Wer verliebt sich eigentlich – wir oder unser Gehirn? (Teil 1)

Man kann nicht mehr aufhören, nur an die eine Sache zu denken, man hat kaum Hunger, das Herz rast unendlich schnell, einem ist heiß, man schwitzt, und irgendwie weiß man gar nicht, wohin man mit all seinen Emotionen soll. Die Beschreibung würde auch gut zu meinem Gefühlszustand passen, wenn wir es dieses Jahr in das Fußball WM Finale geschafft hätten … doch tatsächlich meine ich kein emotionales Fußballspiel, sondern die unglaublich spannende Phase des sich-Verliebens!

„Wie oft waren Sie in Ihrem Leben schon leidenschaftlich verliebt?“, wurden über 10.000 Menschen im Alter von 18 bis 99 Jahren aus den gesamten Vereinigten Staaten gefragt. Im Durchschnitt gaben die Erwachsenen an, etwa zweimal in ihrem Leben leidenschaftliche Liebe erlebt zu haben (14 % gaben an, noch nie leidenschaftliche Liebe erlebt zu haben, während 28 % sie einmal, 30 % zweimal, 17 % dreimal und 11 % viermal oder öfter erlebt hatten) [1].

Verliebt zu sein ist eines der schönsten Dinge, die man empfinden kann. Doch hinter Schmetterlingen im Bauch, Herzklopfen und der rosaroten Brille steckt weit mehr, als man denken mag.

Verliebte Paare

Obwohl beim Thema Liebe alle erstmal an das Herz denken, würde das Gehirn auch gerne ein Wörtchen mitreden! Denn sich zu verlieben beeinflusst zwar unser Herz indirekt, doch wie Liebe entsteht, das passiert im Gehirn! Aber wie genau läuft das eigentlich ab und haben wir die volle Macht darüber, in wen wir uns verlieben, oder spielt bei der Entscheidung das Gehirn vielleicht eine größere Rolle, als man annehmen würde?

Der erste Eindruck

Die Klassikerfrage schlechthin behandeln wir mal direkt zu Anfang: Liebe auf den ersten Blick: Gibt es das?

Zu meiner Überraschung scheinen diverse Liebeskomödien und Songs im Radio nicht zu lügen: Die Liebe auf den ersten Blick scheint es zu geben!

Die Wissenschaft konnte zeigen, dass wir bereits nach weniger als sieben Sekunden eine Meinung über eine Person gebildet haben, egal, ob bewusst oder unbewusst [2]. Dabei bewerten wir noch nicht die Persönlichkeit der Person, aber dafür äußere Merkmale. In diesem Zusammenhang taucht die berühmte Zahl von 0,2 Sekunden gerne mal auf. Dies sei angeblich die Zeit, die es braucht, um sich zu verlieben [4]! Diese Zahl beschreibt jedoch weniger, dass man sich so schnell verlieben kann, und eher, dass das Gehirn in Milisekunden auf potenziell interessante Partner reagiert.

Unser Gehirn arbeitet auf Hochtouren und erfasst die Person von Kopf bis Fuß: Gesicht und dessen Symmetrie, Hautbild, Mimik, Körperhaltung, Stimme, Lächeln und natürlich die Augen. Letztere spielen natürlich eine ganz besondere Rolle, denn Blickkontakt signalisiert uns, dass wir gesehen werden und relevant zu sein scheinen.

Liebe auf den ersten Blick heißt jedoch nicht, dass man in einer glücklichen und lebenslangen Beziehung landet. Es ist eher ein direktes Signal des Körpers, die Person interessant zu finden und näher kennenlernen zu wollen, und zwar meistens ohne, dass wir es bewusst wahrnehmen.

Liebe auf den ersten Blick existiert also, zumindest wissenschaftlich gesehen, nur aufgrund der äußeren Merkmale. Ob man es dann schon direkt „Liebe“, oder eher ein frühes Anziehungs- und Vertrautheitsgefühl nennt, ist am besten jedem selbst überlassen [3]. Vielleicht wäre aber „Interesse“ auf den ersten Blick etwas präziser formuliert, auch wenn „Liebe“ auf den ersten Blick natürlich romantischer klingt!

