Eigentor!

Himmelslichter

Man stelle sich vor: Ausgerechnet zur Eröffnung eines astronomischen Observatoriums wird eine Skybeamershow inszeniert wie zu Silvester in Berlin. In den großen Astronomiezeitschriften scheint das niemanden zu stören – im Gegenteil. Die Größte findet es sogar ganz toll. Ein schlechter Witz? Leider nicht. Deutschland im Jahr der Astronomie.

Eigentlich wollte ich heute an dieser Stelle etwas zur gelungenen Eröffnung des Astronomiejahres an der Volkssternwarte Aachen schreiben. Darüber, dass vergangenen Samstag über 500 Besucher trotz Regens zur Sternwarte pilgerten. Über den Boom, den das Hobby Astronomie gegenwärtig zu erleben scheint. Über die vielen Kinder, Erwachsenen und Rentner, die sich für die Geschehnisse am Himmel interessieren. Ich wollte etwas über ein echtes Fest der Astronomie schreiben.

Leider ist mir die Lust dazu vergangen. Denn ich fühle mich verschaukelt – von den (astronomischen) Zeitschriften Interstellarum und Sterne und Weltraum. Bei der Lektüre dieser Blätter am Sonntag habe ich mich mehr als geärgert. Warum? Weil ich bei der Eröffnung des Astronomiejahres in Aachen, wie so oft, einen Vortrag über Lichtverschmutzung gehalten habe, auf eigene Kosten hunderte Flugblätter der VdS-Fachgruppe Dark Sky gedruckt und unters Volk gebracht und in vielen Gesprächen versucht habe, so etwas wie ein Bewusstsein dafür zu wecken, dass der dunkle Nachthimmel etwas Schützenswertes ist. Und weil ich gesagt habe, dass so etwas wie Skybeamer überflüssiger Nonsens ist, der verboten gehört – darin seien sich alle einig, die sich für das Weltall interessierten. Weil ich mich darin offensichtlich getäuscht habe.

Editoral SuW 01/2009Was ist passiert? Die Vorgeschichte spielt im November 2008. Da wurde im Ruhrgebiet der Landschaftspark Hoheward eröffnet, mit einem astronomischen Glanzlicht: einem Horizontobservatorium. Dieses ermöglicht es, sich auf eindrucksvolle Weise mit dem Lauf der Gestirne vertraut zu machen. Eine wirklich tolle Sache, die das Jahr der Astronomie bereichert. Bereichert wurde leider auch die Eröffnungsfeier des Parks Ende 2008, und zwar durch eine Lichtorgie mit mehreren Skybeamern, die noch mal darauf aufmerksam machten, wie weit es mit astronomischem Bewusstsein hier und heute her ist.  

Das allein könnte man achselzuckend zur Kenntnis nehmen. Die Beispiele für das Selbstverständnis vieler Landschaftsdesigner und Architekten sind zahlreich – ohne protziges Lichtspektakel geht es offenbar nicht mehr. Das es sich ausgerechnet um ein Observatorium zur Himmelsbeobachtung handelt, das auf diese Weise eingeweiht wird, könnte man als Treppenwitz bezeichnen und schnell vergessen, schließlich war der Spuk nur vorübergehend.

Aber die Geschichte geht leider weiter. In der aktuellen Ausgabe der Sterne und Weltraum wird ausführlich über das Horizontobservatorium berichtet. An dieser Stelle sollte ich betonen, dass der Autor jenes Artikels, wie auch die Mitglieder des Initiativkreises Horizontastronomie im Ruhrgebiet e.V. nichts mit der in meinen Augen unsäglichen Eröffnungsveranstaltung zu tun hat. Verantwortlich dafür ist allein der Regionalverband Ruhr als Eigentümer und Bauherr des Parks und die von diesem zur Gestaltung der Eröffnungsfeier beauftragte Agentur. Die Astronomen des Initiativkreises wurden an diesen Planungen nicht beteiligt. Es ist nicht die Intention dieses Bloggers, das Horizontobservatorium oder seine Erschaffer in Misskredit zu bringen. Aber was für ein Signal soll das denn sein, wenn ausgerechnet zum Jahr der Astronomie die Eröffnung eines Observatoriums, das „den Menschen den Himmel näher bringen“ soll, eben dieser Himmel von der Veranstaltung durch einen protzigen Lichterzirkus ausgeladen wird? Ein Horizontobservatorium ist nur die Bühne, der Protagonist des Stücks ist das Universum – sonst könnte man ein solches Ding gleich überdachen.

