Die Sache mit der Jungfrau Maria

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Denk-Geschichte(n) des Glaubens
Hinter-Gründe

Das hat seinen eigenen Reiz, die Sache mit der Jungfrau; Jungfrauen können ja reizend sein, wohl auch Maria. Reizvoll, und eben auch zum Widerspruch reizend.

Natürlich könnte man wissen, wenn man es wissen wollte, dass solche Geschichten von Jungfrauen als Gottes-Müttern nicht ganz selten waren in den Völkern des Altertums. Auch zur Zeit Mariens konnte man sie in Tempeln und auf Marktplätzen hören – nicht jeden Tag aber doch immer wieder, so wie von anderen göttlichen Wundern und Begegnungen auch. Etwa von der wunderbaren jungfräulichen Geburt des Plato oder Pythagoras oder eines Simon Magus, übrigens auch Buddhas. Mit solchen Geschichten für bestimmte Heroen und Geistesgrößen wurde im Nach-Erzählen ihrer Taten erzählerisch vorweg genommen, dass sie zu ihrem außergewöhnlichen Wirken schon im Voraus durch göttliches Wirken befähigt waren. Schon klar, eine nachträgliche Rückblende, die das Außergewöhnliche ins angemessene Licht setzen sollte. Auf die Entfernung ein bisschen ähnlich, wie manchmal in Biographien berühmter Leute die Schilderung ihrer Kindheit zu ihrem höheren Ruhm beitragen soll. Biologische Detailfragen blieben zumeist außen vor. Allerdings finde ich es immer wieder auch interessant, dass Buddha ausgerechnet als weißer Elefant in den Leib seiner Mutter einging. Das erweckt eher tiefenpsychologische als rein biologische Assoziationen.

Grieskirchen - Jungfrau Maria
Grieskirchen – Pfarrkirche St.Martin:
Gotische Maria auf der Mondsichel

Nun zu diesem erlauchten Kreis der göttlichen Menschen, der Göttersöhne sollte Jesus aus Nazareth auch gehören; aber nicht nur zu ihnen gehören, sondern deren Wirken in den Schatten stellen. Jedenfalls in den beiden biblischen Varianten, wie sie Matthäus und Lukas in ihren Einleitungskapiteln auf durchaus unterschiedliche Weise bringen, ist das als Zielpunkt ihrer Erzählung von der Jungfrauengeburt deutlich. Nun, da diese Konkurrenz-Geschichten – auch durch kräftiges und öfters nicht gerade humanes Wirken der Christen – weithin aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden sind, ist es um Maria ziemlich einsam geworden: Weil die Konkurrenzsituation, die im antiken Kontext durchaus verständlich war, immer mehr ausgeblendet worden ist, wurde die Jungfräulichkeit Marias zu einer verfänglichen biologischen Frage, nicht nur für Christen.
Denken wir deshalb an die ursprüngliche Herausforderung: „Was sollte aus Nazareth Gutes kommen?“ fragten schon seine Gegner. Nazareth in Galiläa, einem nördlichen Wohngebiet des mehrfach geteilten und von verschiedensten Interessen zerrissenen Israel. Die Leute in Jerusalem trauten dieser schon mit Samaritanern, Heiden und anderen Ungläubigen durchmischten Bevölkerung nicht besonders.
Und jetzt kommt so ein wandernder Bauhandwerker daher, der die Kreise der feineren Kreise stört und ihr Arrangement mit der römischen Besatzungsmacht. Sie betrieben seinen Tod; doch nicht einmal das machte ihn mundtot: Wie wenn man einen Funken ausblasen will und es entsteht daraus eine Flamme, so gab es da doch Leute, die in seinem Namen immer weitergingen und dabei auch immer mehr über ihn zu erzählen wussten. Kein Wunder, dass manche von ihnen, allerdings nicht alle, von diesem mit allerhöchster Duldung Hingerichteten auch noch erzählten, er sei durch das Wirken des Heiligen Geistes aus der Jungfrau geboren: Der hat Kraft von Gott – ist Gottes Kraft; und das sollen sich die feinen Herren mal sagen lassen.

