In eigener Sache: der neue Video-Blog von HYPERRAUM.TV

Vor kurzem wurde mir die Ehre zuteil, meine TV-Aktivitäten auch über den Blog von Spektrum veröffentlichen zu können. Zum Start meines Video-Blogs deshalb ausnahmsweise ein paar Gedanken in eigener Sache.

Als ich vor mehr als zwanzig Jahren meine journalistische Berufung an den vielzitierten Nagel hing, war ich ziemlich sicher, nie mehr dorthin zurück zu kehren. Nicht, weil es keinen Spaß mehr gemacht hätte, als Wissenschafts- und Wirtschaftsjournalistin zu recherchieren und dabei Neues zu entdecken, zu bewerten und zu strukturieren. Nein, Auslöser war die nüchterne Erkenntnis, dass die Medienprodukte, die ich durch die eigene kreative wie intellektuelle Leistung schuf, unternehmerisch nicht von mir verantwortet wurden. Was ich produzierte, gehörte mir nicht. Ich empfand diese Lage als mangelhaft. Die Unabhängigkeit des Journalisten, eingefangen in der unternehmerischen Abhängigkeit von einem Medienhaus, schien mir nicht adäquat zu meinem persönlichen, eher “besitz ergreifenden” Lebensentwurf. Selbst Verleger zu werden und ein relevantes Printprodukt in den Markt zu bringen, überstieg meine finanziellen Möglichkeiten. Also sprang ich auf eine andere Seite der medialen Tätigkeit und gründete ein Beratungsunternehmen, in dem ich mich mit vielfältigen Aufgaben im multimedialen Feld von Internet-Suchmaschinen bis zu Smart-TV weiter entwickeln konnte. Dabei habe ich auch viel über einschlägige Technologien gelernt. Diese Auszeit vom Journalismus war, wie ich heute weiß, wichtig, denn was ich dort gelernt habe, kommt mir heute zugute.

Dass ich nach vielen Jahren und mit neu entflammter Hingabe wieder „back to the roots“ gekommen bin, hängt vor allem mit der sich stark verändernden Medienlandschaft zusammen. Durch die Öffnung von Distributionswegen für Jedermann kann heute wirklich jeder publizistisch tätig werden. Viele Journalisten beklagen die dadurch erwachsende steigende Konkurrenz aus dem Lager von Amateuren, oder schlimmer noch: von schwadronierenden Dilettanten, von militanten Weltverbesserern oder von bezahlten Propagandisten unterschiedlichster Interessenvertretungen, die ihre einseitigen Informationen mit journalistischer Aufmachung als unabhängige Nachrichten verkaufen. All das ist natürlich keine wünschbare Entwicklung, aber dennoch ist das nicht das ganze Bild. Ich sehe zuerst einmal die entstandene Chance, denn ohne diesen Trend hätte ich meinen Traum eines unternehmerisch verantworteten Medienproduktes nicht umsetzen können.

Und auch das: Nachrichten zu verbreiten, ist die eine Seite. Aber gerade bei den komplexen Themen aus der Wissenschaft und über Hochtechnologien gibt es auch die andere: Es ist eine gesellschaftlich relevante Aufgabe, diese Inhalte qualitativ zu filtern, verständlich zu machen und sie in einen gesellschaftlichen Kontext zu stellen. Das gelingt den immer zahlreicher werdenden News-Amateuren in der Regel nicht – und meist versuchen sie es nicht einmal. Diese anspruchsvolle Aufgabe bleibt auch weiterhin dem professionell geschulten Journalisten vorbehalten, der in der Lage ist, Inhalte zu strukturieren und sie nachvollziehbar zu präsentieren. Denn dergleichen kann nicht einfach „mal so schnell rein gekloppt“ werden, wie es heute zur Kultur des Netzes geworden ist. Im 20. Jahrhundert galt der rasende Reporter als das Sinnbild des guten Journalisten – aber das ist Journalismus von gestern! Der erste bei der Verbreitung einer Nachricht sein zu wollen, macht im Zeitalter von Facebook und Twitter einfach keinen Sinn mehr. Die Community, die Neues und vor allem Unerwartetes von jedem Fleck des Globus sofort in die ganze Welt schicken kann, ist nicht zu schlagen. Der Journalist des 21. Jahrhunderts sollte seine Aufgabe anders definieren: Sie ist geprägt von Begriffen wie Relevanz und Kontext. Relevanz stellt den Gegenpol zur Hochgeschwindigkeits-Informationsflut im Netz dar – und die in der Community stattfindende Atomisierung von massenhaft verbreiteten Inhalten kontrastiert deutlich zur Kontextbildung des seriösen Wissenschaftsjournalisten.

