Gott auf der Spur – Denktraditionen und Erfahrungsbilder…

BLOG: Hinter-Gründe

Denk-Geschichte(n) des Glaubens
Hinter-Gründe

Durchaus verschiedene Wege gibt es, auf denen sowohl naiv-unkritische Vertreter eines theistischen Gottesglaubens wie auch differenzierter und selbstkritischer denkende Spurensucher Gottes unterwegs sind. Manche dieser Wege sind ausgetretene Trampelpfade. Da scheint alles so sicher, doch es wächst nichts mehr. Andere sind wie idyllisch angelegte Labyrinth-Gärten. Man kann eigenartig interessante Einsichten und Perspektiven gewinnen; oder sich auch in Nischen und in privaten Ideen einkuscheln. Aber führt es weiter? Eingefahrene Geleise und Denksackgassen gibt es natürlich auch oder Stopp-Schilder, Denktabus… Und wiederum: nicht wenige, die von Gott überzeugt sind, lassen das begriffliche Denken ganz außer Acht und berufen sich nur noch auf ihre persönliche Erfahrung:   
Ich, ich habe Gott selbst erlebt. So sagen sie. Und sie wissen ganz genau, dass sie bei dieser oder jener Veranstaltung am meisten Gott gespürt haben bzw. immer wieder Gott erfahren können. Meist sind das bestimmte, Gefühle und Stimmungen bewegende, gar aufwühlende… Events. Oder auch Naturerfahrungen, eindrückliche Stimmungslagen in der Nacht, bei Sonnenauf- oder –untergang. Im Wald oder am Meer. Anderen ist Gott eine unmittelbar einleuchtende Denkgewohnheit. Und sie sehen in Begebenheiten, die von außen als Zufälle bezeichnet werden, Gottes Wirken: Ja, das hat mir Gott zu-fallen lassen, das Berufsangebot zur rechten Zeit oder die Geldanweisung, eine Gesundung oder einen rettenden Ausweg aus sonst misslicher Lage…

 

Gottes Denker

 


René Descartes

via Wikimedia Commons 

Gott auf die Spur zu kommen – dafür hat die abendländische Tradition ja noch ganz andere Wege begangen: die ganz gründlich begrifflicher Arbeit. Und zwar im Gespräch mit der Philosophie des klassischen Altertums. Eigentlich in Symbiose mit ihr: Streckenweise konnte man zwischen philosophischer Metaphysik und Theologie nicht wirklich unterscheiden. Und das hat in der Gottesfrage natürlich gewisse Spuren gelegt, Denk-Geleise geformt, die bis heute wirksam sind. Etwa die Gottesbeweise: eigentlich respektable Denktraditionen, mithilfe derer die Möglichkeiten rationaler Wirklichkeitserkenntnis intensiv durchdacht wurden. Nun, den Gottesbeweisen wurde – hauptsächlich durch Kant – ihre Unmöglichkeit bewiesen. Und späteren Versuchen kann man leicht nachweisen, dass sie jedenfalls nicht Gott beweisen. Normalerweise sagt man deshalb: Gottes Existenz kann man weder beweisen noch widerlegen. Gottes Existenz ist, wenn er ist, jenseits unserer Beweise. Und das sei eben Sache des Glaubens.

Die Gottesbeweise sind widerlegt, aber die auf die Existenz Gottes zugeschnittene Fragerichtung blieb. Berühmt ist in diesem Zusammenhang Pascals „Wette“ geworden: die Aufforderung, im Glauben Gottes Existenz anzuerkennen und dadurch die ewige Seligkeit zu gewinnen. Ich halte die Art, wie hier nach Gottes Existenz gefragt wird und das auch noch in der Form eines Rechenexempels, für eine Katastrophe. Von da bis zu Dawkins, der dazu rechnerische  Wahrscheinlichkeitsüberlegungen anstellt und die Zahl der bereits abgeschafften Gottheiten nur um eine erweitern will, ist es so weit auch nicht mehr.
Doch diese „Wette“ ist wirksam geworden; und Generationen von Theologen konnten und können damit leider noch immer gut leben. Zumal ihnen Pascal als einer der hervorragenden Denker der Neuzeit begegnet und zugleich versichert, er glaube nicht an den „Gott der Philosophen“. Ähnlich wie mit Kant, der einerseits die philosophisch-metaphysischen Gottesbeweise widerlegt, andererseits Gott zum Postulat praktischer Vernunft erklärt. In beiden Fällen ist’s, wenn auch nicht ontologisch zwingend notwendig, doch ganz praktisch, auf die Existenz Gottes zu setzen. Und man kann meinen, einerseits der festen Bindung an die Philosophie entkommen zu sein, andererseits mit dem „Glauben an Gottes Existenz“ eine Position behaupten zu können, die auch gegenüber der philosophischen Begrifflichkeit vermittelbar ist.

