Wie Hunde denken

Ein “Must-See” für alle Liebhaber von Hunden, Gehirnen und Hundehirnen (7 Min.):

https://aeon.co/videos/what-is-your-dog-really-thinking-mri-brain-scans-might-soon-provide-the-answer

Veröffentlicht von

Geboren 1967 in Emsdetten/Westfalen. Diplom kath. Theologie 1993, Psychologie 1997, beides an der Universität in Bonn. Nach einem Jahr am Leipziger Max-Planck-Institut für neuropsychologische Forschung (1997-98) bin ich seit Oktober 1998 klinischer Neuropsychologe an der Universitätsklinik für Epileptologie in Bonn. Ich wurde an der Universität Bielefeld promoviert (2004) und habe mich 2015 an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn habilitiert (Venia legendi für das Fach Neuropsychologie). Klinisch bin ich seit vielen Jahren für den kinderneuropsychologischen Bereich unserer Klinik zuständig; mit erwachsenen Patientinnen und Patienten, die von einer schwerbehandelbaren Epilepsie oder von psychogenen nichtepileptischen Anfällen betroffen sind, führe ich häufig Gespräche zur Krankheitsbewältigung. Meine Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen in den Bereichen klinische Neuropsychologie (z.B. postoperativer kognitiver Outcome nach Epilepsiechirurgie im Kindesalter) und Verhaltensmedizin (z.B. Depression bei Epilepsie, Anfallsdokumentation). Ich habe mich immer wieder intensiv mit den philosophischen und theologischen Implikationen der modernen Hirnforschung beschäftigt (vgl. mein früheres Blog WIRKLICHKEIT Theologie & Hirnforschung), eine Thematik, die auch heute noch stark in meine Lehrveranstaltungen sowie meine öffentliche Vortragstätigkeit einfließt.

30 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist ein sehr gutes Thema. Hunde gehören zu den wenigen Tieren, die die menschliche Körpersprache verstehen.
    Ich habe meine Grundregeln im Verhalten gegenüber Jugendlichen aus der Hundedressur abgeleitet. Und…..it works.
    Man kann also sagen, der Hund denkt ähnlich wie ein Mensch , in kurzer abstrahierter Form jedenfalls.

  2. Als Radfahrer werde ich beinahe täglich von freilaufenden Hunden verfolgt. Die Aggressivität und Bissigkeit dieser Tiere verstehe ich dann erst richtig, wenn ich die dazugehörigen Halter der Hunde sehe und höre.
    Hier zeigt sich für mich, dass der Hund im Denken eigentlich seinen Herren kopiert , was dem Hund als Rudeltier nicht negativ anzurechnen ist. Er setzt nur das um, was die Evolution ihm genetisch eingegeben hat, womit wir dann wieder beim Denken der Menschen wären…

  3. Golzower,
    der Jagdtrieb ist den Hunden angeboren. Unser Hund, ein DD, der hat Radfahrer auch gejagt, dann in die Pedale gebissen, bis der Radfahrer abgestiegen ist. Dann war der Fall für den Hund erledigt, er ist wieder zurückgelaufen.
    Das ist nicht mit Bissigkeit zu verwechseln. Ein bissiger Hund, der Kinder beißt, gehört erschossen.
    Übrigens: Hunde träumen auch. Nach der Jagd hat unser DD im Schlafe laut gebellt und gehächelt, als ob er immer noch dem Hasen nachläuft.

  4. @Lennart
    “der Jagdtrieb ist den Hunden angeboren. Unser Hund, ein DD, der hat Radfahrer auch gejagt, dann in die Pedale gebissen, bis der Radfahrer abgestiegen ist. Dann war der Fall für den Hund erledigt, er ist wieder zurückgelaufen.”