Millstätter Fastentuch
Millstätter Fastentuch
Jesus vor Kaiphas und dem Hohen Rate

Nun, so kann man skizzieren, wie dieser Bauhandwerker Yeshu aus Nazareth Karriere machte. Und ich finde es gut, dass dabei seine Mutter nicht vergessen wurde. Überhaupt bemerkenswert, wie oft an entscheidenden Stellen der Bibel trotz aller männlichen Einsprüche und Nachkorrekturen Frauen eine Schlüsselrolle spielen: In der sogenannten Sündenfallgeschichte, bei der Rettung Moses; und Hannah als Mutter des neuen Priesters Samuel, der das Volk nicht mehr betrügen sollte. Ja, auch bei der Eroberung Jerichos sollte eine Frau die Schlüssel gehabt haben: die „Hure Rahab“, die als Ahnmutter Jesu gilt. Und gar Esther! Cherchez la femme. Vielleicht sollten auch mit der Erzählung von der Jungfrauengeburt mal die Männer etwas von ihrem sonstigen Imponiergehabe abgehalten werden.
Mit das klügste, das ich zu der Sache las, ist das Manuskript einer Sendung im Südwestrundfunk vom 20.12.2009: Der Heilige Josef im Interview, von Friedrich Grotjahn.
Da wird von einem neuzeitlichen Reporter im Himmel angerufen und von der himmlischen Telefonvermittlung schließlich Josef in der jüdischen Abteilung der „vereinigten Paradiesen“ ausfindig gemacht. Er stellt sich dem Interview und versucht dem neuzeitlichen Reporter freundlich aber bestimmt zu erklären, warum er als Vater von Jesus sich von der Geschichte mit der Jungfrauengeburt nicht düpiert fühlt: Auch sie sei „die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, die Wahrheit großer Dichtung“. Ja, und im griechischen Kulturraum sei „Jungfrausohn“ eben „ein Erkennungszeichen, das Zeichen dafür, dass es sich hier um einen ganz außergewöhnlichen Menschen handelte, so ähnlich vielleicht wie im jüdischen: der ‚Messias’ “.
Zwar gebe es „immer wieder Menschen, die können ein Symbol nicht als Symbol stehen lassen, müssen diese Vorstellung von der Jungfrauengeburt als platte Wirklichkeit ausgeben. Und dann kommen sie in Teufels Küche“ Aber für ihn, Josef, als Vater von Jesus, sei „die Rede von der Jungfrauengeburt die Chiffre für eine ganz besondere Freiheit…wie dieser, mein Sohn Jesus, gelebt hat, mit welchem Anspruch er aufgetreten ist, das lässt sich von seinen elterlichen, na ja, sagen wir von seinen väterlichen, Voraussetzungen schlicht nicht erklären. – Und nun kommen Sie und sagen, das kann nicht wahr sein“, belehrt er den Interviewer.
Ja, so ist’s: Um Wahrheiten zu entdecken gilt es immer wieder, sich der Mühe des Dechiffrierens nicht zu entziehen. Übrigens nicht nur bei Überlieferungen aus der Antike oder der Bibel. Und es kann reizvoll sein, sich dazu auch von der Geschichte mit der Jungfrau Maria herausfordern zu lassen. Man kann jedenfalls Zusammenhänge entdecken, die reizend sind, und auch aufreizend. Über ihren und Josefs Sohn heißt es ja schließlich, noch im Zusammenhang mit der Geburtsgeschichte (Lukas 2,34), er werde zu einem Zeichen, das Widerspruch herausfordert.

Veröffentlicht von

Hermann Aichele Jahrgang 1945. Studium evang. Theologie in Tübingen, Göttingen und Marburg (1964-70), Pfarrer in Württemberg, jetzt im Ruhestand. Hinter die Kulissen der Religion allgemein und besonders des in den christlichen Kirchen verkündeten Glaubens zu sehen, das war bereits schon in der Zeit vor dem Studium mein Interesse: Ich möchte klären, was gemeint ist mit den Vorstellungen des Glaubens, deren Grundmaterialien vor Jahrtausenden geformt wurden - mit deren Über-Setzung für uns Heutige man es sich keinesfalls zu leicht machen darf und denen gegenüber auch Menschen von heute nicht zu leicht fertig sein sollten.

