hoffen wir das beste, dass das Jahrzehnte lange gegen die Wand beten und reden ein Ende findet. Wenn sich jetzt noch alle an dem Erhalt unseres Planeten interessierten Initiativen in einem außerparlamentarischen Bürgerinnen Senat vereinen, können wir auch nicht mehr in die parteipolitischen Fallen politischer Geschwätzigkeit sozialer und politischer Eitelkeiten tappen.

  12. In einigen Jahren werden Teile der heutigen Schüler für die Klimapolitik (und alles andere) verantwortlich sein. Bedauerlicherweise sind dann genau die ehemaligen Schüler, die wirklich etwas bewirken wollen (oder das zumindest behaupten), auch die, die zeitweise ein Fünftel ihrer Bildung verweigert haben. Bei aller Rechtmäßigkeit des Anliegens verstehe ich absolut nicht, warum auf diesen Aspekt nirgends eingegangen wird. Mit Verzicht auf Bildung rettet man das Klima nicht, im Gegenteil.

  13. Lieber Herr Mistelberger, ich bin 51 und habe noch nie in meinem Leben ein Auto besessen und privat habe ich einen Flugurlaub hinter mir.
    Darf ich die Grünen wählen?
    P.S. Am Geld scheitert es nicht, nur am Verantwortungsgefühl

  14. “Die Anliegen der demonstrierenden jungen Menschen sind berechtigt!”
    Das sind sie, denn eigentlich sind es auch die Anliegen und Ziele derjenigen, die das Pariser Abkommen unterzeichnet haben. Nur nehmen diese jungen Menschen das Anliegen als Auftrag und nicht nur als Absichtserklärung.

    Politik setzt eben meist nur das um, was im gegenwärtigen System als realisierbar gilt – ausser man befindet sich in einer Umsturzphase, einer Revolution. Um das Pariser Abkommen im abgemachten Zeitrahmen zu realisieren bräuchte es tatsächlich eine Umwälzung die mit vielem Bestehenden bricht. Dazu aber sind die Politiker (noch?) nicht bereit.

  15. #Adultsforyoungclimateactivists

    Bin da gewesen, aber zu doof, das Smartphone-Video auf Youtube zu bringen, um es hier zu verlinken. In Berlin und sogar mit Schild. Auf der einen Seite die Überschrift, nur auseinander und die Wörter untereinander. Auf der anderen Seite der Text:

    >> Greta Thunberg

    „Wir Kinder tun normalerweise nicht das, was Erwachsene uns sagen. Wir tun es ihnen nach. Und nachdem ihr auf meine Zukunft scheißt, scheiße ich auch darauf.“

    Wolf

    „Will nicht auf Eure Zukunft scheißen, bin aber kein Held und lebe auf Eure Kosten. Wenigstens habe ich angefangen seit schlappen 20 Jahren, weniger treibhausgasintensiv zu leben, bin hier und lasse nicht jeden von Exxon & Co mit abermilliarden Geldeinheiten befeuerten Leugner-Mist unwidersprochen stehen, den *Erwachsene* nachbeten in den *sozialen* Medien als Möchtegern-Galileos und Antigutmenschen – auf dass der Mensch jaaa nicht aufhören soll zu kokeln mit Erdöl und Kohle relativ hurtig. Mir geht der Stift und ich hoffe, dass man Euch es besser machen lässt und ich besser werde. Schäme mich für pestende Erwachsenen, die Euch feige dissen. Was ist die Jugend dem Alter schuldig? Nichts!“

    https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-03/klimastreik-greta-thunberg-aktivistin-hamburg-schulstreik?cid=23982360#cid-23982360

    Fortsetzung

    53 Jahre, Genträger der Adrenoleukodystrophie

    https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-01/cannabis-rezept-medizin-krankenkasse-arzt-legal?cid=11223551#cid-11223551

    <<

    Soll nicht das letzte Mal gewesen sein.

