Mysterium Hypnose – Was passiert im Gehirn?

Hypnose = Schlaf?

Die Wissenschaft lebt vom Irrtum. Vom ständigen Erforschen, Erkennen, Verwerfen, Wieder-von-vorn-beginnen. Die Pandemie war (und ist) ein lebendiges Beispiel dafür. Auch die Hypnose stellt keine Ausnahme dar. Allein der Wortursprung von Hypnose legt das schon nahe: Griechisch hypnos = Schlaf.

Geprägt wurde dieser Begriff Anfang des 19. Jahrhunderts vom schottischen Arzt James Braid, der in der Tat der Meinung war, Hypnose sei ähnlich wie Schlaf. Diese Ansicht ist inzwischen längst verworfen. Auch die Theorien, dass magnetische Kräfte (Animalischer Magnetismus) oder allein die rechte Hirnhälfte entscheidend für Hypnose seien wurden eindeutig widerlegt. Die Frage bleibt:
Was passiert bei der Hypnose tatsächlich im Gehirn?

Der Versuch einer Definition

Noch bis heute tun Forschende sich schwer, überhaupt eine umfassende Definition für das Phänomen der Hypnose zu finden. Eine Arbeitsgruppe der amerikanischen Gesellschaft für Psychologie (APA) definiert Hypnose als einen „Bewusstseinszustand mit fokussierter Aufmerksamkeit, vermindertem Bewusstsein der Umgebung und einer gesteigerten Empfänglichkeit für Suggestionen“. Ob und inwieweit Hypnose tatsächlich ein eigener Bewusstseinszustand ist, darüber herrscht in der Forschung allerdings seit Jahrzehnten Uneinigkeit.

Suggestionen und Suggestibilität

Beim Lesen der Definition mag man über den Begriff Suggestionen stolpern, deshalb hier eine kurze Erklärung.
Suggestibilität beschreibt, wie beeinflussbar eine Person ist. Sprich wie empfänglich sie dafür ist, durch die Außenwelt* vorgeschlagene Gefühle oder Ideen unfreiwillig ins eigene Denken und die eigene Wahrnehmung zu übernehmen. Die dabei übermittelten Gefühle, Ideen oder Gedanken sind dann die Suggestionen. Im Rahmen einer Hypnose heißt eine Suggestion etwa „du spürst, wie deine Augen immer schwerer werden“, woraufhin bei manchen Menschen ganz automatisch die Augen zufallen. Das ist ein Unterschied zu einem Befehl wie „schließe deine Augen!“, auf den bewusst eine freiwillige Reaktion folgt.

(*Im Rahmen einer Autosuggestion können die Suggestionen auch von der Person selbst ausgehen. Das ist zum Beispiel bei einer Selbsthypnose der Fall.)

Beispiel: Placebo

Ein weiteres Beispiel für eine Suggestion ist der Placebo-Effekt: Ein Arzt/eine Ärztin behauptet, dass die verabreichte Tablette gegen Schmerzen hilft. Und obwohl sie keinerlei Wirkstoff enthält, vermindert sich allein durch den Glauben an die Wirkung der körperliche Schmerz des Patienten/der Patientin. Suggestionen können also Einfluss auf den körperlichen Zustand nehmen.

Hypnotisierbarkeit

Nicht jeder Mensch spricht gleich gut auf Suggestionen an. Deshalb gibt es auch große Unterschiede, wie gut Menschen hypnotisierbar sind. Die Hypnotisierbarkeit ist eine feste Eigenschaft, die im Erwachsenenalter weitestgehend stabil ist. Zwillingsstudien deuten darauf hin, dass sie auch genetisch verankert ist.

Gemessen wird die Hypnotisierbarkeit zum Beispiel über den Stanford Hypnotic Susceptibility Score. Hierfür werden vorgeschriebene Suggestionen in aufsteigender Schwierigkeit getestet und so geschaut, wie beeinflussbar die Testperson wirklich ist.  