Doch was wird hier aus dem Glauben?
Er kann so jedenfalls die Denkgeleise abendländischer theo-philosophischer Ontologie nicht verlassen: Auch ohne Beweise oder Widerlegungen bleibt er in der Frage nach Gottes „Existenz“ befangen. Und im schlimmsten und zugleich banal alltäglichen Fall wird allein die Anerkenntnis von Gottes "Existenz" zum „Glauben“ erklärt.
Damit zentriert sich viel zu viel, wenn nicht gar alles Inhaltliche, auf ontologische Fragen. Die Überlegung, was denn geglaubt, für wahr gehalten bzw. als gemeinsame inhaltliche Überzeugungen festgehalten wird, wird fast durchweg mit solchen Fragen formuliert: Existiert es, geschah es – entspricht es, wenn man es rational prüft, unserer Wirklichkeit? Die Dimensionen des Vertrauens, des Lebensengagements, ja auch der Phantasie fürs Leben, der Liebe zum Leben… verschwinden ebenso wie Klagen und Fragen, Empörung über das Leid… – wenn nur noch buchhalterisch registriert wird, was denn als Wirklichkeit festgestellt werden, was wirklich als Geschehnis anerkannt werden kann. Umso schlimmer für die Wirklichkeit…, könnte man in Erinnerung an Hegel spotten. Schlimm jedenfalls in Bezug auf den Menschen. Man muss allerdings auch sehen, dass dieses buchhalterische Denken durch die Art der christlichen Dogmenentwicklung schon vorgeformt wurde: Glaube als Kanon von mehr oder weniger jenseitigen („hinter-weltlichen“ – Nietzsche) Denkinhalten!? Nein, so nicht!
Eben so weit weg vom Glauben sind die Spurensucher Gottes, die Gottes Wirken irgendwo in der Kosmogonie nachzuweisen oder wenigstens plausibel zu machen versuchen oder (verdächtig nahe an „Intelligent Design“) in inneren Wirk-Strukturen der Materie und gar deren Ausrichtung auf ein letztes Ziel, den Geist (die "Prozesstheologie"). Damit wird, wie Eduard O.Wilson in seinem Essay „Religion – eine List der Gene?“ spöttelt, Gottes Wirksamkeit „an einen Ort verlegt…, der irgendwo unterhalb der subatomaren Teilchen oder jenseits der fernsten sichtbaren Galaxie liegt“. Dieser Gott habe ja mit dem des Tridentinischen Konzils oder der nächtlichen Beschwörungstänze australischer Ureinwohner nicht mehr viel zu tun. [in Dahl Brauchen wir Gott? S. 44]. Ja, wer in solchen Spekulationen über unendlich große oder unendlich kleine Zusammenhänge Gott suchen will, braucht sich dabei nicht mehr um Menschen zu kümmern – ganz im Gegensatz zu dem, wie Gott oder die Götter in den Erzählungen der Menschen begegnen. Nein, man braucht Gott nicht als Erklärungsschlüssel für wissenschaftlich knifflige Hypothesen.  Hawkings und vor ihm Laplace haben einfach Recht mit ihrem Verzicht auf die "Hypothese Gott".

Lebensvollzüge – Gottesbilder  


Mose und der brennende Busch
William Blake
copyright: free christian images 

 

Und solche Spekulationen auf naturwissenschaftlich-philosophischem Grenzgebiet führen auch weg von dem, worum es eigentlich geht: um Lebensvollzüge. Dafür allerdings ist der Begriff der aus der philosophischen Tradition überkommene Begriff „Existenz“ für Gott denkbar ungeeignet, ebenso wie er für andere wesentliche Schlüsselworte menschlicher Lebensvollzüge ungeeignet ist: für die oben genannten Dimensionen wie das Lebensengagement u.ä. wie z.B. auch für die Schlüsselbegriffe „Ich“ oder „Du“, für den freien oder unfreien Willen, für unsere Erinnerungen wie für unsere Zukunftsabsichten. Existiert etwa das „Ich“? Es gibt begründete Einwände. Und dennoch: Menschen möchten und müssen lernen, „Ich“ zu sagen und von ihrer Willensentscheidung reden zu können.