  16. @ A. Schmidt
    Zitat:In einigen Jahren werden Teile der heutigen Schüler für die Klimapolitik (und alles andere) verantwortlich sein. Bedauerlicherweise sind dann genau die ehemaligen Schüler, die wirklich etwas bewirken wollen (oder das zumindest behaupten), auch die, die zeitweise ein Fünftel ihrer Bildung verweigert haben. Bei aller Rechtmäßigkeit des Anliegens verstehe ich absolut nicht, warum auf diesen Aspekt nirgends eingegangen wird. Mit Verzicht auf Bildung rettet man das Klima nicht, im Gegenteil.

    Meiner Ansicht nach vergießen Sie hier “Krokodilstränen.
    Die Ausfallstunden wegen Lehrermangel oder Lehrerkrankheit sind wahrscheinlich zahlreicher als die durch die Demonstrationen.
    Außerdem ist dem größten Teil der Jugendlichen wohl bewußt, daß sie irgendwie den
    versäumten Lernstoff wieder aufholen müssen.

    • Übrigens verweigert natürlich kein Schüler ein Fünftel seiner Bildung. In Potsdam etwa verpasste mein Sohn gestern einen von drei Unterrichtsblöcken, um um 12 Uhr bei der Demo dabei zu sein – der verpasst Schulstoff ist leicht nachgearbeitet. Außerdem wird hier nur einmal im Monat gestreikt. Die Sorge, dass die Schüler viel an Bildung verpassen ist m.E. völlig übertrieben – falls sie überhaupt ehrlich gemeint ist.

  17. Herr Rahmstorf, ich habe Sie auf der Klimademo heute in Potsdam reden hören. Ich finde es sehr gut, dass Sie nicht nur im Blog, sondern auch auf der Straße die Jugend so tatkräftig unterstützen!

  18. Ich war heute in Chemnitz dabei. Die Fantasie, Kreativität und die Organisation der jungen Leute war bewundernswert. Es koennten schon mehrere Tausend gewesen sein, der Zug um unsere Innenstadt war ziemlich lang. Beeindruckend war die “Belagerung” des Hauptquartiers unseres Braunkohlenstromers “eins energie”. So eine Jugenddemo hat Chemnitz lange nicht gesehen. Es drückte sich aber auch der SPD-Sprecher für Energie der Landtagsfraktion da rum, der dafür bekannt ist, den ausgewiesenen Fachmann für Braunkohlesachen Dr. LIPPOLD im Landtag regelmäßig für sein Engagement für den Kohleausstieg gedisst zu haben. In Sachsen steht die SPD fest zur Braunkohle. Geredet hatte auch eine junge Frau von den Jusos. Als ich mich mit ihr im Demonstrationszug unterhielt, stellte sich heraus, dass sie aus Schleswig-Holstein kam. Dort wuerde die SPD die Sache anders sehen.
    Uebrigens haben Trockenheit und Sturm nun zwei Strassenbaeume vor meiner Haustür zur Strecke gebracht. (Spitzahorne, ca. 50-70 cm Stammdurchmesser). Die städtischen Wälder sind nun gesperrt. Es ist eine Strafe von 1000 bis 10.000 Euro für das Betreten ausgelobt.
    Wie es aussieht, verlieren wir in Sachsen binnen 2 Jahren 10% der Bäume. Der Borkenkäfer kann sich nun über weitere fette Beute freuen. Scheint wohl auf Wachholder und Eibe herauszulaufen, die das Desaster noch ein paar Jahre mitmachen. Mal sehen, wann dann die zunehmenden Tornados die BKW samt Übertragungsstrecken zur Strecke bringen. Abgeschaltet wird sowieso. Wahrscheinlich machts Mutter Natur ohne dann noch gross zu fragen. Kaum anzunehmen, dass es in einer +3 Grad-Welt noch Grosskraftwerke gibt!

