Unterstützen Sie “Skyglow Berlin”! UPDATE

BLOG: Himmelslichter

ein Blog über alles, was am Himmel passiert
Himmelslichter

Dank der Projekte Verlust der Nacht und Skyglow Berlin wird die Lichtverschmutzung der deutschen Hauptstadt so gut erforscht wie kaum anderswo. Die Daten helfen Wissenschaftlern weltweit. Nun suchen die Initiatoren von Skyglow Berlin nach Unterstützern. Das Ziel ist es, Schulen und Freiwillige mit Messgeräten ausrüsten, und sie so zu Bürgerforschern machen und die Sensibilisierung der Bevölkerung für diese immer noch reichlich ignorierte Form der Umweltverschmutzung erhöhen. Mir gefällt dieses Projekt, deshalb habe ich es mit einem kleinen Geldbetrag unterstützt und würde mich freuen, wenn meine Leser das auch tun!

******Update 11.7.: Das Projekt kann starten, 5205€ sind zusammengekommen! Vielen Dank allen, die meinem Aufruf gefolgt sind!********

Denn Versuchkaninchen sind wir alle in diesem Experiment, dass ich weltweit Nacht für Nacht und für jedermann sichtbar abspielt. Die Forschungsfrage lautet: Was passiert mit unserem Planeten, seinen Bewohnern und damit letztlich uns selbst, wenn wir den natürlichen Rhythmus von Tag und Nacht außer Kraft setzen?

Nicht nur Berlin, ganz Europa wird heller. Bild: NGDC/DMSP/ESA

Das Experiment wurde weder geplant, noch hat man bislang einen blassen Schimmer, was das Ergebnis sein wird. Wirklich interessieren tun sich bislang auch nur einige wenige Experten für die oben gestellte Frage, doch betroffen sind wir (fast) alle. Wer heutzutage in eine Stadt wohnt, insbesondere in einer der wachsenden Metropolen der Welt, der kennt keine Nacht mehr.

Was ein Bewohner von Berlin-Kreuzberg für „Nacht“ hält, ist in Wirklichkeit ein nicht enden wollendes Dämmerlicht, 800 mal heller als eine wirkliche, dunkle Nacht, wie man sie heute nur noch in abgelegenen – sehr abgelegenen – Landstrichen dieses Planeten kennt. Das gilt insbesondere in bewölkten Nächten, für die sich Astronomen naturgegeben weniger interessieren. Dann nämlich werfen die Wolken das Licht, das wir ansonsten ziemlich gedankenlos ins All pulvern zurück zum Erdboden und erhellen unsere Nächte zusätzlich.

Von oben ist das Ausmaß unserer Verschwendungssucht besonders deutlich:

Hat das nun irgendwelche Konsequenzen, außer für Hobbysterngucker, die den Verlust der Sternenhimmelsbeklagen und die paar (Milliarden) Insekten, die vor allem im Sommer an schlecht abgeschirmten Leuchten verdampfen?

Man mag das Problem „Lichtverschmutzung“ im Vergleich zu anderen sich auftürmenden Katastrophen für eher nichtig halten, und in den Kommentaren unter einschlägigen Artikeln taucht immer wieder die besonders helle Frage auf, ob wir denn sonst keine Probleme hätten. Als ob sich die Menschheit immer nur um ein Probblem nach dem anderen kümmern könnte.

Berlin bei Nacht. Die Auflösung dieser Aufnahme beträgt stellenweise nur einen Meter, damit lassen sich einzelne Straßenlampen erkennen. Anklicken für große Version. Bild: Christopher Kyba, Skyglow Berlin

Tatsache ist: kaum einen anderen Lebensraum verändern wir derzeit so drastisch und flächendeckend wie die Nacht. Pflanzen, Tiere Menschen, unsere Ökosysteme haben sich aber in ihrer langen Evolutionsgeschichte auf den Wechsel von Dunkelheit und Licht eingestellt, verursacht durch die Rotation unseres Planeten. Wie reagieren sie auf diesen grundlegenden Wandel? Was macht das Dauerlicht mit uns – mit unserer physischen und psychischen Gesundheit? Was entsteht da für eine Gesellschaft, die das Universum erforscht, sich aber selbst der Möglichkeit beraubt, dieses Universum mit eigenen Augen zu sehen?

Das sind spannende und wichtige Fragen. Und auch wenn wir Versuchskaninchen wider Willen sind, Objekte in diesem Experiment mit ungewissem Ausgang, können wir bei der Beantwortung dieser Fragen auch aktiv mithelfen. Lamoryanz in Hinblick auf den Verlust der Nacht bringt nichts, die Wissenschaft benötigt belastbare Daten: Wo wird es heller, um wie viel und warum? Erst mit diesen Informationen können die Forscher herausfinden, welchen Einfluss die Lichtverschmutzung auf die Bewohner des Planeten Erde hat – und ob überhaupt. Vielleicht ist ja alles ganz prima so, und die ins All geblasenen Kilowattstunden sind in Wahrheit gut angelegt (die Energiekonzerne würde es sicher freuen)?

Nach oben gerichtetes und schlecht abgeschirmtes Licht ist hauptverantwortlich für den “Skyglow”. Bild: Christopher Kyba.

Deshalb möchte ich meine Leser dazu aufrufen, das Projekt „Skyglow Berlin“ zu unterstützen. Christopher Kyba von der Freien Universität Berlin und Annette Krop-Benesch vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei sammeln über die erste deutschsprachige Crowdfunding-Plattform Sciencestarter Geld, um Freiwillige und Schulen in Berlin mit Messgeräten zur Bestimmung der Himmelshelligkeit auszustatten. Mit den damit gesammelten Daten können hoffentlich einmal die oben genannten Fragen beantwortet werden. Dass das geht, haben die Forscher hier dargelegt.

Aber es geht nicht nur darum Wissenschaftlern ihre Arbeit zu finanzieren, es handelt sich um ein Projekt unter dem schönen Schlagwort „Citizen Science“, also „Bürgerwissenschaft“. Wenn Sie der Meinung sind, dass das Thema Lichtverschmutzung besser erforscht werden sollte, dann können Sie das mit ihrer finanziellen Unterstützung ermöglichen. Fünf Euro reichen aus, solange sich genügend Unterstützer beteiligen. Neben dem finanziellen Beitrag kann man als Unterstützer aber auch selbst aktiv werden. Wie das geht, steht hier.

Bis zum 10. Juli müssen mindestens 5000€ zusammengekommen sein, damit das Projekt starten kann. Falls nicht, bekommen alle Unterstützer ihr Geld zurück.

Presseerklärung der FU Berlin zum Projekt Skyglow Berlin.

Mehr zum Thema Lichtverschmutzung auf der Seite der VdS-Fachgruppe Dark Sky und hier im Blog.

Mehr zur Crowdfundingplattform Sciencestarter in einem Scilogs-Nachbarblog.

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

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