Nun, als solches Schlüsselwort menschlicher Lebensvollzüge kann auch das Wort „Gott“ verstanden werden – um damit das, was Menschen bewegt – ihre mehr passiven Widerfahrnisse wie auch ihre mehr aktiven Handlungen – in ein Bild einzuzeichnen, das menschlich benennbar und ansprechbar ist: Gott wird als Person bezeichnet. Dabei „ist“ Gott keine Person und der Begriff „Existenz“ passt hier einfach nicht. Wird von ihm doch an einer zentralen Stelle der Bibel in einer listigen Wendung erzählt: Auf die Frage, wer er denn sei, seine Antwort: Ich bin der, was ich (euch) sein werde (2.Mose 3,14) Oder sehr frei übertragen: Ihr habt  mich nicht, seht zu, was ihr erfahren werdet. Siehe Rabbi G.A.Mitelman, Why Judaism Embraces Science und mein letzter Blogbeitrag.
   
Gott "ist" keine benennbare Person, doch um durchaus zu benennende personale Bezüge geht es: um die Interaktionen, in denen Menschen sich bewegen, durch die sie bewegt werden und die sich vielfältig in ihnen widerspiegeln. Um das Bewusstsein des Ichs in Interaktion mit anderen Ichs geht es. Überhaupt um alles, was Menschen umtreibt und was sie selber umtreiben – um ihre Hoffnungen und Ängste – eben um alles zwischen Liebe, Reifen und Tod.  Oder nach Paul Tillich [rechts seine Büste von Richard Keeling, via Wikimedia Commons]: Es geht um „die Frage nach der Schuld, die Frage nach der Liebe, nach der Gerechtigkeit in der Welt, nach dem Sinn des Lebens, nach dem Tod".

Und das ist das Bild, das ich vorschlagen möchte:
Aus den Linien dieser Interaktionen – aus den Erfahrungen, die auf uns zukommen, ebenso wie aus den Entscheidungen, die wir ins Leben einbringen – entsteht etwas wie ein Netz.
Mit jedem Schritt unseres Lebens wirken wir an diesem Netz. Dieses Netz kann uns tragen – nicht immer leicht und frei, manchmal auch schwierig. Manchmal ist auch alles zu eng; und es gibt auch schmerzhafte Risse im Netz des Lebens. Aber es gibt eben auch die Erfahrung, dass das Leben uns trägt und uns viel mehr entgegenbringt als wir von uns aus eingebracht haben. Dass wir dann auch etwas einbringen können, im Vertrauen auf die Kraft dieses Netzes – da beginnt der Glaube. Singen Menschen ihr Leben auf eine miteinander harmonisierende Melodie und sehen sie in den Linien ihrer Interaktionen gemeinsame Grundstrukturen, so entsteht daraus eine gemeinsame Corporate Identity, ein gemeinsames Gottesbild: Personifizierung sowohl ihrer Erfahrungen als auch ihrer entsprechenden Lebensbewältigungsstrategien. *)

Personifizierende Gottesbilder sind nicht Gott, aber sie machen die Erfahrungen, mit denen Menschen umgehen und in denen sie sich gemeinsam mit anderen zurechtfinden wollen oder müssen, auf eine sehr menschengemäße Weise benennbar und ansprechbar. Ja, und sie haben sich bei vielen bewährt – sind vielen zur Lebens-Wahrheit geworden: zur Verständigung über die Regelkreise ihrer Interaktionen und dazu, diese mit gemeinsamem Sinn zu erfüllen.

*) am 14.9.11 Formulierungen geändert

 

Veröffentlicht von

Hermann Aichele Jahrgang 1945. Studium evang. Theologie in Tübingen, Göttingen und Marburg (1964-70), Pfarrer in Württemberg, jetzt im Ruhestand. Hinter die Kulissen der Religion allgemein und besonders des in den christlichen Kirchen verkündeten Glaubens zu sehen, das war bereits schon in der Zeit vor dem Studium mein Interesse: Ich möchte klären, was gemeint ist mit den Vorstellungen des Glaubens, deren Grundmaterialien vor Jahrtausenden geformt wurden - mit deren Über-Setzung für uns Heutige man es sich keinesfalls zu leicht machen darf und denen gegenüber auch Menschen von heute nicht zu leicht fertig sein sollten.

25 Kommentare

  1. @H. Aichele

    “Personifizierende Gottesbilder sind nicht Gott”

    Ist da denn (ich sage bewusst nicht “existiert”)hinter diesen Gottesbildern ein Gott? Oder, falls nicht, SIND die personofizierten Gottesbilder dann nicht DOCH Gott?

  2. @Statistiker: “Erschießen”

    Ja, auch antitheistische und nach ihrem Selbstverständnis “wissenschaftliche” Regime waren oft nicht zimperlich darin, Andersdenkende und -glaubende zu erschießen.

