Mein erstes UFO…

…und es hat mich nicht mitgenommen. Schade. Egal, spannend ist allemal, was wir bei unserem kürzlichen La-Palma-Aufenthalt aufgenommen haben. Eigentlich wollten wir das größte optische Teleskop der Welt, das GranTeCan, bei der Arbeit filmen. Das ist auch gelungen, doch beim Zusammensetzen des Zeitraffers fiel mir ein ziemlich merkwürdiges Objekt auf. Hier die entscheidende Stelle, verlangsamt:

Urlaubsvideo mal anders: ein UFO über’m GranTeCan (Video: Georg Görgen/Jan Hattenbach)

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2. UPDATE 24.9.: Wie allgemein vermutet, handelte es sich bei meinem UFO um einen Raketentest, und zwar einer ballistischen Rakete des Typs Trident II D5, die von einem US-amerikanischen UBoot abgefeuert wurde. Hier die Bestätigung. Allerbesten Dank noch mals an Marco Langbroek und Cees Bassa für die Hilfe bei der Aufklärung dieses Rätsels! 

UPDATE, 21.09.: Marco Langbroek hat in einer sehr ausführlichen Analyse dargelegt, dass eigentlich nur ein geheimer Raketenstart einer ballistischen Rakete von einem UBoot im Atlantik als Erklärung in Frage kommt. Die Helligkeitsschwankungen des Objekts deutet er als Zündungen mehrere Raketenstufen, höchstwahrscheinlich einer militärischen Trident Rakete, die von US-amerikanischen und britischen UBooten eingesetzt werden.

Hier noch ein Stack des unten gezeigten Videos, der die Flugbahn des Objekts besser zeigt:

Bild: (Georg Görgen/Jan Hattenbach)

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Aufnahmedatum war der 10. September 2013, dargestellt sind 42 Einzelbilder mit je 5 Sekunden Belichtungszeit und 2 Sekunden Pause dazwischen, die zwischen 21:16 und 21:20 Uhr Ortszeit (23:16-23:20 MESZ) aufgenommen worden sind. Die Position der Kamera war direkt oberhalb des GranTeCan-Teleskops, in 2300m Höhe mit Blickrichtung West (Westen liegt genau in Richtung Kuppel), die geografische Koordinaten sind laut Google Earth 28°45’23,04″N und 17°53’20,06″W).

Das Objekt am linken Bildrand sieht verdächtig nach einer startenden Rakete aus, der “Nebel” könnten Abgase oder auch abgelassener Treibstoff sein – so etwas kann man hin und wieder am Himmel sehen.

Einzelbild aus dem Video. Es scheint, als würde Gas oder eine Flüssigkeit von einer Rakete ausgestoßen – oder werden hier Booster abgesprengt? (Bild: Georg Görgen)

Problem nur: Es gab am 10. September keine Raketenstarts. Zumindest keine offiziellen, und auch keine “geheimen”. Geheim in dem Sinne, dass sie zwar nicht offiziell angekündigt sind, aber für spezialisierte Amateure durchaus nicht unbekannt sind (mit einem solchen Fall hatten wir es in diesem Blog schon einmal zu tun). Nachdem ich den Videoclip via Meteoros-Forum und Twitter in die Welt gesetzt hatte, machten sich auch gleich einige Experten daran, die Bahn des unbekannten Flugobjekts zu bestimmen und es zu identifizieren.

 

 

Bislang ohne entscheidenen Erfolg. Vielleicht hat ja ein aufmerksamer Blogleser eine Idee?

Zwei wichtige Fragen sind bereits abgeklopft:

Stimmen Datum und Zeit? Ja, nach mehrfacher Überprüfung ist sicher, dass es defiitiv der 10. September war. Unser Rückflug war ein Tag später, also am 11. September. Wer an diesem Tag fliegt, vergisst das Datum nicht so schnell. Auch die Zeit stimmt: Zwar ging die Kamerauhr um genau 6 Minuten und 17 Sekunden vor, aber dieser Fehler ist in den obigen Zeiten bereits korrigiert. Außerdem ist im Video ein zweiter, “normaler” Satellit zu sehen, der von zwei Experten unabhängig voneinander als Cosmos 1410 identifiziert wurde. Schließlich ist am linken unteren Bildrand knapp die untergehende Venus zu sehen. Deren Untergang berechnet calsky.com für La Palma am 10. September 2013 für 21:16 Uhr Ortszeit. Berücksichtigt man die Kimmtiefe von 1,5° auf 2300m Seehöhe, dann dürfte sich der Untergang um wenige Minuten verzögern, eben auf den Zeitraum des Videos: 21:16-21:20 Ortszeit.

