Religionskriege – Interessen durchschauen

BLOG: Hinter-Gründe

Denk-Geschichte(n) des Glaubens
Hinter-Gründe

Allmählich finde ich es schlimm, wenn angeblich kritische Leute es sich ebenso billig machen wie religiös Einfältige: Während diese manchmal ziemlich lautstark verkünden, „Antwort auf alle Fragen“ gebe Gott und man müsse endlich wieder zu den „christlichen Werten“ zurückfinden und dann sei alles gut – schieben andere für  alles, was nicht so gut läuft,  die Schuld nur auf "die" Religion und sind dann ziemlich flott im Aufzählen der Religionskriege und anderer Untaten, für die schon religiöse Begründungen hergehalten haben.
Viele denken sich: Wenn nur endlich der Glaube an Gott aufhöre, dann wäre die „Wurzel allen Übels“ beseitigt.

Hauk, Imagine No Religion
Alexander Hauk, Buskampagne in San Francisco:
IMAGINE NO RELIGION
(pixelio) 

Dawkins wollte diese Behauptung zwar nicht als absolut gelten lassen und setzte anscheinend gegenüber seinen Vermarktern zu diesem Filmtitel noch ein Fragezeichen durch. Aber seine Nachbeter fragen oft schon nicht mehr. Und auch er meint ja beispielsweise, ohne den Gottesglauben gäbe es keinen Nordirland-Konflikt. Das, muss man doch dabei auch sehen, kann nur einem einfallen, der als Sohn eines Kolonialbeamten in einer britischen Kronkolonie geboren wurde und dann in gutbürgerlicher englischer Gesellschaft aufwuchs, um schließlich in Oxford eine akademische Karriere zu machen. Für das Unrecht gegenüber der seit Jahrhunderten von einer englischen Oberschicht beherrschten, um einiges ärmeren, irischen Bevölkerung braucht er dann weniger Mitgefühl. Den Konflikt auf konfessionelle Gegensätze zu reduzieren, das stört seine Kreise und deren Interessen weniger. Die wirklichen Interessengegensätze in den kolonialen und nachkolonialen Kämpfen muss man dann nicht so genau wahrnehmen – auch nicht in Nahost oder Südasien. Die politische Blindheit in politischen Vorwürfen gegenüber „der Religion“ scheint gerade bei manchen, die jünger sind oder Jünger, noch viel weiter fortgeschritten zu sein.

Dass Kriege nicht erst mit Religionen anfangen, könnte man bereits an vergleichbaren Tierarten sehen, die sich gegenseitig bekriegen können. Siehe Volker Sommer, Darwinisch denken, S. 42 ff „Schimpansenkriege“.

Sommer, Darwinisch denken

Sie sind nur nicht so schlau wie homo sapiens sapiens und deshalb nicht so effektiv und gefährdend für das Ökosystem unseres Raumschiffs Erde – und das doch wohl ohne Religion. Nicht ohne Grund habe ich dieses Buch mit Interesse gelesen und es besprochen; und gerade daran mit Entsetzen gelernt: Es ist gar nicht so einfach, aus Gewaltverhältnissen heraus zu kommen. Und man hat noch längst nicht alles gesagt mit dem ansonsten schönen und häufig zitierten Satz Schmidt-Salomons: „Wir müssen falsche Ideen sterben lassen, bevor Menschen für falsche Ideen sterben.“ Zumindest sterben auch derzeit einige Leute für richtige Ideen, damit andere damit leben können.