Hypnotisierbarkeit ist in der Gesellschaft annähernd normalverteilt. Das heißt der überwiegende Teil der Bevölkerung spricht mäßig gut auf Hypnose an, 10-15% reagieren kaum oder gar nicht und weitere 10-15% sind hoch empfänglich für Hypnosen.

Die Art der Hypnose sowie die Motivation und Erwartungen der hypnotisierten Person haben zwar ebenfalls einen Einfluss auf den Erfolg der Hypnose. Diese Faktoren haben aber einen deutlich geringeren Anteil als die grundsätzliche Hypnotisierbarkeit.

Was passiert nun im Gehirn?

Zurück zur Ausgangsfrage: Was passiert während einer Hypnose im Gehirn? Die kurze Antwort lautet: Man hat nach wie vor keine Ahnung. Die weniger frustrierende Antwort ist: Es gibt neue Theorien, die auf moderner Bildgebung basieren. Eine der führenden Theorien geht von einer Top-Down-Regulation aus.

Top-Down-Regulationen beschreiben einen Prozess, bei dem Gedanken (oder auch allgemein höhere Hirnfunktionen) „von oben herab“ einen Einfluss auf andere Hirnprozesse, Bewusstsein, Wahrnehmung und Körperfunktionen nehmen.

Die rein verbale Suggestion (“deine Augenlider fühlen sich schwer an”) schafft es also, die Wahrnehmung der hypnotisierten Person zu verändern (die Augenlider fühlen sich wirklich schwer an) und letztlich sogar eine motorische Reaktion zu erzeugen (die Augen werden geschlossen).   

Drei Netzwerke im vorderen Teil des Gehirns scheinen durch Hypnose besonders aktiviert zu werden und solche Top-Down-Prozesse und damit die hypnotische Antwort erst zu ermöglichen. Ihnen wird deshalb eine besondere Rolle zugeschrieben:

  1. Das Central Executive Network (CEN) sorgt dafür, dass wir unsere Aufmerksamkeit gezielt auf etwas richten und komplexe Aufgaben lösen können. Während einer Hypnose ist dieses Netzwerk wohl aktiver und könnte so dazu beitragen, gedankliche Bilder zu erzeugen und aufrechtzuerhalten.
  2. Das Salience Network (SN) verarbeitet unter anderem innere und äußere Einflüsse und schafft ein Bewusstsein für diese. Die Verbindung zwischen dem CEN und dem SN ist unter Hypnose oftmals erhöht. Das könnte eine entscheidende Voraussetzung dafür sein, dass während der Hypnoseeinleitung der Fokus auf die Suggestionen durchgehend erhalten bleibt.
  3. Das Default Mode Network (DMN) schließlich ist ein Netz aus Hirnregionen, die in Ruhe oder beim Gedankenwandern aktiv sind. Daher der Name „Default Mode Network“ – also etwa Ruhenetzwerk. Je tiefer die Hypnose, desto geringer ist die Aktivität in diesem Netzwerk. Hypnose ist demnach etwas anderes als Nichtstun oder Tagträumen für das Gehirn. Dadurch, dass dieses Netzwerk unter Hypnose etwas inaktiviert wird, könnte wiederum das fokussierte Denken begünstigt werden.

Übrigens geht man davon aus, dass bei Menschen mit hohem Ansprechen auf Hypnose diese Netzwerke verändert miteinander kommunizieren und somit empfänglicher für Suggestionen machen.  

Das war jetzt sehr theoretisch – wozu überhaupt Hypnose?

Der spannendste Anwendungsbereich von Hypnose in der Medizin ist sicherlich die Schmerztherapie. Funktionelle MRT-Studien haben gezeigt, dass über Hypnose suggerierter Schmerz genau die Areale im Hirn aktiviert, die auch bei echtem Schmerz aktiviert werden. Ganz im Gegenteil zum normalen Vorstellen von Schmerz außerhalb einer Hypnose.

Praktischer ist aber natürlich der umgekehrte Fall, nämlich wenn Hypnose tatsächliche Schmerzen stillt. Und das hat sie in zahlreichen Studien bereits sehr erfolgreich getan, insbesondere was Geburtsschmerzen angeht – allerdings natürlich nur bei Menschen, die generell auf Hypnose ansprechen.

