Ein unangemeldeter Besucher

Heute morgen gegen 9:30 Uhr unserer Zeit bekam unsere Erde Besuch. Nur flüchtig aber recht nah flog der Asteroid mit dem Namen „2007 TU24“ an unserem Heimatplaneten vorbei und ermöglichte es den Astronomen, ihn aus der Nähe zu studieren. Entdeckt hat man ihn erst kürzlich – er ist sozusagen ein „unangemeldeter Besucher“.

These low-resolution radar images of asteroid 2007 TU24 were taken over a few hours by the Goldstone Solar System Radar Telescope in California's Mojave Desert. Image resolution is approximately 20-meters per pixel.  NASA/JPL-Caltech 2007 TU24 ging der NASA am 11. Oktober 2007 ins Netz. Mit einer Größe von etwa 250 Metern gehört er zu den typischen NEOs (Near Earth Objects), ist also ein für die Erde potentiell gefährlicher Kleinkörper unseres Sonnensystems. Das Bild zeigt Radaraufnahmen des Asteroiden, erstellt mit dem Goldstone Radioteleskop in der Mojave-Wüste in Kalifornien. Einem Pixel entsprechen etwa 20 Meter. (Quelle: NASA/JPL-Caltech.) Die amerikanische Weltraumbehörde forscht mit automatischen Suchprogrammen nach diesen „Problembären“ – denn früher oder später wird einer von ihnen Kurs auf die Erde nehmen, soviel ist sicher. Mit einem minimalen Abstand von  538.000 Kilometern (etwa der 1,4-fachen Entfernung Erde-Mond) bleibt 2007 TU24 aber noch in sicherer Distanz.

Asteroiden erleben zur Zeit eine besondere Aufmerksamkeit. Apophis, der knapp verhinderte Einschlag des Asteroiden 2007 WD5 auf dem Mars oder der Einschlag eines Meteoriten in Peru im vergangenen September führen uns die Verwundbarkeit unseres Planeten durch außerirdische Eindringlinge vor Augen. Der Vorbeiflug dieses kosmischen Vagabunden sei die dichteste Annäherung eines bekannten Asteroiden für viele Jahre versichern die Wissenschaftler – doch 2007 TU24 ist auch erst seit wenigen Monaten bekannt, wie viele überraschende Entdeckungen stehen uns noch bevor?

Wenn 2007 TU24 in diesen Tagen die Erde passiert wird er genau unter die Lupe genommen. Besonders geeignet hierfür sind Radarmessungen, etwa mit dem Arecibo-Radioteleskop – was die Bedeutung dieser von der Schließung bedrohten Anlage einmal mehr unterstreicht. Die 300-Meter-Antenne auf Puerto Rico ist noch bis zum 4. Februar für die Beobachtung des Asteroiden reserviert. Doch auch Amateurastronomen kommen auf ihre Kosten. In der heutigen Nacht vom 29. auf den 30. Januar erreicht der Asteroid mit 10,3 mag seine größte scheinbare Helligkeit. Mit bloßem Auge bleibt er damit unsichtbar, aber schon in kleineren Teleskopen wird er zu sehen sein.

Bahn des Asteroiden 2007Tu24 über den Himmel. Quelle: NASA/JPL Doch die Suche nach 2007 TU24 wird der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Hauhaufen gleichen, wenn man seine genaue Position nicht kennt. Die hier gezeigte Karte (Quelle: Dr. Dale Ireland) kann daher nur der groben Orientierung dienen. Eine präzise Aufsuchkarte habe ich unten in den Links aufgeführt. Wenn Sie also die Gelegenheit und klaren Himmel haben, halten Sie heute Abend doch mal Ausschau nach unserem flüchtigen Besucher!

Klaren Himmel dafür wünscht:

Jan Hattenbach

Aufsuchkarten gibt es zum Beispiel im Astrotreff (aber ohne Gewähr von mir!)

NASA – NEO-Programm

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Überraschung

    Hallo Jan,

    Du schreibst „… doch 2007 TU24 ist auch erst seit wenigen Monaten bekannt, wie viele überraschende Entdeckungen stehen uns noch bevor?“, weshalb der erste Teil Deines Satzes „Der Vorbeiflug dieses kosmischen Vagabunden sei die dichteste Annäherung eines bekannten Asteroiden für viele Jahre versichern die Wissenschaftler“ natürlich im klaren Widerspruch dazu steht.

    Einige der potentiell gefährlichen NEOs sind ja oft erst sehr kurze Zeit vor ihrer Erdpassage entdeckt worden. Oder in manchen Fällen auch erst nach der größten Erdannäherung: 4581 Asclepius oder 1989 FC, ein 300 Meter großer Asteroid des Apollo-Typs wurde am 31. März 1989 erst 9 Tage nach seinem Vorbeiflug an der Erde entdeckt. Zwar war sein nächster Abstand zur Erde mit 700.000 Kilometern noch größer als jener des heutigen NEOs, aber immerhin… Und ehe mit automatischen Suchprogrammen nach Erdbahnkreuzern gefahndet wurde, sind wahrscheinlich ziemlich viele Asteroiden (sicher auch welche der Typen Aten und Apollo!) knapp an der Erde vorbei gerauscht, ohne überhaupt wahrgenommen worden zu sein. Selbst der völlig unangekündigte Impact eines kosmischen Brockens könnte also auch heute durchaus möglich sein. Ich denke beispielsweise an NEOs, die aus Richtung der Sonne kommen könnten…

    Clear Skies!

    Stefan Oldenburg

  2. Re: Überraschung

    Hallo Stefan,

    stimmt, deshalb ist die Aussage, dass in den nächsten Jahrzehnten kein *bekannter* Asteroid auf Kollisionskurs ist auch keine wirkliche Beruhigung.

    Viele Grüße, Jan

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