Ideen und Interessen
Es wäre wichtig, hinter den Ideen die Interessen sehen: Verfügung über  Geld und Ressourcen, Macht über Menschen. Diese Interessen sind immer wieder durchsetzungsfähiger  als noch so edle oder hehre Ideen. Und dabei ist es gerade das Interesse von Ideenträgern, ihre mächtigeren Interessen vergessen zu machen. Also verkaufen sie auch Wirtschaftskriege als Religionskriege und verheizen Leute für freie Fahrt auf ihren Wirtschaftswegen: Deus vult? Ja, der Gott Mammon. Doch auch dort, wo nur religiöse Zeichen auf den Fahnen stehen, sollten kritischere Leute nicht gerade den Großpropagandisten ihre Gründe glauben. Auch nicht beim Kreuz der Kreuzfahrer für den freien Handel in den Orient (und im Vorbeiweg zwecks Ausschaltung der oströmischen Konkurrenzmacht), oder beim Zeichen der „Jungfrau Maria“ auf Panzern derer, die für die libanesische Oberschicht gegen Palästinenser kämpften. Und kann man den Hasspredigern in Nordirland oder im Orient glauben, es ginge ihnen um die wahre Religion?  
Auch bei den gegenwärtigen islamistisch aufgeheizten Konflikten, aufgeplustert als “Clash of Civilizations“ sollte man immer zumindest die nachkolonialen Aspekte mit bedenken; und selbst bei Attentaten/Morden innerhalb eines Volkes (Pakistan/Türkei) fragen, warum das gerade in den letzten Jahren so zugenommen hat. Kritisch und selbstkritisch sollte man fragen können.

Europas schwieriges Erbe
Für die europäischen Konfessionskriege der frühen Neuzeit möchte ich mal drastisch behaupten: Es wurde nie um theologischer Feinheiten oder religiöser Vorstellungen willen Krieg geführt. Es ging nicht um die Abendmahlslehre (Transsubstantiation, „Wandlung“ ff), sondern es ging um die Abendmahlskelche (Gold und um andere Kirchenschätze); und nicht um die Rechtfertigungslehre sondern um den Konflikt unterschiedlicher Rechtsansprüche. Es ging den großen geistlichen Herren nicht um geistliche Übungen, schon gar nicht um eine Gottesvorstellung an sich, sondern um ihre Macht und ihr Finanzierungssystem. Und sie waren natürlich entsetzt, dass ihnen mithilfe der Bibel die Glaubwürdigkeit ihres Systems von innen heraus erschüttert wurde. Merkwürdig schnell dann die Wandlung der protestantischen Oberschicht  in eine der Obrigkeit gehorsame Orthodoxie – Machtstrukturen haben ihre eigene Kraft. Vergleiche die Wandlung Calvins, im Gegenüber zu Castellio.

Vergleichbar, wenn auch nicht gleichzusetzen, war es deshalb bei den Bürgerkriegen und Interventionskriegen nach der französischen und nach der russischen Revolution: Auch da zündeten Ideen; und man sollte es sich mit moralischen Vorwürfen gegenüber denen, die dafür kämpften, nicht zu leicht machen. Aber die Interessen gewannen, vorläufig jedenfalls, und die Revolutionäre schlüpften in die Gewänder alten Machtstrukturen, wurden zu Fürsten oder „Roten Zaren“.  

Freiheit nicht eingrenzen

Aber: da und dort kamen MSchwerter zu Pflugscharenenschen auf den Geschmack der Freiheit und lernten, Bündnisse zu schließen anstatt sich in ideologische Grenzen einzuschließen. Ja, und gerade auch bei Christen, die ihre eigenen Quellen hierfür wieder entdeckten, wirkte die Idee der Freiheit gegenüber überkommenen Machtstrukturen weiter. Und sie schöpften immer wieder auch aus ihren eigenen Quellen den nötigen Mut für sich und andere. Auch das sehen die politisch blinden Monomanen, die Beschränker auf eine Ideologie nicht; und meinen, sie könnten selbstverständlich alles besser machen als die, die eben auch schon Schläge und Rückschlage erfahren haben. Können sie es? Siehe dazu Schmidt-Salomons „Kriminalgeschichte des Atheismus“ (zu finden über seine Homepage  > Texte ).

 
Es bleibt wichtig, kritisch auf die Macht der Interessen und die Interessen der Mächtigen zu schauen und auch die Ideenverwalter zu durchschauen, die da oder dort die Idee der Freiheit in ihre Machtstrukturen einbetonieren wollen. Aber gleichzeitig auch wahrzunehmen, dass die alten Quellen, die bereits in vielerlei Traditionen wirkten, Beton sprengen können.
Sie dürfen nicht durch religiöse Einfalt und nicht durch ideologische Blindheit verschütt gehen.  