    Da bin ich doch froh, in einer Gesellschaft zu leben, die den einen das Glauben und den anderen das Unglauben ermöglicht. Sowohl theistische wie antitheistische Extremisten, die Andersdenkende so sehr hassen, dass sie ihnen den Tod wünschen, halte ich dagegen für gruselige Erinnerungen an Gott sei Dank überwundene Zeiten…

  3. Personifizierende Gottesbilder

    Danke, @N.Hagthorpe, für Ihr Nachhaken.
    Nun, ich halte es für eine sehr menschengemäße Art, dass wir Erfahrungen, Widerfahrnisse, (überhaupt die sich tief bis in unser Selbst hinein widerspiegelnden Interaktionen mit anderen Menschen und der Welt drum herum) personi-fizieren [und da setze ich absichtlich den Trennstrich in die Mitte: beide Wortteile haben ihre Bedeutung]. Dieses Personifizieren geschieht bildhaft. Dabei bilden Gottes-Bilder nicht so wie bei Personen-Fotografien (eine) reale Person(en) ab, aber sie repräsentieren eine Realität: die Wirkzusammenhänge, die Interaktionen…
    Nun, ich kann nicht behaupten, das sei noch kirchlich orthodox. Es entspricht aber einer in der (protestantischen) Theologie doch ziemlich weit verbreiteten Strömung: die alten personalen Gottesbilder neu zu interpretieren.
    Ich vermute auch, dass ich mit dieser ziemlich Rationalismus-verdächtigen Interpretation mit Ihnen nicht so ganz einig sein kann. Aber das tut ja dem Mitdenken und dem Dagegenhalten keinen Abbruch. Danke 🙂
    P.S. Den nur durch (Gedanken auslassende)Punkte bemerkenswerten Anmerkungen des Statistikers muss ich wohl nicht antworten.

  4. Vielleicht so.

    Hagthorpes Fragen sind mit ja zu beantworten.
    Die Personifizierung ermöglicht den persönlichen Kontakt zum Abstrakten. Wer Glück hat, begegnet Menschen, die Werte/Ideale verkörpern. Sie realisieren jeweils Gutes, Wahres und/oder Schönes, machen es anschaulich und begreifbar. Manche haben vorbildhafte Rollen, offiziell anerkannt (vom Bundesverdienstkreuz bis zur Heiligsprechung) oder auf das unmittelbare Umfeld beschränkt.
    Die Personifizierung ermöglicht das direkte, unmittelbare und sinnlich erfaßbare Erleben des Dahinterstehenden. So wenig Informationen eine Beschreibung oder Fotografie von einem Fremden uns vermitteln kann, so reichhaltig sind die Eindrücke, wenn wir ihm gegenüber stehen und ihn erleben.
    Man könnte sagen: Gott als Ursache und Essenz des Guten, Wahren und Schönen zeigt sich vor allem in persona im Nächsten, wir erkennen ihn nur zu selten.
    Sind wir hier d´accord, Herr Aichele?

  5. @Synthese

    Danke an @Synthese für die Synthese.
    Ja, so ähnlich könnte ich als Pfarrer auch sagen – nur mit ein wenig andern Worten 😉

    „Kontakt zum Abstrakten“ würde ich lieber nicht sagen: die Erfahrungen, Interaktionen ff werden zwar abstrakt benannt, sind aber dabei sehr konkret. Dass es nicht um Höher-Geistiges und „Hinter-Weltliches“, sondern um konkrete Erfahrungen geht, die dann natürlich klug genug durchdacht werden müssen – das will ich dabei immer betonen.
    „Wer Glück hat“ – na ja, dahinter verbirgt sich ein Problem: Den Mensch widerfährt alles Mögliche und auch einiges „Unmögliche“. Und welche Ideale ff wirklich gut sind, ist auch nicht im Voraus ausgemacht. Weiß man hinterher meist (ein bisschen) besser. Das bedarf ständig neuer Aufmerksamkeit, Diskussion. Man kann auch nicht sagen: Wer sich an Gott hält (zu halten meint), weiß schon diskussionslos, was im konkreten Einzelfall gut ist. Damit rechnet übrigens schon Paulus (1. Thess. 5,21).
    Ist auch bei den anerkannt Großen, den Vorbildern ff immer wieder zu überlegen: Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Wo viel Gott behauptet wird, kann sich auch der Teufel behaupten. Also ständig kritisch und selbstkritisch unterscheiden.
    Man soll aber neben den vielen Scheußlichkeiten, nicht vergessen, dass es das Gute gibt, aus dessen Kraft wir leben – ja, und ich behaupte auch: den Überschuss an Gutem nicht vergessen. Aber diese Behauptung müsste ich noch differenziert darstellen; jedenfalls vorsichtig mit ihr umgehen.
    Danke für die Erinnerung, dass auch ein Fotografie die Person nicht wirklich erfasst. Na, und jedes (innere) Bild, das wir uns von einem anderen machen, erfasst ihn auch nicht wirklich. Unsere gedanklichen Pinselstriche sind mit drin. Aber das ist auch gut so – da beginnen die Interaktionen.
    Das „im Nächsten“ würde ich voll und ganz unterschreiben. Aber mit den vollmundigen Worten „Ursache und Essenz“ will ich vorsichtiger umgehen. Ach ja, und bei der Ursache müsste ich mir schnell noch mal die Unterscheidung von Wirkursache und Zweckursache vergegenwärtigen, mag mich aber an so einem Sonntag auch nicht ganz drum bemühen.
    Also – eigentlich gerne: d´accord – danke 🙂
    Ja, allen einen friedlichen 11. September:
    peace – paix – schalom und schalam

