Warum es so schwer ist zu sagen, wie Hochbegabte sind

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Intelligenz, Sonntagskinder und Schulversager
Hochbegabung

“Hochbegabte sind so und so” – oder vielleicht doch ganz anders? Wenn man den Medien glauben darf, sind Hochbegabte tendenziell eher männlich, tragen nerdige Brillen und sind bei der Partnersuche nur bedingt erfolgreich. Oder in jeder Hinsicht die totalen Überflieger. Stimmt natürlich alles nicht. Oder doch. Naja, vielleicht für einige. Warum ist es eigentlich so schwer, genaue Aussagen über Hochbegabte zu treffen?

Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen; und ein paar davon will ich Ihnen heute vorstellen. Eindeutig zu sagen, wie “die Hochbegabten” sind, scheitert zunächst schon einmal daran, dass sie sehr verschieden sind; als Gruppe sind sie mit ihren vielfältigen Fähigkeits- und Interessenprofilen sogar noch heterogener als durchschnittlich Begabte. Sie über einen Kamm zu scheren, um derart absolute Aussagen zu treffen, würde dieser Vielfalt nicht gerecht. (Von der Vielfalt der Definitionen einmal ganz abgesehen, aber das ist noch mal ein Kapitel für sich. Um das Problem, sich für eine zu entscheiden, kommt man auf jeden Fall nicht herum.)

Eine Möglichkeit wäre allerdings, Hochbegabte und durchschnittlich Begabte zu vergleichen, um so zumindest relative Aussagen darüber zu treffen, in welcher Hinsicht sich die beiden Gruppen unterscheiden. Das ist nicht ganz einfach: Bekanntlich sind Hochbegabte selten (wenn man ein IQ-Kriterium von 130 anliegt, kommt man auf etwa 2–3 Prozent der Gesamtbevölkerung); und um solide Aussagen zu treffen, braucht man schon so einige von ihnen.

Nichts leichter als das, wird der oder die eine oder andere von Ihnen vielleicht sagen: Fragen wir doch einen Hochbegabtenverein! Oder meinethalben auch eine Hochbegabtenberatungsstelle. Da sollten wir doch viele von ihnen antreffen. Die Idee ist grundsätzlich nicht dumm; so ähnlich ging auch die Hochbegabtenforschung vor, als sie in den 1980er Jahren in Deutschland ihr Revival erlebte. In kognitiver Hinsicht – was beispielsweise Fragen wie Funktion und Struktur der Intelligenz angeht – sollten in der Tat auch alle Hochbegabten weitgehend gleich ticken, egal, wo man sie findet; problematisch wird es allerdings dann, wenn man auf Grundlage einer so selektiven Stichprobe Verallgemeinerungen treffen will, die über die kognitiven Merkmale hinaus gehen. Denn es ist anzunehmen, dass sich Menschen, die Mitglied in einem Hochbegabtenverein werden oder eine Beratungsstelle für Hochbegabte aufsuchen, schon irgendwie systematisch vom durchschnittlichen Hochbegabten unterscheiden. Das wäre ungefähr so, als wolle man aus der Patientenkartei einer Schlafklinik Rückschlüsse auf das durchschnittliche Schlafverhalten von Menschen ziehen: Diejenigen, die dorthin kommen, haben ihre Gründe dafür.

Mit anderen Worten: Solche Stichproben sind nicht repräsentativ. Um unverfälschte Aussagen treffen zu können, müsste man in der Tat eine große Gruppe untersuchen, die weiterhin möglichst wenig vorausgelesen ist und die in relevanten Merkmalen wie sozioökonomischem Status, Geschlechtszusammensetzung, Migrationshintergrund etc. der Gesamtpopulation entspricht, über die man Aussagen treffen will. Das ist noch halbwegs realisierbar, solange man die meisten Personen einer Altersgruppe noch zusammen antrifft – etwa in der regulären Grundschule, die ja alle Kinder absolvieren, von Kindern mit gesondertem Beschulungsbedarf einmal abgesehen. (Eine große deutsche Hochbegabtenstudie, das Marburger Hochbegabtenprojekt, ist beispielsweise so vorgegangen.) Dadurch fallen zumindest schon mal einige der Faktoren, die die Repräsentativität einschränken, weg.

Aber selbst dann lauern noch einige Fallstricke. Schon allein das Wissen um die Hochbegabung kann Auswirkungen haben. Wenn etwa Eltern oder Lehrkräfte einem Kind das Etikett “hochbegabt” anhängen und entsprechende Erwartungshaltungen damit verbinden, kann das durchaus zu Problemen führen – oder auch, wenn sich das Kind selbst so verhält, wie es meint, dass Hochbegabte zu sein hätten, und dadurch seine Handlungsmöglichkeiten einschränkt. Sinnvoll kann es auch sein, mehrere Informationsquellen heranzuziehen – so wird das Bild weniger einseitig, als wenn man nur die hochbegabten Personen selbst befragt. Nicht zuletzt sollte natürlich auch die Vergleichsgruppe der Hochbegabtengruppe in den meisten Merkmalen jenseits der Hochbegabung entsprechen: Wenn sich die beiden Gruppen im Hinblick auf relevante Charakteristika systematisch unterscheiden – etwa im Bildungsgrad der Eltern –, ist am Ende gar nicht die Begabung, sondern der Bildungsstatus die eigentliche Ursache.

Man sieht: Solide Aussagen über Hochbegabte zu treffen, ist auch aus methodischer Sicht gar nicht so einfach – aber wenn man diese Kriterien beachtet, hat man ganz gute Chancen, eine Antwort auf diese Frage zu finden. (Hier spanne ich Sie jetzt noch ein bisschen auf die Folter; denn darüber werde ich Ihnen in einem der nächsten Beiträge noch was schreiben.)

Und auch, wenn jeder wohl eine subjektive Vorstellung davon hat, wie “typische Hochbegabte” so sind: “Typische Hochbegabte” gibt es ungefähr so, wie es “typische Menschen” gibt.

Tanja Gabriele Baudson

Veröffentlicht von

Dr. rer. nat. Tanja Gabriele Baudson ist Diplom-Psychologin und Literaturwissenschaftlerin. Seit Oktober 2017 vertritt sie die Professur für Entwicklungspsychologie an der Universität Luxemburg und ist als freie Wissenschaftlerin mit dem Institute for Globally Distributed Open Research and Education (IGDORE) assoziiert. Ihre Forschung befasst sich mit der Identifikation von Begabung und der Frage, warum das gar nicht so einfach ist. Vorurteile gegenüber Hochbegabten spielen hierbei eine besondere Rolle - nicht zuletzt deshalb, weil sie sich auf das Selbstbild Hochbegabter auswirken. Zu diesen Themen hat sie eine Reihe von Studien in internationalen Fachzeitschriften publiziert. Sie ist außerdem Entwicklerin zweier Intelligenztests. Als Initiatorin und Koordinatorin der deutschen „Marches for Science“ wurde sie vom Deutschen Hochschulverband als Hochschullehrerin des Jahres ausgezeichnet. Im April 2016 erhielt sie außerdem den SciLogs-Preis "Wissenschaftsblog des Jahres".

29 Kommentare

  1. Man sieht: Solide Aussagen über Hochbegabte zu treffen, ist auch aus methodischer Sicht gar nicht so einfach (…)

    Gibt es denn eine einzige ‘solide Aussage über Hochbegabte’?

    MFG
    Dr. W

  2. Ja, gibt’s

    Die kommen, wie gesagt, in einem der nächsten Artikel. Aber mit diesem Vorspann ist die Wertschätzung dieser so hart errungenen Befunde hoffentlich höher!

  3. Noch komplizierter …

    Noch komplizierter wird es bei Hochbegabung und Autsismus in einem Kind.

    Oft “unberechenbar” passt da wohl am ehesten – wenigstens nach meiner Erfahrung mit unserem Sohn.

    Gibt es zu dieser Kombination schon brauchbare Untersuchnungen? Biher war alles was wir getan haben eher ernüchternd.

  4. @Sishi

    Ja, das ist ein Bereich, in dem seit einigen Jahren recht intensiv geforscht wird. Hatte unlängst ein recht praxisorientiertes Buch von Trail (2011) zu “doppelten Ausnahmekindern” und dem Umgang damit zur Hand, das fand ich ganz gut. Vielleicht können Sie es ja in Ihrer Stadt-/Unibibliothek per Fernleihe bestellen und sich mal anschauen?

    Trail, B. A. (2011). Twice-exceptional gifted children: Understanding, teaching, and counseling gifted students. Waco, TX: Prufrock Press.

    Mensa in Deutschland e.V. (falls Ihr Kind dort Mitglied ist) hat auch eine Special Interest Group für Hochbegabte mit Asperger-Autismus, das Thema gewinnt m.E. zunehmend an Relevanz (zu Recht!).

  5. Lustiger Artikel, genau so, wie der eines Kollegen von Ihnen, in dem er sich über fehlende Genies beklagte. Und lustig find ich ihn, da ich offiziell einen IQ von 147 habe. Blödsinniger weise werde ich von kaum jemanden verstanden, bin immer noch Hilfsarbeiter und an Hochschulen komm ich nicht zurecht, weil diese für mich viel zu langsam sind. Aber leider zählen Titel in unser heutigen Welt mehr als Wissen.

    “…hart errungenen Befunde…”, diese Aussage gibt sehr deutlich wieder, zu welcher IQ-Gruppe die Forschenden gehören. Denn die Genies dieser Welt sitzen in Kellern und Hinterzimmern und nicht in den Forschungslaboren…

    Nihilus

  6. @Nihilus

    Ich finde es schwer, ins Gespräch zu kommen, wenn mein Gegenüber von vornherein mit der Einstellung hineingeht, alle anderen wären dumm und nur er selbst das verkannte Genie. Die Wissenschaft besteht auch nicht nur aus Dummbroten. Schauen Sie sich doch einfach mal etwas unvoreingenommener an, was wir so machen. Mit diesem Beitrag habe ich beispielsweise versucht darzustellen, dass es gar nicht so leicht ist, wie man sich das vielleicht vorstellt.

    Einfach nur zu rumzustänkern verhindert den Dialog auf jeden Fall; und ich würde Sie bitten, in Zukunft konstruktivere Beiträge zu verfassen.

  7. “Einfach nur zu rumzustänkern verhindert den Dialog auf jeden Fall; und ich würde Sie bitten, in Zukunft konstruktivere Beiträge zu verfassen.” Gut gekonntert, und ich bin übrigens nicht das verkannte Genie. Man hatte schon zu meinen Schulzeiten meine überdurchschnittlischen Fähigkeiten erkannt und versucht mich zu fördern. Nur, es ist wie immer, die Förderung ging an meinen Interessen vorbei. So wird es sicherlich den meisten ergangen sein. Verteufelt als Streber, nicht der Gruppe der Schönsten oder Stärksten angehörend, werden sie meistens mißbraucht um anschließend fallen gelassen zu werden. Beispiele gibt es genug in der Geschichte.

    Und ja, es ging mir darum zu provozieren, die Reaktion auf solch einen Text zu testen.

    Gratulation, bestanden. Jetzt verschwind ich wieder dahin, worauf mein Name hinweist, ins Nichts…

  8. Stattdessen was Wichtiges tun

    “Stimmt natürlich alles nicht. Oder doch. Naja, vielleicht für einige.”

    “Eine Möglichkeit wäre allerdings…” – “Das ist nicht ganz einfach”

    “Oder meinethalben”

    “grundsätzlich nicht dumm; so ähnlich ging auch die Hochbegabtenforschung vor”

    “schon irgendwie systematisch”

    “Um unverfälschte Aussagen treffen zu können, müsste man”

    “Aber selbst dann”

    “aus methodischer Sicht gar nicht so einfach – aber wenn man diese Kriterien beachtet, hat man ganz gute Chancen”

    ad inf…………………..


    Augenscheinlich ist in dieser “Disziplin” alles wesentliche “Forschen” keineswegs der Art, dass es etwa Mut zur Akuratesse habe, sondern es treten Phrase gegen Behauptung, Spekulation gegen Blendwerk an. Wie ist es möglich geworden, das dafür öffentliche Mittel mobilisiert wurden?

  9. @Release

    Das ist eben das Problem der empirischen Wissenschaft außerhalb des Labors, wenn man mit echten Menschen zu tun hat.

    Im übrigen schätze ich konstruktive Kritik mehr als Pauschalgemecker. Wenn Sie Kritik üben wollen, tun Sie das bitte in angemessener Weise. Danke.

  10. Ich der Hochbegabte

    Ich habe Gedächtnisweltrekorde gesetzt unter anderem 324 Ziffern perfekt memoriert in 5 Minuten. Die Fähigkeit habe ich durch schnelles Aufnehmen von neuen Techniken erworben. Hochbegabt ist für mich jemand, der sich sofort einer neuen Situation anpassen kann, und neues Wissen in kürzester Zeit beherrscht. Das hat, meiner Meinung nach, immer den Unterschied zwischen Platz 1 und 20 bei den Gedächtnisweltmeisterschaften ausgemacht.

  11. Eigene Erfahrungen

    Vor einigen Jahren habe ich im außerschulischen Rahmen – aber im Rahmen unserer Hochschule – auf verschiedenen Gebieten mit Hochbegabten zu tun gehabt. Es war mir jedenfalls eine Freude, das machen zu können. Es waren Initiativen der Eltern um hier etwas zu erreichen. Eigentlich hätte man denken sollen, dass ein Staat, die Uni´s an einem stabilen Potential an Hochbegabten interessiert sein sollten. Aber die Diskussion zeigt, dass das noch nicht so ist. Man konnte sich nicht einmal einigen, dass der kürzere Weg in die Nachbarschule (anderes Bu-Land) eigentlich günstiger war.
    Die Kinder waren recht wissbegierig und thematisch praktisch recht flexibel. Ob Grundlagen der Konstruktion oder Elektrotechnik – auch ein Thema zur Kinder-UNI – oder Nihilus ins Nichts – Nichts und im Nichts produzieren und dafür u. a. Gehalt bekommen: „Vakuum – spannende Möglichkeiten“ (Kinder-UNI) oder auch Laborvorführungen, stets waren die Kinder sehr aufmerksam und wissbegierig.

  12. Hochbegabte haben kompliziertes Leben…

    … und ich weiss etwas davon. Der Gehirn braucht sich immer “zu bewegen”, macht oft “Witze” und erwartet zu viel. Trotzdem finde ich mein Leben interessant 🙂

  13. Angebot

    Delinquenten, die sich durch Frau Baudsons Teaser nicht auf die Folter gespannt fühlen, dürfen sich vertrauensvoll an mich wenden.
    Ich hätte eine Streckbank zu bieten, meine eiserne Jungfrau ist NAGELneu und das Pauschalgemecker übernimmt meine alte Geiß, während sie gesalzene Fußsohlen schleckt.

  14. @Baudson Nadeln und Haufen

    “Im übrigen schätze ich konstruktive Kritik mehr als Pauschalgemecker.”

    Ja, ja, ist ja richtig. Entschuldigung. Aber, mal ehrlich, ich könnte genausogut sagen: “Im übrigen schätze ich konstruktive Blog-Beiträge mehr als wissenschaftlich verbrämtes vages Herumgestochere in einem Haufen Stroh, dessen wesentliche Eigenschaft offenbar seine schiere Größe ist.”

  15. Kaum ist man mal kurz weg …

    … kommen hier schon die Folterknechte 😉 (Naja, ich war ja vermutlich nicht ganz unschuldig.)

    Finde Ihre Erfahrungen übrigens echt interessant! @Tischzauberer, mit Ihrer Definition sind Sie in guter Gesellschaft – in der Tat gibt es einige Forscher, die Intelligenz als Flexibilität bei der Anpassung an sich ändernde Umstände definieren. Ich mag diese Definition sehr gerne, weil sie auch unterstreicht, wie schwierig es ist, Intelligenz absolut zu definieren (und noch viel schwerer zu messen).

    @Klaus Deistung: Die Neugierde, die Kinder mitbringen, ist wirklich toll. In Rheinland-Pfalz gibt es die Entdeckertagsgrundschulen, wo Kinder an einem Tag in der Woche nicht das normale Schulprogramm haben, sondern mit anderen Hochbegabten ein spezielles “Enrichmentprogramm” bekommen (z.B. Russisch, Knobelaufgaben, biochemische Untersuchungen, Präsentation der eigenen Ergebnisse … im Grunde Sachen, die im normalen Unterricht oft zu kurz kommen, aber für die Kiddies eine tolle Herausforderung sind). Ich glaube, diejenigen, die Schulwechsel o.ä. durch bürokratische Hindernisse erschweren, müssten sich nur einmal solche Begabtenprogramme von innen ansehen. Zu erleben, was Kinder leisten können (und wollen!), wenn man ihnen mal die Möglichkeit dazu gibt, war für mich eine ganz faszinierende Erfahrung.

    @berlin biocatering: Vielleicht interessiert Sie ja das Konzept “Need for Cognition”? Das beschreibt genau diesen unersättlichen Hunger nach Wissen, bei dem das Gehirn Stimulation braucht, quasi um glücklich zu sein 🙂 Wäre vielleicht auch mal was für einen eigenen Beitrag.

    @Folterknecht: Dagegen klingt die Fitnessfolterkammer ja wie ein Kindergeburtstag. (Wobei das vermutlich auch nur jemand sagen kann, der noch nie einen Kindergeburtstag ausgerichtet hat ;-))

    @Release: Warten Sie’s doch mal ab. Manche Sachen sind eben schwer! Aber die Ergebnisse, die es gibt, sind auf jeden Fall interessant.

  16. Lawrence Kohlberg

    Vielen Dank für den Artikel, ich möchte gerne etwas dazu beitragen.

    Mir ist seit meiner Kindheit aufgefallen, das ich praktisch andere Hochbegabte ‘riechen’ konnte und ich habe mich dabei nie geirrt und habe mit vielen anderen Hochbegabten gesprochen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

    Ich habe lange nach einer Erklärung gesucht, denn es ist schon erstaunlich, bei jemanden, den man nicht mal kennt und mit dem man nie gesprochen hat, sogar aus der Ferne eindeutig eine Hochbegabung erkennen zu können und ich denke ich habe für das problemlose Identifizieren von Hochbegabten durch andere Hochbegabte, einen Erklärungsansatz gefunden, der auch bei der Fragestellung hier von Bedeutung sein könnte.

    Ich habe mich selbst in den, in meinem universitären Umfeld nicht ganz so seltenen, Momenten gezielt beobachtet, wenn ich den Eindruck hatte, mein Gegenüber ist hochbegabt (das habe ich hinterher dann auch erfragt) und mir ist aufgefallen, dass praktisch umgehend eine ‘Spiegelung’ stattfindet (also mit hoher Sicherheit sind Spiegelneuronen hoch aktiv in diesen Momenten).

    Die Erkennung läuft dabei nicht über das Kognitive, also es ist völlig egal was der andere Mensch in dem Moment sagt oder aktiv macht, sondern es ist die Art und Weise, wie der andere Körper und das Gesicht auf das reagiert, was aktuell in der Umgebung passiert, also wie z.B. (unbewusst) auf einen unpassenden Ausspruch anderer reagiert wird, wie der Blick ist, wenn etwas Ungerechtes passiert, wie gespannt die Körperhaltung, die Handbewegungen und der Gesichtsausdruck sind, wenn es z.B. um Vorgänge geht, die eine philosophische Betrachtungsweise des Geschehenen praktisch zwingend erfordern (also zumindest erfordern würden, wenn alle so ‘weit’ denken würden, wie ich es bei vielen Hochbegabten erlebt habe) …

    Diese ‘HB-Signale’ des Gegenüber konnte ich schon als Kind eindeutig lesen und der Grund liegt (so meine Theorie) in der den meisten Hochbegabten innewohnenden hoch moralischen Grundhaltung, einem Altruismus von Kindesbeinen an, dem oft unerfüllten Streben nach Gerechtigkeit für alle und solchen Überlegungen, wie dem des kategorischer Imperativ. Da vor allem in der Kindheit im Austausch mit anderen Kindern, aber auch später als Erwachsener im normalen Umfeld solche Überlegungen so gut wie immer unerfüllt bleiben, müssen diese Bedürfnisse ‘versteckt’ werden und das löst sehr deutliche Körperreaktionen aus, die von Menschen die ähnlich denken und empfinden, sofort gespiegelt werden.

    Ich bin davon überzeugt, dass sich fast alle Hochbegabten (egal, ob erkannt oder nicht), entweder schon als Klein- oder Grundschulkind, aber auf jeden Fall später im Leben bis zum 20. Lebensjahr, auf einem moralischen Niveau befinden, (oder dieses zumindest problemlos nachempfinden können, wenn sie es aus irgendwelchen Gründen nicht leben können), das z.B. ein Lawrence Kohlberg als – Postkonventionelle Ebene der Stufe 6 – beschreibt, eine Stufe die überhaupt nur von 5% der Bevölkerung erreicht wird.

    Die Theorie von Kohlberg kann und muss natürlich hinterfragt werden und ich bin da eher der Diskursethik verschrieben, aber sie ist ein sehr anschauliches Modell und ich bin mir persönlich sehr sicher (zumindest für mich) ein Kriterium gefunden zu haben, nach dem man, zumindest als Hochbegabter, andere Hochbegabte ziemlich sicher identifizieren kann.

    Viele Grüße
    Heiner

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kohlbergs_Theorie_der_Moralentwicklung

    Postkonventionelle Ebene [Bearbeiten]
    Nur eine Minderheit von Erwachsenen erreicht diese Ebene, meistens erst nach dem 20. Lebensjahr.

    6. Stufe – Die Orientierung am universalen ethischen Prinzip: Die sechste Stufe wird schließlich nur noch von weniger als 5 % der Menschen erreicht. Hierbei wird die noch diffuse Begründung von Normen der fünften Stufe verlassen. Die Moralbegründung orientiert sich jetzt am Prinzip der zwischenmenschlichen Achtung, dem Vernunftstandpunkt der Moral. Das richtige Handeln wird mit selbstgewählten ethischen Prinzipien, die sich auf Universalität und Widerspruchslosigkeit berufen, in Einklang gebracht, wobei es sich also nicht mehr um konkrete moralische Regeln, sondern um abstrakte Prinzipien handelt (kategorischer Imperativ). Konflikte sollen argumentativ unter (zumindest gedanklicher) Einbeziehung aller Beteiligten gelöst werden. Diese Stufe ähnelt der Normbegründungsform der Diskursethik.

  17. @Heiner Prahm

    Dass Hochbegabte einander auf irgendeine Weise “riechen”, habe ich auch von Mitgliedern von Hochbegabtenvereinen schon gehört. Bislang gibt es Forschungen zur Intelligenzeinschätzung aufgrund des ersten Eindrucks, wobei das meines Wissens noch nicht spezifisch im Zusammenhang mit Hochbegabung untersucht wurde; hin und wieder findet man auch mal informelle Beobachtungen, dass es am Blick/in den Augen liegt o.ä., aber das ist dann oft ein bisschen esoterisch angehaucht. Ihre Hypothese finde ich in dem Zusammenhang wirklich spannend! Auch im Hinblick darauf, dass Intelligenz ja Informationsverarbeitung ist – und Hochbegabte aufgrund des höheren “Datendurchsatzes” möglicherweise auch Dinge wahrnehmen, die anderen nicht auffallen.

  18. Heiner Prahm

    Ich denke nicht, dass die moralischen Werte ausschlaggebend sind. Meiner Meinung nach sind eher intellektuelle Faktoren wie Beobachtungsgabe, Verarbeitungssgeschwindigkeit, Reaktionsfähigkeit, größerer Wortschatz, logisches Schlussfolgern und Konzentrationsfähigkeit uam. ausschlaggebend. Diese alle zeigen sich z.B. in Schlagfertigkeit oder besonderem Sinn für Humor oder auch in moralischem Denken. Als kleines Kind werden einem aber gerade diese Fähigkeiten oder Gedanken gesellschaftlich nicht zugestanden. “Sei nicht so vorlaut/altklug/besserwisserisch..!”. Man wird “nivelliert”. Kein Wunder, dass manche HBler dann bereits sehr früh in ihrem Leben in Deckung gehen. Und dann erstaunt sind, wenn sie gleiche Fähigkeiten bei jemand anderem erkennen, denn 2 von Hundert in der überschaubaren Umgebung eines kleinen Kindes müssen erst mal da sein.
    Allerdings: ich stimme dem 100%ig zu – HBler ticken anders und riechen sich!! Diverse persönliche Erfahrungen bestätigen das.
    Es ist absolut notwendig, dass HBler intellektuell passende Partner finden, sonst klappt es nicht auf Dauer. Nur leider schauen kluge Männer nicht so sehr nach klugen Frauen, da zählen andere Attribute mehr…

  19. Entschuldigung, daß ich hier noch einmal reinhake, aber das Gelaber über Moral nervt.
    Zuerst einmal sollte man den Moralbegriff definieren, um über ihn für alle verständlich zu reden oder zu schreiben. Denn, jeder hat eine ander Vorstellung von ihr. Kurz etwas aus meinen (privaten) Forschungen: 90% der zwischenmenschlichen Kommunikation sind Lügen! Ich weiß, daß ich mit dieser Aussage wieder einmal einen Aufstand provoziere, dummerweise beweißt eben der Aufstand diese Aussage.
    Jetzt können wir noch einmal von Moral reden: Es gibt sie schlechtweg nicht! Es wird nur mehr oder weniger gelogen.
    Oder meinen die Moralapostel, die alltäglichen Erpressungen gehören zur Moral? Zumal es ja schon als Kind anfängt: “Wenn du mir nichts von Mama’a Schokolade abgibst, sag ich Mama, daß du sie aus dem ihrem Nachttisch hast…” Volle Zustimmung von mir, das ist Moral, das ist unsere DoppelMoral. Und gleich wären wir beim nächsten Moralthema: Jeder will eine Petze, nur nicht über die eigenen Verfehlungen…

    und Christl: “Man wird (als Kind) “nivelliert”.” ist leider zu kurz gedacht. Man wird nicht nur als Kind “nivelliert”, man wird immer nivelliert! Am Ende meines Leben und nach mehr als 30 Jahren privater Forschung ist das ein bitterböses Resüme.
    Auch wenn die offizielle Wissenschaft, meine Ideen standhaft ignoriert (nivelliert), hab ich etwas geschaft, wovon unsere Artikelschreiber träumen: Meine Ideen leben nach meinen Tod weiter, oder wie es einer meiner Studenten ausdrückte: Ich habe ein Stück Ewigkeit…

    …ein Stück Ewigkeit im Nichts 🙂

  20. Moral

    “Zuerst einmal sollte man den Moralbegriff definieren, um über ihn für alle verständlich zu reden oder zu schreiben.”

    Das versucht Kohlberg ja durchaus – und zwar, indem er sich dem Problem, was moralisches Handeln ist, nicht inhaltlich, sondern strukturell annähert. Ich finde den Ansatz eigentlich ganz clever.

  21. “Das versucht Kohlberg ja durchaus – und zwar, indem er sich dem Problem, was moralisches Handeln ist, nicht inhaltlich, sondern strukturell annähert.”

    Es ist egal, wie man sich der Moral annähert, wenn es sie nicht gibt. Der Begriff der Moral wird gebraucht, um Menschen in Unwissenheit zu halten und sie daran zu hindern ihre ureigenen Interessen durchzusetzen. Aber das erkennt man nur, wenn man, wie ich, auf die mathematischen Strukturen der zwischenmenschlichen Kommunikation und dem gesellschaftlichen Zusammenleben gestoßen ist.
    Eine mathematische Struktur bedeutet aber, daß wir unsere so hochgeschätze Induvidualität verlieren und alles vorhersagbar wird. Wenn aber alles vorhersagbar ist, wo ist dann die Moral zu finden? Nirgends…

    Es braucht nur 30 Sekunden um aus einen absoluten Verlierer den absoluten Gewinner in unserer Gesellschaft zu machen. Wie bleibt allerdings mein Geheimnis, zumindest in diesem Rahmen.

    Er ist halt etwas zu öffentlich für das Nichts…

  22. @nihilus

    Ich kann Ihre Enttäuschung sehr nachvollziehen. Leider wird der Begriff der wissenschaftlichen Wahrheit oder der von der Mehrheitsgesellschaft akzeptierten Moral in der Realität von vielen subjektiviert, da in den meisten Fällen schlicht nicht verstanden bzw. nachvollziehbar. Selbst wenn es sich um beweisbare und wiederholbare wissenschaftliche Aussagen handelt.
    Das Auslegen von “Wahrheiten” ist meiner Meinung nach der Grund allen Übels auf der Welt, allerdings eben die menschlichste aller Verhaltensweisen. Wären wir alle strikt logisch, ginge uns das, was uns letztendlich beherrscht, verloren: die Emotion, die viel stärker ist als die Logik.
    So steht der intellektuell Hochbegabte vor einem riesigen Dilemma. Entweder emotional mit den Wölfen heulen oder logisch einsam bleiben…

  23. @Nihilus

    Wir sind uns nicht sicher, in welchem Sinne sie “vorhersagbar” verwenden. Vielleicht würden sie auch Begriffe wie Entscheidbarkeit oder Berechenbarkeit interessieren. Zugegeben, eine eher grundlegende oder elementare Thematik, aber durchaus reizvoll – ernsthaft.