Veröffentlicht von

Hermann Aichele Jahrgang 1945. Studium evang. Theologie in Tübingen, Göttingen und Marburg (1964-70), Pfarrer in Württemberg, jetzt im Ruhestand. Hinter die Kulissen der Religion allgemein und besonders des in den christlichen Kirchen verkündeten Glaubens zu sehen, das war bereits schon in der Zeit vor dem Studium mein Interesse: Ich möchte klären, was gemeint ist mit den Vorstellungen des Glaubens, deren Grundmaterialien vor Jahrtausenden geformt wurden - mit deren Über-Setzung für uns Heutige man es sich keinesfalls zu leicht machen darf und denen gegenüber auch Menschen von heute nicht zu leicht fertig sein sollten.

22 Kommentare

  1. mittlerweile…

    finde ich es schlimm – nein unterträglich – wenn sich angeblich gebildete Leute für irgendeine religion auch nur im ansatz stark machen.

  2. Religion vergiftet das Miteinander

    Das Problem ist doch, dass sich Religionen so gut für Kriege und Kulturkämpfe missbrauchen lassen und die religiösen Führer in ihrer Mehrheit selten gegen den Missbrauch ankämpfen, da sie den Sieg der eigenen Gruppe erhoffen, die dann ihre Pfründe an die geistigen Führer zahlen.

    Generell mangelt es diesem anregendem Blogpost an der Unterscheidung von Religion und religiöser Institution. An Religion als Privatsache stört sich ja kaum jemand, oder? Dass aber religiöse Institutionen Kriege vorantreiben, ist aber doch nicht zu leugnen – weder historisch, noch aktuell.

  3. lichtecho Religion als Privatsache

    “An Religion als Privatsache stört sich ja kaum jemand, oder?”
    Eigentlich schon, aber da ist noch die Frage wo “Privat” anfängt und wo es aufhört.

    Ist es “privat”, wenn man z.B. seinem Kind eine medizinisch notwendige Behandlung verweigert?

    Ist es “privat”, wenn man ein Tier nach seinem religiösen Kult qualvoll abschlachtet?

    Ist es “privat”, wenn für eine Religion andere aus dem Bett gebimmelt oder geheult werden?

    Eine Religion findet selten “nur” im Kopf statt. In der Regel gehören da auch andere “Sachen” dazu und da wird “privat” ganz schnell öffentlich.

  4. An Religion als Privatsache stört sich ja kaum jemand, oder?

    Auf keinen Fall, außer, daß sie noch viel viel privater gehört. Ich will im Fernsehen noch mehr von sexuellen Abartigkeiten hören und sehen. Aber bloß nichts über Religion. Das ist doch pervers so etwas!

    Verrückte Zeit. Oben soll unten sein und rechts mit links vertauscht werden. Mal sehen, ob wir Christen uns bald wieder in Katakomben verkriechen dürfen, um kein öffentliches Ärgernis zu sein.

