Raketenfeuerwerk, Weihnachtskomet, Planetenparade, Sonnensturm…

BLOG: Himmelslichter

ein Blog über alles, was am Himmel passiert
Himmelslichter

Ganz schön was los am Himmel, zum Jahresausklang 2011! Eine verglühende Raketenstufe, ein heller Komet, vier helle Planeten, und dann auch noch ein veritabler Sonnensturm. Astronomisch gesehen verabschiedet sich das Jahr spektakulär, da kann kein menschengemachtes Billigfeuerwerk mithalten…

Definitiv auch menschengemacht war jedenfalls die helle Leuchterscheinung, die am Heiligabend viele Menschen in Mitteleuropa aufgeschreckt hat. Inzwischen ist klar, dass es sich um eine ausgebrannte Sojus-Raketenstufe gehandelt hat, die ganz plangemäß in der Erdatmosphäre verglühte. Dank Internet haben sich die Bilder dieses Ereignisses inzwischen weltweit verbreitet. Ein besonders schönes Video ist dieses hier:

Der helle “Stern” zu Beginn des Videos ist Jupiter, später erkennt man auch den Sternhaufen der Plejaden. Jupiter ist nur einer von vier hellen Planeten, die zur Zeit am Himmel zu sehen sind: Kurz nach Sonnenuntergang erscheint im Westen die helle Venus (nach Sonne und Mond das hellste Objekt am Himmel), Jupiter steht dann bereits hoch am Himmel. Erst gegen Morgen erscheinen dann im Osten der Mars und der Saturn. Beide wird man im kommenden Jahr gut beobachten können, wenn sie ihre Oppositionsstellungen erreichen.

Leider nur auf der Südhalbkugel zu bewundern ist der Komet C/2011 W3 Lovejoy, der erst am 27. November entdeckt worden war. Nach einer extrem nahen Sonnenpassage war die Überraschung recht groß, dass der Komet überlebt hat – nun ist er zu einer beeindruckenden Erscheinung kurz vor Sonnenaufgang geworden. Aber eben leider nur südlich des Äquators, hierzulande ist er nicht zu sehen. Dafür kann man sich an den vielen Bildern im Netz aus Australien, Südafrika, Südamerika und dem Erdorbit erfreuen – und an Videos wie diesem hier:

Und schließlich meldet sich auch die Sonne zurück, mit einem kräftigen und erdgerichteten Ausbruch. Morgen Abend sollten die geladenen Teilchen auf der Erde eintreffen, gut möglich, dass dann in höheren Breiten schöne Polarlichter zu sehen sein werden.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch eins: Klarer Himmel…

 

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

8 Kommentare

  1. Sojus-Raketenteil

    Wieso soll es eigendlich Planmässig sein, wenn das Raketenteil erst 3 tage nach dem Start wieder zur Erde zurück kommt? Beim Space Shuttle fallen die Booster umgehend nach dem Start in den Atlantik.
    Es muß sich nach allem, was ich so weiß um die zweite Stufe handeln, die das Zentralstück der Rakete ausmacht. Sie ist 28 Meter lang und 3 Meter im Durchmesser.
    Und genau auf diesem Video oben kann man bei sekunde 21 eine solche längliche Röhre sehen.

    Mir kommt es aber absurd vor, dass man ein Teil mit solchen Abmaßen auf 80 Km entfernung noch sehen können soll. Mir erscheint es also, dass das Raketenteil offensichtlich nicht so hoch über Deutschland geflogen sein kann.

  2. Sojus über süd-Deutschland

    Ist es wirklich “Planmäßig”, dass diese Raketenstufe erst 3 tage nach dem Start auf die Erde zurückfällt?

    Beim Space Shuttle fallen die Booster unmittelbar nach dem Start in den Atlantik. Und die brennen auch nicht viel kürzer.

    Außerdem kam mir merkwürdig vor, dass ich auf dem oben eingestellten Video bei Sekunde 21 tatsächlich eine längliche Röhre erkennen kann. Ist das möglich auf 80 Km Entfernung?
    Die zweite Stufe der Sojus-FG ist laut Wikipedia 28 Meter lang und 3 Meter im Durchmesser. Mich würde es wundern, Objekte mit solchen Abmessungen in 80 Km Entfernung so gut erkennen zu können. Vielleicht war sie auf dem Video schon viel niedriger?

  3. Soweit ich weis, handelt es sich dabei um die dritte Stufe der Rakete, die erst etwa 4 einhalb Minuten nach dem Start gezündet wird. Dann ist die Rakete längst höher als 80 km. Da diese Stufe nach Wikipedia etwa 4 einhalb Minuten brennt, gelangt sie weit über 120 km höhe und somit in eine niedrige Umlaufbahn. Da kann sie dann auch ein paar Tage bleiben, bis sie wieder auf die Atmosphäre trift.