  19. Herr Rahmstorf, das Pariser Klimabkommen nehme ich durchaus ernst. Ich verfolge, wie es umgesetzt wird. Eine Bewährungsprobe war Kattowitz, was ist da herausgekommen? Kein Mensch redet mehr davon. Auch von Kyoto wird kaum noch gesprochen. Vor 22 Jahren sollte doch der “langwierige Prozess” in Gang kommen. Den Erfolg können Sie an den Daten von Mauna Loa ablesen. Auch 2019 wird sich nicht viel ändern. Man kann voraussagen, dass der CO2-Antei der Atmosphäre um 2 bis 3 ppm steigen wird, und 2020, the same procedure as every year. Nach Lage der Dinge, es werden weltweit mehr fossil betriebene Kraftwerke gebaut als stillgelegt, kann sich das auch kaum ändern. Viele hoffen auf die regenerativen Energien. Da geht auch Einiges, wenn auch die Haupträger Bioenergie, Wasserkraft ökologisch bedenklich sind und auf zunehmenden Widerstand stoßen. Die großen Hoffnungsträger Wind und Sonne führen ein kümmerliches Dasein. Weltweit tragen beide zusammen kaum mehr als 1 Prozent zur Energieversorgung bei. Was also dann? Den Vorwurf muss man den protestierenden Schülern machen. Sie sind rasch dabei, die Stilllegung von Kohlekraftwerken zu fordern, schweigen aber höflich darüber, wie man diese ersetzen soll.

  20. @Eberhard Freitag
    Ihrer Aussage, dass die Beschlüsse der Klimaschutzkonferenzen nicht weit genug gehen und nicht ausreichend umgesetzt werden, stimme ich zu.

    Doch welche Konsequenz ziehen Sie daraus: Mehr anstrengen und mehr Druck machen, oder es ist doch alles zwecklos?

    Den Schülern vorzuwerfen, sie würden nicht sagen, wie man die Kohlekraftwerke ersetzen soll, halte ich für absurd, denn die Forderungen von Demonstrationen sind zwangsläufig in Parolen zusammengefasst.
    Doch es gibt genügend Studien, die die Möglichkeiten aufzeigen, unsere Strom- und später auch Energieversorgung auf nahezu 100 % Erneuerbare Energie umzustellen.

    Schade, dass Sie, Herr Freitag, hier Falschbehauptungen über das “kümmerliche Dasein” von Photovoltaik und Windkraft aufstellen, anstatt sich um die Statistiken zu bemühen!
    Beispielsweise das Jahr 2016: Nach verschiedenen Quellen wurden netto zugebaut: Atom 7,4 GW, Kohlekraft 49 GW, PV 75 GW, Windkraft 55 GW. Die Zubauzahlen für 2017: Atomkraft 0,3 GW, Kohlekraft 32 GW, PV 99 GW und Windkraft 53 GW. Quellen: IAEA, GWEC, WWEA, RENEWABLES 2018 sowie Boom and Bust.

    Raimund Kamm

  21. Herr Kramm, bei Ihren Zahlen muss ich zunächst anmerken, dass Sie GW Kohlekraft und GW Photovoltaik nicht vergleichen dürfen. 46 GW Kohle bedeuten im Jahersdurchschnitt 5 mal mehr Strom als 75 GW Photovoltaik. So zeigen Ihre Zahlen zunächst einmal, dass sowohl 2016 als auch 2017 der größte Zuwachs durch die Kohle erfolgte. Wo liegt eigentliche meine Falschbehauptung? Dass Sonne und Wind derzeit kaum mehr als 1 Prozent zur Energieversorgung beitragen, ist eine Tatsache. Wichtig ist mir Ihre Äußerung “Doch es gibt genügend Studien, die die Möglichkeiten aufzeigen, unsere Strom- und später auch Energieversorgung auf nahezu 100 % Erneuerbare Energie umzustellen”. Sie haben recht. Manches Ökoinstitut hat uns das vorgerechnet, so wie uns auch vorgerechnet wurde, dass man die Welt mit Wüstenstrom verorgen kann. Was ist daraus geworden? Ich halte diese Berichte für gefährlich und kontraproduktiv. Erst einmal muss es uns klar werden, dass die Dekarbonisierung schwierig ist und Opfer fordert. Erst wenn man der Realität ins Auge sieht und keiner Fata Morgana nachhängt, wie es Hermann Scheer mal ausgedrückt hat, bekommt man eine Chance zum Handeln.