Die Theorie dafür, wie Hypnose das schafft, klingt erstmal simpel. Demnach besteht Schmerz aus zwei unterschiedlichen Komponenten: Der sensorischen Komponente (= was der Körper wahrnimmt) und dem tatsächlichen Leiden (= was der Körper aus dem wahrgenommenen Schmerz macht). Hypnose scheint diese beiden Komponenten voneinander zu trennen und einfach neu zu entscheiden, dass der wahrgenommene Schmerz nicht in negativen Gefühlen darüber endet.

Fazit

Das war ein sehr kurzer Überblick über eine aktuelle Theorie zur Hypnose – zumindest solange aktuell, bis sie wieder verworfen wird. Die ehrliche Antwort auf die Frage in der Überschrift müsste lauten: Man weiß es nicht. Beides sehr frustrierende Aussagen, ich weiß. Aber so ist sie eben, die liebe Wissenschaft.  

Was sind eure Gedanken zu Hypnose – würdet ihr euch hypnotisieren lassen? Oder habt es vielleicht sogar schon mal gemacht? Lasst doch gern einen Kommentar da!

Quellen

  • Elkins GR, Barabasz AF, Council JR, Spiegel D. Advancing Research and Practice: The Revised APA Division 30 Definition of Hypnosis. Am J Clin Hypn. 2015;57(4):378-385. doi:10.1080/00029157.2015.1011465
  • Kihlstrom JF. Neuro-hypnotism: prospects for hypnosis and neuroscience. Cortex. 2013;49(2):365-374. doi:10.1016/j.cortex.2012.05.016
  • Thompson T, Terhune DB, Oram C, et al. The effectiveness of hypnosis for pain relief: A systematic review and meta-analysis of 85 controlled experimental trials. Neurosci Biobehav Rev. 2019;99:298-310. doi:10.1016/j.neubiorev.2019.02.013
  • Flemons D. Toward a Relational Theory of Hypnosis. Am J Clin Hypn. 2020;62(4):344-363. doi:10.1080/00029157.2019.1666700
  • Kihlstrom JF. Neuro-hypnotism: prospects for hypnosis and neuroscience. Cortex. 2013;49(2):365-374. doi:10.1016/j.cortex.2012.05.016
  • Terhune DB, Cleeremans A, Raz A, Lynn SJ. Hypnosis and top-down regulation of consciousness. Neurosci Biobehav Rev. 2017;81(Pt A):59-74. doi:10.1016/j.neubiorev.2017.02.002
  • Tuominen J, Kallio S, Kaasinen V, Railo H. Segregated brain state during hypnosis. Neurosci Conscious. 2021;2021(1):niab002. Published 2021 Mar 10. doi:10.1093/nc/niab002
  • Landry M, Lifshitz M, Raz A. Brain correlates of hypnosis: A systematic review and meta-analytic exploration. Neurosci Biobehav Rev. 2017;81(Pt A):75-98. doi:10.1016/j.neubiorev.2017.02.020
  • Jiang H, White MP, Greicius MD, Waelde LC, Spiegel D. Brain Activity and Functional Connectivity Associated with Hypnosis. Cereb Cortex. 2017;27(8):4083-4093. doi:10.1093/cercor/bhw220
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  • https://pixabay.com/images/id-4041583/

Veröffentlicht von

Martje Sältz studiert seit 2016 Humanmedizin am UKE in Hamburg und promoviert zum Einfluss der Ernährung auf die Halsgefäße. Medizin auf Italienisch lernte sie in ihrem Auslandssemester in Palermo kennen. Sie möchte wissenschaftliche Themen verständlich und spannend beschreiben und damit mehr Menschen für Gesundheit und ihren Körper begeistern.

13 Kommentare

  1. Die Indianer haben (aufgrund ihrer meditativen und drogengestützten Erfahrungen!?) sogenannte Verrückte als Unantastbare/Heilige betrachtet, weil diese angeblich mit ihrem Bewusstsein mehr in der anderen Realität waren/sind – Das Gehirn ist nur die Schnittstelle / das Interface zur anderen Realität / zur Energie und wir sind aufgrund […] noch immer nicht in der Lage das volle Potenzial als Mensch zu nutzen.