Als One-Woman-Show arbeite ich nun am Aufbau von HYPERRAUM.TV in unternehmerischer Eigeninitiative – größtes Engagement bei kleinstem finanziellen Aufwand inbegriffen. Denn ein Spartenprogramm, das nicht auf Masse, sondern auf Qualität setzt, hat etwas von der Quadratur des Kreises. Deshalb muss man auch das mitbringen: die Bereitschaft, nicht aus dem Vollen schöpfen zu können, mit dem Mangel an finanziellem Kapital kreativ umzugehen und trotzdem täglich zu versuchen, das sprichwörtlich „Beste“ daraus zu machen. Mein Slogan dabei: „Low Budget“ muss nicht notwendigerweise „Lean Content“ heißen! Aber es ist auf jeden Fall deutlich anstrengender. Heute ist mein Ziel, mit dem auch medienrechtlich lizenzierten Programm von HYPERRAUM.TV einen kleinen Beitrag zu leisten, unseren Weg in die Zukunft mit zu gestalten. Um so mehr freut es mich, dass ich nun über die SciLogs meine Zielgruppe in die Welt der Wissenschafts-Interessierten gezielt verbreitern kann, die, wie ich hoffe, in Zukunft an der einen oder anderen Sendung von HYPERRAUM.TV Interesse findet. Und für die, die auch gern sehen wollen, wie es hinter den Kulissen von HYPERRAUM.TV aussieht, zeige ich hier eine Studiosendung, die nicht ganz neu ist, aber zeigt, wie alternatives Fernsehmachen à la HYPERRAUM.TV funktioniert.

Veröffentlicht von

Ich habe viele Jahre journalistisch im Bereich Wissenschaft und Technologie gearbeitet, später dann mit meiner kleinen Beratungsfirma als Medienexpertin. 2010 erfüllte ich mir meinen großen Traum und gründete den Spartensender HYPERRAUM.TV, für den ich eine medienrechtliche Rundfunklizenz erteilt bekam. Seither mache ich als One-Woman-Show mit meinem „alternativen TV-Sender“ gewollt nicht massentaugliches Fernseh-Programm. Als gelernte Wissenschaftshistorikern habe ich mich gänzlich der Zukunft verschrieben: Denn die Vergangenheit können wir nur erkennen, die Zukunft aber ist für uns gestaltbar. Wir sollten versuchen, nicht blind in sie hinein zu stolpern!

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das Internet hat weltweites Publizieren und barrierefreies Lesen ermöglicht und die Digitalisierung und Verbilligung von Geräten wie Kameras befähigt Einzelne, Medienprodukte von einer Komplexität und Raffinesse zu schaffen, die früher nur einem Grossteam mit Grossbudget möglich gewesen wäre.

    Beide Entwicklungen – das weltweite Publizieren&MedialeKonsumieren und die Produktion medialer Werke durch Einzelne – haben die Medienlandschaft bereits vollkommen umgepflügt. Auch bei mir beobachte ich ein verändertes Medienverhalten: Informationen über aktuelle wissenschaftliche Themen, die mich stark interessieren, wie die erstmalige Beobachtung von Gravitationswellen beziehe ich nun aus dem Internet, wobei ich praktisch alles lese was irgendwo publiziert ist. Die besten Artikel über solche wissenschaftliche Themen sind selten im deutschsprachigen Raum zu finden. Statt dessen stellt sich BBC oft als beste Quelle für interessierte Laien heraus und die Website der Forschungsinstitute ist meist die beste Quelle für wissenschaftlich Bewanderte.
    Die Medienproduktionen Einzelner wiederum konsumiere ich vor allem als You-Tube-Videos, allerdings gehe ich nur selten direkt zu You-Tube, sondern ich aktiviere You-Tube-Videos, die in Wissenschaftsportalen in die jeweiligen Artikel eingebettet sind.
    Hyperraum-TV gehört für mich also zu den potenziellen Quellen, wenn mich ein wissenschaftliches Thema interessiert. Oft beginnt meine Suche nach Quellen bei Google, wo ich beispielsweise nach “Supernova” oder “Supernova dust on ocean floor” suche. Typischerweise such ich mit englischen Suchbegriffen, denn die lohnenden Websites über ein Thema sind meist in Englisch und nicht in Deutsch geschrieben.Wenn auf solch einer Google-Suchseite Hyperraum-TV auftauchen würde, wäre das für mich sicher ein Grund mich dort umzusehen.

    • Danke fürs Feedback.

      Und ja, die Sache mit der Findbarkeit. Ranking definiert sich vor allem über Reichweite, wer keine hat, hat auch keine Möglichkeit, gut gefunden zu werden. Da beißt sich die berüchtigte Katze in den sprichwörtlichen Schwanz. Alles SEO-Optimieren und Verschlagworten nutzt halt nichts. Englische Verschlagwortung schien mir bisher eigentlich unfair, weil damit ja eine deutschsprachige Sendung angeteasert wird. Aber vielleicht ist das zu kurz gedacht. In diesem Zusammenhang: Die neue Reichweite durch Spektrum ist für mich natürlich nicht nur eine Ehre, sondern auch ziemlich hilfreich!

Schreibe einen Kommentar


E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
-- Auch möglich: Abo ohne Kommentar. +