Was mich so richtig geärgert hat, war gar nicht der SuW-Bericht. Es war das Editorial der Ausgabe, genauer das Hintergrundbild (siehe oben) und vor allem der dazugehörige Bildtext. Das Bild ist nämlich eine Aufnahme des Skybeamerspektakels vom November 2008 und in der Bildzeile heißt es dazu: „Ein Hauch von Mystik umgibt das neue Horizontobservatorium, das auf einer Abraumhalde des Ruhrgebiet-Bergbaus entstanden ist – ob bei Sonnenuntergang oder bei der Eröffnung des Landschaftsparks Hoheward im November 2008, als Skybeamer den Himmel über ihm kunstvoll illuminierten.“

Solche Sätze kenne ich – aus Berichten über diverse Beleuchtungsorgien in irgendwelchen Lokalgazetten. Aber in einer Zeitschrift, die sich an astronomisch interessiertes Publikum wendet? Interstellarum, die zweite große Astronomiezeitschrift, macht es sich einfach. Sie schließt die Augen. Lapidar heißt es zu einem ähnlichen Bild: „Zur Einweihung des Observatoriums wurden die Bögen mit Lichtinstallationen beleuchtet – normalerweise aber herrscht bis auf sanfte Beleuchtung der Skalen Dunkelheit.“ Kein Wort über die Skybeamer, die auf dem Foto deutlich sichtbar sind und die den Himmel, nicht das Observatorium beleuchten, wie Skybeamer (zu deutsch „Himmelsstrahler“) es nun mal tun. Ignorieren ist auch eine Art, mit dem Problem fertig zu werden.

Dass Sterne und Weltraum und Interstellarum nicht fähig sind, auch nur zarte Kritik zu äußern, ist traurig. Dass sich Sterne und Weltraum darüber hinaus nicht scheut, die Lichtverschmutzungsorgie zu loben, ist peinlich. Ein Schlag ins Gesicht für all diejenigen, die versuchen, wenigstens ein bisschen gegen die scheinbar unaufhaltbare Auslöschung des Sternhimmels unternehmen, die Petitionen einbringen, Fachgruppen am Leben erhalten, zu Konferenzen fahren, Vorträge halten, Flugblätter falten, sich mit Politikern herumschlagen und das alles in ihrer Freizeit und auf eigene Kosten. Wie soll man denn noch gegen Himmelsstrahler argumentieren, wenn vermeintlich selbst astronomische Observatorien auf ihren Werbeeffekt zielen – scheinbar mit dem Segen der „Community“?

Sterne und Weltraum hat mit ein paar Zeilen Text ein klassisches Eigentor vollbracht. Die Zeitschrift hat nicht nur dem Kampf gegen die Lichtverschmutzung einen Bärendienst erwiesen. In ihrem Leserkreis befinden sich sehr viele Amateurastronomen, deren Gartensternwarten im Ruhrgebiet und anderswo in der Republik stehen – nicht auf Hawaii, La Palma oder Teneriffa – und die sich mächtig über den zunehmenden Lichtirrsinn ärgern.

 „Das Weltall – du lebst darin, entdecke es“. Dem Wahlspruch des internationalen Astronomiejahres fehlt nur der Nachsatz: „wenn du es noch sehen kannst.“ Mir scheint, als stünde die 2009 die Feierlaune im Vordergrund, an den Problemen will sich niemand die Finger verbrennen.

Es wirkt immer etwas selbstgerecht, sich selbst zu zitieren. Hier werde ich es ausnahmsweise einmal tun. Vor mehr als zwölf Monaten, das Jahr 2009 war gerade zum Jahr der Astronomie auserkoren, schrieb ich in eben diesem Blog:

Der Anblick des bestirnten Himmels war der Ausgangspunkt für die Suche des Menschen nach seinem Platz in der Welt, und der Beginn der modernen Wissenschaften. Und da liegt der Hund begraben: während die professionelle Astronomie des 21. Jahrhunderts immer neue, atemberaubende Fortschritte macht und unser Wissen vom Kosmos laufend weiter vergrößert, ist es für den Normalsterblichen kaum noch möglich, auch nur unsere Heimatgalaxie mit eigenen Augen zu erfahren – Lichtverschmutzung ist das Stichwort! Astronomie spielt sich für geschätzte 90% der Menschheit heute unerreichbar hinter einem Schleier aus Werbeschildern, Straßenlampen und Skybeamern ab!