    Denn wir haben den Kopf voll mit Stumpf-, Blöd-, Schwach-, Wahnsinn und wissen nicht wirklich was wir (un)wahrhaftig tun.

  2. In einem RBB-Beitrag mit Dr. Barbara Schmidt (Jena) wurde Versuchspersonen unter Hypose eine selektive Taubheit suggeriert – bei der sie außer der Sprache der Hypnotiseurin nichts mehr hören sollten.
    Dann wurden verschiedene Töne vorgespielt. Die Versuchsperson hörte nichts.

    Aber Messungen zeigten, dass die Töne im Gehirn ankamen – allerdings mit deutlich geringerer Intensität als im unhypnotisierten Zustand.

    Dieses Experiment könnte eine Wirkung der Hypnose erklären. Offenbar wurde die Intensität der Wahrnehmung so gesenkt, so dass sie unterhalb der Schwelle lag, die für eine bewussste Wahrnehmung notwendig ist.

    Dass Hypnose ein eigener Bewusstseinszustand ist, kann deshalb ausgeschlossen werden.

    Wir haben/brauchen keine außergewöhnlichen Bewusstseinszustände – diese Idee ist ein Märchen. Denn unser Gehirn arbeitet viel einfacher: neuronale Aktivitäten oberhalb einer bestimmten Schwelle sind der bewussten Wahrnehmung zugänglich – und was unterhalb dieser Schwelle ist, bleibt unbewusst

  3. Bei einer ´Nahtod-Erfahrung´(NTE) arbeitet das Gehirn umgekehrt wie bei der Hypnose. Bei der NTE konzentriert sich das Gehirn so stark auf die Verarbeitung eines Reizes – dass man nun bewusst erleben kann, wie dieser Reiz verarbeitet wird: Schritt für Schritt.
    Das ist ein direkter – bewusst erlebbarer – Zugang zur Arbeitsweise des Gehirns.

    Indem die Wahrnehmungsschwelle verschoben wird, wird die Arbeitsweise des Gehirns bewusst erlebbar. Aus diesem Grund sind NTEs ebenfalls auch kein Ergebnis eines außergewöhnlichen Bewusstseinszustandes und deshalb gilt das Gleiche wie bei der Hypnose: neuronale Aktivitäten oberhalb einer bestimmten Schwelle sind der bewussten Wahrnehmung zugänglich – und was unterhalb diesr Schwelle ist, bleibt unbewusst.

  4. Hypnose spielt eine wichtige Rolle im Buch F von Daniel Kehlmann. Dort bringt ein Hypnotiseur alles ins Rollen indem er scheinbar das weitere Schicksal der Hauptfigur des Romans und das Leben seiner Söhne bestimmt/festlegt.
    Im Buchabschnitt Der grosse Lindemann tritt der Hypnotiseur auf und sagt zum jetzt erfolglosen und später erfolgreichen Schrifsteller Arthur Friedland:

    „Das ist ein Befehl, den du befolgen wirst, weil du ihn befolgen willst, und du willst es, weil ich es befehle, und ich befehle es, weil du willst, dass ich es befehle.“

    Und der Befehl, nämlich ein neues Leben als ernsthafter Schriftsteller zu beginnen, wird von Arthur Friedland befolgt.
    In der Wikipedia-Beschreibung liest man zur Grundkonstellation des Buches:

    Andererseits stellt der Roman die Frage nach einem Fatum, einem dem menschlichen Handeln zugrunde liegenden Schicksal. Inwieweit die Akteure frei handelnde Figuren sind, ist eine offene Frage. Besonders in der ersten Szene beim Hypnotiseur wird dies durch Innensichten der Figuren plastisch veranschaulicht.

