Mars in Opposition

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Himmelslichter

Am 8. April ist es wieder soweit: Unser Nachbarplanet Mars steht in Opposition. Das bedeutet, dass er an diesem Tag der Sonne genau gegenüber steht. Er ist dann die gesamte Nacht zu sehen und nimmt außerdem seine erdnächste Position (nein, das tut er erst am 14.4., s. Kommentare. Aber sei’s drum!) ein, erscheint also im Teleskop besonders groß. Bereits jetzt ist Mars gut zu sehen: Er erscheint kurz bei Einbruch der Dunkelheit am Osthorizont und zieht im Laufe der Nacht gemeinsam mit dem hellen Stern Spica als eine Art Doppelgestirn über den Himmel.

Mars und Spica am 26. 3. 2014 gegen 4 Uhr morgens. Augenommen mit einem 70mm Teleobjektiv bei f/5,6, 1600 ASA und 180 Sekunden Belichtungszeit.
Mars und Spica am 26. 3. 2014 gegen 4 Uhr morgens MEZ. Augenommen mit einem 70mm Teleobjektiv bei f/5,6, 1600 ASA und 180 Sekunden Belichtungszeit.

Am 26. März habe ich Mars und Spica frühmorgens mit einem 70mm-Teleobjektiv fotografiert. Die beiden Gestirne waren sich am Vorabend besonders nahe gekommen, zum Zeitpunkt der Aufnahme trennten sie etwa fünf Grad am Himmel. Auffällig sind vor allem die unterschiedliche Farben der beiden Himmelkörper: Mars leuchtet in seinem typischen, orange-roten Licht, wären Spica eindeutig weiß-blau aussieht. Das Marslicht ist eigentlich Sonnenlicht, dass der knapp 6800 Kilometer große Planet reflektiert. Die Farbe kommt durch Eisenoxid (vulgo: Rost) auf seiner Oberfläche zustande und ist für seinen Beinamen “Roter Planet” verantwortlich.

Mars und Spica am Tag der Opposition, 8. April 2014, gegen Mitternacht. Blickrichtung Süd. Erstellt mit Stellarium.
Mars und Spica am Tag der Opposition, 8. April 2014, gegen Mitternacht. Blickrichtung Süd. Erstellt mit Stellarium.

Spica ist dagegen ein Stern der Spektralklasse B1III-IV und leuchtet bläulich, weil ihre Photosphäre mit rund 22000 Grad Celsius deutlich heißer ist als die der Sonne. Spica ist ein Riesenstern, sie ist zehn mal massereicher und 13000 mal leuchtkräftiger als die Sonne [1]. Den Großteil ihres Lichts gibt sie im ultravioletten Spektralbereich ab. Stünde sie anstelle der Sonne, bräuchte man nicht nur starke Sonnenbrillen, Hautärzte hätten auch erheblich mehr zu tun.

Spica ist 260 Lichtjahre weit weg, Mars stand zum Zeitpunkt der Aufnahme 0,65 Astronomische Einheiten, 98146435 Kilometer oder fünfeinhalb Lichtminuten von der Erde entfernt – also rund 25 Millionen mal näher als Spica. Deswegen erscheint der kleine Mars am Himmel heller als die in Wahrheit viel leuchtkräftigere Spica.

Simulierter Anblick des Mars am 26. März 2014, ungefähr zum Zeitpunkt der Aufnahme oben. Erstellt mit calsky.de
Simulierter Anblick des Mars am 26. März 2014, ungefähr zum Zeitpunkt der Aufnahme oben. Erstellt mit calsky.de

Im Fernrohr erkennt man Spica aufgrund ihrer riesigen Entfernung nur als hellen Lichtpunkt. Mars zeigt sich immerhin als winzig kleines Scheibchen, auf dem man mit Glück und hoher Vergrößerung ein paar dunkle Flecken oder die helle Nordpolarkappe sehen kann. Beides ist mir an jenem Morgen mit meinem kleinen 70mm Refraktor nicht gelungen. Bis zum 8. April kommt uns Mars zwar noch etwas näher (bis auf 0,621 Astronomische Einheiten), das Marsscheibchen wird aber nie größer als 15 Bogensekunden (eine Bodensekunde ist der 3600. Teil eines Winkelgrads, der Vollmond ist ein halbes Grad, also 1800 Bogensekunden groß).

Das Bild oben zeigt eine Simulation wie Mars zum Zeitpunkt meiner Beobachtung ausgesehen hat. Es ist leider kein echtes Bild, mit meinem kleinen Teleskop konnte ich keine Details erkennen, auch weil die Luft dafür zu unruhig war und keine allzu hohen Vergrößerungen zuließ. Geometrisch schauen wir dieses Jahr auf die Nordhemisphäre des Planeten, auf der gegenwärtig Sommer herrscht. Hier ein Bild, das von einem Amateur einen Tag früher aufgenommen wurde.

