Kosmische Trümmer

Asteroid
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Das Sonnensystem ist von einer extrem hohen, für uns immer noch unbekannten Zahl kleiner Objekte besiedelt. Lange waren Sie aufgrund ihrer Größe und Entfernung für uns gar nicht zu beobachten. Ausnahme bilden nur zwei seltene Fälle: Erstens, wenn sie als Kometen mit leuchtendem Schweif über den Himmel ziehen. Heute kennen wir sechstausend von ihnen. Zweitens: Wenn Bruchstücke eines Asteroiden als Meteorite auf der Erde einschlagen.

Solche Asteroiden stammen vorwiegend aus der Region zwischen Mars und Jupiter. Bis heute zeigen diese Trümmer unterschiedliche Bahngeschwindigkeiten. Inzwischen ist ihre Zahl auf 700.000 bekannte Objekte gestiegen. Dennoch haben alle uns bekannten Objekte der Region nur vier Prozent der Masse des Mondes, sie sind nicht größer als  – mit einer Ausnahme – 500 km im Durchmesser. Die Astro-Sonde Gaia hat übrigens vor kurzem neben vielen anderen Aufgaben eine hochpräzise Bahnvermessung von rund 15.000 Objekten dieses Asteroidengürtels vorgenommen.

Entstanden ist der Asteroidengürtel bereits in den Anfängen des Sonnensystems vor etwa 4,5 Milliarden Jahren. Damals hatte sich die Materie einer Molekülwolke durch die Kräfte der Gravitation und ihres Drehimpulses zu einer rotierenden Scheibe aus Gas und Staub abgeflacht. In deren massereichem Zentrum begann ein Stern zu leuchten: unsere Sonne. In dieser frühen Phase haben sich Materieklumpen gebildet, die zuerst in einem chaotischen Treiben umherflogen und dabei auch oft kollidierten. Dennoch haben sich in der rotierenden Scheibe durch die Wirkung unterschiedlicher Kräfte Schwerkraftzentren herausbilden können. Die Gase in der Scheibe wurden durch die enorme Schwerkraft der  großen äußeren Planeten  gebunden. Es bildeten sich hier um die Kerne schnell mächtige Gashüllen – die Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Etwas später sind auch im inneren Bereich die Gesteinsplaneten Merkur, Venus, Erde und Mars entstanden. Nur die Materie zwischen dem besonders massereichen Jupiter und dem Mars konnte sich durch das Wechselspiel der unterschiedlichen Gravitationskräfte nicht zu einem größeren Planeten entwickeln, der dann die Materie seiner Umgebung aufgesaugt hätte. Bis heute zeigt uns die Region des Asteroidengürtels deshalb die Relikte aus dieser Urzeitepoche. Viele dieser durch das Sonnensystem trudelnden Teile sind im Lauf der Entwicklung durch Kollisionen mit den großen Planeten verschwunden, haben sich bei Zusammenstößen gegenseitig „atomisiert“ oder sind in ferne Regionen des Sonnensystems katapultiert worden. Die heute noch vorhandenen Asteroiden haben ihre Flugbahnen weitgehend harmonisiert, allerdings längst noch nicht so, dass sie alle im Formationsflug um die Sonne kreisen. Über die Frage, wie groß das Risiko für uns ist, immer noch von einem dieser Querschläger getroffen zu werden, werde ich demnächst ebenfalls berichten.  Der größte Asteroid im Gürtel ist Pallas mit einem Durchmesser von 545 km. Ceres, das mit 1000 km Durchmesser größte Objekt, wird inzwischen als sogenannter Kleinplanet klassifiziert. Davon später mehr. Aber für Planetenforscher sind selbst die kleinsten Himmelsobjekte  des Asteroidengürtels als Relikte unserer Vergangenheit ausgesprochen faszinierend.