Planetarium oder Google-Sky – das ist alles kein Ersatz für den echten, den wirklichen Sternenhimmel. Astronomische Forschung als Kulturerbe der Menschheit? Ohne einen wirksamen Schutz des Kulturerbes Nachthimmel bald nur noch eine theoretische Abhandlung in der Wikipedia. Was würde Galilei sagen, wenn er heute, 400 Jahre nach seinen Entdeckungen in den orange-grauen Nachthimmel Italiens blicken würde?

Dem Internationalen Astronomiejahr 2009 muss es gelingen, den Finger auf genau diese Wunde zu legen. Eine ernst gemeinte Initiative wenigstens der Industriestaaten für einen wirksamen Schutz des Nachthimmels vor der Lichtverschmutzung könnte diesen Kulturschatz für unsere Kinder bewahren. Nur wenn das gelingt, werde ich 2009 ein erfolgreiches Jahr nennen! 

Wir sind offenbar weiter davon entfernt, als ich gedacht hätte.

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

22 Kommentare

  1. Wieder beruhigt?

    Wieder beruhigt? Sonst laufen Sie einmal brüllend um den Block. Sie haben ja recht. Was war also los in Aachen?

    Ich kann mir vorstellen, wie der ein oder andere Redakteur von Sterne und Weltraum schon gewusst hat, dass es zu einem Aufruhr kommen wird, als er die gedruckte Februar-Ausgabe von Sterne und Weltraum gesehen hatte. Nun haben Sie ihn losgetreten. Gut so. Trotzdem – das passiert nun Mal. Auch Schreiberlinge sind Menschen mit Macken und Kanten. Da hat einer gepennt. Über das Titelbild haben sie bestimmt diskutiert, ist ja auch sehr schön. Der Rest wurde dann unbeaufsichtigt abgewickelt. Ich denke, dass Uwe Reichert, der Chefredakteur, nicht nur in diesem Blog schnell für Klarheit sorgen wird. Und die Leser von Sterne und Weltraum stecken im Thema. Da kann man sich nur ob der Fahrlässigkeit aufregen! So blöd können doch keine Redakteure sein.

    Sie sorgen mit Ihrem Beitrag für Sensibilität! Ich klopfe Ihnen auf die Schulter. Und ich fahre zur Halde Hoheward!

    Horst Arndt

  2. Re: Wieder beruhigt?

    Das mit dem brüllend um den Block rennen hilft, allerdings wirkt das auf die Nachbarn manchmal befremdlich 😉

    Ich glaube, ich habe mich unmissverständlich ausgedrückt, aber ich sags nochmal: Kein Vorwurf an die Verantwortlichen des Horizontobservatoriums! Die haben eine sehr gute arbeit gemacht. Ich fahre sicher auch mal nach Hoheward.

  3. Zustimmung zu Herrn Hattenbach

    Meine volle Zustimmung – auch hier in England gibt es mitunter Skybeamer und aehnliche Lichtverschmutzung, und ich versuche dagegen vorzugehen, auch wenn man oft scheinbar gegen Windmuehlen kaempft. Vor Jahren schrieb ich in SuW ueber den Erfolg, einen deutschen Elektronikversand die Brisanz angebotener Privat-Skybeamer zu verdeutlichen, was damals dazu fuehrte, dass die Teile aus dem Programm genommen wurden. Und jetzt das.

    Ich habe die SuW seit 1985 abonniert und eigentlich bin ich ein grosser Fan von ihr. Sie half mir bei der Entwicklung vom astronomiebegeisterten Teenager zum Berufsastronomen. Dass ausgerechnet einer solchen Zeitschrift dieser Patzer passiert, ist befremdlich – ich distanziere mich davon.

    Mit freundlichen Gruessen,

    Dr Juergen Schmoll
    Universitaet Durham

  4. Eigentor

    Lieber Herr Hattenbach,

    ich kann Ihnen nur zustimmen. Auch mich ärgert die Berichterstattung in SuW hierzu über alle Maßen. Ich habe bereits am Wochenende einen Leserbrief auf den Weg gebracht und heute nochmals per email die Redaktion ersucht, wenigstens die Online-Version dieses unsäglichen Editorials baldmöglichst zu überarbeiten. Ich beziehe SuW seit 25 Jahren, jetzt erwäge ich, das Abo zu
    beenden.