12 Kommentare

  1. Jungfrauengeburt

    Das ist gewiss – die Botschaft und Bedeutung, die geistliche Wahrheit und der Tiefgang, die mit der Rede von der Jungfrauengeburt ausgesagt werden soll ist viel wichtiger als alle Biologie. Und so wollen wir es auch weiterhin halten und predigen.
    Doch ein Gedanke ist auch nicht ganz weg zu kriegen: Dass nämlich Matthäus und Lukas, könnte man sie heute fragen, gewiss AUCH von einer biologischen Jungrauengeburt ganz selbstverständlich ausgegangen sind. Es ist gewiss nicht so, dass die Menschen damals nicht zur Unterscheidung von Symbol und realer Wirklichkeit in der Lage gewesen wären.
    Und weiter: Ganz 100 prozentig und mit völliger Gewissheit kann niemand sagen, ob Gott oder sagen wir mal das Absolute nicht etwas können darf, was wir uns nicht vorstellen können und was sonst nicht vorkommt.
    Ich meine, wir sollten mit großer Gelassenheit in die von Aichele skizzierte Richtung gehen, ohne aber zum Dogmatiker und Fundamentalisten in biologischer Richtung zu werden. Es ist einfach sehr vieles möglich und wir wissen erbärmlich wenig, wenn überhaupt etwas, wenigstens im anspruchsvollen Sinne des Wortes.

  2. Unbefleckte Empfängnis vs Jungfrau

    Also ich hab mal gehört, dass die ganze Geschichte auf einem Missverständnis beruht: Unbefleckte Empfängnis hat nichts mit “Jungfrau sein” zu tun, wie es allgemein gedacht wird, sondern bezieht sich lediglich auf das katholische Verständnis, dass Maria die Mutter von Jesus ohne Erbsünde ist. Das Josef und Maria Jesus auf natürlichem Wege gezeugt haben und Maria auf natürliche Weise empfangen hat wird gar nicht ausgeschlossen.

  3. Symbol und Wirklichkeit @Johannes Wendnagel

    Jein, Johannes: „Es ist gewiss nicht so, dass die Menschen damals nicht zur Unterscheidung von Symbol und realer Wirklichkeit in der Lage gewesen wären.“.
    Sie unterschieden natürlich nicht so wie wir zwischen (bloß?) erzähltem Symbol und der harten Wirklichkeit. Ich würde es mal so zuspitzen: Für Menschen der Antike war die Wirklichkeit voll geladen (geschwängert!) mit Symbol. So dachten Matthäus und Lukas sicher auch in Bezug auf die Jungfrauengeburt. Aus symbolischen Gründen musste etwas so und so geschehen sein. Und wenn die Wirklichkeit nicht danach aussah: um so schlimmer für die Wirklichkeit – frei nach Hegel? Ich denke dann auch, dass deshalb (im Kopf entstandene) Symbolhandlungen (sc in anderen Zusammenhängen) deshalb praktisch durchgeführt wurden, um eine bestimmte Wirklichkeit herbei zu zwingen – „auf dass erfüllet würde“.
    Und die Mächtigkeit dieses oder jenes Gottes, etwa durch Jungfrauengeburt die (biologische) Wirklichkeit etwas anders hinzubiegen, das war sicher nicht so die Frage wie sie in der Neuzeit aufkam und du sie nennst („etwas können darf“). Aber wir sollten nicht an diesem, „unserem“ Problem hängen bleiben, sondern die ursprüngliche Intention und Provokation sehen, wie ich sie kurz skizzierte, nämlich: diesem „Bauhandwerker Yeshu aus Nazareth“ wird eine Würde zugesprochen, die sonst nur ganz ganz anderen zukam. Und das soll den feineren „Herren, die mit dem Tod uns regieren“ (Kurt Marti in einem Osterlied) mal gesagt sein…