    Ergreifen Sie Sicherheitsmaßnahmen, um zu verhindern, dass Ihr Hund seinen Jagdtrieb anwenden kann?
    Haben Sie einen Vorschlag, wie man Hunde halten könnte, sodass dieser Trieb nicht angewandt wird. In Ihrem Beispiel hätte Ihr Hund ja auch in die Wade beißen können. Wenn das nicht an der Erziehung liegt, bleibt ja nur der allgemeine Leinenzwang an allen Orten, wo Jogger oder Radfahrer unterwegs sein können. Oder fällt Ihnen eine andere Lösung ein? An Orten ohne Leine bliebe ja sonst nur der eigene adäquat umzäunte Garten.

  5. libertador,
    den genannte Hund haben wir wieder verkauft, weil uns das Risiko zu groß wurde.
    Der Hund wurde als Jagdhund verwendet und wir haben ihm deshalb das “Jagen”nicht aberzogen.
    Eine einfache Lösung ist eine scharfe Dressur mit Stachelhalsband . Der Hund hört dann auf Zuruf oder auf Pfiff , auch wenn ein Hase neben ihm wegläuft.
    Als Streicheltier war er ja auch nicht gedacht.

    • @Lennart: In Österreich sind Stachelhalsband verboten und nicht nur das, auch das das In-Verkehr-Bringen, der Erwerb und der Besitz von Stachel- und Korallenhalsbändern verboten. Und laut Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auch in Deutschland teilweise.

      Und das zu Recht. Und kommen sie mir nicht damit, dass sie von Hundedressur Ahnung hätten. Stachelhalsband ist schon lange nicht mehr state of the art.

      Danke Herr Gustav für diesen Kommentar. Leider haben viele Hundehalter keine Ahnung von Hunden. Weder von ihren Bedürfnissen noch über die gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststandards betreffend Haltung und Pflege.
      Leider sind daran diverse Medien nicht ganz unschuldig, wenn sie selbsternannten Hundeflüsterern,die mit gewaltbetonten Methoden versuchen Hunde zu erziehen, auch noch eine Plattform bieten. Dabei sind Hunde sehr kooperativ und verzeihen uns unsere Fehler. Jedenfalls mehr als wir ihnen. Wenn Hunde sich mal wehren folgt die Todesstrafe ohne Aussicht auf eine faire Verhandlung. Oft werden sie zu Komplizen ihrer Halter, ausbaden müssen es die Hunde ohne daß die wahren Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden.
      Erschreckend, dass Stachelhalsbänder, Elektroschock und diverse andere Folterinstrumente noch immer als Erziehungsmittel in den Köpfen herumgeistern und auch gnadenlos angewendet werden.
      Solche Methoden erfordern halt wenig Hirn vom Anwender.

  6. @Lennart: “Hunde gehören zu den wenigen Tieren, die die menschliche Körpersprache verstehen.”

    Katzen können das, Frettchen können das, sogar bei Ratten hab ich das schon erlebt. Wohl macht das jedes Tier, wohl selbst Zootiere, wenn sie vom aktuellem Verhalten auf Fütterungszeit schließen. Jedes Tier passt sich natürlich an Menschen an (wenn es bei Menschen lebt) und bildet quasi eine “Theorie” wie das Gesehene mit dem Erlebten zusammen zu bringen ist. Nicht nur Hunde.

  7. @Lennart: In Österreich sind Stachelhalsband verboten und nicht nur das, auch das das In-Verkehr-Bringen, der Erwerb und der Besitz von Stachel- und Korallenhalsbändern verboten. Und laut Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auch in Deutschland teilweise.

    Und das zu Recht. Und kommen sie mir nicht damit, dass sie von Hundedressur Ahnung hätten. Stachelhalsband ist schon lange nicht mehr state of the art.

