Adventskalender, Tag 2: 24 Gedanken und Wünsche für Hochbegabte

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Intelligenz, Sonntagskinder und Schulversager
Hochbegabung

Auch heute ist wieder etwas im Kalender …

“Man muss nicht immer alles korrigieren.” Dieser Satz hat mir selbst sehr als “neuentdeckte” Hochbegabte weitergeholfen. Klar, wir Hochbegabte wissen oft vieles besser, wir verstehen schneller, erkennen Fehler, wo andere nur Bahnhof verstehen. Aber wir haben die Fähigkeit, das entsprechend zu reflektieren. Wir sind deswegen keine besseren Menschen. Wir sind gut, so wie wir sind. Und die anderen sind das auch. Wenn wir uns davon befreien, immer alles und jeden, so hinbiegen zu wollen, dass er/sie/es so ist, dass wir damit zufrieden sind, befreien wir uns von einer großen Last und können uns mehr auf uns selbst und unsere eigene Entwicklung konzentrieren. (Sönne, 28)

Das Besserwisser-Klischee hält sich vermutlich ja auch deshalb so hartnäckig, weil die Hochbegabten es oft genug tatsächlich besser wissen; aber wenn man unterscheiden kann, in welchen Situationen es sich tatsächlich lohnt, auf Fehler hinzuweisen, und wann man sein Gegenüber damit vielleicht eher vergrätzt und nichts erreicht, ist das vermutlich eine gute Voraussetzung für ein funktionierendes Miteinander.

Umgekehrt ist unsere Fehlerkultur – die Nutzung von Fehlern als Informationsquelle, um Dinge zu verbessern – ja durchaus ausbaufähig. Insofern ist es der allgemeinen Entspanntheit sicherlich zuträglich, wenn man die reine Sachinformation, dass etwas nicht stimmt, von ihrer emotionalen Bewertung trennt. (Wer hierbei an Schulz von Thuns diverse Ohren und Münder denkt, denkt schon ganz in die richtige Richtung.) Der flapsige Spruch, man solle nie etwas durch Böswilligkeit erklären, was sich nicht auch durch Dummheit erklären ließe, ist möglicherweise auch auf das andere Extrem der Verteilung übertragbar. In diesem Sinne, bleiben Sie locker!

Tanja Gabriele Baudson

Veröffentlicht von

Dr. rer. nat. Tanja Gabriele Baudson ist Diplom-Psychologin und Literaturwissenschaftlerin. Seit Oktober 2017 vertritt sie die Professur für Entwicklungspsychologie an der Universität Luxemburg und ist als freie Wissenschaftlerin mit dem Institute for Globally Distributed Open Research and Education (IGDORE) assoziiert. Ihre Forschung befasst sich mit der Identifikation von Begabung und der Frage, warum das gar nicht so einfach ist. Vorurteile gegenüber Hochbegabten spielen hierbei eine besondere Rolle - nicht zuletzt deshalb, weil sie sich auf das Selbstbild Hochbegabter auswirken. Zu diesen Themen hat sie eine Reihe von Studien in internationalen Fachzeitschriften publiziert. Sie ist außerdem Entwicklerin zweier Intelligenztests. Als Initiatorin und Koordinatorin der deutschen „Marches for Science“ wurde sie vom Deutschen Hochschulverband als Hochschullehrerin des Jahres ausgezeichnet. Im April 2016 erhielt sie außerdem den SciLogs-Preis "Wissenschaftsblog des Jahres".

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