Trotzdem ist jetzt die beste Zeit zur Marsbeobachtung. Die Natur will es, das Marsoppositionen nur etwa alle zwei Jahre stattfinden, und der Planet uns bei jeder Opposition unterschiedlich nahe kommt. Die nächste Marsopposition ereignet sich erst am 22. Mai 2016, die übernächste am 27. Juni 2018. Dann wird das Marsscheibchen immerhin bis zu 18 beziehungsweise 24 Bogensekunden groß werden.

Viel Spaß beim Marsgucken und allzeit klaren Himmel!

 

[1] Eigentlich ist Spica ein Doppelstern, die Zahlen treffen auf die hellere der beiden Komponenten zu.

 

 

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

13 Kommentare

  1. Moin Hr.Hattenbach,
    ich bin zwar kein Physiker, aber ein Wert von “rund 96400 mal näher als Spica” schien mir doch näher als die propagierten 260 LJ… (Ich vermute mal da ist die Multiplikation mit 260 unter den Tisch gefallen^^)

  2. Das ist ein sehr schönes Bild von Mars und Spica. Ich verstehe allerdings nicht ganz, wie gerade dieser Strahlenkranz zustande kommt. Ich dachte immer, es handelt sich bei solchen Effekten bei Langzeitbelichtungen um Artefakte, hervorgerufen durch Dinge, die im optischen System in den Lichtweg ragen. Entweder die Irisblende, oder, bei einem Newton (was hier nicht der Fall ist, die Halterung des Fangspiegels). Aber die Anzahl und Form der acht breiten Strahlen um Mars und Spica ist mir ein Rätsel.

    Kannst du dazu was sagen?

    Zur Mars-Konjunktion: Es ist in der Tat so, dass die “offizielle” Konjunktion am 8. April sttfinden. dann erreicht der Winkel zwischen den Linien von der Erde zum Mars einerseites und von der Erde zur Sonne andererseits ihren größten Wert, allerdings nicht ganz 180 Grad. Erde und Mars sind ja auf leicht untersciedlichenen Bahnebenen. Der Minimalabstand zwischen Erde und Mars wird allerdings nicht am 8.4., sondern am 14.4. erreicht. Das ist so, weil Mars sich auf einer doch recht exzentrischen Bahn befindet.

    Schaut man sich die Evolution des Erde-Mars-Abstands von 2000-2020 an, sieht man, dass Konjunktion nicht gleich Konjunktion ist. Die jetzige ist, naja, also, sagen wir, ganz hübsch. Aber im Frühjar 2016 wird es schon ganz anders zur Sache gehen, und im Sommer 2018 erst recht, wenn auch da noch einen Tick weniger dramatisch als 2003.

    • “Kannst du dazu was sagen?”

      Das ist der Effekt durch die Lamellen der Blende, ich habe bewusst auf f/5.6 zugemacht, um ein paar Spikes zu bekommne. Was genau ist dir ein Rätel?

      • “Rätsel” ist zuviel gesagt. Die Zacken im Kranz sehen aus wie Pfeilspitzen, die zum Zentrum hin gerichtet sind. Es war mir auf Anhieb nicht klar, wie das zustande kam. Dass es mit der Blende zu tun haben muss, war mir klar, dass das so aussieht, nicht. Gefällt mir aber gut.

        • Achso. Liegt wohl am spezifischen Objektiv, denke ich. Habe ein 70-200mm Canon L bei Blende 5,6 genutzt. Mag sein, dass ein anderes Objektiv ein etwas anderes Spikemuster erzeugt.

          • Um diese starken Lichtreflexe zu bekommen, wie man sie auf dem ersten Bild sieht, kann man sich auch einen Sternfilter vor das Objektiv schrauben. Damit lassen sich Nachtszenen ohne großen Aufwand effektvoller gestalten.
            http://www.nsonic-net.de/podcast/img/071_foto_sternfilter.jpg

            Man kann aber auch mit der Blende sowie der Belichtungszeit die Darstellung der Lichter auf einem Bild beeinflussen. Mit offener Blende, also f/ 2,8 oder f/ 4, und einer kurzen Belichtungszeit wirkt das abgestrahlte Licht und dessen unmittelbare Umgebung leicht verwaschen, die Abstrahlung des Lichtes ist gleichmäßig. Wählt man jedoch eine höhere Blendeneinstellung und eine lange Belichtungszeit, so bilden sich um die Lichtquellen Strahlen, die wie Sterne aussehen. Weist die Blende aber eine kleine Öffnung auf (wie es bei einer fast geschlossenen Blende der Fall ist), dann bilden sich durch die eckige Anordnung der Blendenlamellen Strahlen um die Lichtquelle, was diesen Sterneffekt verursacht. Die Anzahl der Strahlen hängt von der Anzahl der Blendenlamellen im Objektiv ab. Bei einer geraden Lamellenzahl ist sie gleich, bei ungerader Lamellenzahl hat der Stern doppel so viele Strahlen.

  3. Vorschau: Am 12/13/14 Juli wird sich Mars der Spica auf nur etwas mehr als ein Grad Winkelabstand nähern. Das dürfte dann wirklich wie ein rot-blaues Doppelgestirn wirken und wird sicher sehr reizvoll.

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