  8. Mexxin, Gustav,
    übertreibt ihr nicht ein wenig mit Eurer Tierliebe. In China werden Hunde gezüchtet zum Schlachten.
    Davon abgesehen ist ein Stachelhalsband die letzte Möglichkeit einen Alpha-Rüden zu bändigen. Bei unserem Nachbarbauern hat der Wachhund das Kind in die Brust gebissen.
    Wir haben den Hund erschossen. Das Kind ist wichtiger als der Hund.
    In einem türkischen Buch habe ich eine Karrikatur über deztsche Familien gesehen. Da schiebt eine Frau einen Kinderwagen und darin liegt ein Hund. Ziemlich treffend finde ich.
    Mit der Plattform übertreibt Ihr auch.
    In der Regel kommt man bei Hunden mit einfacheren Mitteln aus. Wenn der Hund aber aufs Wort gehorchen muss , z.B. bei einer Treibjagd, dann braucht es manchmal auch außergewöhliche Maßnahmen.

  9. US,
    deine Aussprüche und Einsichten haben auch schon Bibelstatus.
    Wenn du nicht bereit bist, den Hund zu erziehen, dann bist du zur Hundehaltung ungeeignet.
    Uli, ich jogge jeden Morgen und da begegnen mir mehr Hunde als mir lieb ist. Und für die gibt es nur zwei Sichtweisen: Freund oder Beute.
    Und wenn mir ein Kampfhund mit 60 Kg ohne Herrchen entgegenkommt, dann bleibe ich lieber stehen.

  10. Christian Hoppe
    schade, dass das Video in English ist. Ich habe nur bruchstückhaft verstanden, worum es geht.
    Davon abgesehen sind die intellektuellen Fähigkeiten eines Hundes enorm.
    Man beobachte mal einen Hütehund, wie der eine Schafherde zusammenhält. Das kann kein Mensch besser.
    Ein Hund unserer Vewandten war darauf abgerichtet, die Kinder zu bewachen und wenn ein Kind zu nah an den Bach kam, dann holte der Hund es zurück.

  11. Ja Lennart, es ist wirklich eine Schande wie Mensch sich und seine Umwelt erzieht.

    Bei den Indianern war es aus gutem Grund verboten Menschen mit geistigen Behinderungen ein Leid / Zwang anzutun, weil man wusste dieser hat einen “direkten Draht” zur Geistwelt – Wir müssen diese ja möglichst nach unserem “aufgeklärt-zivilisierten” Gusto bilden / funktionalisieren und reißen sie daraus, im festen Glauben (und absolutem Unverständnis!) ihnen die bestmögliche Erziehung angedeihen zu lassen!?

    • Es gibt Esoteriker die behaupten der Hund ist mindestens zur Hälfte ein Geistwesen, welches sowohl heilerische Kräfte alsauch die Fähigkeit zur geistigen Begleitung für Sterbende haben soll. Ich weiß nicht woher diese “Erkenntnisse” kommen, kann es mir aus spezieller Erfahrung gut vorstellen, besonders wenn ich an so manchen mir bekannten und nicht / sich selbst erzogenen Hund denke.

  12. hto
    in Canada hat man einem Husky ein Denkmal gesetzt. (Ich hoffe ich bekomme die Geschichte wieder zusammen.)
    Der Besitzer ist auf dem Marktplatz dieser Stadt gestorben. Nach dem
    Ttode kam der Hund jeden Tag zur gleichen Zeit wieder an die gleiche Stelle und hat 2 Stunden Wache gehalten. Das ging jahrelang so, bis der Hund auch an der Stelle gestorben ist.
    Für diese Treue haben ihm die Bewohner der Stadt ein Denkmal errichtet.

    Überhaupt erinnern uns die Tiere daran, dass wir nicht allmächtig auf sie herabschauen sollen. Die therapeutische Wirkung von Hunden auf Menschen ist ja bekannt, gerade bei Depression.

    • @Lennart

      Überhaupt erinnern uns die Tiere daran, dass wir nicht allmächtig auf sie herabschauen sollen

      als Biologe sehe ich das auch so. Leider schlägt das Pendel aktuell ein wenig zu weit in die Richtung aus, die du auch kritisiert hast, aus meiner Sicht, dass man versucht, den Unterschied zwischen Mensch und Tier kleinzureden.

