Adventskalender: Das siebte Türchen

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Intelligenz, Sonntagskinder und Schulversager
Hochbegabung

Kein bisschen weiße Weihnacht in Sicht – stattdessen schüttet es wie aus Gießkannen! Vielleicht ist dafür ja was Schönes im Adventskalender … wir können ja mal nachschauen! (Das Türchen öffnet sich …)

Ah, ein Klassiker!

Es ist eine so konstante Erscheinung, dass man sie beinahe gesetzmäßig nennen kann, dass gerade die Originellen, die besonders Begabten, die im Hause wie in der Schule die Misshandelten sind! Keiner hat ein Auge für das, was sich in dem wunderlichen oder lärmenden, in sich selbst versunkenen oder heftigen Kinde regt. Und besonders in dieser Richtung zeigen die Mütter und Lehrer ihr erbärmlichstes Unvermögen für den elementarsten Teil der Kunst der Erziehung; ‘mit Augen sehen zu können’, nicht mit pädagogischen Doktrinen im Kopfe! (Ellen Key, Das Jahrhundert des Kindes, 1902)

Pädagogisches Wissen ist natürlich wichtig – um mit Begabten umgehen zu können, muss man die Begabung erst mal erkennen und dazu wissen, was relevante und trennscharfe und was eher weniger charakteristische Merkmale eines hochbegabten Kindes sind. Aber um ein guter Pädagoge/eine gute Pädagogin zu sein, reicht das nicht: Dazu braucht es außerdem Einfühlungsvermögen – und gerade beim Umgang mit Hochbegabten möglicherweise auch eine gewisse Gelassenheit (mit anderen Worten: persönliche Reife), um es nicht gleich als ehrabschneiderisch zu interpretieren, wenn ein Kind mal mehr weiß als man selbst. Kann man das entwickeln? Was meinen Sie?

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Dr. rer. nat. Tanja Gabriele Baudson ist Diplom-Psychologin und Literaturwissenschaftlerin. Seit Oktober 2017 vertritt sie die Professur für Entwicklungspsychologie an der Universität Luxemburg und ist als freie Wissenschaftlerin mit dem Institute for Globally Distributed Open Research and Education (IGDORE) assoziiert. Ihre Forschung befasst sich mit der Identifikation von Begabung und der Frage, warum das gar nicht so einfach ist. Vorurteile gegenüber Hochbegabten spielen hierbei eine besondere Rolle - nicht zuletzt deshalb, weil sie sich auf das Selbstbild Hochbegabter auswirken. Zu diesen Themen hat sie eine Reihe von Studien in internationalen Fachzeitschriften publiziert. Sie ist außerdem Entwicklerin zweier Intelligenztests. Als Initiatorin und Koordinatorin der deutschen „Marches for Science“ wurde sie vom Deutschen Hochschulverband als Hochschullehrerin des Jahres ausgezeichnet. Im April 2016 erhielt sie außerdem den SciLogs-Preis "Wissenschaftsblog des Jahres".

3 Kommentare

  1. belehren, schulmeistern, tadeln

    Die obigen Worte passen gut zum altväterlichen Unterricht anno dazumal. Und wer hat das Kind erzogen? Es waren (Zitat Ellen Key)die Mütter und Lehrer, denn der Vater war dazumal noch kaum präsent bei der Aufzucht des Nachwuches. In gewisser Weise war das schon eine lieblose Welt, unsere Vorwelt.

    Doch wie stark hat sich das geändert?
    Es hat sich geändert. Disziplin ist zwar heute immer noch gefragt, aber die Erwartungen gehen heute weiter. Die Schule wird nicht mehr als Disziplinierungsanstalt gesehen sondern als Sprungbrett für die spätere Karriere. Damit hat man aber das Kind immer noch nicht im Mittelpunkt gestellt, sondern die Erwartungen der Erwachsenen an die erste Stelle gesetzt.

  2. Ja, die Gelassenheit kann man entwickeln, wenn einem das Kind wichtiger ist als man selbst!
    Wer sich aber in seiner Machtposition behaupten will/ muss, der kann so eine Einstellung nicht vertreten. Die Blamage, als Unwissender dazustehen, trifft gerade nicht begabte besonders. Nur wer selber “groß” im Sinne von intelligent ist, kann auch Größe zeigen und anderer Menschen Intelligenz gelten lassen.

  3. @Christl: Wichtiger Punkt

    Ich würde Ihnen da absolut zustimmen. Jemand, der weiß, dass seine Autorität eher dadurch gewinnt, dass er sich auch mal hinterfragt, Nichtwissen zugeben kann etc., wird sich auch nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn ihn z.B. ein Kind mal vor der Klasse korrigiert oder er eine Frage nicht beantworten kann. Insofern denke auch, dass die Persönlichkeitsentwicklung aus genau diesem Grund eine viel wichtigere Rolle in der Lehrerausbildung einnehmen sollte. Fachwissen allein macht noch keinen guten Lehrer.

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