Sind Träume doch nur Schäume?

Im Traum gibt es nichts, das es nicht gibt, oder? Träume und alles rund um sie sind so verschieden wie wir Menschen nun mal sind: Manche träumen stets das Gleiche, andere erleben jede Nacht ein neues Abenteuer, manche erinnern sich jeden Morgen an Ihre Träume, andere wiederum fast nie. Aber habt ihr euch schonmal gefragt, ob eure Träume eigentlich was bedeuteten? Bestimmt, oder?

Bereits Sigmund Freud (1856 – 1939) beschäftigte sich eindringlich mit der Frage, was Träume eigentlich verbergen und war damit Begründer der Psychoanalyse. Nach ihm spiegeln Träume unsere unterbewussten Wünsche wider und bilden innere, nicht gelöste Konflikte ab. Aber verstecken sich in unseren nächtlichen Geschichten wirklich verschlüsselte Botschaften? Will unser Unterbewusstsein uns mit unseren Traumgeschichten etwas mitteilen? Oder sind Träume vielleicht doch nur Schäume?

Was genau sind Träume?

Bis heute gibt es keine offizielle Definition von Träumen und wird von der American Academy of Sleep Medicine sogar als „unmöglich“ beschrieben, dies zu erreichen [1]. Nach einer der gängigsten Definition von Farthing (1991) sind Träume unsere subjektiven Empfindungen während wir schlafen, also von Erfahrungen und Gedanken bis hin zu Emotionen [1]. Wir träumen von bedeutsamen Tageserlebnissen, Hobbys, Fantasiewelten oder von Menschen, die uns wichtig sind oder mit denen wir im Alltag viel zu tun haben [2].

Wir können uns zwar direkt nach dem Aufstehen meistens nicht mehr an unsere Träume erinnern, doch tatsächlich träumt jeder von uns mehrmals jede Nacht für ca. 5 bis 20 Minuten. Im Schnitt erinnern wir uns an einen Traum pro Woche, und trotzdem vergessen wir nach nur wenigen Minuten schon wieder, was wir geträumt haben [3]. Frauen scheinen sich übrigens besser zu erinnern und erleben ihre Träume emotionaler verglichen zu Männern [4].

Am häufigsten wird von Träumen während des Rapid-Eye-Movement Schlafs (REM-Schlaf) berichtet, in der das Gehirn äußerst aktiv. Falls ihr mehr dazu und unserem Schlaf-Wach Rhythmus erfahren wollt, schaut gerne hier vorbei.

Die häufigsten Traummotive

Bereits 1996 wurde beschrieben, dass Träume unsere persönlichen Beziehungen, Erfahrungen und Konflikte widerspiegeln [5] und dass Tageserfahrungen den Inhalt der Träume der kommenden Nacht vorhersagen [6]. Auch wenn unsere Fantasie scheinbar unendlich groß ist, gibt es jedoch einige Motive, die bei den meisten Menschen immer wieder auftauchen [7]:

Traummotiv "verfolgt werden"
  • verfolgt werden
  • zu spät kommen
  • freier Fall
  • Schulszenarien (Klassenarbeiten, Lehrer, Mitschüler)
  • sexuelle Erfahrungen
  • gelähmt sein/ sich nicht oder nur sehr langsam bewegen können
  • nackt in der Öffentlichkeit
  • ausfallende Zähne
  • verstorbene Personen sehen

Na? Bestimmt kamen euch von der Liste die meisten Motive bekannt vor, richtig? Nur was hat es damit auf sich und wieso träumen wir eigentlich überhaupt?

Was die Traumforschung vermutet

Die physiologische Funktion von Träumen ist noch immer ungeklärt und bleibt ein für die Wissenschaft faszinierendes Phänomen. Einige Experten gehen davon aus, dass sich unser Gehirn beim Träumen neu sortiert und die Erfahrungen, die über den Tag gesammelt wurden, bewertet und abspeichert werden. Dies sorgt für Gedächtniskonsolidierung und hilft uns nachts das Gehirn einmal schön aufzuräumen, um am nächsten Tag Platz für neue Informationen zu schaffen [8].

Eine andere Theorie ist, dass wir in Träumen unser Angstmanagement trainieren (Threat Stimulation Theory). Während wir träumen, können wir in der sicheren Umgebung unserer nächtlichen Geschichten peinliche, bedrohliche oder traumatische Ereignisse des Tages verarbeiten und adäquate Verhaltensweisen üben, um diese im Alltag wieder anwenden zu können.