Aber wie geht es dann weiter? Man lernt sich besser und besser kennen, all unsere Sinne arbeiten auf Hochtouren und wir scannen jedes Detail des Gesichts ab, bewerten die Stimme des anderen, und auch der Geruchssinn kommt mit ins Spiel!

Das verschwitze T-Shirt

Folgendes Szenario: In einem Experiment trugen Männer zwei Nächte lang dasselbe T-Shirt. Diese getragenen T-Shirts wurden danach Frauen zum dran riechen gegeben und sie sollten bewerten, welches T-Shirt am besten roch. Das spannende Ergebnis der Studie war, dass Frauen die T-Shirts von den Männern bevorzugten, deren MHC-Gene unterschiedlich zu den eigenen waren. MHC steht für Major Histocompatibility Complex und ist Teil unseres Immunsystems. Die Hypothese hinter dem Ergebnis ist, dass verschiedene MHC von zwei Partnern vermutlich zu Nachkommen mit einem vielfältigeren Immunsystem führen könnten, und daher die Frauen die T-Shirts von Männern bevorzugten, deren MHC anders war als ihr eigener [5].

Dieses eindrucksvolle Experiment legt nahe, dass wir auch die Gerüche von Menschen wahrnehmen und unser Gehirn diese bewertet. Der Geruchssinn ist übrigens sehr eng mit unseren Emotionszentren im Gehirn verschaltet, was die Bedeutung von Gerüchen im Liebesleben nochmal weiter betont. Bestimmt kennt ihr es auch, gerne selbst ein Tshirt vom Partner zu tragen, da der Geruch an ihn erinnert.

An dem Spruch „jemanden nicht gut riechen zu können“ ist also mehr dran als man denkt und erklärt vermutlich auch, wieso Menschen schon seit Tausenden von Jahren Parfüms verwenden, um attraktiver zu wirken! Wie stark der normale Körpergeruch jedoch im Alltag eine Rolle spielt, wird noch erforscht.

Klar ist also: Noch bevor wir also mit einer Person nur ein Wort gewechselt haben, hat sich im Gehirn bereits ein Gesamteindruck gebildet, welcher dafür sorgt, dass wir eine Person attraktiv, sympathisch, gut riechend oder interessant finden und ggf. den nächsten Schritt gehen wollen. Ob wir das dann aber tun, das ist am Ende aber immer noch uns selbst überlassen!

Wir lernen die Person also immer weiter kennen und merken irgendwann: Das passt zwischen uns. Unser Gehirn hat das vermutlich schon längst verstanden, bevor es uns überhaupt bewusst ist, aber was genau passiert dann eigentlich in uns?

Der Liebescocktail im Gehirn

Es folgen die ersten Dates, die ersten Küsse, und so langsam überkommt einen das starke Gefühl von… ja von was eigentlich? Von irgendwie allem zusammen: Aufregung, Glück, Unsicherheit, Freude, Motivation, und alles dazwischen. Wenn wir dabei sind uns zu verlieben fährt unser Körper richtig hoch!

Zu Anfang werden Stresshormone, wie Cortisol und Adrenalin, ausgeschüttet! Eine Studie von 2004 fand erhöhte Cortisolwerte bei frisch Verliebten im Vergleich zur Kontrollgruppe [6]! Ja, ihr habt richtig gelesen! Denn besonders die Anfangsphase der Verliebtheit ist so aufregend, dass man bei den ersten Dates gerne mal nass geschwitzte Hände oder rosa Wangen bekommt, der Puls erhöht und die Pupillen geweitet sind: Der Körper ist im absoluten Energie-Modus [7]. Die quälende Frage, ob die Person einen so gerne mag, wie man sie mag, verfolgt einen den ganzen Tag und man kann nicht aufhören, an die Person zu denken [8]. Das ausgeschüttete Noradrenalin sorgt nicht nur für unsere erhöhte Aufmerksamkeit, sondern lässt uns nachts auch schwerer in den Schlaf kommen. Unser Hirn kann uns so in einen Ausnahmezustand versetzen, dass manche Verliebte oft kaum Hunger haben!