      ‘Früher’ war das anders, vor allem aus religiösen Motiven legten viele Menschen enormen Wert darauf, kategorial von den Tieren unterschieden zu sein. Schau nur mal nach Amiland, beispielsweise zu der ‘cruisade’ gegen Evolution, zu der in den 1920er Jahren Bryan aufrief und mit welchen Argumenten damals hantiert wurde. Der Butler-Act, der in diesem Kontext entstand, verbot interessanterweise nicht, Evolution an Schulen zu lehren, sondern ‘nur’, dass nicht gelehrt werden durfte, dass der Mensch nicht-menschliche Vorfahren hatte. Auch heute noch meinen Menschen dort, die ganze Ethik ging über die Wupper, nur weil man den Menschen als kontingentes Produkt einer Evolution betrachtet und nicht als ein Geschöpf aus Gottes Hand.

  13. TW
    Von den Kreationisten sind wir noch meilenweit entfernt. Bei uns hat das Schulsystem den richtigen Weg eingeschlagen, nämlich Religion zuzulassen und zu lehren und gleichzeitig die Naturwissenschaften zu fördern. Jeder Schüler kann selbst entscheiden welcher Richtung er sich zuwendet. Und das ist ja auch im Sinne von (kultureller) Evolution.

    Übrigens: Gestern stand ich 2 1/2 Stunden im Stau zwischen Würzburg und Heilbronn. Da erzählte ein Arzt eine haastreubenden Geschichte. Ein Patient kam zu ihm mit einem Kopfverband wegen einer Schußverletzung. Nachdem der Mann den Verband abgenommen hatte war ein Einschuß zu sehen mitten auf der Stirn und der Ausschuß war am Hinterkopf. Der Mann war ansprechbar. Was dann geschah, das erzählte der Arzt nicht weiter….
    In dem Stau war auch noch ein Funkloch, so dass wir total abgeschnitten waren.

    • @Lennart

      Von den Kreationisten sind wir noch meilenweit entfernt. Bei uns hat das Schulsystem den richtigen Weg eingeschlagen, nämlich Religion zuzulassen und zu lehren und gleichzeitig die Naturwissenschaften zu fördern.

      aus meiner Sicht ist das nicht der richtige Weg. Anstelle von (konfessionellem) Religionsunterricht müsste man Religionskunde oder so was einführen. Aber okay, ich bin als Ethik-Lehrer hier natürlich Partei.

      Jeder Schüler kann selbst entscheiden welcher Richtung er sich zuwendet. Und das ist ja auch im Sinne von (kultureller) Evolution.

      Das kann ich nicht nachvollziehen. Man kann sich hier nicht entscheiden, solange man Aussagen über die Welt macht. Zumindest nicht, wenn man Geltung beansprucht. Ich weiß natürlich, dass Glauben sehr flexibel ist. Das war schon bei Augustinus so. Mir ist aber schleierhaft, wie man so was intellektuell redlich mit Offenbarung unter einen Hut bekommen möchte. Ich habe viele Bücher von theistischen Evolutionisten gelesen und neige eher zu dem, was Kreationisten vertreten. Das ist wenigstens stringent, wenn auch leicht widerlegbar. Intelligent Design ist sowieso ein anderes Kaliber. Wir können das gerne durchdiskutieren, aber vermutlich ist das nicht Thema des Blogs. Sie können mir gerne eine Mail schreiben (ich habe auf meine Homepage verlinkt).

      Übrigens: Gestern stand ich 2 1/2 Stunden im Stau zwischen Würzburg und Heilbronn. Da erzählte ein Arzt eine haastreubenden Geschichte. Ein Patient kam zu ihm mit einem Kopfverband wegen einer Schußverletzung. Nachdem der Mann den Verband abgenommen hatte war ein Einschuß zu sehen mitten auf der Stirn und der Ausschuß war am Hinterkopf. Der Mann war ansprechbar. Was dann geschah, das erzählte der Arzt nicht weiter….
      In dem Stau war auch noch ein Funkloch, so dass wir total abgeschnitten waren.