Hinweise deuten zudem darauf hin, dass emotionale Bereiche des Gehirns während der Traumphasen sehr aktiv sind und Träume so unsere Emotionsregulation unterstützen [8], [9]. Ob Träume aber generell eine genaue Funktion haben, oder doch eher als Nebenprodukt unseres Schlafes gesehen werden können, bleibt unklar und wird bis heute debattiert. Zu guter Letzt scheint Träumen auch für unsere Kreativität wichtig zu sein [10]. Paul McCartney hat angeblich im Traum die Melodie des Klassikers „Yesterday“ erträumt, und der Regisseur Christopher Nolan fand in seinen Träumen wohl die Idee für den Science-Fiction Thriller „Inception“. Na ein Glück, dass die beiden sich nach dem Aufstehen noch an die Träume erinnert haben!

Wie entstehen Träume?

Bei meiner Recherche hat mich wirklich überrascht, wie wenig man darüber weiß. Das liegt vor allem daran, dass die Wissenschaft auf subjektive Berichte angewiesen ist, denn man kann die Schlafenden schließlich nicht direkt im Traum befragen. Zudem erinnern sich ja auch kaum Leute an ihre Träume, was die Datenerhebung zusätzlich erschwert.

Man vermutet, dass Träumen durch das Zusammenspiel mehrerer Aktivierungen im Gehirn in verschiedenen Regionen ausgelöst wird, woraus das Gehirn eine Geschichte baut. Unsere Augen sehen also keine Szenerie, aber unser Gehirn sorgt dafür, dass wir trotzdem ein Bild wahrnehmen, während wir träumen. Dies ist übrigens der Grund, wieso auch von Geburt an blinde Menschen in visuellen Bildern träumen können [11]!

Das “Aktivierungs-Synthese-Modell” von 1977 beschreibt, dass der Hirnstamm und der Frontalkortex das Träumen auslösen [12]. Nach dieser Hypothese wird, besonders in der REM-Phase des Schlafs, im Hirnstamm spontane neuronale Aktivität erzeugt (Aktivierung), also der Bereich des Gehirns, der für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus wichtig ist.

Diese Signale werden dann in den Kortex weitergeleitet und erreichen unter anderem emotionale und erinnerungsbezogene Regionen und werden dort zusammen verarbeitet. Dies ist der Grund, wieso wir oft von Geschehnissen der letzten Tage träumen, von der furchterregenden Matheklausur, die am nächsten Tag ansteht, oder von dem fantastischen Date, was man gestern hatte.

Der Frontalkortex ist schlussendlich für die Bewertung von allem zuständig und versucht, Sinn in die Fragmente zu bekommen, indem eine mehr oder weniger kohärente Geschichte aus Bildern, Handlung, Personen, Orten und Gefühlen gebastelt wird (Synthese) [12], [13].

Wie ihr aber alle bestimmt wisst, sind Träume keine 1:1 Abbildung unserer Erlebnisse des Vortages, sondern sind oft lückenhaft, sprunghaft und können ziemlich konfus werden. Während wir träumen scheint der dorsolaterale Frontalkortex heruntergefahren zu sein, der für Realitätswahrnehmung und Logik zuständig ist. Dies könnte erklären, wieso wir unlogische Dinge erträumen, wie zum Beispiel fliegen oder sich Dinge herbeizaubern zu können [14].

Das Aktivierungs-Synthese-Modell sieht Träume als Nebenprodukt unseres Schlafs, und nicht wie Freud als Signale unseres Unterbewusstseins. Manche Menschen haben es sogar schonmal erlebt, die eigenen Träume steuern zu können! Was es damit auf sich hat, könnt ihr hier nachlesen:

Sind Träume doch keine Schäume?

Aber wenn Träume wirklich nur durch spontane Aktivität auftreten, heißt das dann, dass sie keine großartige Bedeutung haben? Naja… ganz so einfach ist es auch nicht.

Bedeutung von Träumen

Das Themenfeld der Psychoanalyse beschäftigt sich näher mit Traumdeutung und was wiederkehrende Traummotive bedeuten. Teilweise wird in der Psychotherapie die Psychoanalyse angewandt, um zu Grunde liegende Konflikte bei Menschen mit bestimmten Krankheiten aufzuarbeiten. Um die Traummotive von oben nochmal aufzugreifen, werden diese häufig so interpretiert: „Verfolgt werden“ könnte bedeuten, dass man Konflikten im echten Leben aus dem Weg geht, oder Ängste und Schuldgefühle verdrängt. Der „freie Fall“ im Traum wird oft mit Kontrollverlust im Alltag oder Ängsten um sozialen oder beruflichen Absturz in Verbindung gebracht, und Träume, die einen zurück in die Schulzeit befördern, können mit Versagensangst und sozialer Bewertung erklärt werden.

Wie viel Bedeutung man in seine Träume interpretiert, ist natürlich am Ende jedem selbst überlassen. Nach aktuellem Forschungsstand entstehen Träume vermutlich vor allem durch spontane neuronale Aktivität, die jedes Mal, wenn wir schlafen, auftritt und die unser Gehirn zu zusammenhängenden Geschichten verarbeitet. Dabei fließen zwar Erlebnisse, Emotionen und Eindrücke aus dem Alltag mit ein, doch ob Träume tatsächlich eine tiefere Bedeutung haben, lässt sich wissenschaftlich kaum eindeutig belegen.