    • Immerhin hat Deutschland im vergangenen Jahr schon mehr als 40% seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien bezogen. (In meiner Jugend hieß es, höchstens 2 -3 % seien möglich.)
      Der kleine Prozentsatz im Weltmaßstab hat zwei Gründe. Erstens sind nur wenige Länder schon so weit mit der Energiewende – die meisten stehen ganz am Anfang, oder haben noch gar nicht angefangen.
      Zweitens vergleichen Sie Primärenergie. Herkömmliche thermische Kraftwerke (Atom-, Kohle-, Gas-, Öl) erzeugen erstmal Hitze (durch Verbrennen oder atomare Kettenreaktion) und daraus dann mit einer Turbine Strom. Dabei braucht man wegen der Umwandlungsverluste im Schnitt rund dreimal soviel Primärenergie wie als Strom herauskommt. D.h. wenn Sie 1 kWh Strom aus Wind oder Photovoltaik haben und eine aus einem Kohlekraftwerk, dann ist der Nutzenergieanteil der Erneuerbaren 50%, der Primärenergieanteil aber nur 25%, weil die Primärenergie bei Wind oder Sonne dann 1 kWh ist und bei dem Kohlekraftwerk 3 kWh, insgesamt 4 kWh, davon ein viertel Erneuerbare. Ähnlich sieht es mit Verbrennungsmotoren im Vergleich zu Elektromotoren aus. Wenn sie mit Strom fahren benötigen Sie nur noch ein Bruchteil der Primärenergie.

  22. @Eberhard Freitag
    “Den Vorwurf muss man den protestierenden Schülern machen. Sie sind rasch dabei, die Stilllegung von Kohlekraftwerken zu fordern, schweigen aber höflich darüber, wie man diese ersetzen soll.”

    Das ist ja wohl ein Witz, Jugendlichen die Versäumnisse der erwachsenen Leistungsträger in Industrie und Wirtschaft vorzuwerfen.

  23. Herr Rahmstorff, Sie haben recht, dass Sonne und Wind bei der Primärenergie schlecht abschneiden. Ich rechne aber lieber mit der Primärenergie aus zwei Gründen. Sie ist sauberer definiert und sie ist vergleichbar mit Daten aus früheren Zeiten. Ich gebe auch zu, dass meine “1 Prozent weltweit” etwas zu niedrig angesetzt sind. Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass der Anteil der Solar- und Windenergie weltweit im niederen Prozentbereich liegt. Dass die Erneuerbaren bei der Stomerzeugung in Deutschland schon an die 40% erzeugen, ist beachtlich. Vergessen darf man aber nicht, dass die elektische Energie nur etwa 1/5 oder 1/6 unseres Energieberdarfs ausmacht. Zu den restlichen 4/5 oder 5/6 tragen Wind und Sonne nichts bei. Sehr wohl aber die Bioenergie. Wenn ich es recht sehe, ist bei dieser aber schon eine gewisse Sättigung eingekehrt. Daher wird es immer schwieriger voran zu kommen. Leider gibt es eine chronische Überschätzung des Anteils von Sonne und Wind. Hier setzt mein Vorwurf an, vor allem die Solarenergie wird zu sehr hochgejubelt. Sie können sich davon überzeugen, wenn Sie in Ihrem Bekanntenkreis die Frage stellen, wieviel die Solarenergie zur Energieerzeugunng beiträgt. Noch zu Hern Stefan, die jungen Leute stellen politische Forderungen. Damit müssen sie sich auch der Kritik stellen, wenn sie keine Wege nennen, wie diese umzusetzen sind. Ich gebe Ihnen aber recht, der Vorwurf trifft vor allem die, die uns Entwicklungsmöglichkeiten vorgaukeln, die bereits in wenigen Jahren widerlegt sein werden. Bitte, dies ist eine Prognose. Es wäre mir recht, ich würde mich irren.