    Mein Fazit bis hier: die Sorgen der Amateure hat die SuW-Redaktion offenbar nicht verinnerlicht. Das ist gefährlich kurzsichtig: Wenn die Lichtverschmutzung weiter zunimmt, werden immer mehr Amateure mit ihrem Hobby auch ihr Engagement in der Volksbildung hinwerfen. Dann, während die letzten Sterne am heimischen Himmel verblassen, der sich über den Köpfen frustrierter Ex-Sternfreunde und der übrigen Steuerzahler spannt, werden die Menschen einander ansehen und fragen: wozu eigentlich brauchen wir all diese teuren Teleskope in Chile?

  5. SuW

    Das paßt gut zur “neuen” SuW. Vor einem dreiviertel Jahr wurde die SuW mit dem flacheren Blatt “astronomie heute” aus dem gleichen Verlag zusammengelegt. Seither scheint mir doch das Niveau stark abgesunken zu sein. Eigentlich wollte ich gerade zu dem Zeitpunkt die Zeitschrift endlich abonnieren statt sie in der Bibliothek zu lesen. Ich habe davon Abstand genommen, als ich die ersten Ausgaben der “neuen” SuW in der Hand hatte. Statt sachlicher und kompetenter Artikel bringt SuW jetzt zunehmend locker-flockig geschriebene Reportagen, Interviews mit Prominenten (z.b. Lesch, Yogeshwar). Seitenweise Buran-Fotos (Werbung für das Speyerer Museum) mit Reportage.
    Durch eine Vergrößerung des Zeilenabstands will man eine Steigerung des Heftumfangs suggerieren. Die schätzungsweise gleiche Textmenge wird einfach jetzt über mehr Seiten verteilt. Die früher so tollen Sonderhefte sind fast ganz eingestellt worden und mir scheinen sie auch nicht mehr so lesenswert zu sein wie vorher. Einfach schade.
    Die Änderungen in der SuW wären auch mal eine Diskussion wert, wenn, ja wenn diese Blogs hier nicht vom Spektrum Verlag gehostet wären…

  6. “Die Änderungen in der SuW wären auch mal eine Diskussion wert, wenn, ja wenn diese Blogs hier nicht vom Spektrum Verlag gehostet wären…”

    SuW bekommt ja jetzt ganz schön auf die Nase, aber hier ist nichts gelöscht worden.

  7. Editorial

    Und das von einem waschechten Astronomen, der auch noch Chefredakteur einer Astronomie-Zeitschrift ist. Die Lobeshymne “Ein Hauch von Mystik umgibt das neue Horizontalobservatorium […], als Skybeamer den Himmel über ihm kunstvoll illuminierten” ist tatsächlich ein Schlag ins Gesicht für jeden, der gegen diese Art von Lichtverschmutzung kämpft. Auch wenn das alles eine einmalige Sache war, der Schaden ist nun mal da und wird auch nicht mehr so ohne weiteres zu kitten sein. Und das alles im “Internationalen Jahr der Astronomie”. Ein Armutszeugnis wie ich finde.

  8. @Frank Hase @Marco

    Das Kind gleich mit dem Bade ausschütten?

    Als SuW-Leser und gelegentlich auch -Autor teile ich die generelle Kritik an der Zeitschrift nicht. Es gab darüber ja bereits längere Diskussionen in den einschlägigen Foren.

    Ich kritisiere nur den hier vorliegenden Fall (Editorial), und da muss etwas gründlich schief gelaufen sein. Das Heft an sich werde ich deswegen sicher nicht seltener lesen, denn ich gehe davon aus, dass es ein Einzelfall war und bleibt. Gut, dass Kritik heute (dank Blogs) schnell und direkt geäußert werden kann.

    Marco: Ich habe bis jetzt keine negativen Auswirkungen aufgrund dieses hier in den “SuW-Hausblogs” (“authentisch, ungefiltert”) geposteten Beitrags erfahren. Kommentare wurden weder editiert noch gelöscht.

