Adventskalender: Das fünfte Türchen

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Intelligenz, Sonntagskinder und Schulversager
Hochbegabung

Einen schönen Montagmorgen, liebe Leserinnen und Leser! Auch heute ist wieder was im Adventskalender … schauen wir mal, was das heutige Türchen bereit hält!

Nutze die Talente, die du hast. Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel singen würden. (Henry van Dyke)

Nicht jeder Vogel ist ein Caruso oder eine Callas – das verdeutlichen auch die Krähen vor meinem Fenster, die mich bei Morgengrauen gerne mal aus dem Bett holen 😉 Ich wollte sie in der Vielfalt der Gesänge und Geräusche jedoch nicht missen. Ich finde, das Zitat ermutigt außerdem dazu, bislang unbekannte (mögliche) Talente zu erkunden. Von Goethe stammt angeblich der Ausspruch, dass der Wunsch, etwas zu tun, eine Vorahnung der Fähigkeiten sei, die man habe.

Dieser Gedanke knüpft an zwei unterschiedliche Konzeptionen der Begabtenidentifikation und -förderung an: die Breiten- und die Spitzenförderung. Bei ersterem geht es darum, Menschen die Freude an einer Tätigkeit zu vermitteln und mögliche Begabungen zu identifizieren; bei zweiterem darum, bereits teilweise entwickelte Begabungen zur vollen Entfaltung zu bringen. Beides hat seinen Wert – aber nicht beides lässt sich gleichzeitig in derselben Fördermaßnahme umsetzen. Im musikalischen Bereich der Breitenförderung fallen mir da die Bläserklassen ein, in denen lokale Musikvereine Schulkindern das Musizieren nahe bringen (und auch die Instrumente stellen, damit jedes Kind die Chance erhält, eines zu erlernen). Das ist eine schöne Sache – aber die musikalisch besonders Begabten, die dasselbe Programm in deutlich kürzerer Zeit durchlaufen könnten, profitieren davon eher weniger.

Wie sieht es im intellektuellen Bereich aus? Gibt es in Ihrem näheren Umfeld Maßnahmen zur Breiten- oder Spitzenförderung intellektuell Begabter? Verraten Sie es mir? Ich bin neugierig.

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Dr. rer. nat. Tanja Gabriele Baudson ist Diplom-Psychologin und Literaturwissenschaftlerin. Seit Oktober 2017 vertritt sie die Professur für Entwicklungspsychologie an der Universität Luxemburg und ist als freie Wissenschaftlerin mit dem Institute for Globally Distributed Open Research and Education (IGDORE) assoziiert. Ihre Forschung befasst sich mit der Identifikation von Begabung und der Frage, warum das gar nicht so einfach ist. Vorurteile gegenüber Hochbegabten spielen hierbei eine besondere Rolle - nicht zuletzt deshalb, weil sie sich auf das Selbstbild Hochbegabter auswirken. Zu diesen Themen hat sie eine Reihe von Studien in internationalen Fachzeitschriften publiziert. Sie ist außerdem Entwicklerin zweier Intelligenztests. Als Initiatorin und Koordinatorin der deutschen „Marches for Science“ wurde sie vom Deutschen Hochschulverband als Hochschullehrerin des Jahres ausgezeichnet. Im April 2016 erhielt sie außerdem den SciLogs-Preis "Wissenschaftsblog des Jahres".

1 Kommentar

  1. Begabtenförderung für Normalbegabte

    Hochbegabung oder Zeichen dafür werden heute in der Schule durchaus gesucht und entsprechende Kandidaten durchlaufen dann oft spezielle Kurse.
    Mein Sohn wurde in der Primarschule von ihrer Lehrerin gedrängt einen solchen Kurs für Begabte zu belegen. Mehrmals hat er sich gesträubt, weil er sich nicht so gerne exponiert. Doch schliesslich hat der doch teilgenommen. Und obwohl er nicht sonderlich begeistert war, hat es seine Freizeit ein paar Jahre lang beeinflusst. Dort wurde nämlich mit Mindstorm-NXT, dem programmierbaren Lego, experimentiert. Das hat ihn in den Bann gezogen und schliesslich hat er sich so einen Bausatz gewünscht und viele verrückte Dinge damit aufgebaut.
    Übrigens halte ich ihn nicht für sonderlich begabt, normalbegabt eben. Aber sie hatten halt keine andere valablen Kandidaten. Doch von dieser anderen Art des Lernens, die er in diesem Kurs kennenlernte, hat er dennoch profitiert. Auch viele Normalbegabte könnten und sollten offener sein für Wege abseits des Alltäglichen.

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