  24. Was ist damit gemeint die Netto-Emissionen auf null zu reduzieren? Für mich klingt diese Aussage nach Populismus.

    Selbst wenn ich ausatme wird CO2 emittiert.

    Aber auch technologisch ist das doch nicht möglich. Bei der Herstellung eines Akkus für ein E-Auto werden fünf bis fünfzehn Tonnen CO2 freigesetzt. Auch bei der Herstellung von Windmühlen und Solarmodulen wird CO2 freigesetzt.
    Eine emissionsfreie Energiegewinnung gibt es nicht.

    Eine weitere Frage, die sich mit stellt, ist wie die Erneuerbaren die Grundlast stemmen können, wenn wir neben der Kernenergie nun auch aus der Kohle raus wollen. Hat der ehemalige Präsident des Ifo Instituts Prof Dr. Hans Werner Sinn nicht vorgeführt, dass selbst bei sehr optimistischen Rechnungen Pumpspeicherkraftwerke im oberen dreistelligen Bereich allein für Deutschland notwendig wären?
    Werden wir dann nicht, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, auch Energie aus Osteuropa importieren müssen, die dann unter Umständen mit Kohlekraftwerken erzeugt wurden, die schlechtere Filteranlagen als unsere Kraftwerke haben. Werden durch unseren Kohleausstieg nicht die CO2 Zertifkate für die Osteuropäer günstiger.

    Ich sehe zwar die Probleme des Klimawandels und finde, dass die AFD unwissenschaftliche Argumente bringt, aber meiner Meinung nach emotionalisiert man das Thema zu sehr, was letztlich zu Maßnahmen führt, welche die Situation nur verschlimmbessern.