  5. Danke für die ersten Rückmeldungen, @all

    für die kritischen und für die kritisierenden Bemerkungen.
    Och, @bruno jennrich, Sie haben sich mit Lust auf etwas Ihnen Unerträgliches gestürzt.
    Wäre es Ihnen lieber, tatsächlich oder angeblich Ungebildete würden sich hier für Religion stark machen? Ja, wenn es nur ums Abschießen geht, dann kann sich jeder seinen eigenen Pappkameraden aussuchen.
    Aber mir ging`s nicht ums Abschießen. Und wenn ich nur Religion hätte stark machen wollen, hätte ich anders geschrieben. Es geht ums Aufdröseln einer Problemlage – ja, dafür kann ich auch die Worte von @Lichtecho benützen: „Das Problem ist doch, dass sich Religionen so gut für Kriege und Kulturkämpfe missbrauchen lassen und die religiösen Führer“ aus Eigennutz selten dagegen ankämpfen.
    Natürlich fällt mir dazu auch das (chinesische?) Weisheitswort ein: Wenn ein ganzer Wald wächst, das fällt nicht auf; aber wenn ein einzelner Baum zusammenkracht. In diesem Sinne könnte ich auch auf einige sozialpolitische Errungenschaften im christlichen Bereich abheben, um „die Religion“ „stark zu machen“.
    Doch es geht wirklich um das Problem, um die entsetzlichen Verbrechen unter religiösem Segen bzw. oft öffentlich angestachelt durch entsprechende Hassprediger und auch heimlich intrigiert durch entsprechende Fluch- oder Segensversprechen.
    Doch gerade dabei geht es auch darum, sich um die gesellschaftspolitische Analyse nicht zu drücken. Und das nicht, um auf ein anderes Gebiet abzulenken, sondern um die Durchdringung der Gebiete ernst zu nehmen. Religion kanneben nie „nur Privatsache“ sein. Wir wissen ja, woher diese Rede kommt: von absolutistischen Fürsten, die sich nicht dreinreden lassen wollten Entlarvend auch Kaiser Wilhelm, dass Pfarrer nicht über Sozialpolitik reden dürfen „dieweil sie das gar nichts angeht“ – der Kanzelparagraph! – dreimal darf man raten, warum.
    Aber jeder Religion geht es nicht nur um die verschiedensten Vorstellungen über Gott und Seele und alle möglichen himmlischen Zustände (Lichtgestalten oder Lichtechos 😉 ) sondern um Gestaltungsformen sowohl des privaten Zusammenlebens als auch des öffentlichen Zusammenwirkens von kleinen und größeren Gruppen, bis hin zu ganzen Völkern. Da kommt dann z.B. das innenpolitische Thema „Minderheiten“ rein und das außenpolitische: Krieg. Es gibt eben Überschneidungen von Politik und Religion.
    Die von @Sascha Bohnenkamp genannten, auch juristisch nicht einfach zu lösenden, Probleme um medizinische Behandlung von Kindern (gedacht war wohl an Zeugen Jehovas) oder die Misshandlung von Tieren zeigen ebenso, dass sich der gordische Knoten nicht so einfach durchschneiden lässt. Auch hier Überschneidungen.
    Es gibt natürlich die fürs private Interesse auch in öffentlichen Medien dargestellten privaten religiösen Vorstellungen und verschiedensten sexuellen Handlungen, die – auch wenn öffentlich dargestellt – doch wohl sehr privat praktiziert werden. Man muss das sicher sehr unterschiedlich bewerten und es ist mehr als eine private Geschmacksfrage. Aber auch nicht jede sexuelle Abartigkeit ist öffentlich relevant. Es gibt auch religiöse Abartigkeiten. Beides muss man nicht aufwerten. Das mit den „Katakomben“ – das hatte sozialpolitische Gründe; und die fände ich hier interessant. So viel oder so wenig , leider (!), zu @Martin Huhns Protest gegen blindes Reintappen in eine gewisse Medienfalle, der mir natürlich sehr wohl entgegenkommt.
    Nun, genau wegen der genannten Überschneidungen hatte ich zum Vergleich zwei andere Bewegungen der Neuzeit genannt, die vergleichbare (nicht gleichzusetzende) Probleme produzierten. (Bolschewiki haben, als es unter Stalin schon zu spät war, erschrocken schnell die Geschichte der Französischen Revolution noch nachlesen wollen. Aber es hat ihnen nichts mehr genützt). Wer jetzt etwas Neues anfangen will, sollte solche geschichtlichen Zusammenhänge gründlich analysieren; und ich meine immer noch, man müsste darüber sprechen können, ohne nur übereinander herzuziehen, sonst lernt man auch aus Fehlern der andern nichts.