Fazit

Von Sigmund Freud, der in Träumen versteckte Botschaften gesehen und unsere tiefsten Bedürfnisse hineininterpretiert hat, bis hin zu Wissenschaftlern, die der Meinung sind, dass Träume nur zufällige neuronale Aktivität sind und keine Bedeutung haben, ist alles an Meinungen dabei. Die Wahrheit, ob Träume nur Schäume sind, liegt vermutlich irgendwo zwischen den beiden Ansätzen. Ja, Träume entstehen durch spontane Gehirnaktivität, die das Gehirn zu interpretieren versucht, sind jedoch keine genaue Abbildung unseres Unterbewusstseins. Und trotzdem werden Themen eingebaut, die uns wichtig sind und beschäftigen und vermutlich während wir träumen verarbeiten.

Vielleicht sind Träume also wirklich nur Schäume, aber solche, in denen man trotzdem viel Wahrheit und Bedeutungsvolles aus seinem Leben wiederfinden kann.

Quellen

[1]        T. Tsunematsu, ‘What are the neural mechanisms and physiological functions of dreams?’, Neurosci. Res., vol. 189, pp. 54–59, Apr. 2023, doi: 10.1016/j.neures.2022.12.017.

[2]        R. Vallat, B. Chatard, M. Blagrove, and P. Ruby, ‘Characteristics of the memory sources of dreams: A new version of the content-matching paradigm to take mundane and remote memories into account’, PLoS ONE, vol. 12, no. 10, p. e0185262, Oct. 2017, doi: 10.1371/journal.pone.0185262.

[3]        M. Schredl, ‘Dream Recall Frequency in a Representative German Sample’, Percept. Mot. Skills, vol. 106, no. 3, pp. 699–702, Jun. 2008, doi: 10.2466/pms.106.3.699-702.

[4]        M. Schredl and I. Reinhard, ‘Gender differences in dream recall: a meta-analysis’, J. Sleep Res., vol. 17, no. 2, pp. 125–131, Jun. 2008, doi: 10.1111/j.1365-2869.2008.00626.x.

[5]        G. W. Domhoff, Finding Meaning in Dreams. Boston, MA: Springer US, 1996. doi: 10.1007/978-1-4899-0298-6.

[6]        M. Schredl, P. Ciric, S. GÖtz, and L. Wittmann, ‘Typical Dreams: Stability and Gender Differences’, J. Psychol., vol. 138, no. 6, pp. 485–494, Jan. 2004, doi: 10.3200/JRLP.138.6.485-494.

[7]        M. Schredl, ‘Typical dreams of falling, being chased, and being paralyzed in Germany from 1956 to 2000’, Int. J. Dream Res., pp. 61–66, Apr. 2021, doi: 10.11588/ijodr.0.0.75878.

[8]        K. Bulkeley, Big Dreams: The Science of Dreaming and the Origins of Religion. Oxford University Press, 2016.

[9]        R. D. Cartwright, The twenty-four hour mind: The role of sleep and dreaming in our emotional lives. in The twenty-four hour mind: The role of sleep and dreaming in our emotional lives. New York, NY, US: Oxford University Press, 2010, pp. xvi, 208.

[10]      F. Klepel, M. Schredl, and A. S. Göritz, ‘Dreams stimulate waking-life creativity and problem solving: Effects of personality traits’, Int. J. Dream Res., pp. 95–102, Apr. 2019, doi: 10.11588/ijodr.2019.1.58950.

[11]      C. S. Baird, ‘Do blind people dream in visual images?’, Science Questions with Surprising Answers. Accessed: May 01, 2026. [Online]. Available: https://wtamu.edu/~cbaird/sq/2020/02/11/do-blind-people-dream-in-visual-images/

[12]      J. A. Hobson and R. W. McCarley, ‘The brain as a dream state generator: an activation-synthesis hypothesis of the dream process’, Am. J. Psychiatry, vol. 134, no. 12, pp. 1335–1348, Dec. 1977, doi: 10.1176/ajp.134.12.1335.

[13]      ‘How and Why Does the Brain Create Dreams? | Psychology Today’. Accessed: May 01, 2026. [Online]. Available: https://www.psychologytoday.com/us/blog/your-brain-on-food/202312/how-and-why-does-the-brain-create-dreams

[14]      Y. Kubota et al., ‘Dorsolateral prefrontal cortical oxygenation during REM sleep in humans’, Brain Res., vol. 1389, pp. 83–92, May 2011, doi: 10.1016/j.brainres.2011.02.061.

