Eine Reise durch die Phasen der Liebe (Teil 2)

Die drei Phasen der Liebe

Im letzten Blogeintrag gingen wir der Frage auf den Grund, was im Gehirn passiert, wenn wir uns gerade frisch verliebt haben. Doch wie geht es von dort an weiter?

Die wohl bekannteste Liebesforscherin überhaupt, Dr. Helen Fisher, untersuchte über 40 Jahre lang das verliebte Gehirn und prägte das Konzept der drei Liebesphasen: Lust, Verliebtheit (Anziehung) und Verbundenheit [1]. Was es damit genau auf sich hat, das erfahrt ihr jetzt!

Phase 1: Die Lust

Phase 1 haben wir ja bereits im vorherigen Blogeintrag besprochen: Es ist die ganz besonders aufregende Zeit, in der unser Gehirn im Energiemodus ist und vor allem durch immense Ausschüttungen von Dopamin dafür sorgt, dass wir einen Menschen besser kennenlernen wollen. Falls ihr mehr dazu lesen wollt, schaut gerne im vorherigen Blogeintrag vorbei:

Es ist die Zeit, in der wir die rosarote Brille tragen, Schmetterlinge im Bauch umherflattern und wir eine starke Lust verspüren! Lust, die Person immer öfter zu sehen, Lust, alles von der Person zu erfahren, und auch Lust auf Sex!

Phase 2: Die Verliebtheit

Ach, ist das alles aufregend, oder? Man weiß ja wirklich gar nicht mehr, wohin mit sich selbst. Je öfter man die andere Person sieht, desto „schlimmer“ wird es alles! Im Englischen wird gerne das Wort „craving“ (verlangen) genutzt, um den Gefühlszustand von sehr verliebten Menschen zu beschreiben, die sich nach ihrer zweiten Hälfte sehnen. Ein Wort, welches auch in anderen Zusammenhängen gerne verwendet wird…

Die schöne und spannende Anfangsverliebtheit hält jedoch nicht ewig und so langsam verschwinden auch die Schmetterlinge im Bauch. Man vermutet, dass das Gehirn nicht dauerhaft den intensiven Energiemodus der Phase 1 aufrechterhalten kann, und so verändert sich das euphorische Verliebtheitsgefühl und die starke Lust langsam zu einem Sicherheits- und Wohlfühlerlebnis einer immer stabiler werdenden Partnerschaft.

Verliebtes Paar

Die Hormonausschüttungen von Dopamin fahren wieder auf ein normales Level herunter und es kommt langsam Routine in den Alltag des Liebespaares [10]. Unser Belohnungssystem bleibt weiterhin aktiv, wir fühlen uns sicher und geborgen, nur das craving nach der anderen Person wird immer weniger präsent. Die Beziehung wird sozusagen weniger euphorisch, aber dafür stabiler.

Dafür wird Oxytocin immer dominanter und verstärkt weiterhin die Paarbindung. Unser Gehirn wechselt den Zustand von “wow diese Person ist so aufregend” zu “ich fühle mich sicher mit dieser Person, ich kann entspannen, ich bin glücklich”. Neben Oxytocin spielt auch Vasopressin eine Rolle: Ein Neurotransmitter, der ebenfalls mit Verbindung, Vertrauen und Nähe assoziiert wird.

Phase 3: Tiefe Verbundenheit

Willkommen in Phase 3: Es hat sich eine stabile Beziehung aufgebaut. Mittlerweile kennt man die andere Person sehr gut, und auch die Macken sind mittlerweile liebenswert geworden. Man ist ein richtiges Team geworden, hält zueinander, hat sich durch Kompromisse gearbeitet und verspürt eine tiefe emotionale Verbundenheit zur anderen Person. Oxytocin wird weiterhin ausgeschüttet und sorgt für unser warmes Gefühl im Bauch: Wir sind uns sicher, dass man lange in dieser Partnerschaft sein möchte. Wir nehmen die andere Person mittlerweile schon wie einen Teil von uns selbst wahr: Eine Studie von 2013 zeigte, dass neuronale Netzwerke aktiv sind, die eigentlich nur im MRT aufleuchten, wenn wir über unsere eigene Identität sprechen [12].

Dopaminausschüttungen lassen nach den ersten 1-2 Jahren etwas mehr nach, sodass der Partner nicht mehr als etwas Neues und Aufregendes betrachtet wird. Daher ist es in Partnerschaften immer eine gute Idee, zusammen neue Dinge zu erleben, um es abwechslungsreich und spannend zu halten! Forschende vermuten zudem, dass Endorphine besonders in langfristigen und glücklichen Partnerschaften eine wichtige Rolle spielen. Positive gemeinsame Erlebnisse, wie Händchenhalten, Kuscheln oder gemeinsame Erlebnisse, können ihre Ausschüttung fördern und dazu beitragen, dass wir die Nähe unseres Partners oder unserer Partnerin als wohltuend und belohnend empfinden [13].

Mensch, es könnte alles ja wirklich gar nicht schöner sein. Aber wie lange kann das alles eigentlich anhalten?