Die NASA hat mit der Raumsonde Dawn – Start Dawn 2007, Ende der Mission Nov 2018 – erstmals zwei Himmelskörper des Asteroidengürtels besucht und sie uns aus nächster Nähe gezeigt. Dawn flog zu den beiden massereichsten Objekten im Asteroidengürtel: Ceres und Vesta. Die Sonde hat Ende 2018 den aktiven Dienst zwar quittiert, doch die Kameras und Spektrometer an Bord haben eine Vielzahl von Messdaten dieser Objekte  gesammelt. Sensationell für Astrophysiker war die Entdeckung eines großen, einsamen Berges auf Ceres, der vermutlich erst vor rund einer Million Jahre entstanden ist. Und noch eine Besonderheit zeichnet ihn aus: Ahuna Mons – mit einer Höhe von 4000 m ist kein Einschlagkrater, sondern ein Vulkan.  Es muss  damals also etwas unter der Oberfläche von Ceres gegeben haben, das das Material bis zum Schmelzpunkt erhitzt und durch die Risse nach oben gedrückt hat.  Eine endgültige Erklärung haben Planetologen bis heute nicht. Für am wahrscheinlichsten halten sie heute radioaktive Prozesse um Untergrund.

Die jüngste, noch laufende Mission zu den  Asteroiden ist die NASA-Sonde Osiris Rex. Sie ist inzwischen schon bei dem 1999 entdeckten und wirklich winzigen Asteroiden Bennu angekommen, der im mittleren Durchmesser gerade einmal 492 Meter misst! Er ist damit eines der kleinsten bisher entdeckten Objekte im Asteroidengürtel, dennoch kann er für uns gefährlich werden. Simulationen seiner  Bahn prognostizieren, dass er im nächsten Jahrhundert der Erde nahe kommt. Sogar ein Zusammenstoß mit ihm ist nicht auszuschließen. Osiris Rex wird den Asteroiden aber nicht nur beobachten. Die Sonde wird einen Lander abwerfen. Dieser soll mit einem ausgefahrenen Fuß die Oberfläche von Bennu ganz leicht berühren und dabei etwa 2 kg Material aufnehmen. Wenn alles nach Plan verläuft, wird Osiris Rex diese Bodenproben dann bis Mitte des Jahrzehnts zur Erde zurück bringen.

Bei der Entstehung des Sonnensystems hat sich aber nicht nur der Asteroiden-Gürtel gebildet. Jenseits der Bahnen der gigantischen Gasplaneten entstand noch eine zweite Zone mit solchen Überresten aus der Zeit, als das Planetensystem entstand: der Kuiper-Gürtel.

Seine Objekte enthalten einen größeren Eisanteil als die Asteroiden. Nach neuerer Schätzung könnten sich hier bis zu einer Milliarde Objekte aus der Frühzeit des Sonnensystems gesammelt haben. Heute werden die Objekte dieser Region als Transneptunische Objekte, TNO, bezeichnet. Diese Objekte sind gewissermaßen das Wasserreservoir des Sonnensystems.  Auch Plutos Bahn liegt in diesem Materie-Gürtel. 2006  hat er übrigens den Status des neunten Planeten im Sonnensystem verloren. Er ist jetzt zwar das größte Objekt dieser sogenannten Zwergplaneten im Kuiper-Gürtel, aber inzwischen sind hier auch andere Kleinkörper mit vergleichbaren Ausmaßen gefunden worden. Eine planetare Sonderstellung wollen Astronomen Pluto daher heute nicht mehr geben. Der Kuiper-Gürtel ist auch Ursprungsort vieler bekannter Kometen, in der Regel die kurzperiodischenObjekte. Ein für Marsforscher besonders faszinierender Komet trägt den Namen Siding Spring. Im Oktober 2014 kam er dem roten Planeten   bis auf 140.000 Kilometer bedenklich nahe, fast ein Drittel so nahe wie die Entfernung von Erde und Mond. Das muss auf der Oberfläche des Mars ein spektakuläres Himmelsschauspiel gewesen sein, was diese künstlerische Darstellung illustriert.

Solche Vorgänge haben sich in der Frühzeit des Sonnensystems sehr häufig ereignet. Einige hundert Millionen Jahre nach der Entstehung der Sonne trudelten zahlreiche solcher Querschläger aus dem Kuiper- und dem Asteroidengürtel  durch das System. Oft kam es auch zu Katastrophen mit den jungen Planeten und ihren Trabanten. Eine Vielzahl der auf dem Mond bis heute noch sichtbaren Einschlagkrater stammt aus dieser Periode. Auch die Erde muss also in dieser Zeit von zahlreichen Einschlägen erschüttert worden sein, auch wenn wir die Krater heute nicht mehr sehen. Solche Zusammenstöße waren aber nicht nur Katastrophen, sie führten den Planeten auch Material aus anderen Zonen des Sonnensystems zu. Es gibt sogar die Vermutung, dass mit diesen einschlagenden Kometen aus den äußeren Teilen des Sonnensystems  auch das Wasser auf die Erde kam. Beobachtungen des Kometenjägers Rosetta 2004 Start der Sonde – 2008 Vorbeiflug am Asteriodengürtel – 2014 Landung auf dem Kometen – Missionsende zeigten allerdings, dass der Großteil des Wassers auf der Erde wohl nicht von Kometen dieses Typs stammt.