  4. Nicht nur Missverständnis @Joe Dramiga

    Danke, Joe Dramiga, für die Nachfrage. Man redet schon auch von Missverständnissen. Aber wenn man mal als Eckdatum nimmt, dass Matthäus und Lukas zwar etwas verschieden konstruiert aber doch mit der gleichen Zielaussage die Jungfrauengeburt erzählen, ist’s jedenfalls nicht erst „katholisch“.
    Matthäus bezieht sich ausdrücklich auf Jesaja 7,14, wohlgemerkt nach der griechischen Übertragung der Stelle („Septuaginta“, 200 v.Chr.), denkt also im Rahmen der jüdischen Religion: Prophetie und Erfüllung.
    Bei Lukas erscheint es mir etwas griechischer gedacht. Er hält die Jungfrauengeburt dann aber auch nicht so konsequent durch wie Matthäus und redet nicht vom „Kind und dessen Mutter“ sondern relativ unkompliziert von Josef und Maria als die „Eltern“ von Jesus; bzw. auch „sein Vater und seine Mutter“.
    Die „unbefleckte Empfängnis“, das ist tatsächlich eine dogmatische Konstruktion im Zuge des „Frühkatholizismus“. Aber so ist sie erst eine Folge, nicht schon der Auslöser der Jungfrauengeburt. Und klingt schon ziemlich, na sagen wir mal nicht sexualfeindlich aber doch sexualängstlich.
    „Das Josef und Maria Jesus auf natürlichem Wege gezeugt haben und Maria auf natürliche Weise empfangen hat wird gar nicht ausgeschlossen“ – das könnte man für einige biblische Stellen außerhalb von Matthäus und Lukas sagen. Also Markus, Johannes und Paulus. Ganz interessant übrigens: Johannes 1,13: Alle Glaubenden sind gewissermaßen Jungfrauen-Söhne/Töchter, nämlich „nicht aus dem Willen eines Mannes sondern aus Gott geboren“. Das halte ich für eine indirekte Kritik an den zur Zeit der Abfassung dieses Evangeliums natürlich längst bekannten Jungfrauengeschichten. (Wie das Johannesevangelium öfters die uns geläufigen dogmatischen Vorstellungen anders hinzudrehen versucht)
    Joh 1,13 hebt jedenfalls gewissermaßen alle Glaubenden in die von mir kurz skizzierte Würde, die bei Matthäus/Lukas nur Jesus vorbehalten wird.

  5. @ Wendnagel

    Dass nämlich Matthäus und Lukas, könnte man sie heute fragen, gewiss AUCH von einer biologischen Jungrauengeburt ganz selbstverständlich ausgegangen sind. Es ist gewiss nicht so, dass die Menschen damals nicht zur Unterscheidung von Symbol und realer Wirklichkeit in der Lage gewesen wären.

    Das sehe ich auch so.

    Das nötige Wissen dazu war jedenfalls schon längst vorhanden, wie man bei Mose lesen kann.

    “Da sprach Juda zu Onan: Gehe zu deines Bruders Weib und nimm sie zur Ehe, daß du deinem Bruder Samen erweckest. Aber da Onan wußte, daß der Same nicht sein eigen sein sollte, wenn er einging zu seines Bruders Weib, ließ er’s auf die Erde fallen und verderbte es, auf daß er seinem Bruder nicht Samen gäbe.” (1. Mose 38,8-9)

    Zudem war Lukas Arzt. Ich denke, auch zu dieser Zeit konnte man sich mit einer Jungfrauengeburt nur lächerlich machen. Warum sollten sie das ohne Grund tun? Worum geht es denn hier? Es geht darum, daß Gott seinen Sohn auf die Welt schickt. Kann ein Gott so etwas nicht tun? Wir können Kinder im Reagenzglas zeugen (naja, eine lebende Eizelle wird mit einem lebenden Samen vereinigt, eigentlich ist das keine große Kunst), aber ein allmächtiger Gott kann selbstverständlich keine Eizelle ohne Samen befruchten. Das geht nicht.