    Hypnose spielt auch eine zentrale Rolle in Woody Allens Film Im Bann des Jade Skorpions wozu man in der Wikipedia liest:

    Auf einer abendlichen Geburtstagsfeier ihres Kollegen George Bond (Wallace Shawn), die im Varieté des Magiers Voltan Polgar (David Ogden Stiers) stattfindet, sollen ausgerechnet die beiden Streithähne mittels eines jadenen Skorpion-Pendels hypnotisiert werden. Zuerst wird Briggs durch das Schlüsselwort „Konstantinopel“, dann Betty Ann durch das Wort „Madagaskar“ in Trance versetzt. Voltan Polgar gibt ihnen vor, dass sie sich – sehr zur Freude ihrer Kollegen – wie ein Liebespaar verhalten sollen.

    Als Voltan Polgar Briggs nach seiner Vorstellung anruft und das Schlüsselwort „Konstantinopel“ nennt, begeht dieser als fremdgesteuertes Medium einen Juwelendiebstahl; wiederkehrendes musikalisches Motiv dafür ist Wilbur de Paris’ Trompete des Jazz-Klassikers „In a Persian Market“. In der folgenden Nacht begeht er auf die gleiche Weise einen zweiten Juwelendiebstahl. Er kann sich an keinen der Diebstähle erinnern und wird sogar selbst mit deren Aufklärung beauftragt. Durch einen Hinweis einer seiner dubiosen Informanten verdächtigt er Betty Ann („Cherchez la femme“, franz. „dahinter steckt eine Frau“), die Diebstähle begangen zu haben, obwohl die Indizien für ihn selbst als Täter sprechen.

    Als dann schließlich die Juwelen bei ihm gefunden werden, wird er verhaftet, kann jedoch der Polizei entkommen und findet bei Betty Ann, deren Wohnung er ob ihrer Fehde für unbedenklich hält, ein sicheres Versteck. Sie gewährt ihm widerwillig Unterschlupf, glaubt aber im Grunde an seine Unschuld, da sie ihm eine so kühne Tat nicht zutraut. Während Briggs auf ihrem Sofa vor Erschöpfung eingeschlafen ist, wird nun ihrerseits Betty Ann in der Nacht telefonisch von Voltan mit ihrem Schlüsselwort „Madagaskar“ hypnotisiert und ebenfalls für einen Juwelenraub eingesetzt. Sie kehrt nach ihrem Raubzug in ihre Wohnung zurück. In der noch währenden Trance zeigt sie sich, sehr zur Freude des gerade erwachten Briggs, ihm gegenüber im gleichen Verliebtheitszustand wie in Voltan Polgars Vorstellung. Als sich Briggs zu Recherchezwecken in sein Versicherungsbüro begibt, deckt sein Kollege George, der selbst Hobby-Hypnotiseur ist, Voltans ganzen Hypnose-Trick auf, da er durch versehentliche Nennung von Briggs’ Schlüsselwort diesen erneut in Trance versetzt und er sich dadurch an die unbewusst begangenen Diebstähle erinnern kann. Mit diesem Erkenntnissen kann der nun auch enthypnotisierte Briggs Voltan Polgar und seine Assistentin überführen.

    Fazit: Hypnose scheint im Buch F von Daniel Kehlmann und im Woodie-Allen Film The Curse of the Jade Scorpion beides Mal eine Art Fernsteuerung der hypnotisierten Personen zu bewirken. Wobei beides Mal offen bleibt ob das was Personen „ferngesteuert“ tun nicht doch das ist, was sie eigentlich tun wollen.

  5. Anmerkung zum Begriff ´außergewöhnliche Bewusstseinszustände´:
    Bisher gibt es gar keine Definition dafür, was ein ´normaler Bewusstseinszustand´ ist, daher ist die Bezeichnung ´außergewöhnlicher B.´ nicht sinnvoll.

