Wie Hund und Katz zueinander finden

BLOG: Heidelberg Laureate Forum

Laureates of mathematics and computer science meet the next generation
Heidelberg Laureate Forum

Stellen Sie sich vor, Sie sind LeiterIn eines Tierheims. Sie kennen Ihre Gäste sehr gut; deren Vorlieben und Abneigung. Die einen mögen sich, anderen stellt es die Haare und Federn nur so auf, wenn sie sich begegnen. Fakt ist: alle Käfige liegen aneinandergereiht. Ob Hund, Katz, Schildkröte, Schaf, Kuh, Pferd, Hase oder Maus – Sie sollen für jeden die richtigen Nachbarn finden. Es liegt an Ihnen, ob im Heim Käfig an Käfig gekläfft und gefaucht wird; oder Ruhe herrscht.

Kinder bei der "Night of Research" an der Uni Klagenfurt
Kinder bei der “Night of Research” an der Uni Klagenfurt

Mit dieser Aufgabe hat der österreichische Mathematiker Philipp Hungerländer, einer der Nachwuchswissenschaftler des diesjährigen HLF14, Kinder wie Erwachsene im vergangenen Frühjahr gefesselt. An seinem Institut an der Universität Klagenfurt blieben bei der “Night of Research” manche vor lauter Knobelbegeisterung und Ehrgeiz bis lange über Mitternacht. Das liegt zum einen sicher an der netten Art und Weise, wie Hungerländer das mathematische “Single and multi-row facility layout” Problem im Gedankenspiel des Tierheims umgesetzt hat. Zum anderen an der ideenreichen Gestaltung vor Ort.

Sogar Hungerländers Vater, ein Tischler, war bei der Sache mit vollem Engagement dabei und zimmerte im Vorfeld echte Holzkäfige. Stofftiere dazu und das Tierheim nahm Gestalt an.

8 Käfige für 8 Tiere
Das “Tierheim”

Für die Zuordnungen gab es Laufzettel mit vier Schwierigkeitsgraden.

Stufe 1: Nur wenige Tiere mögen sich.

Stufe 4: Viele Tiere mögen sich in unterschiedlichen Stufen von 1-3 oder mögen sich nicht in den Stufen -1 bis -3 – Das ist sehr schwierig.

Philipp Hungerländer beim #hlf14
Philipp Hungerländer beim #hlf14

 

“Den ersten Schwierigkeitsgrad haben sogar Kinder im Alter von vier oder fünf Jahren ohne Probleme gemeistert”, erzählt Hungerländer. Menschen hätten eben mathematische Intuition. Nur je höher die Schwierigkeitsstufen werden, desto vertrakter wird die Aufgabenstellung und mit der Intuition ist es vorbei. Die Mathematiker nutzen hierzu eigene Algorithmen. “Unser Algorithmus gilt bei dieser Problemstellung derzeit als führend”, sagt Hungerländer nicht ohne Stolz. Immerhin gibt es (bei 8!) über 40.000 Antwortmöglichkeiten!

Sie können es online selbst versuchen. Ich wäre gerne vor Ort in Klagenfurt gewesen, bin aber froh diesen Mathe-Kommunikator jetzt in Heidelberg kennengelernt zu haben. Online habe ich Stufe 1 auch sofort gemeistert;-).


Anmerkung: In Österreich konnten die Teilnehmer der “Night of Research” per SMS für ihre Lieblingsaktion werten. Die haben Hungerländer, sein Vater und das Team Klagenfurt (wohl zu Recht) im Jahr 2014 gewonnen. Gratulation!

Beatrice Lugger

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ist stellvertretende Wissenschaftliche Direktorin des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation (Nawik), Karlsruhe. Sie koordiniert dieses Konferenzblog. Beatrice ist Diplom-Chemikerin und seit über 20 Jahren als Wissenschaftsjournalistin für diverse deutsche Magazine und Tageszeitungen aktiv. Als Social Media Expertin hat sie unter anderem die Scienceblogs in Deutschland aufgebaut. In ihrem Blog ‚Quantensprung‘ und in ihren Tweets als @BLugger schreibt sie vornehmlich über Wissenschaftskommunikation.

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