      Nicht alle Teile des Gehirns sind gleich lebensnotwendig. Wenn der Schuss längs zwischen den Hemisphären durchging und nicht allzu viel Energie hatte, muss gar nicht viel Gewebe zerstört worden sein. Es ist übrigens nicht selten, dass sich jemand quer durch den Schädel schießt und dann blind überlebt. Auf der anderen Seite reichen an anderen Stellen des Gehirns minimale Läsionen, um tödlich zu sein.

      Kennen Sie die Geschichte von Pineas Gage, beispielsweise bei wikipedia?

  14. TW
    …Stringenz….
    Die Aufgabe eines Lehrenden ist es in erster Linie nicht, stringent zu sein, seine Aufgabe ist es die verschiedenen Geistesrichtungen anzubieten , nicht in vorgekauter Form, damit sie stringent erscheinen, sondern als geschichtliche Tatsachen. Und wenn man dann neutral bleibt und die Lernenden zwingt, selbst stringent zu werden, dann hat man als Lehrender seine Aufgabe erfüllt.
    Wer dem Kreationismus aus Stringenz das Wort redet, der kann auch Machiavelli das Wort reden oder einem Iljitsch Lenin oder auch Stephen Hawking.
    Diese authoritär ideologische Denkweise zerstört unsere Welt. Geben Sie den Freidenkern Gedankenfreiheit. !!!!!

    • @Lennart
      Wir reden aneinander vorbei. Ich habe als Nicht-Christ (AKA Freidenker) meinen Eindruck von diversen Formen des Christentums geschildert. Im Gegensatz zu den modernen Theologen erscheint mir das, was Kreationisten vertreten, um Längen konsistenter und stringenter als das, was Theologen vertreten, die versuchen, die Ergebnisse der modernen Naturwissenschaften und das, was sie als Offenbarung betrachten, irgendwie unter einen Hut zu bringen.

      Das hat mit der Art, wie ich unterrichte, nichts zu tun. In diesem Bereich halte ich mich an die üblichen Curricula. Ich habe nur dafür plädiert, konfessionellen Religionsunterricht durch Religionskunde zu ersetzen.

  15. TW
    …Kreationisten versus angepasste Christen…
    Aus der Sicht eines Außenstehenden stimmt ihre Aussage. Die Kreationisten nehmen die Bibel wörtlich.
    Und darin liegt der Hund begraben. Die Hermeneutik beschäftigt sich mit dem Inhalt und der Auslegung von Texten. Und wenn man denen Vertrauen schenkt, dann kann man einen alten Text eben nicht mehr 1 : 1 in die moderne Sprache übersetzen. Dann ist ein umfassendes Wissen gefragt über die damalige Geschichte und über den damaligen Sprachgebrauch.
    Die moderne Theologie geht mit der Naturwissenschaft konform bis dahin, wo ethische Belange ins Spiel kommen.
    Deswegen ist im Bereich der Gesetzgebung eine Ethikkommission zuständig, wenn die Wissenschaft Versuche am Menschen fordert.
    Das ist sinnvoll und im Interesse der Ethik auch notwendig. Die Fachwissenschaften sind blind für ethische Überlegungen.
    Also konkret, der Vorwurf gegen die moderne Theologie sie müsse sich verwinden um Bibelwissen und naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Einklang zu bringen , der ist nicht mehr gerechtfertigt. In Grundsatzfragen, z. B. Abtreibung ist eine Grundsatzdiskussion wünschenswert.
    Wieder zurück zum Hund!
    Der muss auch eine “Güterabwägung” vornehmen, wenn ihm das Herrchen verboten hat, das Kotelett vom Tisch zu klauen und das Herrchen nicht zu Hause ist.