    Ja, und jetzt möchte ich noch zum Vergleich mit der „Religion“ die Felder der Erziehung und ebenso die der Wissenschaft und Technik nennen. Was wurde noch nicht für den Krieg missbraucht?! Und was wurde so aufgearbeitet wie in den Kirchen?!
    Wohlgemerkt: Es geht nicht um Ablenkung auf andere Gebiete, sondern darum, dass wir uns in allen Bereichen um die politische Analyse nicht drücken: Was nützt wem? Welche Form der Erziehung nützt wem? Wozu kann sie gebraucht und durch wen missbraucht werden? Wer ist da käuflich? Da gibt es sehr viele verschiedene Gesichtspunkte. Und sehr viele Fallen, in die man selber tappen und andere mitreißen kann.
    Es bleibt, schrieb ich für alle Bereiche, wichtig, „kritisch auf die Macht der Interessen und die Interessen der Mächtigen zu schauen und auch die Ideenverwalter zu durchschauen, die da oder dort die Idee der Freiheit in ihre Machtstrukturen einbetonieren“. Also: nicht meinen, mit noch so guter Aufklärung über noch so gute Ideen (sind nicht alle gut!) etwas Gutes erreichen zu können, sondern sich um die politische Analyse nicht drücken – kritisch und selbstkritisch .
    Wo immer etwas für die konkreten Menschen gelungen ist – darauf spielte ich mit dem „Schwerter zu Pflugscharen“-Symbol an, und damit auf die DDR-Selbstbefreiung – gelang es nur, wo vordergründige ideologische Grabenkämpfe aufgegeben wurden und die Quellen der verschiedensten geistigen Traditionen zusammengeführt wurden und zusammen gewirkt haben. [Man hat den Bonzen nicht mehr geglaubt, die meinten, angeblich gebildete Leute müssten, um eine wahrhaft wissenschaftliche Weltanschauung zu beweisen, konsequenterweise aus der Kirche austreten. Das so als kleine Seiten-Stichelei.]
    Ja, und das darf ich ja wohl als Christ betonen: Auch wir konnten – sofern wir unsererseits offen für andere waren!! – immer wieder etwas für die konkreten Menschen beitragen, denn wir haben was beizutragen.

  6. Martin Huhn

    nur weil man Religion eher im Privaten sehen will, ist man noch lange nicht Brutalo-Pornos im Kinderprogramm.

    Obwohl zu Kindern und “Religion” fällt mich auch eniges an .. wollen wir das Niveau wirklich soweit absenken?

  7. @Aichele

    sehr schöner Beitrag.

    Ein Aufruf zur (Selbst)kritikfähigkeit ist sicher immer richtig … sowohl für die verschiedenen Relgionen aber sich auch für alle “anderen”.

  8. dialektischer Materialismus

    Wie alles von Hermann Aichele ist auch dieser Artikel sehr gedaneknreich, gebildet, aufschlussreich und wo nötig auch scharf und konkret. Gelegentlich allerdings beschleicht einen das Gefühl ob nicht das Erbe des Geschichtsbildes des “dialektischen Materialismus” mehr Pate gestanden hat, als sachangemessen wäre.
    Ich denke, dass alle auf wahr/falsch beruhenden und damit primitiven religiösen Überzeugungen schon das prinzipielle Potential haben, relativ reine Motivation für gewaltsame Auseinandersetzungen sein zu können. Lüge und Irrtum, die ja immer auch gleich mit der Seligkeit der Menschhen in Verbindung gebracht wurden, dürfen nicht herrschen, sondern müssen eben wirklich um der Wahrheit willen und im Auftrag Gottes zurückgedrängt werden. Bei den kreuzzügen kommt diese reine religiöse Motivationskomponenete doch recht deutlich zum Ausdruck. Aber auch im 30-jährigen Krieg wird dies sichtbar.

  9. @Johannes Wenndagel

    Die Kreuzzüge halte ich für ein Paradebeispiel dafür, wie man religiöse Traditionen umdeuten musste, um demografisch unterlegte Expansionskriege zu rechtfertigen. Nicht zufällig ging es ja gerade nicht nur gegen eine bestimmte Gruppe – z.B. Muslime -, sondern auch gegen Juden, orthodoxe Christen, später Katharer usw. Und auch in den wechselnden Frontverläufen des 30-jährigen Krieges lassen sich die Überschreitungen politischer und religiöser Motive nicht leugnen. Genau das zu erkennen, sich dem zu stellen und daraus zu lernen ist – so verstehe ich es – das Anliegen dieses Blogposts.