  9. Kein Ruhmesblatt für die Dark-Sky-Szene

    Dieser Blogbeitrag und die Kommentare dazu wären ein gefundenes Fressen für all jene, die uns Lichtverschmutzungsbekämpfer allesamt für Spinner halten: Derart überzogen emotionale Reaktionen auf ein explizit einmalig durchgeführtes Lichtkunstspektakel von wenigen Stunden Dauer, das es nie wieder geben wird, bekommt man wahrlich selten geliefert!(Die Diskussion auf dem AstroTreff ist da bedeutend differenzierter, und v.a. das Beispiel mit dem Sylvester-Feuerwerk trifft den Nagel auf den Kopf.)

    Besonnene Dark-Sky-ler haben schon lange gelernt, dass man nur mit der breiten Bevölkerung zusammen Fortschritte machen kann – und nichts mehr schadet als wilde Forderungen aus rein astronomischer Sicht vor alle anderen denkbaren Aspekte zu stellen. Wir wissen natürlich, dass eine energische Reduktion des nach oben gehenden Lichts durch besser gestaltete Lampen eine win-hoch-n-Lösung im Sinne von Energiesparen, weniger Blendung, besserer Nachtruhe, Naturschutz und dunklerem Nachthimmel wäre und überhaupt keine erkennbar negativen Folgen hätte.

    Aber es gibt eben auch auch Leute, die hinter der Dark-Sky-Bewegung nichts als maschinenstürmende Fanatiker sehen. Ein Beispiel gefällig? In diesem Artikel werden die Licht-Reduzierer am Ende zu einem “Dark Ages Advocacy project”! Das kommt zwar aus einer schwer rechten Ecke, wo jede Maßnahme in Richtung Umweltschutz automatisch als Verrat an Amerika gilt – aber der Autor hat sich eine Menge Argumente pro Lichtverschmutzung einfallen lassen. Diese Webseite hier würde ihm gefallen haben …

  10. @Daniel

    Da bin ich absolut nicht deiner Meinung. Einmaliges Ereignis? Natürlich. Genauso wie jede Dorfdisko, jede Zirkusveranstaltung und jede Frittenbudeneröffnung, und, und, auch. Der Silvesterraketenvergleich ist nun wirklich das schlechsteste Beispiel überhaupt: Silvester ist an einem Tag im Jahr. Stell dir mal vor: Silvesterfeuerwerk an jedem Wochenende.

    Fortschritte erreicht man nicht, wenn man nicht wenigstens selbst zu seinen Überzeugungen steht. Die Skybeamerproblematik ist übrigens noch diejenige, bei der man noch mit einer relativ breiten Unterstützung in der Bevölkerung rechnen kann. Wer sich schon mal selbst aktiv gegen Skybeamer eingesetzt hat, weiss das.

    Es ist dein gutes Recht, das anders zu sehen und meinen Beitrag als schädlich für die Dark-Sky-Szene zu bezeichnen. Ich sehe das anders. Für mich sind das SuW-Editorial und ein schwächerer Form auch die IS-Bildunterschrift eben das. Natürlich kannst du auch die Kommentatoren hier als Bärendienstler an der Dark-Sky-Sache abtun. Ich halte das für absurd. Auch du als wahrscheinlich erfahrenerer Dark-Skyler solltest zu Kenntnis nehmen, dass die Berichtertattung in SuW und IS nicht gerade auf auf große Zustimmung in der Astroszene führt. Das zeigen die Kommentare hier und noch mehr die Diskussionen in den Foren.

    Wenn etwas schief läuft, dann soll man es ansprechen, auch um den Preis, dafür von anderen kritisiert zu werden. Du forderst Besonnenheit? Gerne, aber nicht um den Preis der Ingnoranz.

  11. Worum es eigentlich geht

    Hallo Daniel,

    worum es eigentlich geht, ist doch nicht die Skybeamerverwendung daselbst, die als einmaliges Ereignis solange tragbar ist, solange es an seltene Grossereignisse gebunden ist – klar hat ein Jean-Michel-Jarre-Konzert eine Lichtshow, darum geht es nicht.

    Es ist nur eine Untergrabung der Dark-Sky-Bemuehungen gegen die ausufernde Dauerverwendung solcher Vorrichtungen als Werbemassnahmen, wenn so etwas in der SuW auch noch lobend erwaehnt wird, ohne auf die Problematik hinzuweisen, die dahintersteckt.

