Wechselwirkende Galaxien: NGC4490/4485

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Das Galaxienpaar NGC 4490/4485 ist ein interessantes, weil wechselwirkendes Galaxienpaar im Sternbild Jagdhunde (Canes Venatici). Beide Galaxien sind etwa 40 Millionen Lichtjahre entfernt. Sie sind stark verformt, weil sie sich gegenseitig durch ihre Schwerkraft beeinflussen. Besonders in 4490 (der größeren) fallen Helligkeitsknoten auf, die auf Fotografien eine deutlich rote Färbung zeigen. Dabei handelt es sich um Sternentstehungsgebiete, also Wolken aus Wasserstoff, in denen neue Sterne und Planetensysteme gebildet werden.

Das Paar ist auch unter der Bezeichnung Kokon-Galaxie (Cocoon-Galaxy) bekannt. Die Galaxien sind wahrscheinlich durch eine Materiebrücke verbunden, die aber selbst auf tiefen Aufnahmen nur schwer auszumachen ist. Der bläuliche Halo um die Galaxien dürfte von jungen, heißen Sternen herrühren. Die massive Sternentstehung ist ebenfalls Folge der gravitativen Wechselwirkung der beiden Galaxien.

NGC 4490 ist 9,5mag hell und 6.4′ x 3.1′ groß. NGC 4485 ist mit 11,7mag schwächer, und mit 2.3′ x 1.6′ auch deutlich kleiner. Am 27.3.2012 konnte ich das Galaxienpaar visuell im Teleskop (10″ Newton, f/5) beobachten. Das Paar ist leicht zu finden, es steht etwa ein halbes Grad westlich des Sterns β CVn, (Eigenname Asterion oder Chara) dem zweithellsten Stern in den Jagdhunden. Im Teleskop war das Galaxienpaar leicht zu sehen, die Verdichtungen in NGC 4490 waren aber nur sehr schwer auszumachen. Das gelingt erst mit größeren Teleskopen.

Das Bild entstand am 23.4.2012, Aufnahmegerät war ein 8″ Newton f/5 und eine Canon EOS 450Da mit CLS-Filter. Es wurden 20 Aufnahmen zu je 6 Minuten Belichtungszeit (800 ASA) gestackt.

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

3 Kommentare

  1. Abstand

    Bei einer groben Überschlagsrechnung komme ich auf ca 6500 LJ bei einer mittleren Entfernung von 45M LJ. Ich habe aber auch schon von 24000 LJ Abstand gelesen. Kommt ja auch darauf an wie weit man den Winkelabstand festlegt. Aber so hat man mal eine Hausnummer 🙂

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