Drei Jahre “Himmelslichter”

BLOG: Himmelslichter

ein Blog über alles, was am Himmel passiert
Himmelslichter

Es ist wirklich schon so lange her: Vor ziemlich genau drei Jahren entstanden die Kosmologs als Teil der Scilogs, und mit ihnen auch mein eigener Blog Himmelslichter. Mein erster Beitrag erschien genau am 21. November 2007. Ein passender Anlass, einmal zurückzublicken und ein paar alte Werke aus dem  virtuellen Nirvana zu befreien und zurück ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.

Zahlen und Statistiken geben immer ein unvollständiges Bild ab, dennoch seien sie erwähnt: In drei Jahren erschienen hier 152 Artikel, die meisten davon fanden ihr Publikum, andere weniger, manche machten sogar ein bisschen Furore (für einen Astronomieblog). Über 600 Kommentare wurden abgegeben (inklusive meiner eigenen), nicht viel im Vergleich zu den "Alphablogs", für mich aber Beweis genug, dass bestimmte Themen aus dem Umfeld der Astronomie doch interessant genug sind für einen Blog. Und dafür möchte ich allen Lesern und Kommentatoren einmal ganz herzlich danken! Sie sind/Ihr seid der Grund dafür, dass es die Himmelslichter auch nach drei Jahren noch gibt!

Wenn ich nun eine Art Best-Of zusammenstellen möchte, dann ein sehr persönliches und subjektives. Klickzahlen liefern ein völlig verzerrtes Bild: Wird irgendein 0815-Komet medial "gehypt", oder stürzt ein ordinärer Felsbrocken vielgesehen an einem Samstagabend ab, werden entsprechende Artikel anschließend wie verrückt per Google angeklickt. Andere, wesentlich inhaltsreichere Artikel sind schon bald wieder vergessen. So möchte ich also die Texte hervorheben, die meiner Meinung nach zu den besten dieses Blog zählen, die es charakterisieren, und zwar unabhängig von Klickzahlen oder Trackbacks.   

Unterwegs zu Meteoritenkratern und dunklen Himmeln

Das Angebot von Sterne und Weltraum, bei den Kosmologs mitzumachen, erreichte mich, als ich gerade in Peru weilte. Von dort hatte ich gerade über ein absolut faszinierendes Ereignis berichtet, das mir ihm wörtlichen Sinne von oben vor die Füße fiel: einen beobachteten Meteoritenabsturz in einem bewohnten Gebiet! Der erste Eintrag meines Blogs beschäftigte sich auch gleich mit dem peruanischen Meteoritenkrater, der seinerzeit eine Art Touristenattraktion werden sollte. Ein paar Monate später war ich dann als sehr interessierter Tourist vor Ort, fand aber nur die traurigen Reste vor. Was wirklich am 15. September 2007 geschah, hat natürlich auch die Forschung beschäftigt.

In den ersten Monaten des Jahres 2008 war meine Blogaktivität aufgrund exzessiver Reiseaktivitäten stark eingeschränkt. Selbstverständlich war unsere Südamerikareise nicht zuletzt astronomisch motiviert. Was Amateurastronomen antreibt, fern der Heimat in den Himmel zu schauen, habe ich hier zu beschreiben versucht Das dieser Artikel später zu den besten wissenschaftlichen Blogtexten des Jahres 2009 gewählt werden sollte, hätte ich mir auch nicht träumen lassen…

Lichtverschmutzung – das leidige Thema

Egal an welchem Ort auf der Welt – Lichtverschmutzung ist ein ernstes Thema, und das nicht nur für Amateurastronomen. So ist es kein Wunder, dass es auch in meinem Blog immer wieder vorkommt. Dabei habe ich stets versucht, auch positive Entwicklungen herauszustellen, sei es auf der großen politischen Ebene, oder ganz im kleinen. Erfreulich war es, zu beobachten, das das Thema Lichtverschmutzung immer mehr Präsenz in Medien, Politik und Wissenschaft gewann. Doch was sind diese Erfolge schon anderes als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein, wenn der Beleuchtungswahn, unterstützt durch neue Technologien, immer groteskere Züge annimmt? Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass anderswo bereits gehandelt wird, während sich bei uns außer Gerede so gut wie nichts tut – und sich sich selbst Amateurastronomen einen Maulkorb verpassen lassen, um nur ja keinen Ärger zu machen. Manchmal kann man die Dummheit der Menschen nur noch mit Humor nehmen

