Wenn Essen zur Qual wird

Anna ist eine ganz normale 17-Jährige. Sie protestiert bei “Fridays for future” und schaut Musikvideos bei YouTube. Sie macht gerade Abi, aber weiß noch nicht, was danach kommt. Und sie hat ein Ziel: Sie möchte genug abnehmen, um in einen Pappkarton zu passen. Schmal und zerbrechlich: Sie wünscht sich ein Äußeres, das ihr Inneres widerspiegelt. Und sie weiß, dass sie mit diesem Wunsch nicht allein ist, denn sie hat Verbündete, Freundinnen, in Online-Foren und WhatsApp-Gruppen. Mit ihnen kann sie offen sprechen, sich über Diäten austauschen und in challenges messen, wer am schnellsten Gewicht verliert.  

Wenn ihr gerade beim Lesen denkt: “Das ist doch nicht normal, sondern einfach nur verrückt!”, dann seid ihr damit sicher nicht allein. Und zum Glück stimmt das “nicht normal” insofern, als dass Anorexie, also Magersucht, nur bei etwa 0,5% der Frauen und nochmal deutlich seltener bei Männern auftritt. Erstens gibt uns das dennoch niemals das Recht, erkrankte Menschen und ihre Handlungen, so fremd sie uns selbst erscheinen mögen, als verrückt zu bezeichnen. Zweitens wurde die Anorexie wohl lange zu Unrecht als ausschließlich psychosozial verursachte Erkrankung angesehen. Denn womöglich können bis zu 50 Prozent des Risikos für eine Essstörung durch unsere Gene erklärt werden! In Wahrheit sind also deutlich mehr Faktoren an der Entstehung beteiligt. 

Anorexia nervosa
(Magersucht)
Bulimia nervosa
(Ess-Brecht-Sucht)
Binge-Eating-Disorder
(Ess-Sucht)
Kernsymptom Verzerrtes Körper- und SelbstbildEssanfälle +
starke Angst, zu
dick zu werden
Essanfälle mit Kontrollverlust
Gewicht UntergewichtOft NormalgewichtÜbergewicht
Maßnehmen zur Gewichtsregulationgezieltes Ab-
nehmen durch Diäten, Sport
oder Erbrechen
Vermeidung von Gewichts-
zunahme, häufig durch Erbrechen
Keine Gegenmaß-nahmen nach Essanfällen
Weitere Symptomehormonelle Stö-
rung, etwa Ausbleiben der Regelblutung
ständiges Verlangen nach Essen
Unterscheidung der häufigsten Essstörungen (basierend auf der ICD-10)


Warum haben wir Hunger?

Einige sehr spannende Entstehungstheorien kommen aus der Neurobiologie. Um sie zu verstehen, lohnt es sich, zuerst unsere normale Regulation von Hunger und Sättigung anzuschauen:  Beide Gefühle werden über hormonelle Regelkreise kontrolliert, zum Beispiel über die Hormone Leptin und Ghrelin. Leptin wird von Fettzellen gebildet und wirkt appetithemmend. Demnach sollte gelten, dass bei einem höherem Fettanteil im Körper das Hungergefühl geringer ist – so zumindest die Theorie.

Das Hormon Ghrelin wirkt genau entgegengesetzt. Es wird in erster Linie vom Magen gebildet und wirkt appetitfördernd. Darüber hinaus besitzt unser Gehirn eine Art Sollwert für das Körpergewicht beziehungsweise den Körperfettanteil. Dieser Wert soll dabei helfen unsere langfristige Energiebilanz im Gleichgewicht zu halten, also genau so viel Energie zu uns zu nehmen, wie wir auch verbrauchen. 

Eine Gewichtsabnahme, also eine Abweichung von diesem Sollwert nach unten, mag das Gehirn normalerweise gar nicht. Verlieren wir in kurzer Zeit viel Körpergewicht, beispielsweise durch eine radikale Diät, ist das appetitsteigernde Ghrelin im Anschluss bis zu sechs Monate erhöht. Erst dann passt das Gehirn seinen Gewichts-Sollwert neu an. 