  6. @ Aichele

    “Wo viel Gott behauptet wird, kann sich auch der Teufel behaupten.”

    Ich würde gerne noch einmal einen Gedanken wiederholen -auch in Hinblick auf den 11.9.2001. Biblisch gesehen macht nach meiner Meinung der Teufel an einer Stelle keine schlechte Figur. Er beginnt stets mit den Worten: wenn du Gottes Sohn bist…
    Der Zweifel stellt für mich keine Versuchung dar, sondern eine Korrektur. Dieser Zweifel, wenn man ihn zuläßt, ließe aufhorchen bei denen, die sich als “Erlöser” gebären.

  7. Nachtrag

    “die sich als “Erlöser” gebären.”

    Es ist durchaus auch möglich von gebärden zu sprechen. Meine Fehlleistung resultierte daraus, daß ich das Gespräch mit Nikodemus im Hinterkopf hatte.

  8. Bekenntnis

    Ich wiederhole mich: ich glaube an den einen Gott, der mir unbekannt ist, den ich nicht definieren kann. Besser noch: ich vertraue ihm! Ich vertraue darauf, daß er mich aus den Irrungen und Wirrungen befreit! Und dennoch möchte ich dem Teufel/Satan in all seinem Zweifel stets wachsam das Ohr zuneigen!

    Ein Bild, dafür, welches den Gegensatz zwischen dem Glauben und dem Zweifel darstellt.

    Ich weiß nicht mehr genau, wo es geschrieben steht: alles Gute und Böse kommt von mir.(Jeremia?) Aber ich erinnere mich an Yoav Sapir:

    “Dass Gott gerade vom Bösen nicht freizusprechen ist, darüber kannst du auch in meiner “Tübinger Ansprache” lesen: http://www.chronologs.de/…ngen-zum-9.-november\”

  9. Ok, es stand bei: Jesaja 45:7

    »Ich erschaffe das Licht und mache das Dunkel, ich bewirke das Heil und erschaffe das Unheil. Ich bin der Herr, der das alles vollbringt!«

    Oder anders ausgedrückt: auch das “Unkraut” wächst mit dem Weizen.

  10. Spurensuche

    „Durchaus verschiedene Wege gibt es, auf denen… Spurensucher Gottes unterwegs sind.“ Ein Gebiet, was gern „übersehen“ wird, sind die verschiedenen Hochtechnologie-Informationen auch in der Bibel. Da werden 2 Frauen jenseits des Klimakteriums und auch eine Jungfrau schwanger. Vor 100 Jahren waren das Wunder Gottes – heute nennt man das „Gott ins Handwerk Pfuschen“.

    Mehrfach wird über Flugobjekte berichtet – die Menschen, Propheten haben das von damals berichtet und als wichtig betrachtet. Warum soll das alles heute nicht wahr sein? „Der Stern… Genau über der Stelle, wo das Kind war, blieb er stehen.“ Das macht kein Stern und schon gar nicht eine Planetenkonjunktion! Bei einem in 10.000 m Höhe fliegendem Flugzeug geht das auch nicht – bei einem Hubschrauber unter 300 m schon.
    Als die Israeliten durch die Wüste geführt wurden, war es am Tag eine Wolkensäule und in der Nacht eine Feuersäule 2 Mo 13,21… Und schließlich gab es Ez 1, 4-28… ein Fluggerät, dass der NASA-Konstruktuer J. F. Blumrich rekonstruiert hat.

    „Ich, ich habe Gott selbst erlebt.“ Das hat mir schon Mancher erzählt – es sind emotionale Empfindungen. Es gab aber eine Zeit vor 4.000 Jahren aber auch in Babylon, da hatten vor allem Könige aber auch einfache Menschen manchmal einen Anunnaki-Gott kennen gelernt. Es war die Zeit der Vielgötter u. a. in Sumer, Griechenland, Ägypten…
    Im Blog https://scilogs.spektrum.de/…-was-soll-das-denn-hei-en habe ich dazu unter „Hintergründe“ Ausführungen gemacht.