    Sind nichtreligiöse “Wahrheiten” per se toleranter und gegen vergleichbaren oder gar schlimmeren Mißbrauch geschützt? Angesichts der brutalen Unterdrückungen und millionenfachen Morde im Namen (und m.E. als klarer Mißbrauch!) von Atheismus, Aufklärung und Wissenschaftlichkeit allein im 20. Jahrhundert habe ich da meine echten Zweifel.

    In Korea konnten und können wir beispielhaft beobachten, wie sich ein (auch) religiös-freiheitliches (Süd) bzw. atheistisch-normatives (Nord) System ausgeprägt haben:
    http://www.chronologs.de/…heismus-und-die-folgen

    Also, ich würde da lieber im Süden leben als unter den antitheistischen “Wahrheiten” des Nordens…

  10. Pardon

    manchmal ist nur noch Sarkasmus möglich:

    Erst werden die Bücher verbrannt, dann die Menschen, so kennen wir das.

    Und was ist der wissenschaftliche Unterschied zwischen Bibel und Koran?
    Die Bibel brennt länger :-).

  11. Sarkasmus versus Sensibilität

    Also, mit Sarkasmus kommt man natürlich schon manchmal weiter, aber man erreicht nicht unbedingt das erwünschte Ziel. Na, vielleicht brauchen Sie’s, Steffen Rehm.
    Ich will die Fragen offenhalten und weitertreiben – gerade jetzt bei dieser schrecklichen Aktualität mit der Koranverbrennung durch Pastor Jones und den Morden in Afghanistan.
    Da muss ich nicht nach den wirtschaftlichen Zusammenhängen suchen – nicht nach denen der Einzeltäter. Sie können durchaus rein religiöse Motive haben. Sie spielen allerdings (oder werden gespielt) auf einer Klaviatur, die um einiges älter ist als Religionen. Es ist doch mit dem Verhalten von Platzhirschen vergleichbar. Oder mit Revierabgrenzungen. Religionen haben solches Gehabe zwar auch schon gezähmt; aber es lässt sich doch nicht verhindern. Platzhirsche lassen sich auch nicht vermeiden durch Abschaffung von Religion (man sehe sich nicht nur die entsprechenden Diktaturen an sondern auch bereits schon die Auseinandersetzungen in gewissen dem aufklärerischen Humanismus verpflichteten Gruppen) .
    Aber politische Implikationen werden kriminell einkalkuliert: Jedes Symbol, über das eine Gruppe ihre Identität definiert, ist – auch wenn es überhaupt nicht religiös konzipiert ist – „heilig“ im Sinne von unantastbar. Wenn man ein solches Symbol angreift, greift man die Menschen an, will sie absichtlich niedermachen: Ein Koran ist eben nicht nur ein Bündel Papier – eine Flagge ist nicht nur ein Stück Tuch – ein Denkmal nicht nur ein großer behauener Stein – eine Puppe mit erkennbarem Bezug auf eine lebende Person nicht nur ein Textilbündel, das man verbrennen kann. Und Mohammed-Karikaturen sind nicht nur künstlerische Freiheit, sondern gezielte Herabsetzung von Leuten, die öfters den Eindruck bekommen konnten, von den Leuten der reichen Industrienationen nur als Bauern auf dem Schachbrett ihrer Interessen missbraucht zu werden. Da komme ich dann über die politischen auch zu wirtschaftlichen Zusammenhängen (brauche aber dafür keinen „Diamat“ oder „Histomat“ – @Johannes W.). Man hat’s ja in letzter Zeit deutlicher formuliert: Die rückständige Religion der Leute in arabischen Ländern wird verachtet, während man jahrelang mit ihren Diktatoren kungelte. Welchen Ausdruck für ihre eigenen Interessen hat man ihnen denn bisher zugestanden?
    Also, Sensibilität für solche Zusammenhänge wäre in vielen Bereichen anzuraten, die Aufgaben sind nicht einfach zu lösen. Umso dringender, dass man nicht das Geschäft von Pastor Jones betreibt und sich ein geistiges Brett vor den Kopf nagelt oder für die verletzte Selbstachtung sich auch noch zu Morden aufstacheln lässt. Umso dringender, dass Leute ohne Sarkasmus, der eigentlich nur das Gespräch abschneidet, die Fragen auf den Tisch legen und in den verschiedensten Traditionen nach Lösungen suchen, die verbinden anstatt zu trennen.