Was evolutionär sinnvoll erscheint, ist in unserer heutigen Gesellschaft für die meisten Menschen eher hinderlich. Umso erstaunlicher, dass diese Mechanismen bei an Anorexie Erkrankten außer Kraft gesetzt scheint.

Stark vereinfachte Darstellung der Hungerregulation: Das Ghrelin aus dem Magen wirkt appetitfördernd, Leptin aus dem Fettgewerbe hingegen hemmt den Appetit. In Wahrheit spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle, etwa unser Insulinhaushalt.

Essen als Belohnung…

Doch es gibt ja noch einen anderen Aspekt, der unser Hungergefühl mitbestimmt. Denn Essen ist wie Geschlechtsverkehr – zumindest aus neurobiologischer Sicht. Beides regt unser Belohnungssystem im Gehirn an und sorgt so dafür, dass wir uns gut fühlen. Doch bei Menschen, die an Anorexie leiden, ist das umgekehrt. Essen wird nicht länger als wohltuend empfunden, sondern, ganz im Gegenteil, als Qual.

Im Mittelpunkt des Belohnungssystems steht das häufig auch als “Glückshormon” bezeichnete Dopamin. Isst ein gesunder Mensch ein leckeres Essen, kommt es zu einer Dopaminausschüttung im Belohnungssystem, das Teil des sogenannten limbischen Systems ist. Die Folge: Wir fühlen uns gut und sind so motiviert, mehr zu essen. Im Verlauf der Mahlzeit wird die Dopaminausschüttung dann weniger, das positive Feedback bleibt aus und im Zusammenspiel mit anderen Hormonen führt dies dazu, dass wir uns satt fühlen.

Bei Anorexie-Patientinnen und -Patienten scheint eben dieses Belohnungssystem verändert, womöglich reduziert und sogar ein Stück weit entkoppelt zu sein. Diese reduzierte Belohnung zeigt sich auch, wenn man Betroffene in Studien zuckerhaltige Nahrungsmittel gibt. Die Belohnungsareale im Gehirn werden deutlich weniger aktiviert als bei gesunden Vergleichspersonen. Eine Theorie dazu lautet, dass bei diesen Personen die innere “Messlatte” für die Dopaminmenge verschoben sein könnte. Die Folge ist eine Art dauerhafter Sättigungszustand. Das starke Belohnungsgefühl durch Essen bleibt aus – ganz so wie bei gesunden, aber satten Menschen.

…oder Essen als Bestrafung?

Hinzu kommt, dass Anorektikerinnen und Anorektiker anscheinend sensibler für bestrafende Gefühle sind. Diese sind quasi der Gegenspieler des Belohnungsgefühls und sollen uns davon abhalten, schlechte Entscheidungen zu wiederholen. Für einen Menschen mit übersteigerter Angst vor Gewichtszunahme scheint Essen eine sehr schlechte Entscheidung.

Beide Fehlregulationen zusammen könnten schließlich dazu führen, dass Betroffene eher die innere Bestrafung vermeiden als die kaum empfundene Belohnung für ein Essen zu genießen – selbst wenn der Körper bereits stark untergewichtig ist. Dieses Ungleichgewicht aus Belohnung und Bestrafung scheint die Anorexie neurobiologisch auszumachen. 

Das Hirn verschwindet

Eine Frage, die in der Forschung bisher unbeantwortet bleibt, ist inwieweit diese Veränderungen im Gehirn Ursache oder vielmehr Folge der Anorexie sind. Denn fest steht: Durch die dauerhafte Mangelernährung kommt es bei vielen Patientinnen zu Veränderungen im Gehirn. Wie zum Beispiel zu einer sichtbaren Abnahme der grauen Substanz, also der Nervenzellkörper. Kurz gesagt: Das Gehirn schrumpft. 

Dieser Hirnschwund geht zwar meist im Zuge einer Gewichtszunahme wieder zurück, trotzdem ist die Anorexie mehr als eine vorübergehende Gewichtsproblematik: 10 Jahre nach der Diagnosestellung ist nicht mal jede zweite Patientin komplett gesund, jede fünfte bleibt sogar dauerhaft krank. Die Sterberate liegt bei traurigen 15%.