  11. @ Deistung

    Der Grundfehler ist immer der gleiche: Sie streichen wie Homöopathen 4000 Jahre Entwicklung. Der Mensch aber steht auf Schultern. Es spricht eher für Arroganz, die mit Dummheit einhergeht, die Leistung theologischer und philosophischer Bemühungen früher Generationen vergessen machen zu wollen. Beispiel: Einstein hat Newton ergänzt und ihn nicht durchgestrichen!

  12. Listiges Teufelszeug @Hilsebein

    Ja und auch Nein @Dietmar Hilsebein. Interessante Ideen, die Sie da aufbringen (und bisher schon immer wieder aufbrachten). Danke.
    Schon interessant, die Sache mit dem Teufel. Er macht wirklich keine schlechte Figur. Nicht im Hiob-Buch und nicht in der „Versuchungsgeschichte“ bei Jesus. In Letzterem sind die Alternativvorschläge zumindest interessant. Und die Art der Erzählung zeigt: da haben Menschen nachgedacht, u.a. übers Marketing der Botschaft. Sie hatten wohl auch die Hoffnung, dass sie selber solchen Versuchungen nie erliegen. Aber dann kam die konstantinische Wende. Und da machten ja auch einige eine gute Figur und einen guten Reibach… Einige der letzten Konsequenzen zeigt Dostojewski auf, im „Großinquisitor“. U.a. im Blick auf manche fatalen Konsequenzen der Kirchengeschichte ist’s sinnvoll, immer wieder an die alte Versuchungsgeschichte zu erinnern.
    Das Wechselspiel von „sich gebären“ und „sich gebärden“ kann ja auch einige witzige Ideen provozieren. Ich musste halt schmunzeln – auch wenn klar war, dass das eine Mischung zwischen Tippfehler und (Freudscher) Fehlleistung war. Könnte ja schon sein, dass jemand sich selber als Erlöser zeugen oder gebären will. Auch „sich gebärden“ ist nicht viel besser.
    Auch wichtig genug, dass die Zweifel einige ergänzende Perspektiven wenigstens andeuten. So auch in dem anregenden Film „Die letzte Versuchung“. Dient zumindest der Horizonterweiterung: Dran denken sollte man schon mal dürfen, was alles auch möglich wäre. Und dann hoffentlich doch zurückgewiesen wird (siehe obige Andeutungen zu den Versuchungen in der Kirchengeschichte.)
    Wobei es in Bezug auf Jesus vielleicht mehr als ein (auch in der Antike übliches) Stilmittel ist, von Zweifeln einer Gründerfigur zu reden: vom unsicheren Frage, wo der Weg entlang geht. Vielleicht wusste er’s anfangs wirklich nicht. Aber das würde ich eher an anderen Geschichten eruieren.
    Ja, die Entwicklung der Gottesbilder und das Auftauchen des Teufels. Man könnte es auch mal zum eigenen Thema machen. Stimmt schon, dass in gewissen alten Schichten der Bibel in Gott noch beides zusammen gedacht war: Gutes und Böses. Auch deshalb rede ich oft (wertneutral) von Widerfahrnissen.
    Sie haben Jesaja 45,7 genannt. Ich könnte dazu noch Amos 3,6 nennen: Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tue?
    Ich nenne dazu gerne noch die dunkle Geschichte in 2. Mose 4,24 dazu – da ist Jahwe gar nicht lieb zu Mose. Mit dieser Geschichte müsste man schön die ärgern können, für die Gott immer das großartige metaphysische Geheimnis eines unbewegten Bewegers ist. Ähnlich, wenn auch positiver weiter tradiert: der Jakobskampf am Jabbok.
    Das, woran Yoav Sapir erinnert, stimmt schon. Jedenfalls ist die Redewendung zu billig, die die Theodizeefrage dadurch löst, dass man alles Böse eben auf die von Gott dem Menschen gewährte Freiheit schiebt.
    So, und auf eine hoch-theologische weise wurde diese dunkle Seite Gottes immer wieder in der Theologiegeschichte thematisiert: In der Rede von „Gottes Zorn“. Oder bei Luther der „deus absconditus“. Aber oft – auch und gerade bei Luther – werden diese in den alten Geschichten in Gott zusammengedachte Erfahrungen aufgeteilt zwischen Gott und Teufel. Das soll gewissermaßen dem besseren Überblick dienen, pädagogisiert die Sache auch: dass der Mensch sich zwischen zwei Leitfiguren zu entscheiden habe. Üblicherweise sagt man für die Geschichte der Bibel, dass es in den Spätschriften des Alten Testaments angefangen hat – hauptsächlich im Hiob-Buch. Das ist ja so eine (aus einem uralten Märchenstoff herausdestillierte) Gedankenübung: was alles sein könnte. Da wollte ein an der Theodizeefrage u.ä. interessierter Schreiber sich den Überblick verschaffen, was man Gott und den Menschen zutrauen kann. Und dazu war ihm die Figur des Teufels (als Horizonterweiterung, s.o.) ganz dienlich. Interessant übrigens, dass die „frömmsten“ Ideen, die so „Gott wohl gefällig“, „gottergeben“… klingen, letzten Endes abgewertet werden. Sie dienten manchmal schon als Steilvorlage für christlich beschauliche, betuliche, Predigten :-(. Aber das wäre ein anderes Thema.
    Nun ja, das alles läuft meistens in sehr personaler Redeweise; und dann kann man sich Gedanken machen über die mehr oder weniger durchschaubare Psyche Gottes (oder des Teufels). In dieser Form der Gott als Person psychologisierenden Redeweise mag ich ja nicht mitmachen. Aber ich versuche zu verstehen, dass diese Redeweise entstanden ist und versuche sie bildhaft zu interpretieren. Beim Teufel fällt es merkwürdigerweise vielen Christen leichter, diese Vorstellung als bildhafte zu nehmen. Bloß das Dumme: dann meinen sie, die damit bezeichneten Widerfahrnisse seien nicht ernst zu nehmen. Doch, sie sind ernst zu nehmen, nicht nur an 9/11, sondern auch sonst. Aber man darf ja auch Gott ernst nehmen: in Erfahrungen und Absichten, die Besserem dienlich sind. Oder: in jedem Menschenantlitz, im Wirken an dem Netz des Lebens…
    Na ja, da höre ich mal auf. Sonst wird’s noch zur Predigt 😉