  25. @Eberhard Freitag
    Ihre Anmerkungen zeigen durchaus, dass die Lösungen nicht trivial sind. Kein Land kann das alleine wuppen. Es gibt keine Blaupause, keinen Materplan. Wir brauchen eine globale Bereitschaft der Mehrheit der Entscheidungsmacht und einen Deal, der fair und gangbar ist für alle. Durch Information und Einsicht in die Fakten wächst auch die Bereitschaft zum Wandel. Niemand fordert ein “Zurück in die Steinzeit”, sondern im Gegenteil nur einmal ein ganz klein wenig aus der Komfortzone zu kommen. An der Technik werden wir sicherlich nicht scheitern. Bei ihrer Betrachtung sollte man daher vielleicht auch mehrere Dinge zusätzlich sehen:
    1. Auch Kohlekraftwerke laufen bei weitem nicht 8760 Stunden im Jahr unter Volllast, daher erhält man auch in Ihrer Rechnungsweise im Beispiel kein 5:1 Verhältnis gegenüber PV.
    2. Noch wichtiger: Sehen Sie die Trends! PV, Wind u.a. wachsen immer schneller, Kohle, Gas, Atom langsamer! Der Trend ist sehr deutlich. Schauen Sie dazu zeitliche Entwicklungen an, Weltwirtschaftswachstum, Absatzmengen, und insbesondere die Preise, wagen Sie einmal in die Zukunft zu extrapolieren. In wenigen Jahren ist PV mit ab jetzt nur noch geringfügig angenommener Verbilligung selbst im sonnenschwachen Deutschland so zwingend, dass die Banken offensiv an die Hauseigentümer treten mit Angeboten, die man im nüchternen Zustand einfach nicht mehr ablehnen kann, insbesondere wenn man gleichzeitig noch die Trends der Batteriepreisentwicklung im Auge hat (derzeit 1% im Monat billiger, Trend aufwärts)… Dann ist nämlich auch die Einspeisevergütung total egal. Die kritische Schwelle für Deutschland dürfte wohl Mitte 20er liegen. Die Kohle erledigt sich dann in den Folgejahren beinahe schon von alleine. Das Batterieauto ist absehbar in 5 Jahren für die meisten Nutzer schon ebenso ökonomisch zwingend. Es wird über das Portemonnaie gehen, nicht über das Gewissen.
    3. Erneuerbare wurden immer billiger, und der Trend hält immer noch an. Weltweit im Mittel ist PV bereits die billigste Energiequelle (ohne Subventionen dafür). Werden den Fossilen auch noch die massiven Subventionen gestrichen, werden diese umgekehrt teurer. Wird man Umweltverschmutzung nach dem Verursacherprinzip angemessen besteuern (und man kann die Einnahmen ja zu 100% wieder an die Bürger ausschütten), sind weder Atom- noch fossile Energieträger in den meisten Anwendungsfeldern wettbewerbsfähig, sogar heute schon nicht mehr. Was wird dann wohl passieren?
    Im Übrigen ist gerade auch das Potential der Biomasse, und zwar desjenigen Anteils, der nicht essbar ist und gleichzeitig nachhaltig zu ernten ist, um ein Vielfaches(!) steigerbar. Sie stellen das nicht richtig dar. Es wird global derzeit nur ein winziger Bruchteil der dauerhaft verfügbaren Flächen hierfür angefasst – landwirtschaftliche Abfälle (Rispen, Stengel, Wurzeln, Blätter, Gräser usw.), Splintholz und Äste, Gülle, Lebensmittelabfälle usw. Durch Fortschritte in der Trocknungstechnik sowie an besseren dezentralen BHKW für organische Feststoffe (in beiden Techniken ist heute noch reichlich Raum für Verbesserungen) lässt sich die wirtschaftlich erzielbare elektrische Energie pro kg Biorohmasse fast verdoppeln. Aus der global nachhaltig verfügbaren Masse ist dann sogar noch genügend übrig für synthetische Kraftstoffe (insbesondere für Fernflüge), Chemie und Prozesswärme (wenn gleichzeitig intelligente Einsparpotentiale genutzt werden, s. u.a. Sektorkopplung, Dämmung usw.) sowie konsequente Kompostbildung zur globalen verbesserung der Böden, und zwar theoretisch ohne überhaupt irgend eine P2X-Technik nutzen zu müssen. Wir haben also prinzipiell schon in ganz knapp ausreichendem Maße die “Langzeit-Batterien”, die wir so dringend brauchen für eine fossilfreie Welt. Dazu wird auch in einigen Jahren der Algenanbau super interessant: Besonders für den Anbau in den globalen Wüsten, küstennah, von Mikromeeresalgen, Cyano- und anderen Bakterien, die zu etwa 90% aus Wasser bestehen, wird eine innovative Trockentechnik einmal von unschätzbarem Nutzen sein. In einigen Jahrzehnten kann man so immerhin nicht nur wachsende Bedürfnisse an chemisch gebundener Energie sowie an organischen Nährstoffe (Nahrungsmittel, Düngung, Fischfarmen usw.) Mineralien, u.a. auch Phosphor, decken, sondern gleichzeitig als “Abfall” gewaltige Mengen Trinkwasser gewinnen und außerdem damit anfangen, Kohlenstoff relativ günstig wieder aus der Luft herauszuholen, um einen netto-Speicherertrag zu erzielen (was mit aktuell diskutierten Ideen vermutlich schwerer zu realisieren sein wird), da wir global womöglich etwas zu langsam sein werden, um klimakritische Kippunkte sicher zu unterschreiten – leider. Wenn wir nicht wissen können, wann endlich alle mitmachen, lohnt es sich jetzt schon umso mehr, um jedes 0,1°C weniger Erwärmung zu kämpfen.
    Und daher sollten sich die älteren mit der Jugend am Freitag solidarisieren, mitlaufen, dadurch weitere Menschen animieren, mehr und schnelleren Fortschritt zu wollen und dieses zu artikulieren. Und es ist ebenso wichtig, dass auch wissenschaftliche Autoritäten in Zukunft wieder und wieder klar Farbe bekennen. Ich wünsche mir dieses auch noch stärker von den Kirchen, Schriftstellern, den Medien, Bloggern, Wirtschaftseliten bis hinein sogar in konservative Zirkel.

