Das Wasserwaage-Prinzip oder warum Hochbegabte immer ein Defizit haben müssen

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Intelligenz, Sonntagskinder und Schulversager
Hochbegabung

Tja, da haste Pech gehabt! Hochbegabt, aber bestimmt klemmt’s irgendwo, halt doch ein wenig bescheuert, merkwürdig oder kauzig, Pech mit den Frauen, Quadratzahlen im Kopf, aber nichts in den Armen – defizitär eben! Mit spitzem Schmunzeln schreibe ich diese Zeilen, die ohnehin meist gedacht, und hie und da auch gesagt und geschrieben werden.

Da ist es mir schon wieder passiert: Ich wollte eigentlich über ein ganz anderes Thema schreiben, doch geht das jetzt nicht. Verzeihen Sie mir den folgenden Blog im Stile eines Tagebucheintrages, denn eigentlich wollte ich mich dem Wasserwaage-Thema ein späteres Mal und sicherlich gelassener widmen. Aber wir sind nun mal gerade jetzt von einer Geburtstagsfeier zurückgekommen, deren Themen zumindest an meinem Tisch irgendwann eine Nähe zur Psychologie fanden und auf einmal bei Hochbegabung und Hochbegabten landeten. Das ist grundsätzlich erfreulich, doch tauchten ausschließlich Aussagen auf, die ich mit dem Modell der Wasserwaage vergleiche. Super!

Mist! Mittlerweile habe ich die die Feier beschreibenden Zeilen dreimal gelöscht, wieder eingefügt und mich nun entschieden, Sie nur darauf hinzuweisen, dass ich es in der illustren Runde nicht geschafft habe, aufzustehen und mein Bier woanders zu trinken …

Nun nähern wir uns doch oben aufgeführten Aussagen mit halbwegs klaren Gedanken zu später Stunde: Woran könnte es liegen, dass Hochbegabte bspw. in sozioemotionalen oder motorischen Bereichen Defizite haben?

Betrachten wir hierzu zunächst einfache Prozesse der Entwicklung: Mit der Fähigkeit, Informationen schneller verarbeiten zu können, entwickeln sich beim besser bzw. hochbegabten Kind grundlegende Prozesse der einfachen Mustererkennung und -verarbeitung schneller. Demzufolge können höhere gedankliche Mechanismen schneller entwickelt werden. Ein kleines Beispiel zur Verdeutlichung: Bitte addieren Sie 9 und 8. Sind Sie auf 17 gekommen, ohne mit den Fingern abgezählt zu haben? Prima! Dann erinnern Sie sich an die Zeit, in der Sie als Erst- oder auch Zweitklässler die Schulbank gedrückt haben. Wie lief’s denn da ab? Wahrscheinlich mit Fingern. Jetzt können Sie es deswegen auch ohne, weil sich das Gehirn die Muster gemerkt, wiederholt erinnert hat und in höhere Muster überführen konnte. Und so läuft das bei Hochbegabten. Sie sind schneller.

Nun ergänzen wir, dass Lernen Spaß macht. Lernfreude ist ein wichtiges Gut, dass uns Mutter Natur auf den Weg gibt, damit wir als Menschen überleben können. Anpassungsfähigkeit für andere Zeiten in den Genen eben. Wenn nun das hochbegabte Kind in der Entwicklung in akademischen Bereichen (allein das ist eine Einschränkung, der nicht unreflektiert zu folgen ist!) eine erhöhte Lernfreude erfährt, ist anzunehmen, dass es sich diesen verstärkt zuwendet. Auch ist denkbar, dass andere Bereiche – bspw. die sozioemotionaler Art – weniger Lernerfolg bzw. -freude aufkommen lassen. Das Interesse verlagert sich. Wir können weiter folgern, dass nun eine Fokussierung aufs Schöne und eine Vermeidung des Unschönen zustande kommt und Hochbegabte somit schlichtweg einen Häufigkeitsmangel erleiden: Sie können weniger Muster entwickeln, dies führt zu entsprechenden Mängeln bspw. in der sozialen Interaktion (ähnlich wie beim Menschen mit autistischen Zügen) und somit zu Veränderungen in der Gesamtpersönlichkeit, die dann zu Attributen wie Kopfmensch, Sportlegastheniker oder Gefühlskrüppel führen. Gibt es Ergänzungen?

