Südwärts auf der “Straße der Sterne”

Himmelslichter

Es ist soweit. Der Rucksack ist gepackt, das Teleskop samt Zubehör gut verstaut und die Kamera-Akkus sind aufgeladen. Am 1. März startet unsere lang ersehnte Reise auf der “ruta de las estrellas” – der “Straße der Sterne”. Etwa 6 Wochen lang werde ich zusammen mit Georg Görgen (einem wie ich unheilbar mit dem Astronomievirus Infizierten) durch Chile und Argentinien reisen und die großen Observatorien dieser Länder besuchen. Dabei immer im Blick: der unvergleichliche Nachthimmel der Südhemisphäre.

Es gibt bestimmte Orte auf der Welt, die Astronomen ins Schwärmen geraten lassen. Die Atacamawüste im Norden Chiles gehört dazu. Sie gilt als die trockenste Wüste der Erde, was sie zum einen der Andenkordillere verdankt, die Regenwolken aus dem Osten abhält. Zusätzlich verhindert die kalte Humbold-Meereströmung im Pazifik die Bildung von Wolken über dem Meer. Der Himmel über der Atacamawüste ist deshalb fast immer wolkenlos und außergewöhnlich klar. Die Region ist außerdem sehr dünn besiedelt und der Nachthimmel noch richtig dunkel.

Ein kleiner Vorgeschmack auf den südlichen Sternhimmel: Die Magellanschen Wolken. Aufgenommen am 31.12.2007 im Lauca-Nationalpark, Chile.

Kein Wunder, dass hier viele wichtige astronomische Observatorien stehen. Das bekannteste ist sicher das Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte ESO auf dem Cerro Paranal. Auf unserer Reise wollen wir möglichst viele dieser Sternwarten besichtigen.

Unsere erste Station wird der Touristenort San Pedro de Atacama sein. Dort wollen wir eine Reihe astronomischer Attraktionen besuchen: Die Sternwarte von Alain Maury, einem Amateurastronomen aus Frankreich, der dort zusammen mit seiner Frau Astrotourismus nach dem Vorbild der namibischen Astro-Farmen betreibt. Nebenbei beschäftigt er sich mit der Suche nach erdnahen Asteroiden. Das zukünftige Gelände des Atacama Large Millimeter Array (ALMA), einem Radiointerferometer für den Gigahertzbereich auf über 5000 Metern Höhe. Oder den Monturaqui-Meteoritenkrater, der rund 100.000 Jahre alt und 350 Meter groß ist.

Höhepunkt der Tour wird sicher der Besuch des VLT auf dem Cerro Paranal sein. Schon ein halbes Jahr im Voraus habe ich uns dort als Besucher angemeldet, am Ostersamstag ist es soweit. Dieses vielleicht berühmteste Observatorium der Welt ist das Traumziel vieler Profiastronomen, die dort einmal ein wenig Beobachtungszeit belegen wollen. Kosmoblogger Leonard Burtscher erzählt in seinem privaten Blog davon. Aber auch Gäste können den Komplex besichtigen. Die Besuchszeiten sind allerdings spärlich und die Zahl der Besucher ist begrenzt – aber wir stehen auf der Liste!

Der Paranal wird aber nur der Auftakt eines wahren Sternwarten-Marathons sein. Weiter südlich in der Nähe der Küstenstadt La Serena befinden sich die Observatorienkomplexe La Silla, Las Campanas, Cerro Tololo und Cerro Pachón. Auch dort haben wir uns frühzeitig für die Besucherliste angemeldet. Das Gemini Süd mit seinem 8,1-Meter-Spiegel auf dem Pachón oder die Zwillingsteleskope Walter Baade und Landon Clay auf Las Campanas sind sicher nicht weniger eindrucksvoll.

Auch mehrere kleinere, öffentliche Sternwarten stehen auf unserem Programm. Hier kann man den südlichen Sternhimmel unter fachkundiger Anleitung erkunden. Da ich selbst sein vielen Jahren astronomische Führungen an der Volksternwarte Aachen leite bin ich gespannt, wie meine chilenischen Kollegen so arbeiten.

Die wichtigsten Observatorien, die wir auf unserer Reise besuchen möchten. Grafik zum Vergrößern anklicken. (Erstellt mit NASA World Wind.) 

Schließlich werden wir die Grenze zum Nachbarland Argentinien überqueren. Auf der argentinischen Seite der Anden befindet sich das Complejo Astronómico el Leoncito (CASLEO). Diese Sternwarte ist längst nicht so bekannt, hat aber einen gewichtigen Vorteil: Man kann sie auch nachts besuchen und auf dem Sternwartengelände mit kleineren Teleskopen beobachten.

Überhaupt wird das Beobachten während dieser Tour nicht zu kurz kommen. Mit einem 9″-Reiseteleskop werden wir selbst auf astronomische Entdeckungsreise gehen. Vor einigen Jahren habe ich das erste Mal den südlichen Sternenhimmel von Südafrika aus gesehen. Damals bin ich nur mit einem Fernglas nächtelang durch das Sternenmeer der Milchstraße gewandert. Das ist ein Erlebnis, das man nicht mehr vergisst.

Mit etwas Glück haben wir noch Zeit, das Pierre Auger-Observatorium zu besuchen. Dieses Observatorium ist nicht mit einer “normalen” Sternwarte zu vergleichen – es ist etwa 3000 Quadratkilometer groß! Speziell für die Beobachtung der höchstenergetischen kosmischen Strahlung konzipiert, besteht es aus mehr als 1600 Einzeldetektoren, die in der argentinischen Pampa verteilt sind.

Vielleicht ergeben sich auch unterwegs noch weitere Ziele, die wir ansteuern werden. Und wir werden sicher nicht nur Sternwarten besichtigen! Meinen Blog werde ich in dieser Zeit ein wenig vernachlässigen müssen. Vielleicht habe ich unterwegs einmal Gelegenheit zu einem kleinen Zwischenbericht. Später werde ich aber ausführlich über meine Reiseerlebnisse berichten – versprochen!

 

 

  

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

1 Kommentar

  1. Astronomie-Blogs und ein Blog-Karneval

    Hallo!

    Ich würde gerne eine deutsche Version des Carnival of Space organisieren. Dadurch könnten wir die Vernetzung der einzelnen deutschsprachigen Astronomie/Raumfahrt-Blogs steigern und uns auch ein bisschen besser kennenlernen (und auch unseren jeweiligen Lesern die anderen Blogs vorstellen). Details dazu findet ihr in diesem Beitrag in meinem Blog. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir gemeinsam so eine Veranstaltunge auf die Beine stellen könnten.

    MfG Florian

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