    Ich habe das nie verstanden. Wenn ich an Gott glaube, warum sollte Gott das nicht möglich sein? Wo ist das Problem? Warum muß ich mir so eine Symbolgeschichte konstruieren?

  6. @ Dramiga

    Unbefleckte Empfängnis hat nichts mit “Jungfrau sein” zu tun, wie es allgemein gedacht wird, sondern bezieht sich lediglich auf das katholische Verständnis, dass Maria die Mutter von Jesus ohne Erbsünde ist.

    Ich kenne mich mit dem Katholizismus nicht so gut aus, aber so etwas in der Art habe ich auch gehört. Setzt voraus, daß eine Zeugung mit Geschlechtsverkehr eine befleckte Empfängnis wäre, Sexualität also Sünde wäre und die Erbsünde dadurch weitergegeben wird. Das muß dann aber wirklich ein katholisches Ding sein. Biblisch gesehen ist Sexualität generell keine Sünde. Im Prinzip nur die außereheliche (vor der Ehe, neben der Ehe).

    Aber vielleicht ist es nützlich mal ein Blick auf die Originalquellen zu wagen, ob es sich wirklich um ein Mißverständnis handeln kann.

    “Mit dem Ursprung Jesu Christi verhielt es sich aber so: Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger befunden von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht öffentlich bloßstellen wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen. Während er dies aber überlegte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen! Denn das in ihr Gezeugte ist von dem Heiligen Geist.” (Matthäus 1,18-20)

    “Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt von Galiläa, mit Namen Nazareth, gesandt, zu einer Jungfrau, die einem Mann namens Josef, aus dem Haus Davids, verlobt war, und der Name der Jungfrau war Maria. Und er kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, Begnadete! Der Herr ist mit dir. Sie aber wurde bestürzt über das Wort und überlegte, was für ein Gruß dies sei. Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Denn du hast Gnade bei Gott gefunden. Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben; und er wird über das Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und seines Königtums wird kein Ende sein. Maria aber sprach zu dem Engel: Wie wird dies zugehen, da ich von keinem Mann weiß? Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden.” (Lukas 1,26-35)

    Für mich hört sich das nicht nach einem Mißverständnis an.

  7. @ Aichele

    Für Menschen der Antike war die Wirklichkeit voll geladen (geschwängert!) mit Symbol. So dachten Matthäus und Lukas sicher auch in Bezug auf die Jungfrauengeburt. Aus symbolischen Gründen musste etwas so und so geschehen sein.

    Wie wahrscheinlich ist es denn, daß Matthäus und Lukas die Mythen der anderen Jungfrauengeburten kannten und da noch eins drauf setzen wollten? Von Buddha werden sie wohl ganz bestimmt nichts gewußt haben.

    Und was macht das für ein Sinn alles symbolisch zu verstehen?

    die ursprüngliche Intention und Provokation sehen, wie ich sie kurz skizzierte, nämlich: diesem „Bauhandwerker Yeshu aus Nazareth“ wird eine Würde zugesprochen, die sonst nur ganz ganz anderen zukam. Und das soll den feineren „Herren, die mit dem Tod uns regieren“ (Kurt Marti in einem Osterlied) mal gesagt sein…

    Also, letztendlich eine Kritik der bestehenden Herrschaftsverhältnisse. Ich nehme an, daß Jesus Christus auch nur symbolisch für die Sünde der Welt am Kreuz gestorben ist und seine Auferstehung vom Tode, nachdem er diesen besiegt hat, ist auch nur symbolisch zu verstehen. Und was soll das Ganze dann noch? Wozu soll ich dann noch Christ sein, wenn er nur symbolisch gesehen ein Erlöser ist. Ein Erlöser wovon?

  8. @ Aichele

    „Das Josef und Maria Jesus auf natürlichem Wege gezeugt haben und Maria auf natürliche Weise empfangen hat wird gar nicht ausgeschlossen“ – das könnte man für einige biblische Stellen außerhalb von Matthäus und Lukas sagen. Also Markus, Johannes und Paulus

    Ja, könnte man so sehen, aber nur weil sie die Jungfrauengeburt nicht erwähnen, finde ich persönlich das zu schwach.