  26. Ich war gestern wieder kurz in Poedelwitz. Da hatte ich eine unheimliche Begegnung der dritten Art. Ich wollte gerade bei Jens Hausner, dem Zugpferd der Verteidigung gegen die Braunkohleabbaggerung dieses “Hambacher Forstes” von Sachsen klingeln wollte, sehe ich doch so eine große schwarze Geländekiste am Ortseingang stehen. Die kam dann langsam näher. Man besichtigte anscheinend aus dem Automobil. Als die Kiste kam, streckte ich meinen Arm aus, zeigte mit dem Finger drauf und lachte die Leute aus, wie ich das als Fußgänger in der Stadt Chemnitz seit ca. 1,5 Jahren zu machen pflege. Man hielt an und ließ die Scheine herunterkurbeln. Es schaute mich der leibhaftige Herr Gemkow, der Justizminister Sachsens an. Daneben die Frau, dahinter die Kinder. Auf die Frage, was sei, sagte ich: “Ich lache die immer aus, die mit die Geländewagen.” Er sagte nur: “Ach so”. Einer der 100 “Hilfselektromotoren” kurbelte wieder hoch und man setzte die Besichtigung des Dorfes aus X7, Q7 oder weiß der Geier fort.
    Für mich erhebt sich die Frage, ob die Schülerdemo schon beim sächsischen Justizminister Wirkung gezeigt hat und nun die Muffe geht, weil man ja einerseits von den Tscheschen-Oligarchen erpresst wird, andererseits nun neben der AfD noch vor der Landtagswahl die Schüler am Hals hat. Arme CDU-Sachsen und nicht arme Greta!

  27. @Eberhard Freitag: “Auch 2019 wird sich nicht viel ändern. Man kann voraussagen, dass der CO2-Antei der Atmosphäre um 2 bis 3 ppm steigen wird, und 2020, the same procedure as every year.”

    Die Umstellung der Energiewirtschaft ist keine Sache von Jahren sondern von Jahrzehnten und einigen Generationen. Ich vermute, dass das insbesondere den Kindern bewusst ist, dass wir auf lange Sicht etwas für unsere Erde tun müssen. Es wäre fatalistisch wegen unbefriedigender Kurzzeitbeobachtungen alles hinzuwerfen.

  28. Herr Hader, so viel Zeit haben wir auch wieder nicht. Schauen Sie sich mal die Emissionspfade an, die der WGBU zur Einhaltung des 2 Grad Ziels so im Jahre 2010 vorgeschlagen hat http://tinyurl.com/yydgowj8. Schauen Sie sich dann die Entwicklung des CO2 Ausstosses seit dem Kyoto Protokoll an http://tinyurl.com/yxv7ynqp. Wenn es noch ein paar Jahre so weiter geht, besteht kaum eine realistische Chance, das 2 Grad Ziel einzuhalten. Also, ich bleibe dabei, es ist Alarmstufe 1. Dem gut gemeinten Beitrag von Herr Johannsen mache ich den Vorwurf, dass er verharmlost.

  29. @Eberhard Freitag:
    “die jungen Leute stellen politische Forderungen. Damit müssen sie sich auch der Kritik stellen, wenn sie keine Wege nennen, wie diese umzusetzen sind.”

    Die Antwort von Greta Thunberg:

    “If not even the scientists, politicians, media and the UN currently can speak up on what exactly needs to be done to ”solve” the climate crisis (in other words, dramatically lowering our emissions starting today) , then how could we, some schoolchildren, know? How can you leave that burden to us?
    (…) So please stop asking your children for the answers to your own mess.”

    https://www.facebook.com/732846497083173/posts/793441724356983?sfns=mo

  30. Bei so vielen hitzigen Diskussion in der Klimalounge lohnt es sich immer wieder einmal den Blick auf das Ganze zu werfen.