Ob die anfangs erwähnten Online-Foren an dieser Prognose etwas ändern können? Betroffene argumentieren, dass ihnen diese geschützten Orte wichtige Anker sind, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und endlich die Wahrheit erzählen zu können, ohne direkt auf Ablehnung und Unverständnis zu stoßen. Der Jugenschutz hält dagegen, dass viele dieser Foren die Krankheit verharmlosen und extremes Untergewicht bewerben.

Auch wenn Anna am Anfang dieses Text nur ein fiktiver Charakter ist, sei allen Betroffenen an dieser Stelle der Mut gewünscht, auch offline über ihre Probleme zu reden und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Verbunden mit der Hoffnung, dass aus den neurobiologischen Theorien in den nächsten Jahren echte Therapiemöglichkeiten wachsen. 

Habt ihr selbst schon Kontakt zur Anorexie gehabt, sei es als Patient/Patientin oder als Angehöriger/Angehörige? Was haltet ihr von Foren für Betroffene? Wir freuen uns auf eure Erfahrungen und Meinungen in den Kommentaren!

Literatur:

  • Alonso-Alonso M, Woods SC, Pelchat M, et al. Food reward system: current perspectives and future research needs. Nutr Rev. 2015;73(5):296-307.
  • Frank GKW, Shott ME, DeGuzman MC. Recent advances in understanding anorexia nervosa. F1000Res. 2019;8:F1000 Faculty Rev-504.
  • Kaye WH, Wierenga CE, Bailer UF, Simmons AN, Bischoff-Grethe A. Nothing tastes as good as skinny feels: the neurobiology of anorexia nervosa. Trends Neurosci. 2013;36(2):110-120.
  • Sala M, Egbert AH, Lavender JM, Goldschmidt AB. Affect, reward, and punishment in anorexia nervosa: a narrative overview. Eat Weight Disord. 2018;23(6):731-737.

Veröffentlicht von

Martje Sältz studiert seit 2016 Humanmedizin am UKE in Hamburg und promoviert zum Einfluss der Ernährung auf die Halsgefäße. Medizin auf Italienisch lernte sie in ihrem Auslandssemester in Palermo kennen. Sie möchte wissenschaftliche Themen verständlich und spannend beschreiben und damit mehr Menschen für Gesundheit und ihren Körper begeistern.

10 Kommentare

  1. Zitat: Anna ist eine ganz normale 17-Jährige.
    Ja, normal sein bedeutet eben oft, bewusst oder unbewusst einen bestimmten Zustand aufrechtzuerhalten.

    In den meisten Fällen, fällt man dabei nicht auf, denn das eigene Bestreben entspricht dem Bestreben der meisten anderen. In gewissen Sinne sind Anorektische wohl etwas perfekter darin, den gewünschten, als normal empfundenen Zustand aufrechtzuerhalten.

    Wir weniger perfekten Normalos geraten oft stärker vom selbst als Gleichgewicht empfundenen Zustand ab als Anorektische – vielen von uns fehlt die Willensstärke. Und das ist vielleicht gut so.

    Willensstärke wird zu oft und von zu vielen als Tugend betrachtet, dabei ist sie das gar nicht, wenn sie ständig am Werk ist. Wer ständig Willensstärke zeigt ist eher stur und unflexibel als stark. Willensstärke ist nur dann eine Tugend, wenn sie mit dem Erreichen eines Ziels wieder verschwindet und nicht dann, wenn sie ewig fortbesteht oder man sich nie eingestehen will, dass das Ziel nun erreicht ist.

    Was ich also mit den obigen Worten sagen will, ist, dass man in gewissem Sinne „falsch normal“ sein kann. Solche falsch Normale befinden sich innerlich auf einem Dauertrip, was ich mir als äusserst erschöpfend vorstelle.

    • Das stimmt, Anorexie-Patientinnen und -Patienten haben oft auch ehrgeizige und perfektionistische Persönlichkeitszüge.
      Und was wir als “normal” ansehen, wird (wie das Wort sagt) eben häufig von der gesellschaftlichen Norm mitbestimmt. Zum Glück ist das gesellschaftliche Spektrum in Wahrheit aber deutlich breiter und bunter als diese Norm – insofern möchte ich niemanden als “falsch” oder “richtig” normal bezeichnen.