Lässt sich diese Annahme belegen? Zur vorgerückten Stunde habe ich keine Bücher mehr gewälzt oder nach aktuellen Artikeln online recherchiert, nein, ich suche mal platt in den meinen Mustern, auf die ich noch zugreifen kann: Meines Wissens nach nicht!!! Abgesehen davon, dass ich nicht dazu in der Lage bin, ableiten zu können, dass die Wahrnehmung und Verarbeitung von Gestik, Mimik und Stimme als Grundlage sozialer Interaktion sich in ihren Grundzügen von der anderer Muster unterscheidet, nehmen wir bspw. den Ansatz der Emotionalen Intelligenz, über den schon geschrieben ist. Sie ist weder unabhängig vom IQ noch hält sie notwendigen wissenschaftlichen Kriterien stand. Nehmen wir Daten aus repräsentativen Untersuchungen, die keineswegs belegen, dass Randständigkeit und Andersartigkeit mit oben genannter Konnotation spezifische Merkmale Hochbegabter sind – im Gegenteil: Prädikat „lebenstauglich“. Gut, man könnte dem Laien zugute halten, dass insbesondere Einzelfälle, die medial entsprechend aufbereitet werden, zu einer Verzerrung der Sichtweise führen. Zugegeben: Gleiches gälte für Einzelfälle aus bspw. der eigenen Nachbarschaft, wenngleich bei ausführlicher Recherche im Netz dann auch ein paar korrigierende Informationen zu finden sind. Und der Rückschluss auf das Interesse der Medien, exakt das Genannte darzustellen, liegt auch auf der Hand.

Somit stellt sich doch die Frage, worauf die Annahme fußt, dass Hochbegabte immer ein Defizit haben müssen. Antwort: Wasserwaage eben! Wenn links mehr, dann rechts weniger oder umgekehrt. Das Modell hat zur Grundannahme, dass jedem Mensch ein bestimmte Summe an Eigenschaften gegeben ist. Die zu füllende Flasche ist für jeden gleich groß (welche Grundannahmen und Weltanschauungen können wohl dahinter stehen?!). Und wenn von einem Anteil mehr im Paket ist, muss woanders wieder weniger sein. Sonst stimmt es ja nicht.

Ich frage mich, wie dies zu erklären wäre, wenn wir über Körperlänge sprächen. Ich bin in etwa 1,75 m groß. Ist prima, da ich noch gerade so im mittleren Bereich der Normalverteilung liege! Für die Norm wird nämlich am besten gesorgt und bestens produziert, was nur selten von Nachteil ist (wenn bspw. die Schnäppchen im Sommerschlussverkauf vergriffen sind). Wir sind die Masse! Yeah! Wie denke ich also über Menschen, die 1,87 m oder größer sind? Gut, beim Basketball haben sie Vorteile, auf den Küchenschrank reichen sie auch leichter. Könnte eine Bedrohung für mich sein, wenn die Welt irgendwann mal nur Basketball spielte oder die Küchenschränke höher baute. Aber haben die nicht alle grundsätzlich irgendwelche Probleme?! Bestimmt haben sie mehr Rückenprobleme, die Wirbelsäule verbiegt sich und sie müssen mehr Geld für größere Autos ausgeben oder sonst was. Zumindest wäre das doch viel besser für mich Relationskleinwüchsigen! Ich möchte es kurz machen, da es schon spät ist, obwohl es mir in den Fingern juckt! Ergo: Ist nicht die Grundlage für diese Art des Umgangs die Angst, wortwörtlich überfordert zu werden? Muss nicht in mir ein instinktiv veranlagtes Moment dafür Sorge tragen, dass bloß meine Gene weitergegeben werden? Lange Menschen sind blöd! Pure Selbsterhaltung! Wäre die Ausrichtung der Umwelt auf minimal 1,87 m nicht das Todesurteil für mich? Ist es denn so schlimm, dass ich überleben will und Wasserwaage-Denker werde?

Vorsichtiger formuliert: Auf Grundlage der Normalverteilung der Intelligenz ist diese Tendenz zur Mitte, die selbstverständlich von der Mitte ausgeht und das Wasserwaage-Prinzip samt Verhaltensweisen einschließt, ein absolut zweckmäßiges Prinzip. „Wir“ schützen uns letztlich vor einem zu schnellen und auch zu langsamen Fortschritt der Menschheit, der uns im Gesamten bedrohen könnte. Wenn das mal nicht i n t e l l i g e n t von Mutter Natur ist …

Und nun: Gute Nacht!

Veröffentlicht von

Götz Müller ist Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut und Leiter des Instituts für Kognitive Verhaltenstherapie (IKVT). Er arbeitet beratend und diagnostisch mit Familien hoch begabter Kinder und Jugendlicher. In der psychotherapeutischen Arbeit beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit dem Underachievement bei Hochbegabten, hier insbesondere bei Jugendlichen.