    • @Lennart

      Aus der Sicht eines Außenstehenden stimmt ihre Aussage. Die Kreationisten nehmen die Bibel wörtlich.

      schön, dass wir hier einig sind.

      Und darin liegt der Hund begraben. Die Hermeneutik beschäftigt sich mit dem Inhalt und der Auslegung von Texten. Und wenn man denen Vertrauen schenkt, dann kann man einen alten Text eben nicht mehr 1 : 1 in die moderne Sprache übersetzen. Dann ist ein umfassendes Wissen gefragt über die damalige Geschichte und über den damaligen Sprachgebrauch.

      Für mich als Naturwissenschaftler stellt sich eine andere Frage: Existiert Gott als ‘Ding’, das ist in meiner Terminologie alles, das unabhängig vom erkennenden Subjekt existiert, oder nur als ‘Konstrukt’, das ist in meiner Terminologie alles, was nur als Gedanke existent ist. Selbstverständlich gibt es ‘Konstrukte’ von ‘Dingen’ (genauer, wir können über ‘Dinge’ nur in ‘Konstrukten’ reden …), es gibt aber auch ‘Konstrukte’, denen eben kein ‘Ding’ entspricht. Die Hermeneutik kann nur klären, wie aus ‘Konstrukten’ andere ‘Konstrukte’ wurden. Man kann sich auch fragen, ob das jeweils aktuelle ‘Konstrukt’ mit dem Original kompatibel ist.

      Die moderne Theologie geht mit der Naturwissenschaft konform bis dahin, wo ethische Belange ins Spiel kommen.

      Da ich Theologie keinerlei ethische Relevanz einräume (jede Ethik, die auf einen Gott ‘gegründet’ ist, ist für alle, die nicht an diesen Gott glauben, ohne normativen Wert), ist das eher ein irrelevanter Nebenaspekt.

      Deswegen ist im Bereich der Gesetzgebung eine Ethikkommission zuständig, wenn die Wissenschaft Versuche am Menschen fordert.

      … in der Theologen bestenfalls den Stellenwert haben sollten, den der Glaube an die jeweilige Theologie in der Gesellschaft repräsentiert, also nicht die Anzahl der Karteileichen. Sie wissen sicher auch, dass es eine Fülle von Ethiken gibt, die ohne Übernatur auskommen.

      Das ist sinnvoll und im Interesse der Ethik auch notwendig. Die Fachwissenschaften sind blind für ethische Überlegungen.

      Aus meiner Sicht ist Ethik eine Fachwissenschaft, allerdings nur, solange sie ohne Theologie auskommt.

      Also konkret, der Vorwurf gegen die moderne Theologie sie müsse sich verwinden um Bibelwissen und naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Einklang zu bringen , der ist nicht mehr gerechtfertigt.

      Das ist die spannende Frage. Gibt es Wunder? Ist eine Auferstehung mit den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften kompatibel? Kann Evolution und Christentum unter einen Hut gebracht werden? Ich sehe das nicht, obwohl ich, wie ich schon schrieb, Dutzende von Büchern gelesen habe, in denen das behauptet wurde. Man muss dafür entweder die Evolutionsbiologie oder die Theologie ‘gegen den Strich’ interpretieren.

      In Grundsatzfragen, z. B. Abtreibung ist eine Grundsatzdiskussion wünschenswert.

      Selbstverständlich. Dabei sollten aber Begriffe wie ‘Seele’ etc. keine Rolle spielen.

      Der muss auch eine “Güterabwägung” vornehmen, wenn ihm das Herrchen verboten hat, das Kotelett vom Tisch zu klauen und das Herrchen nicht zu Hause ist.

      Darauf sollten Sie gelegentlich die Radbruch-Formel anwenden 😉

      Bevor diese Diskussion aber ‘auf den Hund’ kommt, sollten wir überlegen, ob wir nicht besser per Mail diskutieren sollten. Hat mit dem Thema des Threads nicht mehr viel zu tun, und ich möchte den Inhaber des Blogs nicht verärgern.