  6. Erklärungsversuche
    Es gibt Menschen mit mehr oder weniger Einbildungskraft, kurz mit Leicht-Gläubigkeit. Dementsprechend arbeitet ihr Gehirn ganztägig in diesem Modus und schafft ihre “Realitäten” .Wenn also eine solche Person zu einem “Hypnosetherapeuten ” geht, hat dieser schon die halbe Gage da er weis dass diese Person an so etwas glaubt ,also manipulierbar ist. Er kann ihr also so ziemlich alles erzählen ,ähnlich wie die Kartenlegerinnen im Astro-TV, und die Person wird diese Suggestionen auf sich beziehen und verinnerlichen. Im übrigen sind Hypnose und “Hypnosetherapeuten” keine gesetzlich geschützten Begriffe und somit kann also jeder von sich behaupten das zu können. Kommt auch noch hinzu dass der angedeutete “Schlaf” wohl eine Bewusstseinserweiterung in dem Sinne ist dass er in der Person einen friedlichen und aufnahmefähigen Zustand schafft in dem Außenreize ausgeschaltet werden. Ähnliche Zustände finden sie in der Kontemplation der Christen im Gebet bzw. im “Gewahrsein” der Buddhisten. Die Hypnose der alten Griechen hat hier also spirituelle Erkenntnismuster anderer übernommen und heute wird es im Rahmen der New-Age Bewegung als Geschäftsmodell im Wellnessmarktbereich angeboten.

  7. Zu M. Holzherr
    Arthur Friedland/ “Ein Befehl ein neues Leben zu beginnen…”
    Da können sie eher dem Wasser befehlen das es bergauf fließt denn das Unterbewusstsein lässt sich nichts befehlen, nicht einmal durch Beschwörungsformeln.. Dieser Befehl erreicht zwar den Verstand, also das Bewusstsein aber das Unterbewusstsein erreichen sie damit nicht, es sei denn sie sind unheimlich naiv, was ja Künstler in der Regel auch sind. Solche Sprüche halte ich für Werbekampanien bestimmter Hypnotiseure die damit auf sich und ihr angebliches Können aufmerksam machen wollen. Schließlich herrscht ja auf diesen Markt auch ein knallharter Verdrängungswettbewerb und da muss man halt hochstapeln und kleine Wunder versprechen um Kunden zu anzusprechen
    Das Unterbewusstsein will glauben ,egal ob an Götter, an Politiker oder an die Schönheit des eigenen Spiegelbildes. Befehle negiert es. Einige dieser Hypnos glauben die Sprache des Unterbewusstseins zu verstehen- mit Hypnose erreichen sie es allerdings nicht, da diese Schichten noch weit tiefer liegen .In Berlin hatten vor Jahren Heilpraktiker, wohl auch Hypnotiseure, Drogen genommen um ihr UB zu begreifen und taumelten danach durch den Garten bzw. mussten ärztlich versorgt werden. Selbst diese “Berufenen” ,die anderen ins UB schauen wollten, setzten hilflos auf Drogen als Schlüsselöffner zum UB . Diese Hypnose soll ,wenn ich das richtig verstehe, ein Schlüsselöffner zum UB sein um bestimmte unliebsame Blockaden zu lösen. Mit “Augen schließen” oder Ankern , Befehlen, in Trance pendeln und andere Spielereien kommen sie den tieferen Ursachen nicht nach.

  8. off topic @Golzower
    Eine Wirkungsweise von psychedelischen Drogen beruht darauf, dass damit Erlebniszustände aus der frühen Kindheit reaktiviert werden können.

    Dies ist kein außergwöhnlicher Bewusstseinszustand.

    Psychedelische Drogen lösen keine unliebsamen Blokaden – sondern die Wirkung dieser Drogen beruht nur darauf, dass mit dem reaktivieren frühkindlicher Erlebniszustände ein Erlebenszustand hervorgerufen wird, als man (meist) noch gesund war. Dies ist z.B. ein Grund warum die Gabe psychedelischer Drogen bei leichteren und mittleren Depressionen hilfreich sein kann.