11 Kommentare

  1. Ausreißer einfangen

    Lieber Herr Müller,

    danke für Ihren interessanten und gleichzeitig erheiternden Artikel, der mir gerade viele schöne Ideen für neue Blogartikel geliefert hat!

    Ich schließe mich gerne an: Das Suchen nach Ausgleich und dem Mittel finden wir an vielen Stellen in unserem Leben, in Beziehungen, in der Welt und der Natur. Aber oft genug bringt der Ausreißer, der Nicht-passende, zu Große oder Kleine, zu Kluge (?) genau den Input, den die Waage für ihr Gleichgewicht braucht. Und macht dazu noch unser Leben spannend!

    Die eifrige Suche nach einem Mangel erlebe ich in ganz vielen Bereichen, nicht nur beim Thema Hochbegabung. Manchmal frage ich mich, ob “wir” auf die Einhaltung des Mittel achten, weil sonst irgendetwas “passieren” könnte. Zu glücklich? Zu schnell? Zu zufrieden? Auf der Negativseite natürlich entsprechend…
    Ja, was passiert, wenn die Waage kippt? Rutschen wir alle hinunter? Amüsantes Bild, aber “die Natur” hat doch gut für uns gesorgt: immer ein wenig zu viel und ein bißchen zu wenig und dazwischen die “Norm”.
    Ich balanciere gerne am bewegten Ende herum 😉

    Herzliche Grüße
    Ulrike Juli Scheld

  2. Wasserwaage

    Wenn es nur eine “Mitte” geben würde, wäre eine Wasserwaage nie geschaffen worden.
    Das Problem “Hochbegabter” ergibt sich doch schon in der Kindheit, im sozialen Umgang, und zieht sich durchs ganze Leben.
    Wenn ich schon im Ansatz einer Rede, den Schluß,das Ergebnis weiß, höre ich doch nicht mehr hin.
    Sei es in der Schule, bei der Arbeit, oder auch nur bei einer Unterhaltung.
    Man ist Gefangener seiner “Begabung”.

  3. Wasserwaage oder Balkenwaage

    Kann es sein, daß Sie die Wasserwaage mit einer Balkenwaage verwechselt haben? Eine Wasserwaage hat keinen Drehpunkt. Damit wird normalerweise kontrolliert, ob zwei Punkte auf der gleichen Höhe liegen.
    Genug Handwerk jetzt Wissenschaft:
    Zur Überprüfung Ihrer Theorie gehe ich vom umgekehrten Zustand aus. Was können Menschen mit niedrigem IQ dann besonders gut? Dann müssten sie, wenn ich micht auf Ihren ersten Absatz beziehen darf, Glück mit den Frauen bzw. viel in den Armen haben. Wäre dem so?

  4. “Zur Überprüfung Ihrer Theorie gehe ich vom umgekehrten Zustand aus. Was können Menschen mit niedrigem IQ dann besonders gut?”

    Der IQ, so würde ich sagen, macht die Vernunft des Menschen aus. Die Vernunft setze ich nun dem Instinkt gegenüber. So haben Tiere, Menschen mit einem niedrigen IQ nicht die Möglichkeit durch Intelligenz oder Wissen über den Tellerrand herauszuschauen. Somit verlassen sie sich auf bereits Gelerntes, Angelerntes (Halbwissen/Vorurteile). So hat es der “dumme” doch meiner Meinung nach einfacher im Leben, selbst wenn seine Ausgangslage schlechter sein könnte als einer gebildeteren Person. So würde ich sagen, dass ein Hartz4 Empfänger, der nicht viel hat, nicht angesehen ist, doch glücklicher als eine Akademiker sein kann, weil er sich entweder aus seiner Ohnmacht oder sozialen Einflüsse sich damit abgefunden hat zur niederen Schicht zu gehören. Weiterhin ist es ihm vielleicht noch nicht einmal bewusst, dass er Unten steht. Für ihn ist das “gebildet sein” etwas fremdes, mehr erreichen zu wollen als andere, deshalb steht er nicht unter dem Druck, den sich ein strebender Mensch aussetzt. Der Akademiker neigt somit meiner Meinung nach eher zu Depressionen, weil er nachdenkt, weil er sich Gedanken macht, auf die der “Ungebildetete” erst garnicht kommen würde.

    Nunja, somit mein kleiner, wenn auch unwissenschaftler Beitrag zu dem Thema.

  5. Vernunftquotient

    ‘Der IQ, so würde ich sagen, macht die Vernunft des Menschen aus.’