Langsam aber sicher wird unser Gehirn nahezu geflutet von Neurotransmittern, unter anderem dem bekannten Dopamin, welches vom Belohnungssystem ausgeschüttet wird. Es ruft in uns Euphorie und Motivation hervor und aktiviert im Gehirn die Netzwerke, die mit positiven Erfahrungen und zielgerichtetem Verhalten in Verbindung stehen. Das Dopamin gilt als der wichtigsten Neurotransmitter, wenn man vom Verliebtsein spricht. Es verursacht auch das craving (engl: to crave, „begehren“, „sich nach etwas sehnen“) nach der anderen Person. Eine Rolle spielt dabei auch Phenlylethylamin, ein Stoff, der im Körper produziert wird, die Dopaminaktivität erhöht und vermutlich für das Gefühl von Schmetterlingen im Bauch verantwortlich ist [9]!

In unserem Kopf passiert also alles irgendwie auf einmal und es entsteht ein wahrer Neurotransmitter-Cocktail! Aber das ist gut so, denn unser Gehirn bereitet uns damit perfekt vor auf die spannende Zeit des Verliebens!

Das Belohnungssystem auf Hochtouren

Na gut, es ist also einiges los im Gehirn, wenn wir verliebt sind. Aber kann man das eigentlich auch sehen? Das geht – und zwar mit der Magentresonanztomogtaphie (MRT).

Die erste MRT-Studie zum Thema Verliebtsein wurde 2005 durchgeführt [8]. Dabei wurden 17 Teilnehmer, die angaben, intensiv verliebt zu sein, in eine MRT-Röhre geschoben und während der Messung wurden Bilder des Partners gezeigt. Als Kontrolle zeigte man zudem Bilder von Freunden oder fremden Personen. Und tatsächlich: Die Aktivierungsmuster waren bei den Bildern, die den Partner zeigten, stärker ausgeprägt, als bei den fremden Personen!

Die nächsten Jahre wurden die Studienergebnisse repliziert und bestätigt: Beim Verliebtsein leuchten im MRI besonders die sehr dopaminreichen Areale des Belohnungssystems. Auch andere Bereiche des Belohnungssystems, die mit Erwartungen, zielgerichtetem Verhalten und Emotionen zu tun haben, leuchten im MRT stark auf. Die Haupterkenntnis daraus war, dass Verliebtsein nicht einfach „nur“ ein Emotionszustand ist, sondern dass primär das Motivationssystem des Gehirns aktiviert und ein eigenes neuronales Muster zu haben scheint.Weitere MRT-Studien der letzten Jahre zeigten zudem, dass beim Anblick des Partners ähnliche Hirnregionen aktiv werden wie bei drogenabhängigen Menschen, wenn diese mit ihrer Droge konfrontiert werden [10]!

Wenn man also seinen Partner oder Partnerin sieht, dann reagiert unser Gehirn mit einer erhöhten Dopaminausschüttung. Das Gehirn behandelt die geliebte Person also nicht nur wie irgendeinen anderen Menschen, sondern die Person wird zu einem besonders bedeutsamen Ziel, dem unsere Aufmerksamkeit immer wieder gilt! Dies ist auch der Grund dafür, dass alleine das Warten auf die neue WhatsApp Nachricht der Person so spannend und unerträglich ist: Schon die Erwartung einer möglichen Nachricht aktiviert unser Belohnungssystem und wir schauen im Minutentakt auf unser Handy. Es führt auch dazu, dass wir uns selbst und unser Verhalten stärker beobachten. Kein Wunder also, dass ein kleiner Versprecher oder das wahllos zusammengewürfelte Outfit vor dem Schwarm auf einmal super peinlich wirken!

Kritisches Denken hat erstmal Pause!

Die schlechte Angewohnheit beim Essen, das ständige Ins-Wort-Fallen, die Unordentlichkeit im Badezimmer: das sind vielleicht Dinge, die einem in der ersten Zeit mit dem Liebsten erstmal nicht auffallen, weil man die bekannte rosarote Brille trägt!

Besonders in der ersten Zeit nehmen wir Makel der anderen Person kaum wahr. Grund dafür ist, dass die Gefühle der Liebe neuronale Wege deaktivieren, die in Angst und sozialer Bewertung involviert sind. Genau wie bestimmte Gehirnareale bei Verliebten aktiver sind, werden andere Gehirnareale eher abgeschwächt, dazu gehört unter anderem die Amygdala (unser Angstzentrum) sowie der Präfrontalkortex (unser Zentrum des rationalen Denkens) [7]. Wenn wir uns in einer romantischen Liebesbeziehung befinden, schaltet sich dieser neuronale Mechanismus aus, der für die kritische Beurteilung anderer Menschen zuständig ist – so wird evolutionär dafür gesorgt, dass wir bei dem gefundenen Partner bleiben und eine stabile Beziehung aufbauen. Wir sind aber auch nicht ganz blind für alle Fehler, es ist eher so, dass unser Gehirn die positiven Eigenschaften stärker wahrnimmt und die negativen weniger Bedeutung bekommen.