  2. Das Problem ist dass viele Medien und erst recht Werbung möglichst schlank (besser gesagt schon dünn) als Ideal hinstellen.
    Von dem überzogenen Unsinn sind leider manche Mädchen beeinflussbar.

    Natürlich ist das umgekehrte, zu dick, nicht schön.
    Aber in den Medien und in der Werbung wird eine Übertreibung ins Gegenteil oft als Ideal hingestellt.

    • Es stimmt, dass medial und auch in einigen Social-Media-Kanälen leider häufig überzogene Körperideale verbreitet werden. Die Spannbreite eines gesunden Körpergewichts ist durchaus groß!
      Letztlich ist die Entstehung einer richtigen Essstörung aber immer ein Mix aus biologischen, psychischen und sozialen Faktoren.

  3. So wie Sie dieses Mädchen Anna beschreiben ist es nicht eine Frage der Gene sondern eine des Kopfes. Dieses Mädchen assoziiert hier ihre Enthaltsamkeit mit den Problemen dieser Gesellschaft . Ich verstehe das so dass nicht sie krank ist sondern diese Gesellschaft (Ihr Inneres widerspiegelt ihr Äußeres) die ihre Ziele/Wünsche/ZukunftsÄngste “Fridays for future” nicht erkennt. Vielleicht projiziert sie in ihrer innere Sensibilität in die äußere Zerbrechlichkeit und Gleichgültigkeit dieser Welt , will sich also dafür bestrafen. Ansonsten ist Magersucht auch eine Erscheinung des Zeitgeistes .So lobten die Medien in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die englische Hungerlatte Miss Twiggy als das Schönheitssymbol ihrer Zeit und viele hungerten freiwillig bis zum umfallen um so “schön” zu sein wie diese Frau. In Polynesien gilt dagegen als Schönheitssymbol eine dicke Person die Reichtum und Glück assoziiert. Selbstverständlich gibt es leider auch durch gesundheitliche Probleme (Schilddrüsenunterfunktion etc. ) magere ,was dann aber medizinisch abgeklärt werden muss. Letzteres hatten sie bei Anna aber nicht in Betracht gezogen.

    • Ja, gesellschaftliche Ideale können sicherlich zur Entstehung einer Essstörung beitragen, gleichzeitig tritt Magersucht aber in unterschiedlichen Kulturen und das auch schon seit Jahrhunderten auf. Nach aktuellem Forschungsstand geht man deshalb von einem Mix aus genetischen, neurobiologischen, gesellschaftlichen wie auch psychosozialen Faktoren aus. Insofern halte ich von psychoanalytischen Erklärversuchen erstmal wenig.
      Sie haben natürlich recht, dass es noch ganz andere Ursachen für Untergewicht gibt! Bei einer Anorexie passiert dieser Gewichtsverlust aber gezielt über Diäten, exzessives Training o.ä. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu anderen medizinischen Ursachen. (PS: Eine Schilddrüsenunterfunktion führt eher zu einer Gewichtszunahme, insofern meinten Sie vermutlich eine Überfunktion. 🙂 ).

  4. Ich sehe in Foren für Betroffene, selbst unter Betreuung von Fachleuten, ein unzumutbares Risiko. Selbst ein einfacher Satz wie “Ich aß heute eine ganze Banane.” kann ich schlimmsten Fall motiveren, gar nichts zu essen, um “besser” zu sein, nicht “schwach” zu sein.
    Außenstehende werden NIE die Gedankenwelt von PatientInnen mit Anorexie verstehen können. Leider ist auch die Fach- und Ratgeberliteratur hierzulande mangelhaft, vom klinischen Setting ganz zu schweigen.
    Ich empfehle allen Betroffenen und Angehörigen die Beiträge von Emily T. Troscianko (A Hunger Artist auf psychologytoday). Wer alle Beiträge in umgekehrt chronologischer Reihenfolge liest, hat nicht nur einen Überblick zum Forschungsstand, sondern auch einen ehrlichen Einblick in die Gedankenwelt einer ehemaligen Betroffenen.

  5. Zitat:

    Und zum Glück stimmt das “nicht normal” insofern, als dass Anorexie, also Magersucht, nur bei etwa 0,5% der Frauen und nochmal deutlich seltener bei Männern auftritt.