    Nach meiner Erfahrung gibt es da eine eher schwache Korrelation. Menschen mit hohem IQ benutzen diesen oft um mit viel Rhetorik und Kreativität ihr Weltbild gegen Fakten und Logik zu verteidigen.

    An die Psychologen: Könntet ihr mal einen VQ (Vernunftquotienten) definieren, und Tests dazu entwickeln?
    😉

  6. Erklärungsversuch

    Grundlegende Eigenschaften des Menschen, z.B. Größe, Körperkraft(entwicklung), Geschicklichkeit, IQ,….. sind in ihrer Ausprägung in einer Population auf bestimmte Weise verteilt.
    Nehmen wir sie als unabhängig voneinander und definieren bestimmte extreme Ausprägungen als vorteilhaft, so ist es ein Einfaches vorauszusagen, ob es auch hochbegabte (IQ), superstarke (Körperkraft) jonglierend einradfahrende Riesen(Körpergröße) geben könnte.
    Nämlich mit dem Produkt der Wahrscheinlichkeit des Auftretens all dieser Extreme in einer Population.
    Macht man das nicht nur für die Positiven extreme, sondern auch für alle anderen möglichen Ausprägungen, so erhält man jeweils mehrdimensionale Graphen über deren Häufigkeit.
    Man wird erkennen, dass die Wahrscheinlichkeit eines hochintelligenten Riesen theoretisch genauso wahrscheinlich wie die eines ebensolchen Zwerges ist. usw.
    Am wahrscheinlichsten ist aber dass der Hochintelligente in den restlichen Eigenschaften genauso durchschnittlich ist*, wie der gänzlich durchschnittliche Normalbürger.

    Warum aber kommen wir darauf, dass Hochbegabte ein Defizit haben müssten?
    Dafür mag es mehrer Gründe geben:

    Zuerst einmal haben wir landläufig ein falsches Bild von Hochbegabung. Wir haben die Vorstellung, dass Hochbegabung ein Ausdruck, quasi ein positives Nebenprodukt einer geistigen Fehlentwicklung ist, so wie wir es prominent von autistischen Hochbegabten (die ja aber nicht den Regelfall des Autismus darstellen) kennen, nein ehr präsentiert bekommen.

    Weiterhin, weil Menschen mit anderen – weil schneller und damit tiefer entwickelten – Interessen, häufiger sozial ausgegrenzt werden, wenn es sich nicht um allgemeine Interessen (wie z.B. Sport) handelt. So schaffen wir Außenseiter (die nicht zwingend Hochbegabte sondern vor allem auch einfach nur anders Interessierte sind) Und schließen im Umkehrschluss darauf, dass alle Hochbegabte auch Außenseiter mit den Entsprechenden sozialen Nachteilen behaftet sein müssten.

    Und vor allem weil wir ein Bessersein eines Anderen häufig als eine Zurücksetzung, eine Relativierung unseres Selbstbildes empfinden, insbesondere wenn es sich um eine Qualität handelt, die in unserem Selbstbild eine wichtige Stelle zur Stützung des Selbstwertgefühles einnimmt.

    Ein gängiger Reaktionsmechanismus auf einen als Angriff empfundene Relativierung unseres Selbstbildes ist die Selbstimmunisierung. Eine Relativierung, ein “ja aber” zur Rettung unseres Selbstwertgefühles. Da wir häufig mit Leuten zu tun haben, die in diesem oder jenem besser sind als wir, ein ziemlich geschickte, wenn auch nicht kluge Strategie.
    Neidvoll:”Ja, wie der Fußballspielen kann, ein Traum unerreichbar,
    aber wenn der interviewt wird… ein Trottel!”
    oder
    “Was die Ingenieure da wieder in ihren Büros geplant und ausgefeilt haben ist zwar alles schön und gut aber vom wirklichen Arbeiten hier im Werk, haben die doch keinen blassen Schimmer.”

    Diese drei Punkt – individuell mehr oder weniger stark gewichtet – könnten das oben beschriebene Phänomen erklären
    ————-
    *Immer ausgehend davon, dass diese anderen Eigenschaften sich unabhängig von der Intelligenz entwickeln.