Alles was am Himmel passiert…

Meine Blogberichte drehten sich immer mal wieder um eigene amateurastronomische Aktivitäten. Seien es "tiefe" Himmelsaufnahmen mit einfachstem Equipment oder Weitwinkelfotografie mit feststehender Kamera, satt dem Streben nach unerreichbarer Perfektion steht dabei immer der Spaß an der Sache im Vordergund. Leider konnte ich nicht mehr dieser Aktivitäten im Blog verarbeiten, eine ganze Reihe von Projekten befindet sich noch in der Warteschleife. Dummerweise machen solchen Themen auch immer die meiste Arbeit… Das visuelle Beobachten (meine astronomische Lieblingsbeschäftigung) produziert ja leider keine spektakulären, bunten Bilder, die man in einem Blog gut zeigen könnte. Zeichnungen sieht man eher seltener, immerhin hatte ich einmal eine Marszeichnung im Angebot.

Ein wenig zu kurz kommen manchmal die zahlreichen Phänomene, die sich in der Erdatmosphäre zeigen, und die nicht minder interessant sind: seien es Eishalos, gespiegelte Regenbögen oder Glorien und "Brockengespenster"

Schlechtwetterhobby

Ein hervorragendes Schlechtwetterhobby ist die Astronomiegeschichte. Das Stöbern in alten Quellen und das Zusammensuchen von Quellen und fragmentarischen Informationen macht Spaß, vor allem in Zeiten, in denen der Himmel eintönig grau bleibt. Zwei Artikelserien sind daraus entstanden: eine zu Galileo Galileis Neptunsichtungen und eine zur (fast) vergessenen Südstation des Harvard College Observatory in Peru.

Auch wenn ich diesen Blog in erster Linie als Amateurastronomieblog verstehe, hat die Profiastronomie hier auch ihren Platz, insbesondere wenn es um Fragestellungen wie die nach der Dunklen Materie geht (ein Interesse, das auch persönlich motiviert ist). Oft ist der Übergang zwischen professioneller astronomie und Amateurastronomie ja auch fließend, wie die Beispiele der Sternbedeckung durch den Kleinplaneten Roma oder der Epsilon-Aurigae-Beobachtungskampagne zeigen.

Bloggen und bloggen lassen…

Solange es mir Spaß macht und so lange hier noch jemand liest und kommentiert, werde ich auch weiterbloggen. Auf keinen Fall vergessen sollte ich auch einen ganz wesentlichen Nebeneffekt des Bloggens: der Kontakt zu meinen Mitbloggern hier in den Kosmologs und darüber hinaus. Nicht nur durch das Lesen ihrer interessanten Texte, sondern auch durch den persönlichen Kontakt, der ohne Blogs wohl nie zustandegekommen wäre. Da schließt sich dann auch nahtlos der Dank an den Gastgeber, den Spektrum-Verlag und das Scilogs-Team an, ohne das das alles hier nicht möglich gewesen wäre. 

Clear Skies!

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

16 Kommentare

  1. Glückwunsch!

    Na dann füge ich doch mal schnell einen weiteren Kommentar hinzu und gratuliere für die Ausdauer. Das Schöne hier an den Scilogs ist die Nähe, alles ist irgendwie zusammen. So verlaufe ich mich auch ab und zu hierher und schnappe das eine oder andere auf.

    Also ran die nächsten drei Jahre!