    Ja, gemäss Statista wurden 2018 in deutschen Krankenhäusern 7.218 Fälle von Magersucht diagnostiziert mit 46 Todesfällen im Jahr 2018. Das ist bei 19 Millionen Hospitalisierungen insgesamt pro Jahr sehr wenig. Trotzdem ist Magersucht die häufigste Essstörung, die zu Hospitalisationen führt.

    Anorexie ist also eine seltene, allerdings schwere Erkrankung und sie nimmt zu. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit der Schweiz gilt:

    Insgesamt sind 3.5% der Schweizer Wohnbevölkerung im Laufe ihres Lebens von einer Essstörung betroffen. Es wurden folgende Lebenszeitprävalenzen von den drei Essstörungsformen aufgezeigt: bei den Frauen 1.2% für Anorexia nervosa, 2.4% für Bulimia nervosa und 2.4% für die Binge Eating Störung, sowie bei den Männern 0.2% für Anorexie, 0.9% für Bulimie und 0.7% für Binge Eating.

    Wenn 1.2% der Frauen irgendwann in ihrem Leben an Anorexie leiden, dann sind das prozentual ähnlich viel (oder sogar ein bisschen mehr) wie die, die irgendwann an Schizophrenie erkranken. Beides scheinen mir auch ähnlich schwerwiegende Erkrankungen zu sein.

    Interessant finde ich das grosse Medieninteresse an der Erkrankung. Es scheint mir wesentlich grösser zu sein als etwa bei der Schizophrenie. Möglicherweise, weil das Thema mehr hergibt und etwa Beziehungen zum Schlankheitswahn gemacht werden können. Es gibt die Meinung, wenn etwas in den Medien und der Öffentlichkeit thematisiert und problematisiert wird, dann sei das der erste Schritt zu einer Besserung, etwa zu Massnahmen, die zur Eindämmung etwa von Fehlverhalten führen. Ich bin mir aber nicht sicher ob das immer zutrifft. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass zu Anorexie Neigende durch Berichte darüber eher zur Anorexie animiert als davon abgehalten werden.

  6. “sensibler für bestrafende Gefühle sind…”
    Beleuchten sie diese Ansicht genauer. Bestrafende Gefühle werden per se nicht angeboren sondern (selbst) anerzogen. Hierbei können Zwangsgedanken und Projektionen eine Rolle spielen die in früher Kindheit liegen(Bsp.: Ich werde nicht geliebt , nicht anerkannt- also bin ich nichts wert. ) Wer sich als “wertlos” empfindet, kann auch darauf mit Bestrafung seiner eigenen Person (Körper) reagieren. “Angst vor Gewichtszunahme”- Das könnte eine erlernte Angst sein, gekoppelt an seelische Probleme wie zuvor beschrieben. Das Belohnungssystem(Dopamin) ist auch ein Bewertungssystem und reagiert auf unsere Beurteilungen oder Verurteilungen von Aktionen. Wenn also das Essen als Qual bewertet wird, kann auch ein dahinterliegendes unterbewusstes Muster
    aktiv sein.: Wer oder was bestraft mit diesem Gefühl ?

    • Einerseits geht es natürlich, wie Sie sagen, um klassische Konditionierung. Bei einer Angst vor Gewichtszunahme kann Essen bzw. Gewichtszunahme zu negativen/bestrafenden Gefühlen führen, auf Dauer wird also versucht, diese Gefühle zu vermeiden. So verstärkt sich das Verhalten mit der Zeit. Andererseits scheint es Persönlichkeitszüge zu geben, die eher zu negativem Denken verleiten. Diese Persönlichkeitszüge sind mit einem stärkerem Vermeidungsverhalten und eben einer erhöhten Sensibilität für Bestrafung assoziiert. Möglicherweise besteht also schon auch eine angeborene Disposition. Bisher gibt es da jedoch nur Theorien – wie so oft in der Hirnforschung.
      Ich beziehe mich bei der Aussage auf meine letztgenannte Studie (Sala et. al 2018), bei weiterem Interesse also gern auch dort mal reinschauen.

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