Bildquellen

Avatar-Foto

Veröffentlicht von

Mein Name ist Luisa Sophie Engelke und ich studiere Neurowissenschaften im Master an der Georg-August-Universität Göttingen. Nach meinem Biologiestudium wurde mir bewusst, dass mich insbesondere die kognitiven Neurowissenschaften faszinieren – vor allem die Schnittstellen zur Psychologie und Pharmakologie. Durch mein aktuelles Studium lerne ich immer wieder neue Facetten der Neurowissenschaften kennen, die mich inspirieren und faszinieren. Ich hoffe, meine Begeisterung in meinen Blogeinträgen mit euch teilen zu können und wünsche viel Spaß beim Lesen.

10 Kommentare

  1. Woher wissen Sie, dass das, was Sie gerade erleben, kein Traum ist? Wenn Sie in Ihren Kopf schauen, sehen Sie – Ihr Hirn muss es Ihnen dazu sagen, denn sonst würden Sie es nicht merken. „Ich bin wach“ ist eine Zusatz-Information, die Sie im Traum weder haben noch vermissen.

    Nolan wurde von seinem Gehirn darüber informiert, wie ein Gehirn funktioniert, und stellt das folglich in Inception recht korrekt dar. Kleine, schnelle Prozessoren bilden zusammen größere, langsamere Prozessoren, die noch größere, noch langsamere Prozessoren bilden – das ist nicht nur das Rezept für das Gehirn, sondern auch für das Universum.

    Mein typischer Albtraum ist der Verlust – ich bin in der Schule, tue meine Sachen vorm Sport in den Spind, schaue kurz weg, schon ist der Spind futsch: Ich suche und suche, doch kann ihn nicht finden. Ich fahre Bahn, steige an der falschen Haltestelle aus, will zurückfahren, doch der Bahngleis ist weg. Ich gehe auf einem Pfad durch den Wald, habe mich verlaufen, will den gleichen Weg zurückgehen, doch der Pfad ist futsch.

    Einerseits habe ich ein fürchterlich schlechtes Gedächtnis, und für meine Neuronen muss sich das ewige Zusammenbrechen der Kommunikations- und Handelswege genauso anfühlen, man könnte es das Hormuz-Trump-Syndrom nennen. Andererseits habe ich gemerkt, dass mein echtes Leben tatsächlich so abläuft – bis hin zu Tagen, wo es sich wirklich wie ein Albtraum anfühlt, wo ich, was weiß ich, für jemanden etwas kaufen soll, ich laufe von einem Kiosk zum anderen, alle haben zu oder es ist ausverkauft, bis ich irgendwann alle durch habe und aufgeben muss. Meine ganze Mentalität ist dem Konzept „Es gibt kein Zurück“ untergeordnet.

    Und so habe ich den Verdacht, dass die typischen Albträume einfach die Algorithmen symbolisieren, die uns durchs Leben leiten werden. Dass sie die Grundlage von Persönlichkeitstypen sind, auf deren Grundlage wir dann unsere Rollen in der Gesellschaft und ihren Kasten und Sekten finden.

    Vielleicht sind Träume einfach die Echos von Arbeitern, die beim Arbeiten im Chor über ihre Arbeit singen? Nur dieser Gesang ist laut genug, das Bewusstsein zu erreichen, nur die Gemeinschaft hat die Kraft, sich hörbar zu machen. Aber wenn sehr viele Leute sehr viele Varianten der gleichen Arbeit tun, bleibt ihnen als gemeinsamer Nenner, ein Bezugspunkt, nur eine Legende – Rotkäppchen und der böse Wolf als Mahnung an Mädels in allen Lebenslagen, die Apokalpyse und Ragnarök als Mahnung vor allen großen und kleinen Weltuntergängen des Lebens.

    Die kollektiven Träume der Menschen heißen Popkultur, und die sind oft prophetisch. Heute passiert ja nix, was wir nicht schon oft im Kino gesehen hätten, nur laufen alle Prophezeiungen von Schwarzenegger, Stallone und wie die alle hießen, auf einmal, vermischen sich, und erzeugen einen neuen Traum namens Wirklichkeit. Früher hieß Alexa Hausfetisch und beantwortete Fragen mit der Weisheit der Geisterwelt, lange bevor man ihr die Geisterwelt in den Hintern gestöpselt hatte, heute sehen wir, dass die Augsburger Puppenkiste voller recht ausgetüftelter Roboter-Körper ist, im Kino laufen bereits Traum-Modelle, die sich so realistisch bewegen müssen, dass man die Bauweise und Algorithmen gleich auf echte Modelle anpassen kann, sobald die Technologie da ist.

    Und so wirken Träume einfach wie Denken, Planen, Fantasieren, in einer anderen Sprache. Die Entwürfe aus einem Labor, in dem Gene die Wünsche erzeugen, die Neuronen die Arbeitsberichte und die Wirklichkeit die Bilder, in die sie gekleidet werden.