Noch viel weiter draußen als der Kuiper-Gürtel – am äußersten Rand des Sonnensystems – umkreist die Oortsche Wolke das planetare System.  Niemand hat sie bisher tatsächlich beobachten können, doch die Bahnformen mancher Kometen der Entstehungsgeschichte des Sonnensystems zeigen, dass es eine solche Zone geben muss. Sie besteht  aus einer gewaltigen Blase von Billionen kleiner Eis-Trabanten. Auch Kometen reisen von dort mit extrem langer Umlaufbahn um die Sonne.

Alle diese zahllosen kleinen Himmelsobjekte aus unterschiedlichen mit Materie gefüllten Gürteln stammen, soweit wir heute wissen, aus unserem eigenen Sonnensystem. Doch es gibt einen Solitär: Es  handelt sich um einen  2017 im hawaiianischen Haleakea-Observatorium zuerst entdeckten, sonderbar geformten Materiebrocken. Genannt wurde er von seinen Entdeckern Oumuamua, was auf Hawaiisch so viel wie Kundschafter heißt. Auch vom Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile konnte das ungewöhnlich geformte Objekt mit einer Länge ca. 200 m beobachtet werden. Die nächste Annäherung an die Erde betrug 24 Millionen Kilometer,  was etwa sechzigmal so weit entfernt ist wie die Strecke zwischen Erde und Mond. Astronomen vermuten aufgrund seiner Flugbahn, dass es sich um einen Kometen handelt, der aus einem fremden Planetensystem zu uns gereist ist. Ein Komet deshalb, weil seine minimalen, aber noch messbaren Geschwindigkeitsveränderungen mit dem Ausgasen von Materie bei der Annäherung an unsere Sonne gedeutet werden. Doch dieses für Kometen typische Ausgasen war nur so schwach, dass es für unsere Instrumente in dieser Entfernung nicht festgestellt werden konnte, so vermuten die Wissenschaftlicher heute. Die Geschwindigkeitsschwankungen dieses interstellaren Nomaden lassen übrigens die exakte Berechnung des Ursprungs bisher nicht zu. Woher aus den Weiten des Universums also der erste fremde Besucher tatsächlich zu uns gekommen ist, bleibt vorläufig offen.

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Susanne Päch

Veröffentlicht von

Ich habe viele Jahre journalistisch im Bereich Wissenschaft und Technologie gearbeitet, später dann mit meiner kleinen Beratungsfirma als Medienexpertin. 2010 erfüllte ich mir meinen großen Traum und gründete den Spartensender HYPERRAUM.TV, für den ich eine medienrechtliche Rundfunklizenz erteilt bekam. Seither mache ich als One-Woman-Show mit meinem „alternativen TV-Sender“ gewollt nicht massentaugliches Fernseh-Programm. Als gelernte Wissenschaftshistorikern habe ich mich gänzlich der Zukunft verschrieben: Denn die Vergangenheit können wir nur erkennen, die Zukunft aber ist für uns gestaltbar. Wir sollten versuchen, nicht blind in sie hinein zu stolpern!

14 Kommentare

  1. Asteroiden sind interessante Ressourcen für die Weltraumfahrt. Für die Herstellung von Treibstoff nämlich oder für den Bau von Weltraumhabitaten. Alle Asteroiden zusammen haben zwar nur (Zitat) 4% der Mondmasse, das sind aber 10^21 kg und damit 1 Million Mal mehr Masse als alle Kohlereserven der ganzen Welt zusammengenommen.
    Das teuerste an einem Raumfahrtunternehmen ist der Transport von Mensch&Material von der Erde in den Raum. In 100 Jahren vielleicht könnten Raumsonden über so viel Eigenintelligenz und Automatik verfügen, dass sie selbsständig Asteroidenmaterial zu komplexen Endprodukten verarbeiten könnten. Die Raumfahrt könnte sich dann unabhängig von der Erde weiterentwickeln und Astronauten in Weltraumhabitaten unterkommen, die von Weltraumautomaten für sie gebaut worden sind. Heute sind wir noch sehr weit von dieser Technologie entfernt. Doch das Potenzial ist vorhanden und es ist nur eine Frage der Zeit bis diese Vision Realität werden kann.