    Ganz interessant übrigens: Johannes 1,13: Alle Glaubenden sind gewissermaßen Jungfrauen-Söhne/Töchter, nämlich „nicht aus dem Willen eines Mannes sondern aus Gott geboren“. Das halte ich für eine indirekte Kritik an den zur Zeit der Abfassung dieses Evangeliums natürlich längst bekannten Jungfrauengeschichten.

    Ich nicht, weil ich denke, Johannes hat damit etwas ganz anderes gemeint. Meines Erachtens spricht er da von einer geistlichen Geburt, die rein gar nichts mit einer biologischen zu tun hat. Das Thema greift er später wieder auf.

    “Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Mal in den Leib seiner Mutter hineingehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen. Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist.” (Johannes 3,3-6)

  9. Bibel heute offener sehen

    „… wurde die Jungfräulichkeit Marias zu einer verfänglichen biologischen Frage…“ selbst für eine christliche Bischöfin – war das so.
    Sara wusste, dass sie mit 90 Jahren normal kein Kind bekommen würde. Aus heutiger Sicht sind das High-Tech-Informationen aus einer Zeit von vor mehr als 2000 Jahren! – Und es gibt viele in den Heiligen Schriften. Für die Medizin sind sowohl eine jungfräuliche Empfängnis, als auch eine Schwangerschaft nach dem Klimakterium kein Problem mehr. Mehrere Frauen haben mit über 63 Jahren schon Kinder bekommen. Eine Frau kann heute mit der Geburt ihrer Leibesfrucht sogar gleichzeitig Mutter und Großmutter werden.
    Mein Sohn kam eines Tages aus der Schule und sagte: „Papa, das heißt nicht Jungfrau sondern junge Frau.“ Für die Biologie ist es praktisch egal – auch für Jesus als Gottes Sohn.
    Für die Menschen von Damals waren solche und andere „Wunder“ wichtig – heute verstehen wir Einiges und können die Schwerpunkte anders legen.
    Die Bibel ist nicht die Urschrift aller Geschichten in ihr. Generationen von Archäologen gruben Artefakte, Schriften… aus, die von Sprachwissenschaftlern… übersetzt wurden und viele die Bibel ergänzende Details enthalten. So stellt sich sogar heraus, dass die Bibel mehr Wahrheiten enthält, als so Manchem lieb ist.