Die gute Nachricht (oder die schlechte, wenn man so will): Dieser Zustand hält nicht ewig an und normalisiert sich wieder mit der Zeit. Die Aktivität im Präfrontalkortex erreicht wieder das gewohnte Level, und wir beginnen, unseren Partner realistischer wahrzunehmen.

Fazit

Sich zu verlieben ist eines der aufregendsten Dinge, die wir erleben können. Unser Gehirn wird dabei gefordert wie sonst kaum, sammelt äußere Informationen über die Person, setzt Neurotransmitter in Bewegung, aktiviert unser Belohnungssystem und deaktiviert in der Kennenlernphase kritisch-denkende Prozesse in uns. Die Schmetterlinge im Bauch (oder naja… eigentlich ja eher im Gehirn) setzten uns in einen einzigartigen Zustand des emotionalen Chaos!

Zwar scheint es so, als wär unser Gehirn dafür verantwortlich, welche Personen wir interessant finden, aber es entscheidet nicht darüber, ob wir uns direkt verlieben. Viele externe Faktoren, wie das soziale Umfeld, unsere Lebenssituation und persönlichen Werte entscheiden, ob wir uns in einen Menschen verlieben. Man könnte sagen, dass die Neurochemie im Kopf den Weg für das Verlieben ebnet, doch schlussendlich sind und bleiben wir am Hebel, was genau passiert in unserem Leben.

Vielleicht verlieben wir uns nicht wirklich innerhalb weniger Sekunden, aber innerhalb weniger Sekunden kann unser Gehirn entscheiden, dass eine Person unsere Aufmerksamkeit verdient – und manchmal ist genau das der Anfang einer großen Liebesgeschichte. Und wie es von anfänglicher Verliebtheit dann mit Liebe weitergeht, das erfahrt ihr im nächsten Blogeintrag!

Quellen

[1]          ‘How many times will we fall passionately in love? New Kinsey Institute study offers first-ever answer’. Accessed: Jul. 06, 2026. [Online]. Available: https://news.iu.edu/kinseyinstitute/live/news/48909-how-many-times-will-we-fall-passionately-in-love-new-k

[2]          ‘The science behind love at first sight | National Geographic’. Accessed: Jul. 06, 2026. [Online]. Available: https://www.nationalgeographic.com/science/article/love-at-first-sight-science

[3]          ‘The science of love at first sight | Royal Institution’. Accessed: Jul. 06, 2026. [Online]. Available: https://www.rigb.org/explore-science/explore/blog/science-love-first-sight

[4]          ‘Neuroimaging of Love: fMRI Meta-Analysis Evidence toward New Perspectives in Sexual Medicine | The Journal of Sexual Medicine | Oxford Academic’. Accessed: Jul. 06, 2026. [Online]. Available: https://academic.oup.com/jsm/article-abstract/7/11/3541/6848197?login=false

[5]          C. Wedekind and S. Füri, ‘Body odour preferences in men and women: do they aim for specific MHC combinations or simply heterozygosity?’, Proc. Biol. Sci., vol. 264, no. 1387, pp. 1471–1479, Oct. 1997, doi: 10.1098/rspb.1997.0204.

[6]          D. Marazziti and D. Canale, ‘Hormonal changes when falling in love’, Psychoneuroendocrinology, vol. 29, no. 7, pp. 931–936, Aug. 2004, doi: 10.1016/j.psyneuen.2003.08.006.

[7]          ‘Liebe | Terra X Dokureihe mit Leon Windscheid’, ZDF. Accessed: Jul. 06, 2026. [Online]. Available: https://www.zdf.de/dokus/terra-x-liebe-mit-leon-windscheid-100

[8]          H. Fisher, A. Aron, and L. L. Brown, ‘Romantic love: An fMRI study of a neural mechanism for mate choice’, J. Comp. Neurol., vol. 493, no. 1, pp. 58–62, 2005, doi: 10.1002/cne.20772.

