Gläserne Maschinen und gläserne Menschen

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Klaus Doppler ist studierter Theologe und Tiefenpsychologe, als Fachautor ist er fürs Change Management bekannt und richtig Geld verdient er als Unternehmensberater und Verhaltenstrainer. Ich war doch einigermaßen skeptisch, dass so einer auf der Hard-Core-Veranstaltung zur Smart Factory, die ich nun schon zum dritten Mal als Medienpartner begleite, irgend etwas Relevantes beizutragen hätte. Aber ich gestehe freimütig, dass diese Skepsis völlig unbegründet war, denn das, was er vorbrachte, war nicht nur erfrischend pointiert vorgetragen, sondern auch absolut relevant. Was also will man mehr auf einer Veranstaltung, die meist von den sachlich nüchternen Ausführungen hoch geschulter Ingenieure und von der glatt geschliffenen Eloquenz geladener IT-Berater getragen wird. Das, was Doppler zu sagen hatte, wollten wahrscheinlich nur wenige Anwesende wirklich verstehen. Denn Klaus Doppler sprach Management-Klartext: Unternehmen, die im dynamischen Wandel auf Dauer überleben wollen, brauchen einen neuen Führungsstil. Führungskräfte und Top-Management müssten lernen, dass Unternehmen, die auch morgen noch erfolgreich sein wollen, keine starren Leitbilder mehr haben dürfen, an denen sich „Leadership“ festmachen lässt. Agiles Handeln statt stabile Kontinuität sei gefordert, und ein Führungsmodell Top-Down dafür einfach nicht mehr zeitgemäß. Wer Großkonzerne nur ein bisschen von innen kennt, der weiß, dass sie heute noch ganz anders ticken.

Den Kontrapunkt zu Dopplers Ausführungen bot für mich an diesem Tag Alexander Dolan, der als Manager der digitalen Prozesse bei der Rittal GmbH & Ko. KG tätig ist, also einem mittelständisch-unternehmerisch geführten Hersteller von Elektronikbauteilen und –systemen. Er berichtete über die Fabrik der Zukunft, deren Grundsteinlegung vor kurzem gelegt wurde; 2018 soll sie ihre Tore öffnen: Ein Werk, das Rittal selbst als das „weltweit modernste Werk für die Produktion von Kompaktgehäusen“ bezeichnet und in dem sämtliche Prozesse für die Produktion in Losgröße Eins digital gesteuert sein werden. Dolan berichtete, dass der digitale Prozess aus einer gewaltigen unterirdischen Cloud kontrolliert wird, die in den norwegischen Bergen aufgebaut wird. Von dort aus würden künftig Algorithmen nicht nur über die Maschinen, sondern selbstverständlich auch über die im Prozess tätigen Menschen herrschen. Die Mitarbeiter in dieser Fabrik müssten sich mit einer Schulung auf diese Steuerungsakrobatik einstellen und dabei auch den Nachweis erbringen, dass sie in der Lage sind, sich so zu verhalten, dass sie die Maschine effizient managen kann.

Noch Fragen? Mehr dazu in meiner Reportage über „Gläserne Maschinen und gläserne Menschen“.

Susanne Päch

Veröffentlicht von

Ich habe viele Jahre journalistisch im Bereich Wissenschaft und Technologie gearbeitet, später dann mit meiner kleinen Beratungsfirma als Medienexpertin. 2010 erfüllte ich mir meinen großen Traum und gründete den Spartensender HYPERRAUM.TV, für den ich eine medienrechtliche Rundfunklizenz erteilt bekam. Seither mache ich als One-Woman-Show mit meinem „alternativen TV-Sender“ gewollt nicht massentaugliches Fernseh-Programm. Als gelernte Wissenschaftshistorikern habe ich mich gänzlich der Zukunft verschrieben: Denn die Vergangenheit können wir nur erkennen, die Zukunft aber ist für uns gestaltbar. Wir sollten versuchen, nicht blind in sie hinein zu stolpern!

4 Kommentare

  1. Nur drei Anmerkungen zum dankenswerteweise bereit gestellten Text, das Vid ist zK genommen worden, aber nicht umfänglich, der Sound war belastend :
    1.) Change Management und besondere Agility sind ausgesprochen wichtig (geworden) und sind die Unternehmensprozesse, auch das QM meinend, bestmöglich einzupflegen.
    2.) Das ‘Führungsmodell Top-Down’ hat zumindest den Vorteil, dass Hierarchien so stabil beibehalten werden können, die Führung eines Wirtschaftsunternehmens hat immer auch Machtfragen zu bearbeiten und dies möglichst eindeutig.
    3.) Diese “Cloud-Geschichte”, alternativ könnte weiterhin von Rechenzentren eines Unternehmens gesprochen und geschrieben werden, klingt hier sympatisch, tatsächlich gilt es heutzutage zuvörderst Geschäftslogik “in IT zu gießen”, so hoch komplexe Systeme zu erstellen und zu pflegen, die auch aus sich heraus Anstöße an das Management und an die Mitarbeiterschicht generieren sollen – all dies auch sogenannte Webdienste einschließend.
    Sehr gerne darf diese “Backend-Schicht” eines Wirtschaftsunternehmens diesem vollständig unterliegen, von ihm umfänglich betrieben werden, muss nicht outgesourcet werden.