  10. Die biologische Falle und das Symbolische

    @Martin Huhn. Im nicht-biblischen Jakobus-Evangelium erklärt eine Hebamme zur Jungfrau Maria: „Wenn ich nicht selber meine Finger hineinlege und sie untersuche, so glaube ich nicht.“ Man kann ahnen, woher diese Formulierung kommt. Aber so blähte sich der fromme Übermut immer wieder und immer peinlicher auf und geriet in die biologische Falle. Auch aus diesem Evangelium hat manches die (katholische) Legendentradition befördert (u.a. auch die „unbefleckte Empfängnis“).
    Immerhin ist auch deutlich, dass die biologische Fragestellung ziemlich früh manche Gemüter bewegte. Und ich gestehe natürlich zu, dass dies nicht erst eine neuzeitliche Sache ist.
    Aber bringt das was? Bei den anderen göttlichen Menschen oder Halbgöttern ist’s ein Geschehen mit gewaltigen symbolischen (!) Bezügen. In Wikipedia kann man zu dem von mir Genannten sich da noch einiges mehr zu Gemüte führen. Ich mochte mich nicht gerade darauf berufen, denke aber, dass das meiste korrekt dargestellt ist.
    Jedenfalls stimmt das Gesamtbild: in der Antike kannte man solche Geschichten. Na ja die von Buddha vielleicht nicht direkt und jedenfalls nicht so geläufig im Mittelmeerraum; man hatte näher liegende. (Doch zumindest seit Alexander konnte man auch hier von den Buddhisten wissen; und in der beginnenden Kaiserzeit hatten auf dem vielfältigen religiösen Markt gerade östliche Religionen eine besondere Anziehungskraft. Aber genauer weiß ich es nicht. Auf die Schnelle finde ich nur Folgendes aus der FAZ: Hellenisierte Inder – buddhistische Griechen.
    Ich glaube deshalb auch nicht, dass Lukas als Arzt in der damaligen Zeit mit der Behauptung einer Jungfrauengeburt sich nur lächerlich machen konnte. Eher besonders interessant, auch wenn er im Vergleich zum Jakobus-Evangelium noch sehr zurückhaltend ist und, wie gesagt, relativ unbefangen Maria und Josef als Eltern tituliert.
    Und selbstverständlich verstanden er und Matthäus die Jungfrauengeburt auch biologisch, blieben aber nicht wie die Hebamme (im Jakobus-Evangelium) mit ihren Fingern drin kleben. Sie mussten es auch nicht biologisch erklären oder plausibel machen; sondern das war eine für Gottes Allmacht keine zu große Schwierigkeit. Also zugegeben, im theistischen Denkmodell ist es wirklich kein Problem. Steht ja bei Matthäus ausdrücklich, bei Gott sei kein Ding unmöglich. (Und manche Technikfreaks heute meinen, mit dem entsprechenden Know-How hätte man den Trick auch damals bewerkstelligen können; aber damit wird es vollends banalisiert zu einer Marktbudengeschichte).
    Bloß, wenn man die heutigen Fragen, die eben wesentlich von der biologischen Frage her gestellt werden (weil man, wie ich kurz sagte, die andern Geschichten nicht mehr kennt/kennen will und es insofern um Maria einsam geworden ist) damit für gelöst hält, bleibt man erst recht auf die biologische Tatsächlichkeit fixiert. Und es bleibt eine exotische Geschichte, die man eben um Gottes Allmacht willen zu glauben habe. (Und der Glaube wird zur Anerkenntnis solcher Geschichten – „unglaublich aber wahr“) Was mit am meisten zu bedauern ist, das ist aber: Die von mir genannten Spitzen gegen andere Halbgötter/göttliche Menschen werden abgebrochen. Natürlich war es wohl etwas kurz, diese nur politisch zu skizzieren. War auf diese Weise eben am prononciertesten möglich; in dem „Gottheit und Menschheit vereinen sich beide“ steckt natürlich noch einiges mehr – individual- und gruppenpsychologisch.
    Solche sehr viel vielfältigeren Auswirkungen ergaben und ergeben sich des öfteren durch Symbole, durch zeichenhafte Handlungen und direkt als Symbol aufgestellte Bilder/Gebäude. Menschen haben da schon vielerlei dazu inszeniert oder sich drum versammelt. Und zur Bewahrung/Rettung gewisser (Glaubens-)Dokumente haben manche schon ihr Leben riskiert. Also, ich muss dem natürlich widersprechen, wenn etwas als Symbol zu verstehen gleichzeitig als Abwertung verstanden würde.
    Ja, und das ist natürlich meine Behauptung, dass manche Erfahrung mit Jesus die Leute so herausforderte, dass es für sie naheliegend war, diese Erfahrungen in Übernahme sonst umlaufender symbolischer Geschichten oder Neuschaffung solcher Geschichten zu verarbeiten, sie miteinander zu teilen und weiter zu geben. Was wirklich geschehen ist, sieht man oft nicht mehr. Aber aus den Symbolgeschichten kann man erheben oder wenigstens, wie stark die Leute – nicht nur symbolisch – bewegt waren, so dass sie es nur symbolisch ausdrücken wollten. UND kann sich von dieser Bewegung anstecken lassen. Da erst beginnt der Glaube.

  11. “Ja, auch bei der Eroberung Jerichos sollte eine Frau die Schlüssel gehabt haben: die „Hure Rahab“, die als Ahnmutter Jesu gilt. Und gar Esther! Cherchez la femme. Vielleicht sollten auch mit der Erzählung von der Jungfrauengeburt mal die Männer etwas von ihrem sonstigen Imponiergehabe abgehalten werden…”

    Interssant ! Dann hat Maria vielleicht etwas bei der ungewöhnlichen Geburt geflunkert, um nicht so schlecht, als Rahab, dazustehen…!?

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