Handelt es sich um einen Kamerareflex? Unwahrscheinlich, schon vom Aussehen des Objekts zu urteilen. Überzeugt, dass es definitiv ein Objekt am Himmel war, bin ich aber aus folgendem Grund: Zwar haben wir in den entscheidenen Minuten eine Kaffeepause in der Residencia des Observatorio del Roque de los Muchachos gemacht, das eigentliche Ereignis also verpasst. Beim Hinausgehen erinnere mich aber an diese seltsame, vertikale “Wolke” am ansonsten völlig klaren Westhimmel. Wir unterhielten uns noch darüber und meinten, dass könne der persistent train einer Feuerkugel sein, und mit ein bisschen Glück sollten wir sie auf dem Film haben. Ich hatte diesen Vorfall schon wieder vergessen. Bis heute.

Ziemlich spannende Sache, das.

 

Halten wir also fest: Es handelt sich sicher um ein reales Himmelsobjekt, und auch Zeit und Datum sind bis auf eine geringe Unsicherheit bekannt. Was aber war es – wenn nicht ein Raketenstart? Bislang zeichnen sich vier Erklärungsmöglichkeiten ab:

Es war nicht nur ein geheimer, sonder ein sehr geheimer Start, von dem auch Satellitenbeobachter nicht wussten.

Es handelt sich um eine alte Raketenstufe, über die ebenfalls keine Daten von der US-Regierung veröffentlicht sind. Nach der Aussage eines Experten ist das möglich, es gibt wohl etliche Objekte, die dem Space-Debris-Tracking engehen. Dass ein solches Stück Weltraumschrott allerdings größere Mengen Treibstoff ablässt (wie soll sich sonst der “Nebel” erklären), kommt mir reichlich unwahrscheinlich vor.

Es war ein bekanntes Stück Weltraumschrott. Tatsächlich bewegte sich wenige Minuten später eine alte Atlas Centaur Raketenstufe in der gleichen Himmelsgegend. Die aber ist 50 Jahre alt und sollte keinen Treibstoff mehr enthalten, außerdem stimmen Bahn und Zeit eben doch nicht mit dem Video überein.

Satellitenexperte Marco Langbroek konnte bislang kein Objekt in den offiziellen NORAD-Katalogen und den inoffiziellen Amateurkatalogen finden, das mit “meinem” UFO übereinstimmen könnte. Am wahrscheinlichsten erscheint daher derzeit ein geheimer, suborbitaler ballistischer Raketenstart. Es braucht nicht viel Phantasie, dass dafür aller Wahrscheinlichkeit das US-Militär verantwortlich zeichnet, das jedenfalls legt schon die Flugbahn nahe. Ein Startpunkt in Florida oder einem anderen Ort in den Vereinigten Staaten ist wahrscheinlich.

Aber auch das ist bislang Spekulation. In jedem Fall ein interessanter Fund auf unseren “Urlaubsfotos”!

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Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. A few notes

    A few notes (in English – Ich verstehe und rede Deutsch, aber correct schreiben ist mir schwer):

    1) Classified launches itself are not secret (launch site, date and time are announced), but the payload character and the orbit launched into are classified. We amateurs however manage to track almost all of them;

    2) if this was a ballistic missile test, e.g. a Trident test, I suspect it to have been launched from a submarine in the Atlantic (Tridents are employed on submarines). This is also the only way to keep such a launch secret – with a landbased launch both preparations and the launch itself are widely visible, and issuing a NOTAM closing airspace in advance will be inevitable. A Florida launch, certainly at this time of the day, would be visible to millions all over the eastern US.
    NOTAMS of airspace closure are how we amateur trackers know something new will be launched, and into what general orbit.

    3) According to space historian Jonathan McDowell, Trident and Poseidon tests have been conducted earlier in this part of the Atlantic.

    4) The vapour seems to come in two, maybe three puffs. These could be successive ignitions and separations of rocket stages. The Trident missile has 3 stages. Reportedly, much of this proces happens within 2 minutes with the Trident, which tallies with the time duration of your imagery (about 2.5 minutes)

    5) Another unannounced missile test was conducted in the Mediterranean slightly over a week earlier.

    6) Missile tests, including missile interception, were conducted that very same day near Kwajalein in the Pacific, but I strongly doubt this is related (your sighting location is too far from Kwajalein, Tridents don’t have that reach).

  2. Lens flare

    Couldn’t it be a lens flare? It seems to me that the missile is just the reflection of the Moon inside your camera. Are you sure this is not a reflection?

  3. Pingback:[BLOCKED BY STBV] Ufos auf Gran Canaria » Canary Islands Photos

  4. Erkennst du es wirklich nicht…?
    Es ist ein Stratosphärballon , der sich langsam dem Boden nähert … er fliegt schon eine ganze Weile herum und scheint beschädigt zusein, da er viel zu tief war…, aber das wichtigste ist das, was jeder leicht erkennen kann …Es hängt etwas an ihm und das ist ein Satellit… Ja, so unglaublich es klingt, aber siehe selbst…und vergleiche…
    https://www.youtube.com/watch?v=U4T0il6fcKs

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