  13. @ Dietmar Hilsebein

    Ihre Argumentation ist knapp und zu gestreut.
    Wieso streiche ich 4000 Jahre Entwicklung? Im Gegenteil, ich mache auf eine Entwicklung in der Vergangenheit aufmerksam, die noch selten beachtet wird. Und welche Bemühungen früherer Generationen sehen Sie als „vergessen machen“ an?…

  14. @ Aichele

    “Aber dann kam die konstantinische Wende. Und da machten ja auch einige eine gute Figur und einen guten Reibach… Einige der letzten Konsequenzen zeigt Dostojewski auf, im „Großinquisitor“. U.a. im Blick auf manche fatalen Konsequenzen der Kirchengeschichte ist’s sinnvoll, immer wieder an die alte Versuchungsgeschichte zu erinnern.”

    Ja, ich weiß. Ich habe daher streng darauf geachtet, den Rest wegzulassen. Allein der Beginn ist für mich wichtig: wenn du Gottes Sohn bist…Der Zweifel, der darin liegt, ist mir in bezug _auch_ zum 11.9. entscheidend. Denn ich gehe davon aus, daß sich so mancher auserwählt und als Sohn Gottes fühlt. Mir gefällt sehr gut, wenn es in der Schrift bei Abraham heißt: er blieb vor Gott stehen mit den Worten: das sei ferne von dir! Wenn Sie so wollen, bin ich ganz bei Yoav Sapir und bei Jakob. Ich will mit IHM streiten, IHM in’s Auge schauen!

    P.S. Ich danke Ihnen sehr für Ihre Ergänzungen!

  15. @ Deistung

    “Und welche Bemühungen früherer Generationen sehen Sie als „vergessen machen“ an?…”

    Ich möchte Sie nicht verletzen. Aber hier geht und ging es um tief in der Psyche des Menschen sitzende Probleme und nicht um Ufos!

  16. Ich will mal einen Versuch wagen -Hussein Hamdan möge mich korrigieren, falls er hier mitliest. Ich denke, daß es Muslimen fremd ist, Gott zu widersprechen. Sie gehorchen! Ja, ich will meinen, daß sie sich fast auf eine masochistische Weise dem Willen Gottes unterwerfen. Doch wer ist Gott? Indoktrination? Selbstgespräch? Glaube an Autoritäten? Wieviel Selbsterkenntnis ist hier nötig, um unterscheiden zu können? Wieviel ZWEIFEL ist nötig…! -ich setze hier kein Fragezeichen!

  17. Teufel/Satan

    Zitat aus meiner Leserbewertung „Geschichte, Geschichten und Fakten etwas anders“ zu http://www.science-shop.de/…f3-be1a-31aab6d46db3 :
    „Der Papst spielt am Anfang und Ende des Büchleins eine bedrohende Rolle, indem die Hölle als existent darstellt wird.
    Neue Forschungen zur Nahtodes-Erfahrung belegen eindeutig, dass es Himmel und Hölle – so wie sie die Kirche lehrt – nicht gibt. Aber es gibt die Liebe im Leben nach dem Tod, wie die Pioniere Prof. Kübler-Ross, Dr. Moody… in ihren Büchern schreiben!“
    Die Kirche hat ja richtige Strafmaße (Höllenqualen…) festgelegt – um im Endergebnis die Menschen in ihrem Sinn besser manipulieren zu können.

