So lief der Monat: Juni 2015

Seit vorletzter Woche steht fest: Androiden träumen von elektrischen Schafen – wenn sie wollen. Das lassen die Bilder vermuten, die Google-Mitarbeiter um Alexander Mordvintsev mittels neuronaler Netzwerke erschaffen haben. Um zu verdeutlichen, wie solche Netzwerke arbeiten, fütterten die Forscher neuronale Netze mit Rauschbildern und gaben ihnen die Aufgabe, Bananen, Seesterne oder Ameisen zu entdecken. Was heraus kam, erinnert an Illusionen, die entstehen, wenn man im Halbschlaf auf die Deckenwand starrt. Noch psychedelischer wurde es, wenn die Netzwerke selbst entscheiden sollten, was sie in realen Bildern – wie etwa einem Landschaftsfoto – sahen. Es entstanden Phantasiewesen, die etwa an eine Mischung zwischen Hund und Fisch erinnern. Der Blogbeitrag der Forscher ist sehr lesenswert. Wie neuronale Netzwerke arbeiten, wird ebenfalls in einem Spiegel-Artikel schön beschrieben – dort gibt es auch weitere Bilder.

Mehrschichtige künstliche Netzwerke waren diesen Monat auch Thema eines Bernstein Sparks Workshops in Tübingen. „Die sogenannten deep neural networks wurden ursprünglich zur Objekt- oder Spracherkennung entwickelt, wie sie etwa für Facebook oder Google interessant sind“, so Matthias Bethge, einer der Organisatoren des Workshops. „Es gibt da aber auch sehr spannende Anknüpfungspunkte zur Hirnforschung. In dem Workshop wurden sehr gute Beispiele dafür gezeigt, wie die Neurowissenschaft von den jüngsten Entwicklungen im Feld des Maschinellen Lernens profitieren kann. Wir erwarten daher, dass diese Netzwerke gerade in der Computational Neuroscience in Zukunft eine große Rolle spielen werden.“ So lassen sich mit ihnen etwa untersuchen, wie es Nervenzellverbänden gelingt, Objekte zu erkennen.

Wie schafft es unser Gehirn eigentlich, eine Handbewegung zu initiieren? Um zu zeigen, wie Nervenzellen dafür koordiniert zusammenarbeiten, ermöglichen wir Besuchern auf dem Freiburger Wissenschaftsmarkt in die Rolle von Neuronen zu schlüpfen. Jede Nervenzelle hat dabei – wie in der Realität – eine bevorzugte Bewegungsrichtung. Um gezielt einen Punkt auf einem Monitor zu bewegen, müssen die Zuschauer im Team zusammenarbeiten. Eine nicht ganz einfache Aufgabe – muss doch die Nervenzelle für „links unten“ schweigen, wenn das Ziel „rechts oben“ ist! Wer es selbst ausprobieren möchte, kann uns gerne am Stand besuchen. Die Vorbereitungen für den Wissenschaftsmarkt am 10. und 11. Juli laufen auf Hochtouren. – so sieht das „Neuronenspiel“ derzeit noch aus:

Neuronespiel

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Mareike Kardinal hat in Tübingen Biologie studiert. Danach promovierte sie in Saarbrücken und Peking über die Modulation der Zeitwahrnehmung bei gesunden Probanden und neurologischen Patienten. Nun widmet sie sich der Wissenschaftskommunikation. Sie ist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Bernstein Netzwerks verantwortlich.

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