    – Was haben die Anstrengungen bisher gebracht: https://www.bp.com/en/global/corporate/energy-economics/statistical-review-of-world-energy.html

    – Der Klimawandel ist da. Die bayerischen Waldbauern leben mit ihm: https://www.br.de/mediathek/video/unter-unserem-himmel-heimat-doku-die-zukunft-des-waldes-av:5c5af8ee42b54f00183b4505

  31. @Bernd Siemer
    “Selbst wenn ich ausatme wird CO2 emittiert.”

    Diese Aussage ist gut geeignet, um zu erklären, was netto bedeutet. Beim Ausatmen wird CO2 emittiert. Der Kohlenstoff den Sie ausatmen kommt aus der Nahrung, die Sie aufnehmen. Sie nehmen dabei natürlich nicht den gesamten Kohlenstoff auf, der Rest geht einen anderen. Den Kohlenstoff, den Sie essen haben vorher Pflanzen aus der Atmosphäre aufgenommen. Durch die Atmung wird also netto kein Kohlenstoff in die Atmosphäre abgegeben.
    Ähnlich kann das bei Bioenergie sein. Das CO2, das bei der Verbrennung abgegeben wird, wurde vorher durch die Pflanze aufgenommen.
    In beiden Fällen ist allerdings zu berücksichtigen, dass durch Anbau, Verarbeitung und Transport der Pflanzen Emissionen entstehen, wenn man eine Gesamtbilanz der Bioenergie oder Ernährung zieht.
    Um eine Gesamtbilanz von Null zu erreichen sind allerdings auch CO2-Senken notwendig, zum Beispiel Ökosysteme, die CO2 aufnehmen.

    Wenn man die Herstellungsbilanz von Akkus oder Solarmodulen betrachtet, ist ein wesentlicher Faktor, wodurch die Energie bereitgestellt wird, um diese herzustellen. Im Falle von Solarmodulen sparen diese Emissionen gegenüber Kohlekraftwerken, auch wenn diese mit Hilfe von deren Energie hergestellt wurden. Wenn der Anteil der emissionsarmen Kraftwerke dann zunimmt, reduziert sich die Belastung durch die Herstellung weiter.

    Ein Umbau des Energiesystems kann verschieden gelingen, wesentlich sind aber Speicher und Ausbau von Netzen (national und europäisch). Alternativen ohne großen Anteil erneuerbare wären Kernenergie und Kohle/Gas mit CCS. Auch diese Systeme sind technisch allerdings herausfordernd.

    Zum Handel mit Zertifikaten haben Sie recht. Solange der europäische Emissionshandel nicht daran angepasst wird, hätte der Kohleausstieg nur einen geringen Effekt. Er könnte einen geringen Effekt haben, wenn die Zertifikate insgesamt verfallen und der Gesamtaustoß unter den gesamten Zertifikaten liegt.
    Das Problem ist insgesamt, dass zu viele Zertifikate ausgegeben wurden, und die Zertifikate nicht auf besondere weitere Maßnahmen reagieren, wie zum Beispiel Verfall der Zertifikate. Der gesamte Umfang der Zertifikate laut Umweltbundesamt zu groß, um die EU-Klimaziele zu erreichen. Der Kohleausstieg sollte also mit Veränderungen am Emissionshandel einher gehen.

  32. Herr Freitag, für mich ist das Erreichen des 2 Grad-Ziels kein Dogma. Wenn wir es erreichen, ist es gut. Wenn es 2,5 Grad sein sollten, dann ist das immer noch besser als 4-5 Grad durch ein “weiter so”. Hauptsache ist, wir tun was und sparen uns damit erhebliche Anpassungskosten, die vor allem auf die ärmeren Länder zukommt.

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