  18. Gehorsam und Autorität

    Ja, @Dietmar Hilsebein, da dürfte was dran sein: „Gott zu widersprechen“ ist für Menschen in allen drei abrahamitischen Religionen ein Problem. Dabei allerdings zu beachten: Im Namen Gottes gerade Priestern zu widersprechen – Gott mehr gehorchen als allen Gottesgelehrten, das hat auch seine starken Spuren im Alten und im Neuen Testament hinterlassen. .
    Wie es bei den Moslems ist, kann ich selber nicht beurteilen. Aber biblisch ist zumindest interessant, wie ambivalent über Abraham selber erzählt wird:
    Einerseits das Ringen um Sodom: um der Menschen willen soll die Zerstörung abgewendet werden. (Und lustigerweise übernimmt im Jonabuch dann Gott die Rolle des Anwalts für die Menschen – gegen seinen strafsüchtigen Propheten; später dann ähnlich Jesus – Luk 9,54ff).
    Andererseits „Isaaks Opferung“. Letzteres wird ja bis ins Neue Testament hinein als Gehorsamstat gerühmt, hat allerdings noch einige andere Dimensionen, die ein eigenes Thema wären.
    Jedenfalls gut, dass es das Alte Testament mit dieser Ambivalenz gibt. Bei Juden wurde daraus eine ganz starke Diskussions-Tradition, die dann auch zu kritischer Skepsis gegenüber „Autoritäten“ führte.

    Mir fällt dazu noch Schillers zwiespältiger Spruch ein:
    „Mut zeiget auch der Mameluck, // Gehorsam ist des Christen Schmuck“. Schon fatal, was da (als Gegensatz) verinnerlicht ist – na ja, im besten Fall: in calvinistischer Selbstdisziplin. In dieser Richtung hat’s uns (1964) noch ein alter Lehrer (der allerdings auch im Widerstand gegen Hitler war, was er aber aus Bescheidenheit nicht sagte) „freudig“ zitiert. Aber dazu auch der Einwand Bonhoeffers (in „Widerstand und Ergebung“): „Aus der verwirrenden Fülle der möglichen Entscheidungen scheint der sichere Weg der Pflicht herauszuführen… [Doch:]… Der Mann der Pflicht wird schließlich auch noch dem Teufel gegenüber seine Pflicht erfüllen müssen“. Bonhoeffer wusste sehr genau, warum er das so betonen musste.
    Also Selbsterkenntnis und Zweifel wären schon zu den guten „Tugenden“ zu rechnen: Sprüche 14,15 😉 !

  19. Lebensvollzüge

    Dieser Beitrag ist das Beste, was ich von Hermann Aichele bisher gelesen habe. Denn er bringt die Dinge auf den Punkt: Es geht nicht um Abstrakta, nicht um Theorien, nicht mal um Begrifflichkeit,- sie gehen am Sein selbst, am Absoluten straks vorbei sondern um Lebensvollzüge. In ihnen allein erfahren wie es steht…mit Gott und dem ganzen Rest. Und damit geht es um Unmittelbarkeit und Innigkeit. Wer gelernt hat, dass man Gott weder begrifflich in die Tasche stecken, noch irgendwie theoretisch dingfest machen kann, der weiß, dass Gott als Hypothese nicht notwendig, sondern mehr als notwendig ist. Er, der jenseits der Alternative von Sein und Nichtsein existiert – im Lichte seines eigenen Seins. Übrigens auch dann, wenn es nie Menschen gegeben hätte, oder eines Tages keine Menschen mehr geben wird.

  20. So so ?

    Lieber Johannes,
    das klingt doch sehr pastoral 😉 “…nicht notwendig, sondern mehr als notwendig” – ist das von Eberhard Jüngel?
    Gegen einige (durch die Symbiose mit der europäischen Philosophie) eingeschliffene Denktraditionen, wollte ich es ja eigentlich auf einen andern “Punkt” bringen. Sind wir uns darüber einig, dass wir nicht einig sein müssen…

  21. Nun in Ruhe gelesen…

    …und wirken lassen, tiefste Zustimmung empfunden… Danke, ein ganz Klasse Blogtext! +_+

  22. kann mich kasslerin nur anschließen…. was ich an tradierten “gottesbildern” ansonsten zu bemängeln habe….sehe ich hier teilweise berücksichtigt….

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