Phase 4? Man liebt sich, man liebt sich nicht (mehr)…

Manche Paare durchleben nach Phase 3 leider die unschöne „Phase 4“: das Schlussmachen. Menschen, die schon einmal Liebeskummer hatten, kennen bestimmt das Gefühl, körperliche Schmerzen zu empfinden. Wenn man sie fragt „wo tut es weh“, dann zeigen vermutlich die meisten auf ihr Herz. Aber wie kann das sein? Wie sorgt eine Trennung dafür, dass wir ein Stechen im Herzen haben? 

Dr. Helen Fisher scannte die Gehirne von 15 Menschen, die gerade verlassen wurden. Aktivität sah man dabei besonders in den Regionen, die mit tiefer Verbundenheit und romantischer Liebe assoziiert werden. Nur, weil mit einem schlussgemacht wurde, heißt das ja nicht, dass man die Person nicht mehr liebt. Im Gegenteil: Es gibt sogar einen Effekt, der beschreibt, dass wir unerreichbare Personen umso mehr wollen, und dieser nennt sich „Frustration Attraction“ (Frustrations-Attraktivität)! Das alles erschwert den Prozess, durch die Schlussmach-Phase zu gelangen.

Schlusszumachen kann sowohl körperliche als auch psychologische Effekte haben und versetzt uns in eine Art „Überlebensmodus“. Studien belegen, dass nach einer Trennung Symptome von Angstzuständen, Depressionen, aber auch Schlafstörungen, weniger Appetit und sozialer Isolierung auftreten können [14]. Die Amygdala, unser Stresszentrum, wird hyperaktiv und sorgt dafür, dass unser Körper viel Kortisol produziert und damit unser Stresslevel steigt. Emotionsregulation ist schwieriger, wir scheinen sensibler zu sein, und auch unsere Impulskontrolle und Entscheidungsfindung sind verändert.

Nach der Trennung verändern sich auch die Neurotransmitter-Konzentrationen: Dopamin und Oxytocin sinken stark ab, man fühlt sich einsam und unglücklich, da die gewohnten Belohnungsreize wegfallen. Durch den Dopaminabfall erleidet man Entzugserscheinen, ähnlich denen die man bei substanzabhängigen Personen beobachtet. Weniger Oxytocin und Serotonin begünstigen ebenfalls Veränderungen in Emotionsregulation, Schlaf und Stimmung.

Die Stressreaktion betrifft aber nicht nur unser Gehirn, sondern den ganzen Körper. Unser Gehirn verarbeitet Schlussmachen bzw. abgestoßen werden wie körperlichen Schmerz [15]! MRT-Studien zeigten die gleichen Aktivierungsmuster wie beim tatsächlichen Schmerz von Verbrennen oder Erleiden von Verletzungen! Den Schmerz bei Liebeskummer bildet man sich also nicht ein! Ein faszinierendes und wortwörtlich herzzerschmetterndes Beispiel dafür ist das Broken Heart Syndrome (Gebrochenes-Herz-Syndrom), welches beschreibt, wie extrem emotionaler Stress zu einer Verformung der linken Herzkammer führen kann und das Herz somit schlechter pumpt und geschwächt wird [16]! Dies ist jedoch meistens nur eine vorübergehende Funktionsstörung und keine dauerhafte Schädigung. Denn auch von einem gebrochenen Herzen kann man sich erholen.

Liebeskummer ist also wirklich eine schwierige Angelegenheit, nur was kann man dagegen tun? Dr. Fisher fand in einer Studie zum Thema „Trennungen“ heraus, dass die Teilnehmer, deren Trennung länger her war, weniger Gehirnaktivität in den Gehirnarealen mit emotionalen Bindungen zeigten. „Zeit“ scheint also nicht nur gefühlt das beste Mittel gegen Liebeskummer zu sein, sondern auch evidenzbasiert. Wie viel Zeit ein jeder braucht, um eine Trennung zu verarbeiten, hängt aber natürlich von vielen Faktoren ab, aber besonders Freunde und Familie, Ablenkung und neue Erlebnisse können den Prozess beschleunigen.

Fazit

Die Liebe ist wirklich ganz schön kompliziert. Bei den drei Phasen der Liebe handelt es sich um ein vereinfachtes Modell zur Beschreibung der Ereignisse und Gefühlszustände in einer typischen Liebesbeziehung. Von der anfänglichen Verliebtheitsphase mit hohen Leveln an Dopamin und Adrenalin, die uns euphorisch und motiviert machen, entwickeln wir über die Zeit durch Oxytocin und Vasopressin eine enge und vertraute Bindung zur anderen Person. Die Neurochemie in unserem Gehirn sorgt für ein warmes Sicherheitsgefühl, welches auch nach vielen Jahren der Beziehung aktiv sein kann! Wenn man sich entliebt, dann muss sich das Gehirn an die neue Situation anpassen. Dies ist zwar schmerzhaft, vergeht aber mit der Zeit.