  2. Ich finde es schade, dass beim Thema Weltraumschrott nicht über Recycling oder Upcycling nachgedacht wird. Man denkt an zukünftige Mondbasen und Marsmissionen und zeitgleich muss man sich darüber Gedanken machen wie man Trümmer von knapp 60 Jahren Raumfahrt aus den Bahnen zukünftiger Raumschiffe fernhalten will. Es muss doch eigentlich möglich sein Menschengemachtes welches in die Umlaufbahn geschossen wurde, auch weiter zum Mond zu verbringen und dort einem Sinnvollen Nutzen zuzuführen. Ausgebrannte Raketenstufen könnten doch bestimmt zu Aussenskeletten von Mondgebäuden umfunktioniert werden. Ich bin mir bewusst dass es wirklich Zukunftsmusik ist, aber irgendwie vermisse ich die Anfänge solcher Ideen. Es muss doch was sinnvolleres geben als Metallschrott in der Atmosphäre verglühen zu lassen.

  3. “Ahuna Mons – mit einer Höhe von 4000 km ist kein Einschlagkrater, sondern ein Vulkan.”
    Die Höhenangabe sollte sicher 4000 m lauten.

    • sorry, ja, die Angabe 4000 km ist natürlich Blödsinn. Im Video ist das übrigens korrekt. Danke für den Hinweis.

  4. Apropos : Kosmische Trümmerlandung ….

    Die Amerikaner behaupten auf dem Mond gewesen
    Und auf einer Tafel stand geschrieben „Wir kamen in Frieden.“
    Warum führt ihr dann auf der Erde Kriege?
    Und warum seid ihr nicht auf dem Mond geblieben?

    War etwa alles nur wieder Lüge?
    Es fing an mit einem Hund namens Leika
    von den Russen in einer Kapsel in das All geschossen.
    Haben es die Ammis mit der angeblichen Mondlandung übertroffen?

    Mit einem qualmenden und stinkenden Ungetüm
    überwiegend aus Wasserstoff und Sauerstoff
    haben sie sich empor gewagt die Verrückten
    und die Mondlandung erhofft.

    Wieviel Versuche haben sie gestartet?
    Das kann ich beim besten Willen nicht sagen.
    Die Rakete trug den Namen Saturn „5“
    Wieso gibt es auf dem Mond dann so viele Krater?

    Doch Spaß bei Seite.
    Unser Mond, unserer einziger Trabant
    hat keine Atmosphäre
    nur viel Stein und Sand.

    Wie frage ich mich
    wollen die dort bremsen?
    um nicht auf der Mondoberfläche zu zerschlagen!
    Wollt ihr enden, wie ein Meteor, als x-ter Krater?

    Um auf der Mondoberfläche sanft zu landen
    noch dazu mit einem Mondfahrzeug im Gepäck
    habt ihr noch nicht einmal echtes Mondgestein mitgebracht.
    Aber für die sanfte Landung den Feuerstrahl entfacht?

    Könnt ihr gar nicht mitnehmen
    für die Landung und zurück soviel Treibstoff auf die Reise.
    Die Saturn 5 trägt gerade einmal sich
    Die Meise.

    Von der Mondoberfläche zurück
    an die im Mond-Orbit fliegende Kapsel?
    Gerade im richtigem Moment ohne Treibstoff und Computer?
    Wer das glaubt ist echt ein Guter !!!

    Diplom-Physiker bewirbt sich bei der NASA-Schwester DLR mit nettem Gedicht über die angebliche Mondlandung
    https://aufgewachter.wordpress.com/2012/02/26/erwerbsloser-diplom-physiker-bewirbt-sich-bei-der-nasa-schwester-dlr-mit-gedicht-uber-angebliche-mondlandung/

  5. Seit wir die Schönheit des Strernenhimmels nicht mehr sehen können, wegen der Luftverschmutzung, sind die Geschichten über Meteore, Kleinplaneten, Oortsche Wolke ein schöner Ersatz die Phantasie zu beflügeln.
    Vielen Dank Frau Päch, das haben Sie sehr gut gemacht.