    Schließlich sind all die Netzwerke in unserem Hirn füreinander Aliens und müssen irgendwie miteinander kommunizieren. Und wenn Sie große Gruppen von Menschen synchronisieren wollen, geht das schon immer, indem sie ihnen gemeinsame Märchen auftischen. Jeder Staat hat seine Mythologie, die er zur internen Verständigung nützt, und wenn sich zwei Kulturen begegnen, müssen sie erst mal eine gemeinsame Mythologie schaffen – einen gemeinsamen Traum träumen, mit Bildern, die sie alle verstehen.

    Die Inception-Chose hört nicht an Ihrem Schädel auf. Sie leben in einem Gehirn. Wenn Sie sich die Entstehung von Träumen, Gedanken, Ideen, auf jeder möglichen Ebene anschauen wollen, können Sie alles benutzen – das Alltagsgespräch für die Kommunikation zwischen zwei Neuronen, ein Satellitenbild als MRT, das Geschichtsbuch für Langzeit-Prozesse.

    Und wenn Sie zu den Sternen schauen, dürfen Sie sich gern fragen, ob diese Neuronen noch vernetzt werden müssen, oder ob sie es schon sind. Und die ganze Evolutionsgeschichte der Menschheit nicht mehr ist, als ein Neuron, das anfängt, einen einzigen Impuls über bereits existierende Nervenleitungen zu feuern, die wir noch nicht erkennen, da sie offline sind.

    Alles, was von uns übrig bleiben und in die Welt hinausgegangen wird, ist unser winziger Beitrag zu einer gemeinsamen Welle. Aus Millionen Rotkäppchen, die alle dieselben Fehler machen, wird ein Rotkäppchen, das den gemeinsamen Nenner all dieser Fehler verkündet, den Algorithmus dahinter. Und weil alle anderen diesen Algorithmus in sich tragen, sind sie für ihn empfänglich und ergänzen ihn um die Warnung, die im Märchen dazu geschrieben wurde. So entwickeln wir uns weiter, die bösen Wölfe müssen ihre Algorithmen und CPUs auch weiterentwickeln.

    Sie können nicht aufwachen. Sie tauchen immer nur von einem Traum in den anderen ein. Wie sollte es auch anders sein? Die Realität ist ein Netzwerk. Ihr Hirn generiert ein vereinfachtes Abbild dieses Netzwerks, das die grundlegenden Algorithmen speichert. Im Traum sehen Sie Manifestationen dieser Algorithmen. In der Realität sehen Sie Manifestationen dieser Algorithmen. Viele Handpuppen, eine Hand. Und die Kenntnis der Algorithmen macht aus ihnen allen Fingerpuppen an derselben Hand, sie schaffen gemeinsame Algorithmen, die sie bewegen.

    Die Wahrheit ist die stärkste Lüge, der mächtigste Traum. Und die Machtverhältnisse ändern sich ständig. Für Ihre Zahnbürste sind Sie Gott. Für die Galaxien verschwimmen Sie mit Jahrmillionen und Planetenläufen zu Quantenpampe. Was für Sie real ist, ist für ein Neuron tief in Ihrem Hirn reinste Fantasie, weil die Schädeldecke und eine dicke Schicht anderer Neuronen es davor isolieren, sein Universum dreht sich darum, am Wochenende die Kartoffeln zum Bauernmarkt im nächsten Dendrit zu fahren. Der Staat, in dem Sie leben, ist ein geistig unterbelichtetes Raubtier ohne eine Spur Empathie, und sobald Sie sich in ihn einloggen, wird Ihr Ich dem Wir untergeordnet, Ihr IQ geht in den Keller, Sie leiten nur noch Impulse weiter, synchronisieren Emotionen und einfache Ziele fürs Borg-Kollektiv.

    Sie werden zu einem Traum namens Volk, Traum namens Deutschland, Traum namens Europa, und all diese Elemente müssen eine gemeinsame Sprache finden. I have a dream. Coz there’s no I without a dream.

    Träume sind Quantenschäume. Wellen, die den Ozean aus anderen Wellen und träumen durchziehen und ab und zu Teilchen bilden, der Traum wird Wirklichkeit. Er baut sich eine Hülle, ein Universum, in dem er der Stärkste ist, in dem er Gott ist und seine Algorithmen immer wahr sind. Und dennoch bleibt er nur ein Tropfen im Ozean, eine Welle, die sich mit ihren Nachbarn abstimmen muss, um die vielen Crashs zu überleben. Und so gebiert sie neue Träume, die Fleisch werden und uns als Archen vom Feuersee erlösen wollen.

