Merkur am Abend, McNaught am Morgen

Himmelslichter

Anfang April sind ein paar interessante Himmelsobjekte zu sehen: Merkur und Venus am Abendhimmel und zwei Kometen während der Nacht und am Morgen. Während die beiden Planeten mit dem bloßen Auge zu sehen sind, braucht man für die Kometen ein Fernglas oder ein kleines Teleskop.

Kurz vor dem Ende der Abenddämmerung sieht man ihn derzeit tief am Westhorizont: den "Abendstern", wie die helle (-3,9mag) Venus im Volksmund oft genannt wird. Ein Stück weit rechts kann man bei klarer Sicht noch einen zweiten, weit schwächeren (-0,5mag) Planeten entdecken: Merkur. Der sonnennächste Planet zeigt sich nur selten in der Abend- oder Morgendämmerung. Für 2010 ergibt sich Anfang April die einzige Gelegenheit, ihn am Abendhimmel zu erwischen! Am 15. und 16. April gesellt sich noch die schmale, zunehmende Mondsichel dazu. Mehr dazu gibt es bei Sterne und Weltraum. Bereits letzten Freitag ist Andreas Schnabel ein schöner Schnappschuss gelungen, und auch Florian Freistetter hat Merkur schon gesehen

Der Blick nach Westen am 9. April gegen 21:00 Uhr. Grafik erstellt mit Stellarium.

In den kommenden Tagen zieht sich außerdem der Mond langsam vom Nachthimmel zurück, und ermöglicht daher die Beobachtung zweier Kometen, die zumindest für Feldstecher- und Teleskopbeobachter hübsche Ziele abgeben. Praktisch die gesamte Nacht über ist der Komet 81P/Wild sichtbar. Er befindet sich im Sternbild Jungfrau westlich des Sterns Iota Virginis und ist etwa 9mag hell. Im Laufe der nächsten Wochen sollte seine Helligkeit langsam abnehmen. Auf Fotografien zeigt der Komet eine längliche Koma und einen Schweif.

Anders der Komet C/2009 K5 (McNaught). Er ist zur Zeit ebenfalls 9mag hell, könnte aber bis Ende April, wenn er den sonnennächsten Punkt seinen Umlaufbahn erreicht, noch um eine ganze Größenklasse heller werden. C/2005 K5 durchläuft in den kommenden Wochen das Sternbild Schwan von Süd nach Nord, ist also ein Morgenhimmelobjekt. Er könnte damit zu einem reizvollen Objekt für Feldstecherbeobachter und Astrofotografen werden! Noch wirkt er auf Fotos eher unscheinbar.

Aufsuchkarten zu beiden Kometen finden sich auf den Astroseiten von Michael Hahn.

Viel Erfolg beim Beobachten und Clear Skies!

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

2 Kommentare

  1. Merkur, der flinke Planet

    Gestern Abend konnte ich Merkur und Venus durch einen schmalen Wolkenstreifen hindurch abermals beobachten. Innerhalb von 48h hatte sich Merkur gegenüber der Venus merklich weiterbewegt.

    Wollen wir hoffen, dass am Abend 15. April der Wettergott ein Einsehen mit uns hat, wenn die schmale Mondsichel südwestlich des Planetenduos steht. Sicherlich ein schönes Fotomotiv. Schließlich ist Merkur hier wohl zum letzten Mal mit bloßem Auge (ggf. Fernglas) sichtbar.

Schreibe einen Kommentar