    Grüße von der Affeninsel

  24. Herr Nihilius

    Falls Sie noch erreichbar sind, was sind das denn für Klöpse?

    Gerade auch die Idee, das etwas abzulehnen ist, weil es nicht existiert, wie Sie finden…

    MFG
    Dr. W (der noch mal reinhorcht, sollten Sie noch Laut geben)

  25. “So steht der intellektuell Hochbegabte vor einem riesigen Dilemma. Entweder emotional mit den Wölfen heulen oder logisch einsam bleiben…” Ja, diese Dilemma ist auch mir wohlbekannt. Ich hab mich für letzteres entschieden…

    “Wir sind uns nicht sicher, in welchem Sinne sie “vorhersagbar” verwenden.” In den Sinne, daß 1+1 immer zwei sein wird. Die menschliche Interaktion und Kommunikation ist immer vollständig bestimmbar. Ich machte und mache immer bei meinen (Privat-) Studenten einige Vorhersagen, nachdem ich mich mit ihnen kurz unterhalten habe. Alle diese Vorhersagen sind eingetroffen. Auf eine dieser Vorhersagen musste ich sogar 20 Jahre lang warten, aber auch diese…

    Man, in dem Fall ich, kann wort wörtlich Texte vorgeben, die eine Diskussion immer zu einem gewünschten Ergebnis führen. Beispiele hab ich genug, aber hier kein Platz um sie aufzuführen.

    “…was sind das denn für Klöpse?” Ja, sie sind wohl zu radikal, aber sie machen einen in jeder Diskussion unbesiegbar 🙂
    Um diese Ideen zu begreifen, muss man die (eingebildeten) Grundfesten unserer Gesellschaft zum Einsturz bringen. Erst dann kann man die Tragweite dieser begreifen. Allerdings, wie ich schon bemerkte: “…etwas zu öffentlich für das Nichts…”

    Nur wer die Antworten schon kennt, kann die richtigen Fragen stellen. Nihilus

  26. Tullius Destructivus

    http://de.wikipedia.org/wiki/Streit_um_Asterix

    “Julius Cäsar und seine Berater überlegen, wie sie den unbeugsamen Galliern um Majestix und Asterix zusetzen können. Sie wissen zwar, dass diese streitsüchtig sind, jedoch im Ernstfall immer zusammenhalten. Daraufhin schlägt einer der Berater vor, den Römer Tullius Destructivus auf die Gallier anzusetzen. Dieser hat die Begabung, durch geschickte Manipulation und Intrigen in jeder Gruppe Streit hervorzurufen.”

    In jeder Gruppe ? Nein, es gibt eine kleine unbeugsame Minderheit, die sich dem Intrigantentum der Masse erfolgreich widersetzt!

    @ Nihilus

    Ihre Worte klingen tatsächlich so, als ob sie denken, wie ihr galaktischer Namensvetter, über die Fähigkeit zu verfügen, die Macht aus allen Wesen oder Gegenständen zu absorbieren und Lebewesen und ganze Planeten ihrer Kraft zu berauben können, oder diese zu zerstören.

    Aber ich muss Sie enttäuschen, das ist Science Fiction und auch der philosophische Nihilismus hat seine Blütezeit längst hinter sich.

    Sie möchten eine Definition von Moral, um eine eine ‘These’ zu widerlegen, die sich einem Erklärungsmodell eines Kohlbergs bedient, welches nur dazu dient einen Markierung zu finden (hier die Befähigung des Denkens und des Handeln auf der postkonventionellen Ebene der Stufe 6) welche, als Trigger für die Aktivierung von Spiegelneuronen bei Hochbegabten dient.

    Nur macht es hier keinen Sinn über die Definition von Moral zu diskutieren, was Sinn machen würde, wäre eine Diskussion darüber, wie Individuen auf der postkonventionellen Ebene der Stufe 6 denken, also welche Denkprozesse laufen und welche Prämissen damit verbunden sind und wie sich ein solches Denken im Spannungsfeld des gesellschaftlichen Miteinanders z.B. zwischen Normbegabten und Hochbegabten auf deren Interaktion, aber auch auf die individuelle Psyche und auch Physis auswirkt.

    Das unvollständige und zu kritisierende Modell von Kohlberg dient in diesem Fall nur als Hilfestellung, denn es könnten auch andere Themenfelder herangezogen werden um eine Unterscheidung zwischen Normbegabten und Hochbegabten zu finden, um die Frage zu beantworten “Warum es so schwer ist zu sagen, wie Hochbegabte sind”, z.B. die Befähigkeit zur höheren Mathematik, Astrophysik, Philosophie, Exzellenz in Musik, Sport etc.pp (was da nicht alles als herhalten muss in der Literaur).

    Nur kann man sich bei diesen Disziplinen nie sicher sein, dass selbst wenn das Gegenüber einen Dr.- oder Professorentitel hat, dass es sich dabei um einen Hochbegabten handelt, die Wahrscheinlichkeit ist zwar höher, aber sie liegt auch in diesen Gesellschaftsgruppen meiner Erfahrung nach immer noch weiter unter 10%, denn auch wenn ein überdurchschnittlich hohe intellektuelle Befähigung sicher nötig ist, um akademische Grade zu erlangen, so ist eine Hochbegabung dafür nicht zwingend erforderlich.

    Das einzige Themenfeld, das ich gefunden habe, welches eine ganz klare Abgrenzung ermöglicht ist die Befähigung des Denkens auf einer Stufe wie Kohlberg sie beschriebt; jemand der so denken kann (vor allem auch wenn so ein Denken und solche Überlegungen schon als Kind auftreten), bei dem ist mit Sicherheit von einer intellektuellen Hochbegabung auszugehen; ich zitiere daher noch mal aus http://de.wikipedia.org/wiki/Lawrence_Kohlberg

    —————————
    “Stufe 6: Orientierung an allgemeingültigen ethischen Prinzipien. Das Recht wird definiert durch eine bewusste Entscheidung in Übereinstimmung mit selbstgewählten ethischen Prinzipien unter Berufung auf umfassende logische Extension, Universalität und Konsistenz. Diese Prinzipien sind abstrakt und ethischer Natur (der Kategorische Imperativ), nicht konkrete Moralregeln wie etwa die Zehn Gebote. Im Kern handelt es sich um universelle Prinzipien der Gerechtigkeit, der Gegenseitigkeit und Gleichheit der Menschenrechte und des Respekts vor der Würde des Menschen als individuelle Person.