  12. Lesetipp: Erinnerung

    Die Zeitschrift ´Spotlight 4/11´ erinnert in einem 5-seitigen lesenswerten Artikel daran, dass vor 400 Jahren ´The King James Bible´ (KJV) veröffentlicht wurde. Die bis Heute wichtigste Ausgabe in englischer Sprache. (Barack Obama legte seinen Amtseid auf eine KJV ab)

  13. Interessen durchschauen …

    kann ich Ihnen nur zustimmen.
    Hier eine Möglichkeit einige weitere Machtinteressen zu erkennen.
    http://bankoran.com/?p=191

    Wieso gibt es bei den evangelischen Theologen eine solche positive Stimmung für die islamische Ideolgie ?
    Auch islamkritischen Aussagen werden nicht toleriert oder als unqualifiziert herruntergespielt.

  14. Fake zu Fake

    @unruhiger
    Der Film kommt aus derselben Quelle (bankoran)wie der bereits bei den Brights als Fake entlarvte . Darüber finden Sie auch HIER etwas.
    Und Ihnen schrieb ich auch schon mal was dazu.. Reicht das nicht? Mir reicht’s.
    Wer ein Fake verbreitet, dem glaubt man nicht, und wenn er gleich tausend wahre Zitate zusammenmischte… Macht sich auch für Sie nicht so gut, zur Internationale der Einäugigen gehören zu wollen. Oder gar selber zum Hassprediger zu werden…

  15. klarer sehen

    Wurzel allen Übels ist nicht unbedingt richtig.Religionen sind nur ein Weg wo
    sich der Übel was den Menschen angeht
    zeigt.Der Hass der den Menschen so oft plagt ist nicht durch Religionen aus zu
    merzen!Der Mensch das weitbringenste
    Tier ist falsch gelagert!

  16. Islam – Islamismus @unruhiger

    Der Film ist gut: Er zeigt dem aufmerksamen Betrachter den Unterschied zwischen Islam und Islamismus. Und bestätigt mein Urteil über die andern verlinkten Filme. Man muss ja auch unterscheiden zwischen Alkohol und Alkoholismus. Vielleicht sehen Sie das auch mal so.
    Man sollte mit Moslems zusammen schädlichen Einflüssen entgegentreten.

  17. Fast alle grausame Taten auf der Welt werden letztendlich irgendwie (auch) von wirtschaftlichen Interessen getrieben. Das fängt bei den so genannten “Religionskriegen” an und hört beim heutigen Terrorismus noch nicht auf.
    Es ist tatsächlich wichtiger denn je, kritisch zu bleiben und auch mal die hintergründe zu hinterfragen!

  18. das nachtstreben des islam(muslimbruderschaft) kann man schön an den immer mehr werdenden kopftüchern sehen….trotzdem weigert euch feind(e) zu sein, der ist dein feind, der dich dazu machen will, wie schön in den videos und anhand der kopftücher zu sehen ist….der islam ist eine friedliche religion, aber mit dem kopftuch wollen auch sie teilen und herrschen, und dann letztlich die frauen unterdrücken…. aber nur partnerschaft gerade auf gleichberechtigter geschlechterebene wird eine friedliche welt hervorbringen….dennoch ist die kritik an unserer westlichen welt nicht abzulehnen, denn der friedliche islam will gefühle wieder gegen konsum und gleichgültigkeit setzen, was ich nicht für verkehrt halte, aber ohne ratio wird das auch nichts….die unterdrückung eines menschen aufgrund von hautfarbe, rasse, geschlecht, sexueller selbstbestimmung, religion etc. ist bereits faschismus, der ein geteiltes menschenbild hervorruft(wir sind die guten, die anderen sind minderwertig)….

  19. ps: ….und das hört natürlich nicht bei dem geschlecht auf….frauen mit kopftüchern und/oder verschleiert implizieren bereits eine wahrgenommene minderwertigkeit, zumindest aber geteilte menschenrechte, und somit einen angriff auf jegliches demokratieverständnis….

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