    Darum geht es …

  12. Fruchtbar oder furchtbar?

    Liebe Leute,

    dieses Blog hätte ein fruchtbarer Beitrag zum Thema Lichtverschmutzung sein können. In meinen Augen ist es leider eher ein furchtbarer geworden.

    Darf ich mal einen Zwischenruf zur Besinnung einwerfen? Und die Frage stellen, ob wirklich irgendein vernünftig denkender Mensch glauben kann, die Zeitschriften „Sterne und Weltraum“ und „interstellarum“ wollten die Bemühungen der Dark-Sky-Initiativen untergraben?

    Ich kann nachvollziehen, dass manche, die aktiv gegen Lichtverschmutzung vorgehen, bei dem Wort „Skybeamer“ Magenkrämpfe kriegen und die zitierten Sätze aus SuW und interstellarum in den falschen Hals bekommen. Aber halten wir der Fairness wegen doch mal Verschiedenes fest: Der zitierte Satz aus SuW stammt nicht aus dem Editorial (wie hier immer wieder behauptet wird), sondern aus der Bildunterschrift auf dieser Seite. Diese Differenzierung mag für manche eine Wortklauberei sein, aber bei komplexen Themen halte ich eine gewisse Sorgfalt für angebracht. Und: Wer den zitierten Satz („Ein Hauch von Mystik…“) als Lob einer Lichtverschmutzungsorgie bezeichnet, interpretiert ihn schlichtweg falsch. Richtig ist, dass keine Kritik an dem Einsatz der Skybeamer geäußert wurde – wer aber möchte sich anmaßen, das Ausbleiben von Kritik mit Lob gleichzusetzen?

    Ich möchte hier festhalten: „Sterne und Weltraum“ ist für eine Eindämmung der Lichtverschmutzung, hat sich in der Vergangenheit dafür eingesetzt und wird auch in Zukunft für einen sinnvollen Umgang mit Licht und eine Reduzierung der Lichtverschmutzung eintreten. Damit ziehen wir am gleichen Strang wie alle, die mit Fairness, Besonnenheit, Urteilsvermögen und auch Toleranz dieses Ziel zu erreichen suchen. Angesichts der komplexen Zusammenhänge und der gesellschaftlichen Bedeutung dieses Themas erachte ich apodiktische Statements, missionarischen Eifer und Intoleranz als schädlich für das gemeinsame Anliegen.

  13. Kein Bedauern? @ D.Fischer @ U.Reichert

    Wer schon selbst versucht hat, die Problematik Lichtverschmutzung bei Verantwortlichen in Kommunen und Politik bewusst zu machen, kann die Enttäuschung über die Bildunterschrift nur nachvollziehen.

    Jemand hat bei SuW nicht aufgepasst. Das ist ungeschickt, aber noch keine Katastropphe. Ein klares Wort des Bedauerns des Fehlgriffs durch den verantwortlichen Chefredakteur wäre allerdings hilfreicher als ein Herumreden um den mystischen Brei, was Lob oder Kritik ist, und ein in die Eckestellen der wirklich aktiv gegen Lichtverschmutzung agierenden Sternfreunde in eine Fanatikerecke.

  14. Angriff ist die beste Verteidigung?

    Sehr geehrter Herr Fischer, sehr geehrter Reichert,

    Ihre Stellungnahmen verblüffen mich sehr. Nehmen Sie etwa an, manche Amateurastronomen laufen des Nachts mit dem Hammer herum und schlagen Laternen entzwei? Die Vorstellung, die sie hier von den aktiven Amateuren (Ihrer Leserschaft!) offenbaren, erscheint mir vollkommen abseitig. Ich nehme vielmehr an, dass die Herren, die sich hier bisher geäussert haben, sich – ebenso wie wir in hier in Karlsruhe – mit behutsamer Beharrlichkeit für einen dunklen Nachthimmel einsetzen. Gerade weil wir als erfahrene Praktiker wissen, wie schwierig es ist, auf diesem Feld voranzukommen, fällt die Verärgerung über die leichte Feder und das assoziierte Bild im aktuellen SuW so deutlich aus. Diese berechtigte Kritik in die Nähe von “apodiktischen Statements, missionarischem Eifer und Intoleranz” zu rücken, oder gar das Bild “maschinenstürmende[r] Fanatiker” zu beschwören, ist mit Verlaub schlichtweg absurd.