  16. Zu Thomas Waschke
    “Kann Evolution und Christentum unter einen Hut gebracht werden…”
    Wer oder was auch immer diesen Urknall ausgelöst hat, ER/ES hat damit eine Kette von Prozessen ausgelöst, die einem Dominoeffekt entspricht. In Kenntnis der Gesetzmäßigkeiten aller Naturgesetze im Weltall hätte dieser “Auslöser” vor ca. 13 Milliarden Jahren bereis gewußt bzw.voraussagen können, dass irgendwann einmal aus heißem Plasme,Gravitation, Atomen etc. Leben entstehen muß und das das, was wir heute als “Evolution” bezeichnen, eigentlich nur eine logische Konsequenz und Folge dieses Urknalls ist. Dieser “Auslöser” hat diese Dominosteinreihe also quasi nur mit dem kleinen Finger angetippt und damit ein System in Gang gesetzt, was notgedrungen einmal zum Homosapiens führen mußte bzw. noch weiter. ( Vielleicht wurde dieses System schon öfters praktiziert ? ) Warum könnte dieser “Auslöser” nicht eine Art “Gott” gewesen sein ? (Kein Gott im menschlichen Sinne) . Gegenargumente fehlen…

  17. @Golzower

    Warum könnte dieser “Auslöser” nicht eine Art “Gott” gewesen sein ?

    ich sprach von Vereinbarkeit von Christentum und Evolution. Selbstverständlich könnte eine beliebige Anzahl welcher Gottheiten auch immer weiß der Herr was auch immer in Gang gesetzt haben oder auch immer noch beeinflussen (beispielsweise occasionalistisch, indem derartige Wesen sozusagen jede chemische Bindung von Hand knüpfen …).

    Sind diese Entitäten christlich?

  18. TW

    Auf den Hund gekommen, sehr gut, das war meine Absicht.

    Wer die menschliche Kultur ergründen will, muss die menschliche Denkweise ergründen. Wer die menschliche Denkweise ergründen will, muss sich nach Platos Vorstellung sehr weit wegbewegen , so weit, dass keinerlei Verdacht aufkommt, die Erkenntnise der menschlichen Eitelkeit wegen zu schönigen.
    Wir brauchen also den Spiegel , indem sich menschliche Denkweise zeigt, ein Spiegel, der unbestechlich ist, fast unbestechlich so wie es Hunde manchmal sind.

    Der Hund als domestiziertes Tier ist der Spiegel, mit dem wir uns beschäftigen werden. Der Hund als Einzelwesen und der Hund als Herdentier. Und es scheint, als ob uns die Hundenatur in zwei Variationen vorkommt, als dem lieben Schoßhund und als der natürlichen „Bestie“, die nur ein Ziel verfolgt, in der Rangordnung der höchste zu sein, und der alle Lebewesen, die schwächer als er sind als Beute betrachtet.

    Und der Mensch zeigt in dieser Hinsicht augenfällige Parallelen. Als Einzelmensch der sozialisierte Gesprächspartner, in der Gruppe aber die Bestie Mensch , die ihre Ziele fokusiert und die persönliche Verantwortung der Gruppe unterwirft.

    An dieser Stelle sei auf das Buch von Ortéga y Gasset verwiesen, „Der Mensch und die Leute“ der genau das Massenphänomen „Verantwortungslosigkeit“ und Verlust der Menschlichkeit bei Massenveranstaltungen aufzeigt.
    Ortega, der durch den Spanischen Bürgerkrieg angeregt war , so ein Buch zu schreiben, stellt also eine menschliche Eigenart blos, den Verlust der Menschlichkeit , wenn der Mensch als Masse auftritt.
    Vorerstmal so viel zum Aufwärmen. Vielleicht fällt dabei ein Körnchen ab, das uns das Phänomen Religion genauer erklärt.