    Viele Grüße von “nebenan”

  2. Herzlichen Glückwunsch

    Hallo Jan,

    ich möchte dir auch ganz herzlich gratulieren zu den 3 Jahren!
    Das ist in diesem schnellen Medium Internet ja schon ganz ordentlich. :o)

    Mein Lieblingsartikel von dir ist nach wie vor “Sterne gucken”. Einfach wegen der super rüber gebrachten Stimmung.

    Auf viele weitere Beiträge.

    Kai

  3. Granulation 😉

    Da schließe ich mich doch gerne an. Ich kam ja als “Nachzüglerin” zu den Kosmologs und habe mich damals im Frühjahr 2009 durch die anderen Blogs gelesen um meine zukünftigen Bloggerkollegen kennenzulernen. Deine Beiträge haben da einen wesentlichen Beitrag geleistet, daß ich mich hier schnell zuhause gefühlt habe.

  4. Glückwunsch

    Herzlichen Glückwunsch Jan zu 3 Jahren Bloggerei. Ich schaue auch immer wieder mal gerne rein. Besonders Artikel über die Lichtverschmutzung haben es mir angetan.

    Es stimmt schon Zugriffsstatistiken sind Schall und Rauch und sagen nichts über den Inhalt der Artikel aus. Wenn ich da meine Statistik angucke, überwiegt Scifi noch vor der Amateurastronomie. Außer, am Himmel ist mal ein heller Komet zu sehen. 😉

  5. Danke!

    Hallo ihr vier, danke für die Glückwünsche 🙂 Ich hätte wahrscheinlich vor drei Jahren nicht daran geglaubt, dass ich den Blog so lange betreibe (zumal ich anfangs gar nicht wusste, über was ich schreiben sollte).

    Was mich nach drei Jahren Bloggerei immer noch wundert, ist wie wenige Astronomieblogs es (in deutscher Sprache) immer noch gibt. Ich meine insbesondere Amateurastronomenblogs. Dafür, dass es so viele Amateurastronomen und -websites gibt, ist die Bloggemeinde immer noch recht klein – oder täuscht mein Eindruck?

    Speziell in den Kosmologs hat es schon zu lange keinen Zuwachs mehr gegeben. Schaut man sich die Entwicklung der Wissenslogs nebenan an, dann scheint das ein spezifisches Problem der Kosmologs zu sein.

  6. Stimmt, das letzte “Frischfleisch” war Carolin. Seitdem ist kein neuer Blogger mehr hinzugekommen. Reichl und Müller schreiben weniger. Allerdings steigen die Zugriffszahlen stetig. Zumindest das ist erfreulich.

    Ich persönlich bin nicht so astronomiebegeistert, eher mehr für die Raumfahrt. Aber durch die Kosmologs habe ich mich dann auch schon mehr mit der Astronomik befaßt. Ich denke, ich bin da kein Einzelfall.

  7. Die BrainLogs…

    …haben das Problem auch. Ein Grund ist natürlich meine fachliche Ausrichtung. Die Wissenslogs wachsen deswegen so schnell, weil das der Teil der Blogosphäre ist, in dem ich mich auskenne. In anderen Bereichen ist das schon schwieriger.

  8. @ Fischer

    Das verstehe ich nicht ganz, was Du da schreibst. Bei den Brainlogs gibt es doch immer mal wieder Nachwuchs. Dieses Jahr sind doch neue gekommen. Bei den Chronologs ebenso.

  9. @Lars, Martin

    Ok, das erklärt warum es in den Wissenslogs so viele Neuankömmlinge gibt. Aber es ist ja nicht alleine Lars’ Aufgabe, nach neuen Bloggern Ausschau zu halten. Das können ja auch insbesondere die Blogger selbst tun. Die sind ja gerade näher dran am Thema und kennen womöglich potentielle neue Blogger.

    Andererseits sollte auch stärker betont werden, dass die Kosmologs offen stehen und kein abgeschlossener Zirkel sind. Das ist auch der Grund, weswegen ich dieses Thema einmal hier in den öffentlichen Kommentaren anspreche.