    Ich muss aber darauf bestehen, dass jeder mit der Problematik vertraute Amateur in meinem Umkreis (den ich mir kurz einmal in der Rolle des SuW-Chefredakteurs vorstelle) beim Durchsehen des Proofs des aktuellen SuW-Heftes, auf Seite 5 angekommen, sofort stirnrunzelnd innegehalten und entschieden hätte: so geht das Heft keinesfalls raus.

    Herr Reichert: Zusätzlich zur freundlich erteilten Belehrung, wie furchtbar dieses Blog geraten sei, ermahnen Sie uns umsichtig, es bei der Diskussion eines solch komplexen Themas genauer zu nehmen. So sei es denn: Sie betonen, “SuW” trete für eine Reduzierung der Lichtverschmutzung ein. Das scheint mir denkbar unpräzise formuliert. Sie meinen vermutlich, die Redaktion von SuW hat sich dieser Zielsetzung verschrieben. Schlecht folglich, wenn ausgerechnet dem neuen Chefredakteur hier das nötige Fingerspitzengefühl fehlt. Ich hatte erwartet, Sie würden hier zumindest leicht zerknirscht das Offensichtliche einräumen: Seite 5 in Ausgabe 02/09 war kein Ruhmesblatt für SuW!

    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Hase

  15. Schizophrenie

    Nun, was soll man dazu sagen. Das ist halt der Zeitgeist. Vermutlich wird den Verantwortlichen noch nicht mal klar, was sie da eigentlich tun. Ist es einfach nur Dummheit (die in erstaunlichem Maße als vorhanden anzusehen ich jeden Grund habe).Man braucht ja nur die Reden (nur als Beispiel, es ist überall so) unserer Politiker vergleichen mit den Formulierungen klassischer Autoren, um zu sehen, wo wir hingekommen sind.
    (Ein penetrantes Beispiel: Wird irgendwas gesucht, versucht, schnell getan, so wird es unfehlbar mit dem Adverb ‘fieberhaft’ umschrieben. Er, sie, es, suchen,suchten ‘fieberhaft’. Da kann man mittlerweile drauf wetten. Und das diese Verlotterung der Sprache keine Verlotterung des Denkens beinhaltet, das glaub ich nicht.) Den Machern (auch astronomische) der Käseblättchen fällt der Wiederspruch möglicherweise garnicht mehr auf.
    Einen Rückgang der Lichtverschmutzung erwarte ich nicht, eher das Gegenteil(LED). Die Laser sind doch sooo schön bunt.

  16. Noch schlimmer

    Sehr geehrter Herr Reichert,

    schlimm genug, dass ausgerechnet eine astronomische Einrichtung mit Skybeamern eingeweiht wird, noch schlimmer ist es, dass SuW darüber derart positiv berichtet (“…kunstvoll illuminierten”). Statt dies als Patzer einzuräumen, verstricken Sie sich in Spitzfindigkeiten und fühlen sich falsch verstanden.

    Wie sonst soll man diese Bildüberschrift verstehen? Was macht es für einen Unterschied, ob der Text im Editorial selbst oder als Bildüberschrift auf derselben Seite steht?

    Am schlimmsten finde ich jedoch, dass Sie diesen Block als “furchtbar” abkanzeln und die Kritik, die Ihnen auf breiter Front in diesem Block, im Astrotreff Forum und auch per Leserbriefen entgegenschlägt, als “apodiktisch”, “missionarisch”, “intolerant” und als schädlich für das gemeinsame Anliegen betiteln.

    Ich hoffe, diese Stellungnahme ist als spontane Abwehrreaktion entstanden und ist nicht wirklich der offizielle Standpunkt einer der größten deutschsprachigen Astronomiezeitschriften.

    Stathis Kafalis

  17. Habe SuW erhalten …

    Inzwischen ist die SuW auch bei mir in England eingetrudelt und ich konnte mir ein eigenes Bild machen. Ausser dem einen Lapsus in der Bildunterschrift ist der Artikel ueber das Horizontalobservatorium gut geschrieben, und allgemein habe ich den Eindruck, ein sehr gutes Exemplar der SuW in der Hand zu halten. Auch wird im Bericht ueber das neue Haus der Astronomie deutlich, wie stark sich SuW in der astronomischen Foerderung Heranwachsender engagiert.