    Die Entwicklung dieses letzten Stadiums setzt die Fähigkeit zur Selbstdistanzierung und zur Urteilsfähigkeit voraus, wobei anzumerken ist, dass sich die beiden erwähnten Fähigkeiten entwickeln, wenn Menschen sich mit schwierigen moralischen Fragen (Dilemmasituationen) auseinandersetzen.”
    —————————

    Der letzte Satz ist denke ich für Sie ganz wichtig, ‘Selbstdistanzierung’ … die Texte, welche Sie hier schreiben, zeugen davon, das Ihnen die Fähigkeit zur Selbstdistanz fehlt.

    Das was Sie schreiben und wie Sie schreiben und vor allem, wie Sie mit anderen Teilnehmern diskutieren zeigt zwar, dass Sie durchaus ein kritischer Geist sind, aber (um das Bild verständlich weiter zu zeichnen), dass Sie von einer Befähigung des Denkens auf dem Niveau einer Kohlbergschen Stufe 6 weit entfernt sind.

    … und da ist es dann das Dilemma vor dem Hochbegabte die auf Stufe 6 denken immer stehen, denn es ist schlicht unmöglich, mit jemanden wie Ihnen zu diskutieren und Ihnen zu vermitteln, was es bedeutet so zu denken, denn das ist etwas was völlig außerhalb ihrer intellektuellen Fähigkeiten liegt und sie werden auch nicht in der Lage sein, diese Fähigkeit zu erlangen!

    Normalerweise wird selbst so eine ‘Analyse’ hier vermieden, niemand auf Stufe 6 möchte sein Gegenüber diskreditieren und auch ich möchte mich Ihnen gegenüber nicht würdelos verhalten , aber ich denke es ist sinnvoll hier in diesem Rahmen zumindest einmal darauf hinzuweisen, das es dort eine Erkenntnisgrenze gibt, die Sie hier erreicht haben.

    Viele Grüße
    Heiner Prahm

  27. Intellektuelles Lebensalter

    Nutzung der Lebenszeit, Qualität und intellektuelles Lebensalter

    … auch hier gilt es aus meiner Sicht sehr zu differenzieren und zwar gibt es viele Faktoren, die bei solchen Überlegungen eigentlich nie berücksichtigt werden:

    1.) Schlafdauer

    Die durchschnittliche Schlafdauer beträgt im Durchschnitt 7 Stunden

    http://de.wikipedia.org/wiki/Schlaf#Schlafdauer_und_Verteilung_beim_Menschen
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/179970/umfrage/schlafen-schlafdauer-an-einem-normalen-werktag/
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/179971/umfrage/schlafen-schlafdauer-am-wochenende/

    … ich z.B. schlafe im Schnitt 4 1/2 Std. gehe um ca. 03:00 Uhr ins Bett, schaue dann heute immer noch so 30min Fernsehen, z.B. Phoenix, Arte, oder ZDFInfo, Reportagen wie History, TerraX u.ä. das bringt mein Gehirnaktivität runter (früher als es noch Sendeschluss gab, hatte ich einen ca. 1m hohe und 1,5m lange Bücherwand am Bett mit Wissenschaftsliteratur), dann schlafe ich wie ein Stein (nicht mal ein Extremgewitter bekommt mich wach) und bin um ca. 08:00 wieder hellwach und lege sofort, ohne Anlauf, mit meinen vielen Gedanken und Aktivitäten wieder los (selbst auf der Toilette liegt aktuelle Fachlektüre, die ich oft noch bei Zähneputzen in der Hand habe). Diesen Rhythmus habe ich seit dem Eintritt in die Grundschule.

    2.) Aktivitätsniveau

    Meine Freizeitaktivitäten ‘beschränken’ sich auf ein buntes Potpourri aus allen möglichen Wissensgebieten, ich habe als Kind z.B. mit Begeisterung Lexika gelesen und während andere sich z.B. einen Ghettoblaster wünschten, stand auf meinem Wunschzettel der kleine Brockhaus, oder ein Globus.

    Wenn ich mir dann anschaue was andere Menschen in ihrer Freizeit machen:

    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/176997/umfrage/freizeitaktivitaeten/

    … dann sehe ich dort erhebliche Unterschiede, zu dem was ich wie oft mache und ich gehe auch davon aus, dass sich mein “Fernsehen”,”Im Internet surfen”, “Bücher lesen” auch inhaltlich erheblich von dem unterscheidet, was die dort Befragten machen … (gemeint ist das hier in der Befragung keine Differenzierung stattfindet, also z.B. 4 Stunden Internet surfen ‘auf Facebook’ unterschiedet sich dort ja nicht von 4 Stunden wissenschaftlicher, inhaltlicher Auseinandersetzung und diskutieren auf z.B. scilogs.spektrum.de, oder http://www.astronews.com, oder 3 Stunden ‘Messi-Show’auf RTL2 ist dort gleichgewertet, wie 3 Stunden Auslands-Reportage Fernsehen auf Phoenix).

    Worauf möchte ich hinaus ?