[9]          ‘The Science Behind Why We Fall in Love’, MEH. Accessed: Jul. 06, 2026. [Online]. Available: https://www.mountelizabeth.com.sg/health-plus/article/the-science-behind-why-we-fall-in-love

[10]       J. Sica, ‘Was beim Verlieben und Entlieben im Gehirn passiert’, DER STANDARD. Accessed: Jul. 06, 2026. [Online]. Available: https://www.derstandard.de/story/3000000207193/was-beim-verlieben-und-entlieben-im-gehirn-passiert

Bildquellen

Avatar-Foto

Veröffentlicht von

Mein Name ist Luisa Sophie Engelke und ich studiere Neurowissenschaften im Master an der Georg-August-Universität Göttingen. Nach meinem Biologiestudium wurde mir bewusst, dass mich insbesondere die kognitiven Neurowissenschaften faszinieren – vor allem die Schnittstellen zur Psychologie und Pharmakologie. Durch mein aktuelles Studium lerne ich immer wieder neue Facetten der Neurowissenschaften kennen, die mich inspirieren und faszinieren. Ich hoffe, meine Begeisterung in meinen Blogeinträgen mit euch teilen zu können und wünsche viel Spaß beim Lesen.

10 Kommentare

  1. Die Überschrift ist eine rhetorische Frage, weil fast jeder weiß, wer sich verliebt, es sind wir.
    Weil die Neurochemie nicht nur über unser Schicksal entscheidet.
    „Romeo und Julia“ endet in einer Tragödie.
    Der Bergmann von Falun, nicht nur die Zeitzeugen waren zu Tränen gerührt, als sie den verschütteten Bergmann von flüssigem Eisenvitriol konserviert 50 Jahre später gefunden haben. Niemand im Ort konnte sich erinnern, nur Ulla seine Verlobte erkannte ihn wieder, sie zog ihr Hochzeitskleid an und im Hochzeitskleid folgte sie dem Sarg ihres Verlobten zum Grabe.

  2. Es ist schon verrückt, dass man heute so eine Frage stellen kann. Aber klar: Wenn man eben unbedingt alles materiell erklären will, forscht man eben nur, um psychologische Gemeinplätze – also das, was schon jeder seit Langem weiß – zu „finden“. Nur wird das dann eben mit irgendwelchen Substanzen erklärt, von denen kein Mensch wissen muss. Also, um es klipp und klar zu sagen, woran auch keine Neurobiologie oder was weiß ich, was den Leuten noch einfallen wird, etwas ändern wird: Wenn sich jemand verliebt, dann die lebendige Person und niemals das Gehirn. Wenn wir uns besser kennenlernen wollen, dann brauchen wir nur unser Inneres zu befragen und keine äußeren Abläufe. https://manfredreichelt.substack.com/p/the-bridge-of-reason-where-science , https://independent.academia.edu/ManfredReichelt

    • Manfred Reichelt
      „Wenn wir uns besser kennenlernen wollen,“
      Vorallem wollen die Neurologen uns besser kennenlernen.
      Wenn man einen Alzheimer Patienten persönlich kennt und merkt , wie dessen Persönlichkeit zerfällt, wenn er sich selber nicht mehr im Spiegel erkennt, dann ist das erschreckend.
      Frau Engelke wählt deshalb den romantischeren Weg, den viele schon gegangen sind, und hofft uns damit zu motivieren, uns mit den Vorgängen im Kopf zu befassen, wenn wir verliebt sind.

      Mal sehen , was sie uns im Teil 2 anbietet.

      • Nein, die Neurologen wollen uns nicht besser kennenlernen. Sie wollen lediglich die Abläufe im Gehirn kennenlernen. Das ist nämlich etwas völlig anderes. Ihre Motivation mag das zwar sein, aber als Kinder einer Zeit, in der naturwissenschaftliches Denken höchste Anerkennung genießt, werden sie dadurch zugleich auf eine Spur gebracht, die sie in die Irre führt. Alles Lebendige, und im beschränkten Maß auch das Unlebendige (s. Quantenverschränkung), kann nur ganzheitlich erfasst werden. Geschieht das, wird die Hierarchie des wissenschaftlichen Denkens vom Kopf auf die Füße gestellt. Leben und Bewusstsein sind dann nicht, wie es durch die materialistische Naturwissenschaft suggeriert wird, sogenannte „Emergenzen“ (übrigens ein Begriff, der nichts erklärt, sondern nur etwas auf suggestive Weise benennt.), sondern grundlegende Realitäten. Das Leben und das Bewusstsein, das wir kennen, sind nur Sonderformen dieser, nämlich des verkörperten Lebens, das wir biologisches Leben nennen.