    Der Mensch ist ein Gott, wie jeder andere auch. Er baut sich eine Welt und dann muss er darin leben. Ob er damit seine Träume oder seine Albträume wahr macht. Und ob die letzten Sekundenbruchteile Ihres Lebens, wenn Ihr Gehirn nicht mehr mit dem Rest des Universums vernetzt ist und folglich nur für sich alleine tickt, damit viel schneller, wenn es immer weiter kollabiert und Ihr Bewusstsein damit in einer immer primitiveren, einfacheren Welt lebt, in der die Uhren so schnell rasen, dass die Sekundenbruchteile draußen für Sie zu Jahrtausenden drinnen werden – nun.

    Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin tot und finde das gerade heraus. Andererseits ist die Welt tot und findet das gerade heraus, also weiß ich nicht, welchen Kopf ich von Innen beim Verrotten beobachte. Dass meine Ideen allesamt nur das Produkt eines verfallenden Geistes sein können, steht hingegen außer Frage.

  2. Als Ergänzung,
    Wenn ein Jaghund nach einer Treibjagd schläft, dann bellt er genau so wie beim Jagen und seine Beine zucken und es sieht aus, als ob er läuft.
    Das Aktivierungs-Synthese-Modell scheint zuzutreffen, und dass der Jagdhund dabei „Glückserlebnisse“ hat, das scheint auch zu stimmen. Man beobachte einmal ein Hunderudel vor einer Treibjagd, die Hunde wissen genau was kommt und sie sind freudig erregt.

  3. 1) Wenn wir nicht genug Außenreize bekommen, dann kann es sein, dass die Aktivität des Gehirns der bewussten Wahrnehmung zugänglich wird. (Ein Beispiel dazu ist das Charles Bonnet Syndrom.) Dies ist ein Grund, warum wir Träume wahrnehmen können. Denn für eine bewusste Wahrnehmung ist es notwendig, dass eine gewisse Aktivitätsschwelle überschritten wird.

    2) Wir träumen mehrmals pro Nacht im Schlaf in der REM-Phase. Was wir aber als Traum erinnern sind nur diejenigen Inhalte, welche beim Aufwachen noch in der Verarbeitung sind: d.h. das was wir als Traum erinnern ist relativ zufällig.

    3) Im Wachzustand sorgen die Wahrnehmung von Außenreizen und der eigenen Körperwahrnemung dafür, dass unsere Gedanken ann eine solch brauchbare Struktur haben, dass sie für unser Überleben brauchbar sind.
    Im Schlaf ist unser Gehirn aber von der Außen-/Körperwahrnehmung entkoppelt – d.h. eine wichtige Quelle für unsere Denkstruktur fehlt! Dies ist ein Grund dafür, dass nun im Gehirn unstrukturierte Prozesse ablaufen können – was zu durchaus irrealen Trauminhalten führen kann; wenn Aktivtätszustände von Gehirnarealen zu einem Traum verknüpft werden, die eigentlich nicht zusammengehören. Dieser Prozess wird auch durch neuronale Aktivierungswellen ausgelöst, welche sich wie eine LaOla-Welle über neuronale Bereiche bewegen: dies kann dazu führen, dass neuronale Aktivitätszustände(Gedanken) abgeschwächt oder verstärkt werden; verstärkte neuronale Aktivitätszustände sind dann eine Grundlage von Trauminhalten.

    Kurz gesagt: das was wir träumen ist relativ zufällig. Weil sich unser Gehirn aber im Schlaf auch mit Erlebnissen des aktuellen Tages oder der Vortage beschäftigt, können aktuelle Lebensereignisse auch in den Träumen verarbeitet werden.

  4. Wenn man schon etwas müde ist und sich allein in schwach beleuchteten Räumen aufhält, dann kann es passieren, dass man plötzlich kleine Menschen, Tiere, Landschaften, usw. sieht. (= Charles Bonnet Syndrom; CBS))
    Das Gehirn braucht immer eine Beschäftigung und wenn es zuwenig Außenreize bekommt, dann reaktiviert es manchmal eben Gedächtnisinhalte in Form eines bewusst erlebbaren CBS-Tagtraums.
    Ein prominentes Beispiel kann man per Google-suche finden [Königin Silvia sieht Geister]

    Die Geschichten um die Kölner Heinzelmännchen sind an einem wichtigen Detail eindeutig als CBS-Erlebnis erkennbar: Wenn man die Heinzelmännchen absichtlich beobachten will – dann verschwinden sie sofort.
    Der Grund für das Verschwinden ist einfach: mit dieser Absicht ändert sich der neuronale Aktivitätszustand des Gehirns – weil es jetzt eine Beschäftigung hat.