    Die Booster vom Space Shuttle brennen etwa zwei Minuten, und kommen dabei etwa 80 km hoch. Deshalb fallen sie auch fast gleich nach dem ausbrennen wieder herunter.
    Wichtig ist auch noch die Geschwindigkeit. Wenn die Booster vom Shuttle ausgebrannt sind, hat das Gesamtgeblide aus Shuttle und Boostern noch keine Orbitalgeschwindigkeit erreicht, die dritte Stufe der Soyus, wenn sie ausgebrannt ist aber sehr wohl.

  4. Flughöhe

    Zudem sollte man sich nicht täuschen lassen: In dem Video ist keineswegs eine längliche Röhre zu sehen. Zu manchen Zeiten ist der Autofokus der verwendeten Kamera (oder der manuelle, ich kenne den verwendeten Kameratyp nicht) aus dem Fokus. Dann sieht es vielleicht so auch, als sähe man eine runde Form.

  5. Flughöhe

    Dass das Teil in rund 80 km Höhe verglüht ist, ist wirklich kaum zu glauben, wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat.

    Beim der ersten Sichtung blickte ich in Richtung Südsüdwest und hatte den Eindruck von ungewöhnlich hellen Frontscheinwerfern eines Flugzeugs. Schon allein deshalb konnte man den Blick nicht abwenden. Aber das Licht war auch noch zu sehen, als ich genau von der Seite auf das Flugobjekt blickte (so in etwa Richtung Südsüdost). Und als ich dem Teil dann hinterher schaute, sah es aus, als blicke man in den Raketenbrenner am Heck einer Flugmaschine. Aber der übliche Fluglärm, den man bei einem Flieger in etwa 3-4000 m Entfernung erwarten würde, blieb aus.

    Es war wirklich ein sehr ungewöhnliches Seherlebnis, dass man mir da an Heilig Abend beschert hat. Vielen Dank dafür an alle Raumfahrer und Raketenbauer… 😉

  6. nichts rundes zu sehen?

    Für mich ist da eindeutig etwas längliches zu sehen – ab 20-22 sekunden.

    Mit irgendwie rund kann man es nicht beschreiben.

    Und, wenn es die dritte Stufe gewesen sein sollte, dann wäre die ja noch viel kleiner. Die zweite Stufe brennt meines Wissens nach mit der ersten (4x Booster) zusammen 244 sekunden und brennt dann nach Abwurf der ersten Stufe insgesammt 288 sekunden. Ganz richtig müsste sie dann schon höher sein, als das Space Shuttlle beim Abwurf der Booster. Denn die dritte Stufe ist erheblich schwächer in der Leistung (298 kN Schub), was auch ausreicht, aufgrund der erreichten Höhe.

    Wenn das da am Himmel die dritte Stufe sein soll, dann stimmt mit sicherheit die erwartete Flughöhe erst recht nicht – denn dann wäre mit absoluter Sicherheit nur Licht zu sehen.

    Die Videoaufnahme ist eine recht gute – kein Zoom (Haus ist in Normalgröße zu sehen) eine brauchbare Restlichtverstärkung und der filmende hat eine ruhige Hand (Was man von den vielen anderen Videos nicht sagen kann). Allerdings, … anhand der erheblichen Unterschiede der Aufnahme zu den übrigen kann man vielleicht auch annehmen, dass eben diese gar nicht den Vorfall an Heiligabend zeigt, sondern einen ganz anderen.

  7. @chris

    “Für mich ist da eindeutig etwas längliches zu sehen – ab 20-22 sekunden.”

    Für mich nicht – da haben Sie entweder bessere Augen als ich oder eine größere Vorstellungskraft.

    “denn dann wäre mit absoluter Sicherheit nur Licht zu sehen. “

    Ist es ja. Man vertut sich leicht mit Entfernungsschätzungen von Leuchterscheinungen am Himmel, für die man kaum Vergleichsmöglichkeiten hat.

    “…kann man vielleicht auch annehmen, dass eben diese gar nicht den Vorfall an Heiligabend zeigt, sondern einen ganz anderen.”

    Jetzt machen Sie mich aber neugierig! Was sollte es denn sonst zeigen?

  8. Kann es bestätigen

    Das es am Heiligen Abend bei uns auch so war,direkt über uns deswegen vielleicht größer zu sehen wie auf diesen Video

    “…kann man vielleicht auch annehmen, dass eben diese gar nicht den Vorfall an Heiligabend zeigt, sondern einen ganz anderen.”

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