Adventskalender, Tag 19: 24 Gedanken und Wünsche für Hochbegabte

Nein, keine Sorge – ich habe Sie nicht vergessen, liebe Leser/innen, die Sie sich vielleicht fragen, was sich denn hinter dem heutigen Türchen verbirgt. War nur viel los heute 😉

Den heutigen Gedanken hat Andrea beigesteuert – und eine Buchempfehlung gibt es noch gleich dazu. Sie schreibt:

Intensität ist der Begriff, der im Zusammenhang mit Hochbegabung ein interessanter Ansatz zu sein scheint. In dem Buch “Doppeldiagnosen und Fehldiagnosen bei Hochbegabung” (Webb, 2015) dient die Bedeutung des Begriffs Intensität als Erklärungsgrundlage für die im Vergleich manchmal ungewöhnlichen Verhaltensweisen hochbegabter Menschen. Das Buch ist ein echter Mutmacher, auch wenn der Titel das erstmal nicht hergibt. Es hilft dabei, die Klinifizierung von Hochbegabung zu verringern und den Betroffenen das Gefühl zu geben, richtig zu sein. Bloß intensiv eben. Wirklich lesenswert.

Die englische Version des Buchs von Webb ist zwar schon ein paar Jahre älter – das Thema hat an Aktualität aber eher noch gewonnen. Ich würde sagen, für alle, die sich für das Thema der “twice exceptionals” bzw. der Fehldiagnosen interessieren, ist “der Webb” eins der Standardwerke. Hier ist ein Link zu Inhaltsverzeichnis und Vorwort. Falls also noch auf den letzten Drücker ein Weihnachtsgeschenk gesucht wird, wäre das ja möglicherweise was.

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Dr. rer. nat. Tanja Gabriele Baudson ist Diplom-Psychologin und Literaturwissenschaftlerin. Seit Oktober 2016 vertritt sie die W3-Professur für Methoden der Empirischen Bildungsforschung an der Technischen Universität Dortmund. Davor hatte sie zwei Jahre lang die Vertretung des Lehrstuhls für Pädagogisch-psychologische Diagnostik an der Universität Duisburg-Essen inne. Ihre Forschung befasst sich mit der Identifikation von Begabung und der Frage, warum das gar nicht so einfach ist. Vorurteile gegenüber Hochbegabten spielen hierbei eine besondere Rolle - nicht zuletzt deshalb, weil sie sich auf das Selbstbild Hochbegabter auswirken. Hierzu hat sie eine Reihe von Studien in internationalen Fachzeitschriften publiziert. Sie ist außerdem Entwicklerin zweier Intelligenztests. Im April 2016 erhielt sie den SciLogs-Preis 2016.

2 Kommentare zu »Adventskalender, Tag 19: 24 Gedanken und Wünsche für Hochbegabte«

  1. KRichard Antworten | Permalink

    Mensch

    Dieser Adventskalender ist den Hochbegabten gewidmet - das ist in Ordnung. Aber gerade die Adventszeit sollte man auch einmal zum besinnlichen Nachdenken darüber nutzen, dass unsere Erziehungswissenschaften teilweise menschenverachtend sind.

    Wir haben lebenslang in Form von bewussten Erinnerungen direkten Zugang zur Erlebniswelt von Feten bzw. Kleinkindern:

    http://science.newzs.de/2016/12/07/erinnerungen-ab-dem-5-schwangerschaftsmonat

    ABER diese Erlebniswelt wird bisher weder systematisch erforscht, noch in brauchbare Therapien umgewandelt, um besonders denen zu helfen, die eigentlich eine besonders intensive Förderung benötigen würden - den Frühchen!

    Etwa 10 % aller Babys werden als Frühchen geboren. Wie sich bereits eine nur geringfügig verbesserte Versorgung/Betreuung auswirkt (Inkubator/Känguru-Methode), zeigt eine Langzeitstudie:

    www.spektrum.de/news/kaenguru-methode-hilft-fruehchen-ueber-jahrzehnte/1432436

    So schön es ist, dass Hochbegabte gefördert und unterstützt werden - so schlimm ist es auch, dass es unsere Erziehungswissenschaft nicht für nötig hält, die frühesten Erlebnisse zu erforschen und Frühchen optimal zu fördern. Da die Frühförderung den späteren Lebenslauf deutlich verbessern kann - ist es menschenverachtend, eine optimale Betreuung zu unterlassen.

  2. Tanja Gabriele Baudson Antworten | Permalink

    Bis wissenschaftliche Erkenntnisse (und das Thema wird ja anscheinend durchaus beforscht) in die Praxis Einzug halten, vergeht leider immer viel (zu viel!) Zeit, da stimme ich Ihnen zu; das Problem zieht sich quer durch alle Anwendungsdisziplinen. Das Thema vorgeburtliche Erfahrungen ist sicher wichtig; aber das Thema Hochbegabung ist es auch. Wenn man anfängt, das gegeneinander aufzurechnen, endet das in unproduktivem Gegeneinander, was wiederum Ressourcen für die Arbeit an den eigentlichen Problemen abzieht.

    Davon abgesehen glaube ich aber durchaus, dass die meisten der hier festgehaltenen Gedanken von Hochbegabten für Hochbegabte auch quer durch das Begabungsspektrum interessant sein können :)

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