Komet Hartley und die Meteore – kommt noch was?

BLOG: Himmelslichter

ein Blog über alles, was am Himmel passiert
Himmelslichter

Die Chancen für einen Miniatur-Meteorschauer Anfang November 2010, ausgelöst durch die Annäherung des Kometen 103P/Hartley 2 an die Erde im Monat zuvor sind eher schlecht. Daran ändern auch zwei Beobachtungen von Feuerkugeln in Nordamerika nichts. Dennoch lohnt sich für ambitionierte Meteorbeobachter in diesen Nächten der Blick nach oben.

Wetterbedingt habe ich von Hartleys Erdannäherung leider nicht viel mitbekommen. Im Moment stört außerdem das Mondlicht die Beobachtung des sich wieder von uns entfernenden Kometen (mehr zum Kometen in den Blogs von Michael Khan und Andreas Schnabel). Doch vielleicht gibt es noch eine Art Nachspiel: Schon seit längerer Zeit wird über eine mögliche erhöhte Meteoraktivität für Anfang November 2010 spekuliert, wenn sich die Erde der Bahn des Kometen nähert. Am 2. November passiert die Erde den absteigenden Knoten der Kometenbahn, nur sieben Tage nach Hartley selbst. Einen Tag später dann, am 3. November, nähern wir uns dem Perihelpunkt der Kometenbahn – wiederum sieben Tage nachdem 103P/Hartley 2 diesen Punkt passiert hat. Dabei nähern wir uns natürlich auch Koma und Schweif des Kometen. Darf man also auf einen kleinen Sternschnuppenschauer hoffen?

Ziemlich unwahrscheinlich, denn "nah" ist relativ, vor allem im Weltall. Der Abstand des Kometenperihels zur Erdbahn beträgt rund 10 Millionen Kilometer. Die Erde kreuzt die Bahn des Kometen also nicht, sondern passiert sie in einem Abstand, der immerhin rund 7% ihres mittleren Abstands zu Sonne ausmacht. Dazu kommt, dass der Komet erst seit den 1970ern auf einer erdnahen Umlaufbahn kreist. Der Astronom Mikhail Maslov rechnet daher erst in einigen Jahrzehnten mit signifikanten Sternschnuppenraten, denn der Kometenstaub, aus dem die Koma und der (Staub-)Schweif bestehen, benötigt Zeit, um sich auszubreiten. Die Erde wird die Staubwolken des Kometen daher jetzt noch nicht erreichen können. Am 2. November 2055 allerdings darf man, glaubt man Maslov, mit mehr als 1000 Meteoren pro Stunde rechnen. Diesen Abend sollte man sich also schon mal freihalten!

Seit heute allerdings verbreitet sich eine Nachricht, derzufolge zwei am 16. Oktober über Nordamerika beobachtete Feuerkugeln nahezu identische Bahnen aufwiesen, als ob sie von dem selben Mutterkörper stammten. Und dieser könnte Hartley 2 sein. Also doch ein Vorbote eines neuen Meteorstroms bereits in diesem Jahr? Die Forscher betonen, dass die beiden Meteore ihren Ursprung auch ganz woanders gehabt haben können. Auch wenn diese Meldung nun etwas Wirbel macht, hat sich die Ausgangslage damit nicht geändert. Die Beobachtung könnten reiner Zufall sein.

Im Jahr 2010 wird man realistisch gesehen keine "Hartleyiden" in größerer Stückzahl zu Gesicht bekommen. Aber vielleicht hält der Komet ja eine kleine Überraschung bereit, so ganz sicher weiss man das nie. Sobald sich der Mond vom Nachhimmel zurückzieht, werde ich also mal Ausschau halten – denn bei gutem Wetter und Neumond ist der Platz des Amateurastronomen ohnehin an der frischen Nachtluft. Der Radiant der Meteore läge im Sternbild Schwan, in der Nähe von Beta Cygni, dem bekannten Doppelstern Albireo. Damit wären die Sternschnuppen am Besten in den Abendstunden nach Sonnenuntergang zu sehen. Sie wären wahrscheinlich eher langsam unterwegs, möglicherweise könnten recht helle darunter sein. Aber auch wenn es wahrscheinlich nichts (oder nicht viel) zu sehen gibt: Astronomie macht doch am meisten Spaß, wenn man nicht alles bis ins Detail voraussagen kann! Ich nehme das mal als Übung für 2055.

Übrigens: Auch wenn wir höchstwahrscheinlich (noch) keinen Besuch von Hartleys Staubschweif bekommen werden – der Komet bekommt in jedem Fall Besuch von uns. Die Raumsonde EPOXI wird sich ihm am 4. November 2010 bis auf 700 Kilometer nähern.

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

1 Kommentar

  1. Meteorschauer

    Ich habe die Meldung auf http://science.nasa.gov/…/2010/27oct_hartleyids/ gerade gelesen und bin auch eher skeptisch, dass Hartley 2 in diesem Jahr einen Meteorschauer produziert. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Die beste Zeit nach den “Hartleyiden” (besser wäre aber “Beta Cygniden”, ohne Zungenbrecher :D) Ausschau zu halten liegt ungefähr zwischen dem 2. und 17. November.

Schreibe einen Kommentar