Wenn ihr das nächste Mal verliebt seid, dann habt ihr jetzt vielleicht eine bessere Vorstellung davon, dass die Magie tatsächlich weniger im Herzen, aber dafür im Gehirn stattfindet! Und jetzt raus mit euch und verliebt euch!

Quellen

[1]          ‘Lust, romance and attachment – the three things that happen when we fall in love | British Council’. Accessed: Jul. 22, 2026. [Online]. Available: https://www.britishcouncil.org/voices-magazine/three-things-that-happen-when-we-fall-in-love

[2]          ‘Meilensteine der Liebe: „Ich liebe dich“ nach 3 Monaten, Heirat nach 7 Jahren’, ElitePartner. Accessed: Jul. 25, 2026. [Online]. Available: https://www.elitepartner.de/studien/meilensteine-der-liebe/

[3]          K. G. Seshadri, ‘The neuroendocrinology of love’, Indian J. Endocrinol. Metab., vol. 20, no. 4, pp. 558–563, 2016, doi: 10.4103/2230-8210.183479.

[4]          H. Liu, L. J. Waite, S. Shen, and D. H. Wang, ‘Is Sex Good for Your Health? A National Study on Partnered Sexuality and Cardiovascular Risk among Older Men and Women’, J. Health Soc. Behav., vol. 57, no. 3, pp. 276–296, Sep. 2016, doi: 10.1177/0022146516661597.

[5]          ‘Sex: How does it impact brain activity?’ Accessed: Jul. 22, 2026. [Online]. Available: https://www.medicalnewstoday.com/articles/321428

[6]          C. S. Carter, ‘Sex, love and oxytocin: Two metaphors and a molecule’, Neurosci. Biobehav. Rev., vol. 143, p. 104948, Dec. 2022, doi: 10.1016/j.neubiorev.2022.104948.

[7]          A. Tóth and Á. Dobolyi, ‘Prolactin in sleep and EEG regulation: New mechanisms and sleep-related brain targets complement classical data’, Neurosci. Biobehav. Rev., vol. 169, p. 106000, Feb. 2025, doi: 10.1016/j.neubiorev.2024.106000.

[8]          ‘Is Sex Good for Your Brain? A National Longitudinal Study on Sexuality and Cognitive Function among Older Adults in the United States | Request PDF’, ResearchGate, Accessed: Jul. 22, 2026. [Online]. Available: https://www.researchgate.net/publication/372723852_Is_Sex_Good_for_Your_Brain_A_National_Longitudinal_Study_on_Sexuality_and_Cognitive_Function_among_Older_Adults_in_the_United_States

[9]          C. Cassella, ‘Sex Appears to Protect Brain Health in Older Adults, Scientists Say’, ScienceAlert. Accessed: Jul. 22, 2026. [Online]. Available: https://www.sciencealert.com/sex-appears-to-protect-brain-health-in-older-adults-scientists-say

[10]       ‘Love and the Brain | Harvard Medical School’. Accessed: Jul. 22, 2026. [Online]. Available: https://hms.harvard.edu/news-events/publications-archive/brain/love-brain

[11]       TED, Helen Fisher erforscht das verliebte Gehirn, (Jul. 15, 2008). Accessed: Jul. 06, 2026. [Online Video]. Available: https://www.youtube.com/watch?v=OYfoGTIG7pY

[12]       H. Kawamichi et al., ‘Medial Prefrontal Cortex Activation Is Commonly Invoked by Reputation of Self and Romantic Partners’, PLoS ONE, vol. 8, no. 9, p. e74958, Sep. 2013, doi: 10.1371/journal.pone.0074958.

[13]       D. Ponzi and M. Dandy, ‘The Influence of Endogenous Opioids on the Relationship between Testosterone and Romantic Bonding’, Hum. Nat., vol. 30, no. 1, pp. 98–116, Mar. 2019, doi: 10.1007/s12110-018-9332-4.

[14]       T. Field, M. Diego, M. Pelaez, O. Deeds, and J. Delgado, ‘Breakup distress in university students’, Adolescence, vol. 44, no. 176, pp. 705–727, 2009.

[15]       H. E. Fisher, Anatomy of Love: A Natural History of Mating, Marriage, and why We Stray. Fawcett Columbine, 1994.

[16]       ‘Takotsubo syndrome’, British Heart Foundation. Accessed: Jul. 27, 2026. [Online]. Available: https://www.bhf.org.uk/informationsupport/conditions/takotsubo-cardiomyopathy

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Mein Name ist Luisa Sophie Engelke und ich studiere Neurowissenschaften im Master an der Georg-August-Universität Göttingen. Nach meinem Biologiestudium wurde mir bewusst, dass mich insbesondere die kognitiven Neurowissenschaften faszinieren – vor allem die Schnittstellen zur Psychologie und Pharmakologie. Durch mein aktuelles Studium lerne ich immer wieder neue Facetten der Neurowissenschaften kennen, die mich inspirieren und faszinieren. Ich hoffe, meine Begeisterung in meinen Blogeinträgen mit euch teilen zu können und wünsche viel Spaß beim Lesen.

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