  5. La vida es sueño, Das Leben ist ein Traum, von dem spanischen Dichter Caldéron de la Barca, aus dem 17 Jahrhundert, lesenswert !
    Inhalt:
    Basilius, der König von Polen und Amateurastronom, liest aus den Sternen, dass die Geburt seines einzigen Sohnes Sigismund unter schlechten Vorzeichen steht. Aus Sorge, der Sohn werde als sein Nachfolger eine Tyrannenherrschaft über Polen ausrufen, lässt er Sigismund bereits als Kind in ein Turmverlies werfen,

    Später, als Sigismund kaum erwachsen, entlässt der König seinen Sohn aus dem Kerker und setzt ihn zu seinem Nachfolger ein.
    Kaum an die Macht gekommen, regiert der Sohn mit Mord und einer versuchten Vergewaltigung. (so wie es vorhergesagt worden war)
    Er wird von seinem Vater wieder entmachtet und man erzählt Sigismund, alles was geschen war sei nur ein Traum gewesen.

    ….lieber Leser, damit es dir nicht ähnlich ergeht wie Sigismund, lies doch einfach
    dieses Versdrama, das zur Weltliteratur zählt.
    Das toppt sogar die Erzählungen von unserem Mitkommentator Paul S !

  6. Wegen dem Abschnitt *Wie entstehen Träume* (das Gehirn spielt dabei ja eine nicht unerhebliche Rolle) hier mal eine Übersetzung (via DeepL) von dem Abschnitt *Part 3—Order, 1988–1993* aus dem Buch *Emergence* von David Sussilo:

    Könnten die Gedanken in deinem Kopf ein Echo der grundlegenden Struktur der Realität sein? Als Neurowissenschaftler, dessen Werdegang von einer Faszination für Technologie geprägt war, habe ich entdeckt, dass Netzwerke – komplexe Geflechte aus Verbindungen zwischen kleinen Bausteinen – alles um uns herum bestimmen. Von den sozialen Dynamiken in einer Wohngemeinschaft über die Konstruktion komplexer Technologien bis hin zu den neuronalen Schaltkreisen in unserem Gehirn: Netzwerke sind auf jeder Ebene präsent. Lass uns untersuchen, wie sich diese Netzwerke in dem komplexesten Objekt manifestieren, das wir kennen: dem menschlichen Gehirn.
    Auf einer Ebene besteht das Gehirn aus vielen großen, miteinander verbundenen neuronalen Schaltkreisen, die ständig miteinander kommunizieren, anstatt isoliert zu funktionieren. Der visuelle Kortex, ein Meister von Licht und Farbe, malt das Fresko unserer Wahrnehmung, während der motorische Kortex, ein Choreograf der Gliedmaßen, die anmutigen Bewegungen unseres Körpers orchestriert. Jeder dieser kortikalen Bereiche ist ein riesiges Netzwerk aus Milliarden von Neuronen, und das präzise Verständnis der Funktionsweise jedes einzelnen Schaltkreises ist der Heilige Gral der Neurowissenschaften.
    Doch die Komplexität des Gehirns hört damit nicht auf. Man findet weitere Schaltkreise wie den Thalamus, eine Schaltzentrale, in der nicht nur sensorische und motorische Signale hin und her wuseln, sondern die auch eine entscheidende Rolle bei der Regulierung von Schlaf und Wachsein spielt. Dann gibt es noch den präfrontalen Kortex, den Meisterplaner. Zoomt man weit hinein auf die zelluläre Ebene, trifft man auf Astrozyten, fleißige Helfer, die die Neuronen mit Nährstoffen versorgen und so die Gesundheit dieses lebenden neuronalen Netzwerks aufrechterhalten. Zoomen Sie weiter in ein einzelnes Neuron hinein und beobachten Sie dessen subzelluläre Maschinerie, die die Synapsen unterstützt, die es mit Tausenden anderer Neuronen verbinden. Schließlich liegt im Herzen jedes Neurons der Zellkern, eine Bibliothek von Alexandria, die die Blaupausen des Lebens beherbergt: Ihre Chromosomen.
    Chromosomen – lange, physische DNA-Stränge – sind selbst wie Bibliotheken, mit Genen, die sich entlang ihrer gesamten Länge befinden, ähnlich wie Bücher in Regalen. Stellen Sie sich das als eine dynamische Bibliothek vor, in der bestimmte Gene von Proteinen, sogenannten Transkriptionsfaktoren, abgerufen, kopiert und reguliert werden, die ihrerseits von anderen Genen gesteuert werden. Dies löst eine Kettenreaktion aus, bei der ein Gen die Expression anderer Gene beeinflusst, die wiederum die Expression weiterer Gene beeinflussen und letztendlich die Physiologie einer Zelle und sogar ihre Identität bestimmen. Ist es eine Leberzelle? Eine Herzzelle? Oder wird sie eine winzige Rolle im Rätsel des Bewusstseins spielen und zu einer Gehirnzelle werden? Als Neurowissenschaftler sehe ich in diesen Gen-Netzwerken Anklänge an das Gehirn, ähnlich wie die elektrische Aktivität eines Neurons von den Neuronen abhängt, die mit ihm verbunden sind, welche wiederum auf ihr eigenes Netzwerk von Eingangssignalen reagieren.
    Lassen wir die chemische Ebene beiseite und springen wir von der molekularen zur atomaren Ebene. Stellen Sie sich einen Kühlschrankmagneten vor – einen Alltagsgegenstand mit verborgener Komplexität. Der Magnet ist atomar gesehen ein Gitter, ein Mauerwerk, in dem jedes Atom seinen winzigen magnetischen Dipol – seinen eigenen Nord- und Südpol – nutzt, um sich mit seinen nächsten Nachbarn zu verbinden. In vollkommener Harmonie zeigen diese Nachbarn alle in dieselbe Richtung und erzeugen so ein einheitliches Magnetfeld – der Grund, warum unser Magnet so zuverlässig am Kühlschrank haftet. Doch das Erhitzen des Magneten stört diese empfindliche Struktur. Während benachbarte Dipole verbunden bleiben, lockert sich ihre Ausrichtung und es bilden sich kleinere, schwankende Cluster, wie Gruppen von Tänzern in einem Ballett, die bei einem Wechsel der Musik die Koordination untereinander verlieren. Das einst einheitliche Feld zerfällt, und der Halt des Magneten wird schwächer.
    Von der geschäftigen Metropole des Gehirns über das Wechselspiel der Gen-Netzwerke in einer einzelnen Zelle bis hin zur verborgenen Organisation eines Magneten finden wir überall um uns herum Netzwerke, die alles steuern. Vielleicht sollten wir statt „Schildkröten bis in die Unendlichkeit“ sagen: „Gehirne bis in die Unendlichkeit“ – Netzwerke, die aus Netzwerken bestehen, die auf Netzwerken aufgebaut sind und so die facettenreiche Vielfalt unserer bewussten Erfahrung und die Vielfalt des Lebens um uns herum hervorbringen.

