Norweger ziehen “Fallschirmmeteoriten-Theorie” zurück

Die ziemlich einhellige Ablehnung der internationalen Community war am Ende doch zu überzeugend: Die norwegischen Geologen und Meteoritenjäger haben ihre Behauptung, ein Fallschirmspringer habe einen fallenden Meteoriten gefilmt, zurückgezogen. “The good news: The crowdsourcing was a success. The bad news: There is no meteorite. It was a rock accidentally packed into the parachute,” schreiben sie in ihrem Blog, und erklären auch detailliert, wie genau es zu dieser “Verwechslung” kommen konnte.

Die Sache ist letztlich ganz einfach: Auch wenn eine nanoskopische Chance bestehen mag, dass der Stein auf dem Video ein echter Meteorit war (wogegen immer noch die Abwesenheit jeglicher weiterer Anzeichen eines Meteoritenfalls sprechen), ist die banale Stein-aus-dem-Fallschirm-Erklärung nun mal die mit extrem großem Abstand wahrscheinlichere. Auch auf die Gefahr, etwas besserwisserisch zu wirken: genau das habe ich kurz nach Bekanntwerden des Videos in meinem englischsprachigen Blog vorhergesagt – so wie viele andere auch (manche mit ausführlicheren Analysen als ich mit meiner Küchenlogik).

Hut ab vor den Norwegern, dass sie sich nicht wider aller Vernunft an eine unhaltbare Theorie klammern und sich statt dessen für die Hilfe bei der Lösung des Rätels bedanken. Hätte man natürlich alles schon viel früher haben können, hätte man das Video schon im Sommer 2012 veröffentlicht (genug jetzt mit der Klugs…ei)!

Mal sehen, ob gewisse Medien ebensolche Größe besitzen wie die Norweger.

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pikantes Kuriosum am Rande: Mehrere(!) derselben Astro-News-Webseiten, die einst begeistert den “Meteoriten” gefeiert hatten, verwerfen heute einen interessanten Lichteffekt auf dem Mars als blosses CCD-Artefakt – und dann sagt die NASA, dass offenbar doch etwas Interessantes vorgefallen ist. Das nochmal scharf Nachdenken vor dem Betätigen der “Return”-Taste ist offenbar eine große Herausforderung …

    • Ein Reflex halt, den ich mir so erkläre, dass man sich genötigt fühlt etwas diesem UFO-Mist entgegenzusetzen, der natürlich als erstes wieder hochkocht. Dass das schon ein ordentlicher Zufall ist, wenn das “Cosmic” immer genau am Horizont auftaucht, dacht ich mir auch…

  2. Der fragliche FAZ-Link liefert inzwischen nur noch ein 404. Also keine Korrektur, sondern ein verschämtes Schwanz einziehen. Größe sieht anders aus. Der Focus dagegen hat bisher noch nichts gemerkt.

  3. Auch Wissenschaftler sind nicht gegen das Phänomen gefeit, manchmal etwas einfach sehen zu wollen und deswegen die Argumente, die gegen das sprechen, was sie sehen wollen, auszublenden. Eine menschliche Eigenschaft. Die haben ja auch die Möglichkeit eines Steins, der aus dem Schirm fällt, in Betracht gezogen und dann wieder verworfen.

    Ein wirlkicher Wissenschaftler wird aber nicht auf einer unhaltbaren Position beharren, wenn die Argumente, die dagegen sprechen, zu überzeugend sind. So kam es ja auch hier.

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