Meteoriteneinschlag auf Bali?

Wenn es stimmt, was seit gestern über die einschlägigen Informationskanäle im Internet verbreitet wird, dann ist der Krater von Carancas in Peru nicht länger der jüngste Meteoritenkrater der Erde. Möglicherweise hat ein Meteorit einen etwa einen Meter großen Krater in ein Reisfeld auf der indonesischen Insel Bali geschlagen. Die Anwohner der Region berichteten von Lichtblitzen und einem lauten Explosionsgeräusch. Verletzt wurde niemand.

Der Einschlag fand schon am 2. Januar gegen 01:00 Uhr Ortszeit statt, wurde aber erst gestern über die internationale Meteoriten-Emailliste bekannt. Im Gegensatz zu den Ereignissen in Peru im September 2007 gab es diesmal fast kein internationales Medienecho. Vielleicht liegt das daran, dass es im Gegensatz zu Peru keine "mysteriöse außerirdische Krankheit" gab und den Verschwörungstheoretikern so das Futter fehlte. Leider gibt es aus diesem Grund auch nur wenige Aufnahmen von der Einschlagsstelle. Dieses Nachrichtenvideo läßt vermuten, dass die Spuren des Einschlages inzwischen im Schlamm des Reisfeldes verschwunden sind. Der Krater in Peru ist mit knapp 14 Metern deutlich größer.

Die unscharfen Aufnahmen lassen keinen endgültigen Schluss über die Echtheit der gezeigten Bruchstücke zu. Solange mir keine endgültigen Untersuchungsergebnisse bekannt sind, möchte ich daher betonen, dass der Einschlag eines Meteoriten nur eine mögliche Erklärung ist. Das Gelände wurde jedenfalls von Mitarbeitern der indonesischen Weltraumagentur LAPAN untersucht. Deren Seite ist leider nur auf indonesisch abrufbar.  

Angenommen, das Ereignis von Bali ist wirklich auf einen Meteoriten zurückzuführen – man könnte auf die Frage kommen, ob die Erde zur Zeit einem besonders starken Bombardement aus dem All ausgesetzt ist. Seit Carancas sind gerade einmal fünf Monate vergangen. Ich denke eher, dass es auf unsere moderne Informationsgesellschaft zurückzuführen ist, dass wir überhaupt von solchen Ereignissen erfahren. Vor 20 Jahren und ohne das Internet hätte die breite Öffentlichkeit wohl nie von einem Einschlagskrater im peruanischen Altiplano oder in einem indonesischen Reisfeld Notiz genommen.

Aber besser, wir halten den Himmel im Auge 😉

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Nachricht zum Stand der Forschung

    “About the meteorite fall in Bali, we still have no confirmation regarding the research of the stone. The stone is in geologist hand to be proved as meteorite or not. But according to astronomer from Indonesian Institute of Aeronautics and Space and also from Bosscha Observatory several days after the fall, it is indeed a meteorite fall and the crater in the rice field had caused by the fall.”

    Hat mir soeben Avivah Yamani vom führenden indonesischen Astro-Blog geschrieben.

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben