Geteiltes Leid mit den Hausaufgaben

Zumindest für Philipp. Endlich hat das Gespräch mit Philipps Lehrerin stattgefunden. Ich hatte im letzten Blog von Philipp berichtet, der als pfiffiger Schüler die 4.Klasse mit sehr guten und guten Leistungen besucht und „gewisse Schwierigkeiten“ mit dem Erledigen von Hausaufgaben hat.

Ziel des Gesprächs war, eine besondere Regelung zu Hausaufgaben zu erreichen – aus Philipps Sicht grundsätzlich hausaufgabenfrei gestellt zu werden. Zuvor hatte Philipp einige Argumente und Belege gesammelt, um sich selbst als Sonderfall darstellen zu können.

Das Gespräch, dem Philipps Mathematiklehrerin und seine Mutter beiwohnten, führte nur zum Teilerfolg, wie Philipp mir am Freitag berichtete. Nur in Mathe sei er von den Hausaufgaben befreit worden, und dies zunächst nur bis zum zweiten Halbjahr. In Deutsch bleibe es so, wie es ist. Hier müsse er weiterhin Hausaufgaben machen.

Und nun genauer: In Mathematik hat Philipp seit Beginn seiner Laufbahn keine gute oder schlechtere Note erhalten; es haben sich nur Einser in den abgerufenen Leistungen gezeigt. Da dies auch bei minimalem Lernaufwand gezeigt werde und sich so die beschriebenen Funktionen von Hausaufgaben auflösten, ist die Mathematiklehrerin Philipps Antrag zeitweilig gefolgt. Sobald Philipp auf gut oder schlechter abrutsche, werde die Hausaufgabenpflicht wieder eingeführt. Bis zum Halbjahr werde dies geprüft und dann immer für einen Monat verlängert.

In Deutsch (und Sachunterricht) sei nichts herauszuholen gewesen. Seine Klassenlehrerin, die er mag, habe ihm erklärt, dass gerade das Schreiben „für später“ wichtig sei. Sie habe dann von Aufsätzen auf dem Gymnasium gesprochen, die jetzt erst kennenlerne und üben solle. Das wäre eben wichtig, auch wenn er alles „wirklich sehr gut“ mache. Er verstehe das später sicherlich. Ganz zufrieden wirkte Philipp nicht, als er davon berichtete.

Meine Nachfrage, ob denn seine Lehrer auch von sozialer Gerechtigkeit gesprochen hätten, verneint er erstaunt. Damit hatten wir ja beide gerechnet.

 

Einfach gut, wie ich finde: Philipps Einsatz, die Bereitschaft der Lehrerinnen und ein flexibles Modell. Gut so!

Veröffentlicht von

Götz Müller ist Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut und Leiter des Instituts für Kognitive Verhaltenstherapie (IKVT). Er arbeitet beratend und diagnostisch mit Familien hoch begabter Kinder und Jugendlicher. In der psychotherapeutischen Arbeit beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit dem Underachievement bei Hochbegabten, hier insbesondere bei Jugendlichen.

2 Kommentare zu »Geteiltes Leid mit den Hausaufgaben«

  1. schüler Antworten | Permalink

    Freiheit

    Die Freiheit des Menschen in der Gesellschaft ist eine Illusion. Als gesellschaftliches Prinzip wird sie dennoch behauptet und - lustig - eingefordert.

  2. Lehrer Antworten | Permalink

    Was ist Freiheit?

    Die Frage stellt sich ob Freiheit immer das Unterlassen oder Ausführen einer von einem Individuum gewollten Handlung ist?

    Die Freiheit Drogen zu konsumieren ist eine Täuschung, ein Selbst-Betrug. Denn diese Form der Freiheit führt geradewegs in die Sklaverei. Warum entscheiden sich viele dennoch dafür? Aus Triebsucht befeuerter Selbstsucht/Vergnügungssucht.

    Der Mensch ist schnell der Sklave seiner eigenen Triebe. Diese Triebhaftigkeit muss im Prozess des Erwachsen-Werdens unterjocht werden. Nicht nur um an der Gesellschaft teilnehmen zu können, sondern um die eigene echte Freiheit zum Entscheiden zu haben.

    Und manchmal bedeutet die Freheit einen Zwang in Kauf zu nehmen. Nämlich im Beispiel ist der Zwang ungeliebte Tätigkeiten in der Gegenwart auszuführen der Preis die spätere Freiheit zwischen den daraus geförderten Fähigkeiten zu haben.

    Der Verlust dieses Lernprozesses ist später nicht mehr ohne weiteres aufzuholen.

    Es gibt eben nicht nur eine Freiheit zu tun und zu lassen was man will. Denn das kann jede Scheißhausfliege: Dahin fliegen wo es sie am meisten hinzieht.

    Es gibt auch die Freiheit Pflichten zu erfüllen.

    Entweder ist ein Mensch eifrig und fleissig bei der Erfüllung seiner Pflichten. Dann hat er später höchstwarscheinlich einmal die Wahl welche Pflichten er ausfüllen möchte. Die Alternative ist, das ihm andere Vorschreiben welche Pflichten er erfüllen muss.

    Kurzum: Wer sich auf dem geistigen Niveau einer Scheißhausfliege bewegt, hält einen Haufen Scheiße für das Größte.

    MFG

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