    Ich werte den Satz als einmaligen Lapsus, ein klassisches Eigentor halt. In die Ecke fanatischer Lichtschuetzer lasse ich mich allerdings nicht stellen. ;*)

    Ich denke, die Botschaft ist uebergekommen und in Zukunft wird die SuW-Redaktion hier sensitiver sein – ich sehe jedenfalls keinen Grund, deswegen die ansonsten sehr gute (in meinen Augen die beste!) astronomische Zeitschrift im deutschsprachigen Raum abzubestellen …

    Mit freundlichen Gruessen,

    Juergen Schmoll

    (der jetzt erstmal nachschaut, was “apodidaktisch” eigentlich bedeutet)

  18. “ich sehe jedenfalls keinen Grund, deswegen die ansonsten sehr gute (in meinen Augen die beste!) astronomische Zeitschrift im deutschsprachigen Raum abzubestellen”

    Das lese ich gern. 🙂

  19. Wer schreibt die Bildunterschriften?

    Die Grafikerin, und zwar unter großem Zeitdruck, weil die Autoren allesamt ihre Texte zu spät liefern? (und das Edi ist einer der letzten Texte die geschrieben werden). Das würde die Sache erklären…

    Trotzdem: ein ehrliches “Leute, da ist was passiert” und eine klare Stellungnahme zum Thema würde besser ankommen als Spitzfindigkeiten. Besser als wie auch immer geartete Ausreden. Und viel besser als Angriffe gegen Leute, die sich gegen LV einsetzen…

  20. Tschüss denn …

    Tja, nun halte ich SuW 3/09 in Händen. Zusammenfassend muss ich leider feststellen, dass mich weder die obigen wenig konstruktiven Beiträge der Herren Fischer und Reichert noch die in dünnen Worten abgefasste Stellungnahme im aktuellen Heft wieder mit der Redaktion versöhnen. Selbst das dümmliche Argument, es habe sich bei der unappetitlichen Lichtorgie ja um eine einmalige Aktion gehandelt, wird erneut aufgefahren. Abschliessend schreibt die Redaktion: “Wenn man keine Sterne sehen kann, verliert ja auch dieses … Observatorium seinen Sinn.” Liebe Leute, da habt Ihr den Nagel doch noch auf den Kopf getroffen. Zweifellos wird dieses Schicksal noch viele Observatorien hierzulande ereilen – dank kunstvoller Illumination zum allnächtlichen “besonderen” Anlass.

    Fazit: mich hat die Redaktion gelinde gesagt vergrätzt, künftig werde ich der Zeitschrift weder als Autor noch als Leser beistehen und mein Abo zum nächstmöglichen Zeitpunkt beenden. Für schlechte Laune über ignorante Redakteure muss ich nicht noch Geld aufwenden. Schade, dass sich nach einem Vierteljahrhundert so kommt, aber mir scheint, diese Redaktion ist sich selbst genug.

    Als Trost bleibt mir, dass das VdS-Journal im Bereich der Berichterstattung aus dem Amateurbereich SuW ohnehin bereits vor geraumer Zeit überrundet hat, während Meldungen aus der professionellen Astronomie heutzutage dank Internet aus erster Hand frei Haus geliefert werden.

    Also, tschüss denn…

  21. Zeichen der Zeit …

    Leider ist es anscheinend ein Zeichen der Zeit, dass das Zugeben eines Fehlers als Schwaeche aufgefasst wird. Wie so oft in der Gesellschaft, wird auch hier abgewiegelt und versucht, abzulenken anstatt einfach mal zu sagen: Ok Jungs, uns ist ein Fehler passiert, sorry.

    Schade, aber eben ein Zeichen der Zeit.

    Dennoch werte ich es als einmaligen Fehler, die SuW finde ich ansonsten gut. Ich kenne mehrere Zeitschriften (SuW, Interstellarum, VdS-Journal, Sternzeit, Sky & Telescope, Astronomy, Sky at Night, Astronomy Now). Einige sind sicher besser fuer die reine Amateurastronomie, aber als auch an der Forschung interessierter Leser steht SuW bei mir nach wie vor ganz oben. Trotz des Patzers. Bleibt nur zu hoffen, dass das nicht einreisst.

    Es besteht aber auch die Hoffnung, dass gerade aufgrund dieser “Affaere” die Sensitivitaet zum Thema LV erhoeht ist.

    [Hallo Jürgen, habe den Tippfehler korrigiert. Gruß, Jan]

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