        Was schließlich die Alzheimer-Patienten betrifft, so wird auch da, was sich im Gehirn zeigt, nur das sein, was Ergebnis eines längeren individuellen Prozesses ist. Die rechte Lebensweisheit, um selbst kein Alzheimer zu bekommen, wird nur die Tiefensicht auf die Realität liefern, wie ich sie hier angerissen habe.

        https://www.academia.edu/47776276/Ursprung_und_Ziel_Wie_die_Evolution_weitergeht_
        https://www.academia.edu/127602029/Emergenz_verstehen

    • @Reichelt
      Wenn man sich ernsthaft mit der Arbeitsweise des Gehirns – und dem Thema ´Liebe´ – beschäftigt, dann sollte man über folgende Möglichkeiten nachdenken:
      A) Ich HABE eine/n Wahrnehmung, Erfahrung, Gedanken
      B) Ich BIN ein/e Wahrnehmung, Erfahrung, Gedanken

      Forschung zu verteufeln, nur weil sie nicht gefällt – ist jedenfalls keine gute Idee.

      • A und B sind völlig richtig. Aber mein Gehirn hat weder A und B. Und nein, ich verteufle keine Forschung. Ich stelle nur einen größeren Zusammenhang her, an dem alles den ihm gemäßen Platz erhält.

    • Hallo „Frankfurter“,

      mit der Unterscheidung zwischen „wir“ und „unser Gehirn“ meinte ich im Titel unser bewusstes und unser unbewusstes Erleben. Ich wollte der Frage nachgehen, ob unser Gehirn (mit all den biochemischen und neuronalen Prozessen, die unbemerkt im Hintergrund ablaufen) eine größere Rolle beim Verlieben spielt, als wir zunächst annehmen würden. Natürlich sind wir unser Gehirn und umgekehrt – der Titel sollte vor allem zum Nachdenken anregen:)

      • Liebe Frau Engelke, aus menschlichen Erwägungen widerspreche ich Ihnen nur ungern, denn sie haben sich wahrscheinlich „mit Herzblut“ für Ihre Forschungsrichtung entschieden, aber doch kann ich mit Gewissheit sagen, dass kein Mensch ein Gehirn ist. Wir Menschen haben ein Gehirn, um einen physischen Körper in der physischen Realität benutzen zu können. Den physisches Körper kann man mit einem Auto vergleichen, das wir benutzen, um eine längere oder kürzere Strecke ( unsere Lebenszeit) mit ihm zu fahren.

  3. @Engelke
    Mit dem Blog-Titel „Wer verliebt sich eigentlich – wir oder unser Gehirn?“ – wird ein Widerspruch bzw. eine Unvereinbarkeit suggeriert, welche/r nicht vorhanden ist.

    Denn die Arbeitsweise unseres Gehirns beim bewussten bzw. unbewussten Erleben ist immer gleich. Lediglich die Intensität neuronaler Aktivität entscheidet darüber ob wir etwas wahrnehmen, oder nicht.
    Eine bewusste Wahrnehmung entsteht nur dann, wenn neuronale Aktivitäten dabei eine gewisse Intensitätsschwelle überschreiten.

    Dazu wurde vor kurzem eine interessante Arbeit veröffentlicht:
    DOI: 10.1038/s41586-026-10448-0 Plasticity and language in the anaesthetized human hippocampus
    http://www.sciencedaily.com/releases/2026/06/260624025514.htm
    Brain activity under anaesthesia challenges what we know about consciousness
    (Dabei wurde die Hippocampus-Aktivität von Patienten unter Vollnarkose gemessen, denen man akustische Reize bzw. Sätze zu hören gab. )

Schreibe einen Kommentar


E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren. -- Auch möglich: Abo ohne Kommentar.