Adventskalender, Tag 17: 24 Gedanken und Wünsche für Hochbegabte

Guten Morgen allerseits! Schön, dass Sie auch heute wieder dabei sind, um mit mir einen Blick hinter das nunmehr 17. Türchen des Adventskalenders zu werfen. Schauen wir doch gleich mal nach …

Den heutigen Gedanken hat mir Tilo geschickt:

Hinterfrage, ob Du Dich mittels der Hochbegabung in Komfortzonen begibst, und verhindere das.
Hochbegabung heißt, daß Du mehr aufpassen mußt, daß du Dich nicht selbst belügst, denn mit einer Hochbegabung, ist es nicht nur leichter, anderen, sondern auch Dir selbst, etwas vorzumachen.
Nach meiner Erfahrung verfestigt eine hohe Intelligenz bei Menschen, die zu einer vorgefassten Meinung neigen, diese bereits vorhandene Meinung und verhindert bei solchen Menschen das Infragestellen der eigenen Haltung!
Bei Menschen, die nach einer Ansicht forschen, verstärkt die Hochbegabung noch mehr die Offenheit.
Das ist meiner Wahrnehmung nach charakterlich getrieben.
Die Hochbegabung verstärkt also – datenignorante/ansichtsunflexible Menschen werden noch ignoranter/ansichtsunflexiber, datenoffene/ansichtsflexible werden noch offener/ansichtsflexibler.

Ich finde das interessant. Tilo erwähnte in der Mail auch noch, er meine, sich an eine Studie zu erinnern, die in die Richtung ginge. (Mir fällt so spontan keine ein, aber das muss in Anbetracht der vielen publizierten Studien nichts heißen.) Erklären könnte ich es mir auf jeden Fall dadurch, dass diese Tendenzen möglicherweise unabhängig von der Begabung vorhanden sind, dass jedoch der höhere “Datendurchsatz” der Hochbegabten dazu führt, dass ihnen eine größere Menge an Informationen zur Verfügung steht, die das Ansichtsspektrum entweder einengen oder erweitern kann. Die hochbegabten “Ansichtsunflexiblen”, wie Tilo sie nennt, haben dann beispielsweise 20 Belege, die ihre Meinung stützen, die durchschnittlich Begabten vielleicht nur 5. Bei den “Ansichtsflexiblen” wäre es umgekehrt so, dass sie nicht nur 5 verschiedene Ansichten zu einem Thema kennen, sondern 20.

Eine gute Nachricht: Wenn man sich die “großen fünf” Persönlichkeitsdimensionen anschaut, ist Offenheit für neue Erfahrungen, das, was (nicht riesig hoch, aber immerhin) mit Intelligenz korreliert ist. In der Tendenz wäre demnach wohl eher damit zu rechnen, dass das Pendel bei Hochbegabten in Richtung Ansichtsflexibilität ausschlägt. Bleiben Sie auf jeden Fall aufgeschlossen – es bereichert das Leben 🙂

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Dr. rer. nat. Tanja Gabriele Baudson ist Diplom-Psychologin und Literaturwissenschaftlerin. Seit Oktober 2016 vertritt sie die W3-Professur für Methoden der Empirischen Bildungsforschung an der Technischen Universität Dortmund. Davor hatte sie zwei Jahre lang die Vertretung des Lehrstuhls für Pädagogisch-psychologische Diagnostik an der Universität Duisburg-Essen inne. Ihre Forschung befasst sich mit der Identifikation von Begabung und der Frage, warum das gar nicht so einfach ist. Vorurteile gegenüber Hochbegabten spielen hierbei eine besondere Rolle - nicht zuletzt deshalb, weil sie sich auf das Selbstbild Hochbegabter auswirken. Hierzu hat sie eine Reihe von Studien in internationalen Fachzeitschriften publiziert. Sie ist außerdem Entwicklerin zweier Intelligenztests. Im April 2016 erhielt sie den SciLogs-Preis 2016.

1 Kommentare zu »Adventskalender, Tag 17: 24 Gedanken und Wünsche für Hochbegabte«

  1. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Wenn Ebenbürtige fehlen

    Alle neigen zu confirmation bias - auch Hochbegabte. Nur kommen Hochbegabte wohl mehr in die Situation, in der sie etwas begründet vermuten und wo sie diese Vermutung bestätigen wollen - einfach weil sie auch produktiver sind. Und ohne ebenbürtige Kollegen fällt es den Hochbegabten auch leichter, Bestätigungen für die eigenen Vermutungen/Theorien zu finden. Letzlich haben wir hier das Problem der fehlenden Balance, der Assymmetrie: Wer nur sich selbst als Massstab hat, dem fehlt etwas.

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