  10. Astro-Blogosphäre

    Ich denke, die geringe Zahl der Blogger aus der Amateurastronomie hängt mit der dortigen Forenkultur zusammen. Die beiden großen (und dazu eine ganze Menge kleinere) Foren sind seit zehn Jahren das etablierte Mittel der Kommunikation unter den Amateuren.

    Ich gebe es zu: Auch ich schreibe lieber Beiträge in einem Forum – dort hat man eher das Gefühl auf Augenhöhe mit den anderen Nutzern zu diskutieren als mit Kommentatoren in einem Blog. Aus genau diesen Gründen ist vermutlich auch die Zahl der Kommentare zum Beispiel in den Brainlogs oder in den Chronologs wesentlich größer als bei uns.

    Ein anderer Punkt ist meiner Meinung nach der eigene Qualitätsanspruch. Viele Amateure trauen sich (fälschlicherweise!) das Verfassen von Artikeln mit fachlichem Inhalt nicht zu.

  11. Foren vs. Blogs

    Ein Blog ist in jedem Falls persönlicher als ein Forenbeitrag, zumal man selbst die Kontrolle über das Geschriebene behält. Und im Chaos der Foren gehen gute Beiträge schnell unter. Für mich haben Foren und Blogs völlig unterschiedliche Ausrichtungen.

    Es gibt aber noch einen weiteren Grund, lieber nicht zu bloggen: Ein Blog macht viel Arbeit. Nichts ist uninteressanter als ein einzelner, kaum aktualisierter Blog.

    Daher haben Portale wie die Kosmologs eben einen gewaltigen Vorteil – man muss nicht ständig etwas schreiben, weil man von den Beiträgen der anderen Blogger indirekt profitiert.

  12. Ein Blog ist in jedem Falls persönlicher als ein Forenbeitrag, zumal man selbst die Kontrolle über das Geschriebene behält.

    Das sehe ich auch so. Der Name des Blogs stammt vom Blogger, die Beschreibung ebenso. Und wenn das Blog schon etwas älter ist, klickt man sich durch die älteren Artikel und bekommt schnell einen Überblick, worum es geht. In einem Forum müßte man erstmal nach den Beiträgen suchen. Und in einem Forum gibt man oftmals nur den Impuls und dann wird munter drauf los diskutiert. In einem Blog rückt man das eigene Thema mehr in den Mittelpunkt, in einem Forum hat der Startbeitrag meist nicht so ein starkes Gewicht.

    Hat natürlich alles seine Vor- und Nachteile. Wem es nicht so recht ist sich zu präsentieren, der tut sich mit einem Blog schwer bzw. die Hemmschwelle ist höher einen zu starten. Vielleicht ist das auch ein entscheidender Punkt, weshalb die Kosmologen nicht so stark in der Blogosphäre vertreten sind.

  13. Foren und Blogs sprechen jeweils schon sehr unterschiedliche Mentalitäten an, ich kann mir schon vorstellen, dass es in der Foren-Szene reichlich Leute gibt, die sich mit einem Blog wohler fühlen würden, und andere, für die das gar nichts ist. Da muss man die richtigen rausfischen, denke ich.

  14. @Martin: Hemmungen

    “Hat natürlich alles seine Vor- und Nachteile. Wem es nicht so recht ist sich zu präsentieren, der tut sich mit einem Blog schwer bzw. die Hemmschwelle ist höher einen zu starten.”

    So ging es mir aber auch mit meinem ersten Blog-Artikel. Aber irgendwann ist das verflogen und kam erst hier wieder zum Vorschein. Und mittlerweile bin ich ja nahezu völlig hemmungslos *g*
    Mit der Zeit gewöhnt man sich auch einfach an eine gewisse Öffentlichkeit und wird souveräner.

  15. Herzlichen Glückwunsch!

    Hallo Jan!
    Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und dass die nächsten 3 Jahre weiter so erfolgreich sind!!

    Clear skies und Grüsse aus dem “fernen” Spanien

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