Mathestudium mit 14 – Amina Abdurrahman

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Amina Abdurrahman in Wien
Bild: Privat

 

Amina Abdurrahman ist beim diesjährigen Heidelberg Laureate Forum eine der jüngsten Teilnehmerinnen. Neben der Mathematik spielt in ihrem Leben auch die Musik eine sehr große Rolle. In fünf kurzen Fragen gibt Amina uns einen interessanten Einblick in ihren Werdegang und ihre Erwartungen an das HLF.

 

In welchem Forschungsgebiet bist Du interessiert und tätig?

AA: Ich bin derzeit dabei meine Bachelorarbeit über die Vervollständigung und Henselisierung von lokalen Ringen zu schreiben. Es handelt sich noch lange nicht um irgendeine Forschung sondern eher darum mir manche Werkzeuge anzueignen. Dadurch entdecke ich momentan die algebraische Geometrie, die mich fasziniert. Zur Vertiefung hat mein Professor mich dazu eingeladen an dem “Special Semester” im CIRM in Marseille über Artin Approximation und Singularitäten Theorie teilzunehmen.

Gebiete, die ich schon im Laufe von Mastercoursen gestriffen habe, und die mich sehr interessieren, mit denen ich mich auch eingehender befassen will, sind Zahlentheorie und Gruppentheorie.

Ein Vorteil noch am Anfang der Studienzeit zu stehen, ist, dass man sich darauf freuen kann, noch alle möglichen Gebiete zu entdecken und zu vertiefen.

Erzähle doch kurz etwas über Deinen Werdegang.

AA: Ich bin in Wien geboren und habe das Lycée francais besucht, wo ein Doppelstudium Deutsch/Französisch angeboten wird; da habe ich meine ganze Schulzeit verbracht. Ich durfte 2 Klassen überspringen, und habe im Juni letzten Jahres Matura und Baccalauréat absolviert.

In Österreich wird ein großartiges Förderungsprogramm für sogenannte “Hochbegabte” angeboten, welches Schülern, die in der Schule unterfordert sind, ermöglicht früher und parallel zur Schule mit dem Studium zu beginnen. Dank diesem Programm habe ich mein Mathestudium mit 14 begonnen.

Seitdem ich mich von der Schule befreit habe, bin ich glücklich, mich ganz dem Studium und meinen anderen Interessen widmen zu können!

Welchen Interessen gehst Du neben Deiner Forschungsaktivität nach?

AA: Ich liebe Musik, ich studiere Klavier am Konservatorium. Ich habe auch gerne an verschiedenen Wettbewerben teilgenommen, als ich 12 Jahre alt war, habe ich sogar zwei Klaviere gewonnen: bei der ersten Runde war das Klavier für meine damalige Musikschule und bei der zweiten war das Klavier dann für mich. Es macht auch viel Spaß mit meiner jüngeren Schwester gemeinsam am Klavier zu spielen.

Sonst zeichne ich auch sehr gerne, mache Sport. Allgemein mag ich es einfach Neues zu entdecken, wie Sprachen zum Beispiel.

Was erhoffst Du Dir vom HLF14?

AA: Menschen zu treffen, ist immer interessant, jeder bringt etwas Einmaliges und jedes Treffen bringt Unvorhergesehenes, darin besteht das Schöne und das Spannende in jeder Begegnung.

Dieses Forum ist unglaublich großzügig gestaltet (Organisatoren und Laureaten) und da wünscht man sich natürlich die Gabe, die Zeit dehnen zu können, um es in seinem ganzen Ausmaß zu genießen.

Gibt es für Dich ein Vorbild unter den Laureaten?

AA: Vorbilder in diesem Sinne habe ich nicht, weil jeder Mensch doch seinen eigenen Weg geht. Alle Laureaten sind aber für mich eine große Inspiration, wie könnte es denn auch anders sein?

Erstens teilen sie alle eine Leidenschaft, die auch meine ist, und dann waren sie alle im Stande das Schönste daraus zu machen dank Eigenschaften wie Fantasie, Freude, Wille, Geduld, Beharrlichkeit, Arbeitsamkeit.

Da ich mich glücklich schätze, in einer Zeit zu leben, wo man sich nicht mehr wie Sophie Germain als Mann verkleiden muss, um in der Mathematik ernst genommen zu werden, würde ich jetzt einfach Maryam Mirzakhani nennen.

Vielen Dank für das Interview!

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ist Masterstudentin der Informatik an der Hochschule Zittau/Görlitz. Die gebürtige Zittauerin bloggt auf Sanguinik.de über Kunst, Informatik und verschiedene Veranstaltungen. In ihrer Freizeit engagiert sie sich für Kultur und organisiert unter anderem den Linux Stammtisch in Görlitz. Auf Twitter ist sie unter @SanguinikDE zu erreichen.

5 comments Write a comment

  1. Nur kurz der Hinweis, dass ein Studium auch in Deutschland bereits vor dem Abitur aufgenommen werden kann und erworbene Leistungspunkte später voll angerechnet werden; ausgenommen sind n.c.-Fächer (Medizin, Psychologie u.a.). Mathematik ist immer besonders beliebt bei Schülern/-innen. An der Universität Bonn beispielsweise heißt das Förderprogramm für Hochbegabte FFF (Fördern, Fordern, Forschen: Infos).

  2. Amina Abdurrahman – der Name klingt ziemlich afghanisch! In den 70er Jahren gab es schon einmal einen jungen Afghanen namens Said Jalal, der mit 9 (!) Jahren als Mathematikstudent an der Moskauer Lomonossow-Universität aufgenommen wurde…

  3. Die Mathematik gilt als (stark formalisierte) Kunst des Lernens, die gerade auch junges männliches Personal anzieht, auch weil älteres Personal oft mit dem “Festplatte voll”-Effekt zu kämpfen hat; es spricht natürlich nichts gegen Mathematikerinnen.

    MFG
    Dr. W

  4. All denen, die sich schwer mit dem Lernen von Mathe tun kann ich etwas empfehlen, das ich leider erst kürzlich entdeckt habe: Lernvideos im Internet. Gerade für den audiovisuellen Lerntyp eignen sich solche Videos, weil sie das Wissen besser vermitteln, als trockende Texte.

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