  9. Zu KRichard
    Ich nehme keine Drogen, kann also ihre Meinung nicht bewerten. Allerdings können sie ,so meine Erfahrung, auch über die Meditation Erlebniszustände zurückverfolgen ,zumeist über Körpergefühle incl. den dort vorhandenen Spannungen die Muster im Geist erklären können.
    Ein außergewöhnlicher Bewusstseinszustand ist nichts außergewöhnliches da dieser von unserem Wachheitsgrad abhängt ,also zwischen Phlegma und höchster Erregung schwankt. Man muss sich dessen nur bewusst sein und sich davon nicht vereinnahmen lassen. Blockaden lösen sie mit Drogen nicht, stimmt, da Drogen nur die Auswirkungen der Blockaden “bekämpfen” und nicht die Ursachen.

  10. Die Primaten haben Spiegelneuronen. Sie können also mitfühlen was ihr nächster Nachbar gerade denkt und fühlt.
    Wenn dieser Kanal offen ist, dann kann der Nachbar Einfluss nehmen auf die eigene Psyche, das nennt man im Extremfall Hypnose.

    Interessant zu wissen wäre, ob man Autisten hypnotisieren kann und ob es willensstarke und willensschwache Autisten gibt.

  11. @lioninoil
    Thomas Nagel veröffentlichte 1974 seinen Essay ´What is it like to be a bat? / Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?´ (Reclam ISBN: 978-3-15-019324-2) in dem er zeigt, dass wir nie verstehen können was ein anderes Lebewesen empfindet. (Und daher können wir – mangels Verständnis – auch nicht ´spiegeln´.)

    D.h. die Idee der ´Spiegelneuronen´ war schon widerlegt, bevor sie in den 1990er Jahren erfunden wurde.
    Heute geht man davon aus, dass wir immer zu einer wahrgenommenen Situation passende Erfahrungen aus dem Gedächtnis reaktivieren (Fachbegriff: predictive coding).
    D.h. wir verstehen eine Situation auf Grundlage unseres eigenen im Gedächtnis gespeicherten Wissens.

  12. KRichard,
    dieser Thomas Nagel hatte einfach keinen Umgang mit Tieren.
    Wir kennen Pferdeflüsterer, Katzenversteher und , und das ist bewiesen, Tiere werden als Therapie bei kranken Menschen eingesetzt. . Delphine sind ein gutes Beispiel.
    Wenn du mal einen klugen Kater hast, dann wirst du merken, der erkennt böse Menschen sofort.
    Wir hatten so einen, der war umgänglich. Eines tages stellte er seine Haare, als ob der Leibhaftige hinter uns wäre.
    Und…..wie wir später erfahren haben war der Mann hinter uns einer vom Geheimdienst, der sich noch damit brüstete eine Agentin erschossen zu haben.
    Das ist kein Märchen !
    Und wenn dir eine Fledermaus aus dem Wege geht, dann denke mal über dein Verhalten nach. (kleiner Wink mit dem Zaunpfahl)

  13. Zu KRichard
    “Spiegeln” ist die evolutionär ältere Variante-also die nonverbale Kommunikation -die mit Instinkten und Intuition zu tun hat. Ihre “Bewertungen”( predictive coding) entstammen wohl dem geistigen Bewusstsein , also der Arbeit des modernen Neocortex. Tiere könne n sich offenbar besonders gut “spiegeln” da es eine sehr wichtige Überlebensfunktion ist bei anderen in Mimik und Gestik zu lesen-ohne diesen rationalen Schwächen des eingeschränkten Verstandes. Da unser Gehirn evolutionär aufgebaut ist, sollten wir auch über solche Spiegelneuronen verfügen die uns-unbewusst- zum überleben helfen (Instinkte, Intuition, Bauchgefühle) Spirituelle Techniken ,angefangen von den Medizinmännern der Steinzeit bis zu den Religionen setzen auf diese Mechanismen . So “spiegelt” sich ein Baby zuerst in den Gesichtern der Eltern denn es kann noch nicht denken aber glauben. Hypnose(Suggestion) ist auch nur Glaube bzw. Irrglaube oder Aberglaube.
    Bei entsprechender manipulierter Einbildungskraft könnten sie sich dann auch von einem Besenstiel “hypnotisieren” lassen ,was ja im übertragenden Sinne bei den Naturvölkern auch geschah in dem man sich von “heiligen” Bäumen oder Felsen hypnotisieren ließ.

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