  19. Zu Lennart:
    “den Verlust der Menschlichkeit, wenn der Mensch als Masse auftritt…”
    Auch Ortega war ein Kind seiner Zeit . Wenn die Zeiten brutal sind, werden auch die Menschen brutal.
    Evolutionär gesehen ist der Mensch ein “Hordentier”.In der Horde fand er eine Millionen Jahre lang Sicherheit und Geborgenheit in einer Zeit des Fressens und gefressen werdens.Ich persönlich habe auch die Masse Mensch erlebt, wo ich das Gegenteil erlebt habe.Es gibt auch Solidarisierungs-und Verbindungseffekte bei Massenansammlungen.Gleiche Ideen, Interessen,Glaubensideale können in Massen verbinden. Diese Gesellschaft heute verlangt Ellenbogenmenatiltät, Egoismus,Durchsetzungsvermögen… In der Hinsicht fühlt sich jeder “Induvidualist” in der Masse nicht aufgehoben. Es gibt aber auch Gesellschaften wo sich diese kapitalistischen Werte noch nicht durchgesetzt haben. Ich persönlich halte mich da an Karl Marx: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.Menschen werden im Prinzip genau so konditioniert wie Hunde.Beide ordnen sich Autoritäten und Werte unter um zu überleben. Der Zeitgeist (das SEIN) ist auch eine Autorität, die wir uns kritiklos unterordnen.
    Zu Th. Waschke:
    Vergessen sie den Begriff “Gott” . Sie können es auch INTELLIGENZ oder “Schöpfer” nennen.
    Der Mensch hat hier etwas versucht in Worte zu fassen, was Christen GOTT nennen…

  20. @Golzower

    Vergessen sie den Begriff “Gott” . Sie können es auch INTELLIGENZ oder “Schöpfer” nennen.

    ich bevorzuge ‘das Numinose’ im Sinne von Otto oder Mensching.

    Der Mensch hat hier etwas versucht in Worte zu fassen, was Christen GOTT nennen…

    Sehe ich auch so. Ich gehe davon aus, dass ein Gefühl in Worte gefasst wurde. Aus der Tatsache, dass man diesem Wort einen bestimmten Artikel vorgestellt hat, folgt noch nicht, dass dem Bezeichneten eine reale Existenz zukommt. Ein Gefühl bleibt ein Gefühlt, selbst wenn man ein Wort dafür prägt.

    Um zu Thema zurückzukehren: Wenn Darwin Recht hatte, verfügte auch sein Hund über derartige Gefühle und Darwin hat das plastisch geschildert.

  21. Golzower
    Sein und Bewusstsein

    Wie ein Hund denkt hängt davon ab, welche Gene er in sich trägt. Es gibt unter den Jagdhunden den „Totengräber“. Der verbuddelt einen gefangenen Hasen, wenn er außer Reichweite des Jägers ist.

    Wenn er innerhalb der Reichweite ist, apportiert er den Hasen und bringt ihn dem Jäger.

    Das bedeutet doch, dass sein Denken von zwei Voraussetzungen gesteuert ist, der angeborenen Eigenschaft und der angelernten Eigenschaft.

    Beim Menschen kommt noch eine dritte Eigenschaft hinzu, die sich nicht ableiten lässt aus Erziehung und Erbgut, die der selbständigen Entscheidung.
    Und diese Fähigkeit begründet die Kultur. Und die wiederum kann man einteilen in rational und irrational.
    Wenn eine Gemeinschaft einen Konsens geschlossen hat, wie eine rituelle Handlung abzulaufen hat, dann halten die Menschen diese Handlung für rational. Wer sich diesem Konsens verschließt, z.B. die Atheisten, die halten die rituelle Handlung für irrational.

    Zurück zu den Wölfen. Die versammeln sich im Herbst und heulen den Mond an.
    Rational oder irrational?
    Ein asozialer Wolf würde nicht mitheulen (sarkastische Bemerkung)

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