  7. @ Mimbeldrohn und Muskeln

    Danke für den Hinweis zu meinem Bild der Waage! Für den Fall, dass im Raum steht, ich wäre ein Vetreter der Wasserwaagentheorie: Keineswegs!
    “Zur Überprüfung Ihrer Theorie gehe ich vom umgekehrten Zustand aus. Was können Menschen mit niedrigem IQ dann besonders gut? Dann müssten sie, wenn ich micht auf Ihren ersten Absatz beziehen darf, Glück mit den Frauen bzw. viel in den Armen haben. Wäre dem so?”
    Dem ist nicht so! Doch IQ ist ja nicht alles …

  8. @ Das Glück des Elitestudenten

    Verstehe ich Sie recht, wenn ich zwischen den Zeilen lese, dass der Denker zu Depression neigt bzw. ein höherer IQ zu Unglück im Dasein führt? Der Denker müsste in seinen Überlegungen ja auch dazukommen, exakt das, was ihn (theoretisch) zum Unglück reizen könnte, konstruktiv zu verarbeiten. Mit welcher Begründung sollte er denn den maladativen Weg gehen und sich schlecht fühlen wollen? Bildung gleichzusetzen mit Weisheit, kann ja sicherlich nicht gemeint sein.

  9. Interessante Diskussion! Das mit dem “Flick weghaben” sehe ich so. Ich gehe jetzt mal davon aus, das alle HBs Normal auf die Welt kommen ohne Flick weg. Danach kommt es aber stark auf ihre Umwelt/ auf ihr Umfeld an, dürfen sie so sein wie sie sind?
    Hier ein Beispiel: Mein Sohn hatte in der ersten Klasse einen Test über die Uhr. Da war eine Uhr abgebildet und daneben standen Wörter wie: Minutenzeiger, Stundenzeiger usw. Diese mussten die Kinder abschreiben. Nun stand da auch Minutenstrich. Da aber auf der Uhr keine Minutenstriche sondern Minutenpunkte gezeichnet waren, hat mein Sohn Minutenpunkt hingeschrieben. Was ich als absolut richtig Werte und finde er hätte ein Lob für seine gute Beobachtungsgabe erhalten sollen. Nun ging es der Lehrerin aber nicht um das Richtige, sondern darum das genau das gemacht wurde, was da stand, sprich “Gehirn ausschalten” Sie hat dann meinem Sohn noch die Rechtschreibung (in der ersten Klasse!)bewertet. Das ist jetzt nur ein kleines Beispiel, davon gab es leider noch viel mehr. Fazit: Anfangs zweiter Klasse war mein Sohn Depressesiv, hat sich in der Schule völlig verweigert. Also wer hat nun den Flick weg – mein Sohn oder die Lehrerin?

    Leider läuft es so auch in vielen Firmen – sprich – Gehirn ausschalten, ja keine Ideen bringen, ja nicht denken. Wenn wunderts da, das viele Erwachsene HBs ein Burnout oder Depressionen haben und dann eben als “schrullig gelten”?

  10. Wasserwaage zum Positiven

    Als Denkanstoss: Ich sehe zwar schon, daß die Wasserwaage immer zum Trost für die Nicht-Hb´ler herhalten muß, aber andererseits haben ja alle Dinge mehr als eine Seite.
    Ich sehe nämlich in der “Pathologisierung” von HFAs, Dyslektikern, Dyskalkulie-Kindern eine Abwesenheit des “Wasserwaagen”-Prinzips: Hier sucht niemand nach dem Vorteil der symmetrischen Neurophysiologie: Schreibt ein Kind von rechts nach links wie die Chinesen, oder gar in Spiegelschrift wie DaVinci, so wird ihm unsere asymmetrische Kulturnorm aufgewungen und es als Dyslektiker ausgegrenzt. Sollte man hier nicht einmal darüber nachdenken, welche Vorteile eine z.B. mangelnde Abstraktion der Mengen in der Dyskalkulie oder anderen “Abweichungen” der Gausschen Kurve haben könnte.
    Hier wäre die “positive Wasserwaage” als Forschungsansatz ebenso nützlich, wie die negative Wasserwaage im Volksdenken der Neurotypischen…

  11. Wasserwaage-Prinzip

    Das wasserwaage-Prinzip halte ich in diesem Artikel für überdenkbar! Natürlich zeigt es uns das Prinzip der Dualität,in der wir leben. und den entspannten Zustand der Mitte, den es in einer Dualität nun auch geben muß.Wir alle unterliegen den Naturgesetzen. Aber ist es das? was die Menschen wirklich weiterbringt? Haben nicht all die großen Denker(WARUM GAB ES FRÜHER MEHR?)ihren Kopf (Geist) in den Kosmos gesteckt und den Funken (genius) auf uns Menschen übertragen? Das Wasserwaage-Prinzip ist Naturgesetz(es kann auch schnell in die Mittelmäßigkeit abrutschen). aber ich persönlich glaube nicht,daß es das ist,was uns Menschen ausmacht!

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