    Nicht nur dass sich meine Lebensrealität und die vieler anderer Hochbegabter ebenfalls, völlig von dem der normalen Bevölkerung unterscheidet, sondern es gibt auch oft sehr große qualitative Unterschiede, die dann noch gepaart sind mit einer schnelle Auffassungsgabe und einem hohen Umsetzungsvermögen. … und auch wenn ‘Übung den Meister macht’ so zeigen sich doch erhebliche Unterschiede auch unter den Begabten und Hochbegabten selbst, wie viel von der ‘Übung, welche den Meister macht’ denn wirklich gebraucht wird, daher …

    3.) Begabungsniveau

    Ich fasse mal ein paar Zahlen aus Losing Our Minds: Gifted Children Left Behind von Deborah L. Ruf zusammen:

    Wie verteilt sich ‘Begabung’ quantitativ und qualitativ in Schulen:

    (IQ 120-129) (3-4 Schüler pro Klasse in einer typischen Schule)
    (IQ 130-135) (1-3 Schüler pro Klasse in einer typischen Schule)
    (IQ 136-140) (1-2 Schüler pro Jahrgang in einer typischen Schule)
    (IQ 141+) (1-2 Schüler in zwei Jahrgängen in einer typischen Schule)
    (IQ 141++ mit sehr hohem intrisischen Lernwillen auf allen Gebieten 1:250.000)

    4.) Wiederholungen

    Es wurde weiter ermittelt, dass in der Grundschule:

    Ein normalbegabtes Kind (IQ 100) 8 Wiederholungen braucht, um einen Lernstoff zu erfassen (danach richtet sich die Lehrpläne aus).
    Ein sehr intelligentes Kind (IQ115+) braucht nur 4 Wiederholungen für den selben Lerninhalt.
    Ein hochbegabtes Kind (IQ130+ braucht oft nur 2 Wiederholungen.
    Ein höchstbegabtes Kind (IQ145+ braucht oft gar keine, also 0 Wiederholungen.

    …was wiederum bedeutet das …

    … ein hochbegabtes Kind (IQ130+ ohne Vorbildung) problemlos in der Lage ist den gesamten Lernstoff der Grundschule Klasse 1-4 in unter 2 Jahren zu lernen.

    … ein höchstbegabtes Kind (IQ145+ ohne Vorbildung) in der Lage ist den gesamten Lernstoff der Grundschule Klasse 1-4 in unter 1 Jahr zu lernen …

    … dieses Vermögen endet nicht in der Schule, sondern bleibt ein Leben lang bestehen.

    5.) intellektuelles Alter

    Wie ‘alt’ und ‘intellektuell’ entfernt sind denn dann Hochbegabte, die z.B. so sind wie ich von der Norm? Ich z.B. verfüge über einen sehr hohen intrisischen Lernwillen auf allen Gebieten; wenn ich etwas nicht weiß, dann ich will ‘es’ einfach genau wissen, ich will alles in Erfahrung bringen und wenn möglich bis ins letzte Detail und in der größtmöglichen Tiefe. Und nicht nur das ich das kann, sondern mein Gehirn verlangt danach so sehr, dass ich Strategien entwickeln musste dieses Verlangen zu dämpfen, um z.B. so etwas profanes wie Schlaf zu finden.

    Meine ‘Rechnung’ ergibt für mich, dass ich unter Berücksichtigung aller Faktoren intellektuell ca. 18 Jahre ‘älter’ bin, als es z.b. ein normalbegabter Durchschnittsschläfer, der als Hochleister in der ihm zur Verfügung stehenden Zeit und mit dem gleichen Elan wie ich, versucht die gleichen Inhalte zu erfassen wie ich (sprich er bräuchte bei voller zeitlicher und mentale Auslastung 18 Jahre länger, um die gleichen Inhalte zu erfassen, was dann ja aber noch nicht bedeutet, das diese auch gleich verstanden werden).

    Von normalbegabten Durchschnittsmenschen, die über keinen besondern Lernwillen verfügen, sondern einfach nur so ‘vor sich hin leben’ bin ich dagegen, soweit entfernt, dass z.B. eine Unterhaltung nur deshalb möglich ist, weil ich mich auf das Wesentliche im Dialog beschränke. Sobald ich z.B. mit umfangreichen Wissen und kritischer Analyse ‘aus der Deckung’ herauskomme, eskalieren solche Situationen sehr schnell, weil es den meisten anderen Gleichaltrigen nicht gelingt (und nicht gelingen kann) sich so ein umfassendes Wissen anzueignen und dort dann sehr schnell hoher Konkurrenzdruck entsteht, der z.B. nicht entstehen würde, wenn tatsächliches Lebensalter und intellektuelles Lebensalter, der Norm entsprechen würde. (Also ein 45 jähriger lernwilliger Hochbegabter, der mit 45 jährigen Normbegabten ohne Leistungswillen einen Dialog auf seinem hohen Niveau führt, eckt zwangsläufig bei denen an (wenn nicht explizit der Rat des Fachmanns gefragt ist)… würde die gleiche Unterhaltung jedoch zwischen einem 45 jährigen Normbegabten und einem 63 Jährigen Normalbegabten gleichen Wissenstands stattfinden, würde es nicht zum Konflikt kommen, sondern der Niveauunterschied der Lebenserfahrung zugeschrieben)

    Also “Übung macht den Meister”, das stimmt, aber nicht generell, sondern für jeden individuell und jeder auf seinem Niveau und viele Hochbegabte wirken für Normbegabte auch ohne besondere Übung wie echte Meister, nur weil sie so sind wie sie sind.

  28. Tja, wie sind wir eigentlich? Gute Frage. Jeder ist anders. Ich bin eine typisch und untypisch Höchstbegabte. Einerseits habe ich so viele Hobbies und Berufe das ich nicht weiss woher ich die Zeit nehmen soll (Musik und Unternehmensberatung) andererseits bin ich in der Regelstudienzeit obwohl ich mich total langweile (ich zieh das halt einfach durch). Zweiteres sei untypisch. Aber was ist schon typisch? Liebe kann man auch nicht erklären, man muss sie fühlen. Sie bedeutet für jeden etwas anderes. Genau das selbe mit Hochbegabung. Man kann vielleicht die Unterschiede im Gehirn erklären aber nicht das Feeling ein HB zu sein. Wie sind alle anders, genauso wie Normalbgabte. Ich würde sagen das ist doch das schöne und tragische zugleich. Wir werden uns immer anders fühlen und uns anpassen (jedenfalls die meisten) aber auf der anderen Seite sieht keiner das Leben so bunt hb auf so vielen Ebenen wie wir.

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