  6. Hallo,

    ein sehr schönes und informatives Video, allerdings frage ich mich: Wozu diese absurde Untermalung mit Geräuschen – die wahrscheinlich Musik genannt werden. – Schon mal gehört, dass es Menschen mit Hörproblemen gibt? Die bekommen vom gesprochenen Text kaum noch die Hälfte mit.

    Es lohnt sich, über dieses Problem mal nachzudenken – und dann vernünftig zu handeln.

    Besten Gruß

    E. Krüger

  7. Die Asteroiden im Gürtel zwischen Mars und Jupiter und erst recht die im Kuiper-Gürtel und in der Oortschen Wolke gehören praktisch zum Hinterhof unsereres Sonnensystems. Aber auch den Hinterhof sollte man irgendwann kennen. Und am besten bis hinunter zum letzten Brocken, der da herumfliegt. Asteroiden als kleine und meist sehr schwarze Körper sind allerdings schwierig zu finden.

    ESA’s Gaia-Satellit hat beispielsweise trotz systematischer Beobachtung aller leuchtenden Himmelsobjekte keine neuen Asteroiden gefunden sondern lediglich von 15’000 bereits bekannten Asteroiden ihre Bahnen genauer bestimmt, denn Gaia macht wiederholte Aufnahmen derselben Himmelsstellen und bestimmt dann aus den Positions- und Helligikeitsänderungen der dort gefunden Objekte unter anderem die Geschwindigkeit und (anhand der Parallaxe) auch die Distanz zu den Objekten.

    PAN-STARRS ( Panoramic Survey Telescope And Rapid Response System) als Weitwinkel-Grossteleskop (3° Sichtfeld), das nach Ereignissen am Nachthimmel sucht (Veränderungen der Leuchtstärke von Objekten, 500 Aufnahmen pro Nacht) war da schon besser in Bezug auf seine Asteroiden-Entdeckungsrate.
    Gefunden werden die meisten Asteroiden nämlich nicht, weil sie Sonnenlicht zurückwerfen, sondern weil sie irgendwann ganz kurz einen Hintergrundstern abdecken (Okkultation), was dann von einem ständig den Himmel beobachtenden Instrument entdeckt werden kann – allerdings nur, wenn es gerade auf die richtige Stelle im Himmel gerichtet ist.

    Von daher wäre es wünschenswert ein Teleskop zu haben, welches ständig den gesamten Himmel beobachtet. Solch ein Teleskop gibt es tatsächlich: Das Evryscope. Dieses hat tatsächlich schon einige Asteroiden und sehr viele veränderliche Objekte (wie Exoplaneten, gravitative Mikrolineseneffekte etc.) gefunden. Das heutige Evryscope besitzt leider nur sehr kleine Einzelteleskope (allerdings viele). Wünschenswert wäre wohl ein weltraumbasiertes Evryscope mit sehr vielen Teleskopen, die auf einer Kugel angeordnet sind. Wenn diese Teleskope genügend gross wären würde ihnen kein Ereignis entgehen. Jede Sternenokkultation durch einen Asteroiden würde dann registriert werden und die Liste der bekannten Asteroiden würde ständig wachsen.

    Ein Spezialproblem ist die Entdeckung aller NEOs, also der Near Earth Objects. Speziell, weil diese der Erde gefährlich werden können, aber auch weil eine Mission zu einem NEO meist einfach zu realisieren ist, ist doch ein NEO mindestens zeitweise ganz nah bei der Erde und könnte dann von einem dafür gebauten Gefährt besucht werden. Die NASA will die Bewilligung für ein weltraumbasiertes NEO-Teleskop erhalten, denn ohne ein solches würde es noch 30 Jahre dauern um 90% aller über 140 Meter grossen NEOs zu finden (Zitat NASA pushes for asteroid detection satellite, übersetzt von DeepL): Bei der derzeitigen Forschungsrate, bei der allein der Einsatz von bodengebundenen Teleskopen erforderlich ist, wären 30 Jahre oder mehr Beobachtungen erforderlich, um die 90%ige Anforderung zu erreichen, sagte der NASA-Chefarzt Jim Green dem Komitee. In zwei Jahrzehnten der Suche haben die NASA und ihre Partner laut einem behördenübergreifenden Bericht vom Juni 2018 etwa ein Drittel der geschätzten 25 000 NEOs über 140 m Länge katalogisiert. Die großen Objekte werden jährlich mit einer Rate von rund 500 entdeckt. Das großflächige Large Synoptic Survey Telescope in Chile wird die Rate der bodengebundenen Asteroidenentdeckung beschleunigen, wenn es bis etwa 2023 online geht, aber nicht annähernd genug, um das 90%-Ziel zu erreichen, auch nicht bis Anfang der 2030er Jahre.