    MFG + schönen Tag des Herrn noch,
    Dr. Webbaer

    • Danke fürs Feedback. Ja, der Ton des Videos ist nicht optimal, da ich mich leider nicht an die Tonanlage anschließen konnte.
      Was Sie jedoch mit “nicht umfänglich” meinen, verstehe ich nicht richtig? Meinen Sie, dass die Veranstaltung nicht umfänglich abgebildet wurde?
      Klaus Doppler hat übrigens auch das Thema Hierarchien auf dem Plan gehabt und dazu eine ganz andere Sicht. Er sagte: Hierarchien sind nicht mehr zeitgemäß in einer Welt dynamischer Veränderung. Und ja, natürlich ist Macht heute vor allem von Hierarchie bestimmt, also im Grunde eben eher durch stabile Strukturen zementiert und also verordnet, aber ist das gut so? Könnte sie nicht auch und vor allem aus Kompetenz erwachsen? Ich weiß, das ist reichlich plakativ! Aber dialektischer Diskurs in solchen Fragen tut not – und wahrscheinlich ist es erforderlich, die radikale Sicht der Dinge aufzuzeigen, um wenigstens etwas Bewegung zu erreichen. Gerade mächtige Tanker in ihrem Kurs auch nur geringfügig zu verändern, erfordert halt ziemlich große Energie …
      Die “Cloud-Geschichte” klingt aus meiner Sicht überhaupt nicht sympathisch, denn wer sie in ihrer ganzen Dimension zur Kenntnis nimmt, der muss merken, dass wir drauf und dran sind, eine Arbeitswelt zu erschaffen, die Orwell weit hinter sich lässt. Dazu sollten wir in einen viel stärkeren öffentlichen Diskurs treten und diese Zukunft aktiv gestalten. Denn die Frage reicht ja weit über die Fabriktore hinaus, mitten in die Gesellschaft und die Lebenswelt jedes Einzelnen hinein: Müssen wir uns als analoge Wesen zur Lebensoptimierung von digitalen Algorithmen minutiös steuern lassen? Ich schließe das für mich jedenfalls aus.

      • Ihnen, Frau Päch, ebenfalls vielen Dank, Anmerkungen :
        1.) ‘Sehr gerne darf diese „Backend-Schicht“ eines Wirtschaftsunternehmens diesem vollständig unterliegen, von ihm umfänglich betrieben werden, muss nicht outgesourcet werden.’ – vgl. mit Ihrem ‘nicht umfänglich’, hier kommt Ihr Kommentatorenfreund im Moment nicht mit.
        2.) ‘Und ja, natürlich ist Macht heute vor allem von Hierarchie bestimmt, also im Grunde eben eher durch stabile Strukturen zementiert und also verordnet, aber ist das gut so? Könnte sie nicht auch und vor allem aus Kompetenz erwachsen?’
        Kompetenz ist von Führung womöglich bestmöglich zu trennen.
        >:->
        Führungspersonal besteht aus Generalisten (vs. Spezialisten) und darf bis muss sozusagen in Fachbereichen teilweise inkompetent bleiben, um eben führen zu können.
        3.) ‘Die „Cloud-Geschichte“ klingt aus meiner Sicht überhaupt nicht sympathisch, denn wer sie in ihrer ganzen Dimension zur Kenntnis nimmt, der muss merken, dass wir drauf und dran sind, eine Arbeitswelt zu erschaffen, die Orwell weit hinter sich lässt.’
        Dies ist ein kritischer, wichtiger Punkt, der unbedingt demokratisch auszuhandeln ist, “Orwell” sieht Ihr Kommentatorenfreund zwar nicht, aber eine ganz, ga-anz wichtige zu bearbeitende Problematik, sofern Sie zuvörderst “Big Data” meinen, nicht irgendwelche Rechenzentren in irgendwelchen Unternehmen, sondern den Gesamtzusammenhang.
        4.) Herbert W. Franke, ein großartiger Autor, es wurde hier ein wenig “geschnüffelt”, hmm, ZBV (Romanserie) und Perry Rhodan und so?
        Der Schreiber dieser Zeilen ist allerdings, zwar der SciFi verbunden, aber weniger d-sprachig, hier ein wenig unsicher, der Name ist ihm aber ein Begriff.

        MFG
        Dr. Webbaer (der sich nun einstweilen auszuklinken hat, Ihnen für Ihre Nachricht(en) dankt)

        • nur zur Klarstellung:

          Ich meinte natürlich Führungskompetenz (statt Macht-Verordnung durch fest gefügte Hierarchie-Strukturen) – nicht Fachkompetenz!

          Wegen “nicht umfänglich”, ich habe den Bezug zu den Rittal-Ausführungen nicht begriffen, ist jetzt aber auch mir klar. Ein Hoch auf die Mehrdeutigkeit menschlicher Sprache und die synaptischen Irrläufe im Gehirn!

          Schönes Wochenende

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