    • Axel Krüger
      „Könnten die Gedanken in deinem Kopf ein Echo der grundlegenden Struktur der Realität sein? “
      Wenn wir diesen Satz als Arbeitshypothese nehmen, dann erklärt er ,warum menschliche Erkenntnis die Natur nicht nur verstehen kann, sondern auch verändern kann.
      Auf der atomaren Ebene haben wir mit der Entdeckung der Kernspaltung bzw. Kernverschmelzung schon den Energiehaushalt des Universums entschlüsselt.

      Auf der Ebene des menschlichen Gehirnes wissen wir jetzt, dass Denken Energie benötigt und dass wir selbst im Schlaf Energie „verbrauchen“.
      Auf der Ebene der Moleküle wissen wir, das chemische Stoffe unser Denken beeinflussen können, und dass folglich auch unsere Träume (die auch gedacht werden ) Ursachen haben.

      Was fehlt noch ?
      Dazu ein einfacher Witz: Wovon träumt eine Katze ?

      Sie träumt von einem Muskelkater !
      ………………………………………………..Warum lachen wir darüber ?

      An dieser Stelle versagt unser mechanisch kausales Denken.
      an dieser Stelle werden die Psychologen aktiv-
      Vielleicht hat ja Frau Engelke eine kurze Erklärung !?

      • Hallo nl,

        vielen Dank für Ihre rege Beteiligung! Bezüglich des Witzes: Vielleicht hätte es mir geholfen, wenn ich Psychologie studiert hätte, aber zumindest bei mir hat der Witz auch nicht gezündet:D. Humor ist durchaus ebenfalls sehr kognitiv: Besonders lustig empfinden wir unerwartete Wendungen in Witzen, oder auch eine gewisse absurde Einfachheit, so wie in dem Katzenwitz. Doch was genau uns dann zum Lachen bringt, und was nicht, ist natürlich sehr individuell.

  7. @Krüger
    Es ist richtig, dass unser Gehirn mit neuronalen Netzwerken arbeitet.
    Z.B. besteht dabei eine ERFAHRUNG in unterschiedlichen Anteilen aus den Komponenten a) Faktenwissen, b) Körper-Reaktion, c) Sinnes-Reaktion, d) Immunsystem-Reaktion und e) Emotionen.

    Außerdem kann das Gehirn mit unterschiedlichen Strategien arbeiten.
    Neben dem ´normalen´ Traum gibt es z.B. auch noch den Klartraum, den man sogar bewusst steuern kann. Und wenn das Gehirn die Körperreaktion nicht korrekt beim Schlafen abkoppelt, dann kann es passieren, dass man im Schlaf wandert.

Schreibe einen Kommentar


E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren. -- Auch möglich: Abo ohne Kommentar.