  8. Dem kann ich mich nicht anschließen. Obwohl ich normalerweise bereits Hörgeräte trage, habe ich den gesamten Text auch ohne Hörgerät tadellos verstanden, da die Aussprache wunderbar deutlich ist. Auch die Musik fand ich nicht übertrieben laut und im Übrigen recht passend. Dabei habe ich mich schon oft beklagt, dass bei Fernsehfilmen die Balance zwischen Musik und gesprochenem Wort sehr ungünstig für das Verstehen des Letzteren ist. Dieser Film jedoch hebt sich wohltuend ab von so manchem Werk, bei dem die Musik die Gespräche hoffnungslos zudeckt!
    Herzliche Grüße,
    Liane M.

  9. @Herrn Krüger: Zuerst darf ich sagen, dass mir dieses Problem aus dem privaten Umfeld durchaus vertraut ist. Ich bemühe mich redlich, den Hintergrundton möglichst moderat zu belassen. Auf ihn jedoch gänzlich zu verzichten, ist für uns, die wir normal hören, halt auch nicht angenehm, da dies einen fahlen Eindruck macht (sofern Sie mir diese Bezeichnung optischer Eindrücke für ein Tonempfinden gestatten). Es tut mir also wirklich leid, wenn Sie trotz meiner wirklich bewussten Anstrengung, den Hintergrundton minimal zu halten, dennoch Probleme mit der Verständlichkeit haben.

    @Herrn Krüger: schön, dass der Hintergrundton offenbar nicht für alle Hörgeschädigten Probleme bringt. Danke also für Ihren Hinweis.

  10. @bote19: Danke für die “Blumen”, die gern genommen werden – verbunden mir der persönlichen Mitteilung, dass ich die Sendung wirklich mit extrem hoher “Zuwendung” zum Thema produziert habe. Es hat so riesig Spaß gemacht, wieder im Weltraum angelangt zu sein, für mich immer die allerschönsten Themen.

  11. @Herrn Holzherr: Nur als Randbemerkung: Das Thema Asteroiden-NEO werde ich demnächst auch noch bearbeiten.

  12. Stardust Memories

    Asteroidenmaterial gibt nicht nur Auskunft über die Geschichte und Ursprünge unseres eigenen Sonnensystems, sondern auch über Ereignisse wie Supernova-Explosionen in unserer solaren Nachbarschaft: In Form von Siliziumkarbid-Körnern beispielsweise, die sich bei Sternexplosionen gebildet und in Asteroiden abgelagert haben wie der Artikel Silicon carbide ‘stardust’ in meteorites leads to understanding of erupting stars beschrieben. Dort liest man (übersetzt von DeepL):
    Die Sonne und das Sonnensystem wurden vor etwa 4,6 Milliarden Jahren aus einer solchen interstellaren Wolke geboren, die mit Staubkörnern aus früheren Sterneruptionen von vielen verschiedenen Sternenarten besiedelt war. Fast alle ursprünglichen Körner wurden für die Herstellung der Sonne und der Planeten verbraucht, aber ein winziger Bruchteil blieb übrig. Heute können diese Sternenstaubstücke oder präsolaren Körner in primitiven Sonnensystemmaterialien wie chondritischen Meteoriten identifiziert werden.

    “Der Schlüssel, der dies für uns freigab, war die isotopische Zusammensetzung der Sternenstaubkörner”, sagte Bose. Isotope sind Sorten von chemischen Elementen, die zusätzliche Neutronen in ihren Kernen haben. “Mit der Isotopenanalyse können wir die Rohstoffe verfolgen, die sich zum Sonnensystem zusammengeschlossen haben.”

    Sie fügte hinzu: “Jedes Siliziumkarbidkorn trägt eine Signatur der Isotopenzusammensetzung seines Muttersterns. Dies liefert eine Sonde über die Nukleosynthese dieses Sterns, wie er Elemente hergestellt hat.”

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