Die Milchstraße fotografieren – Ebook von Thomas Zagler

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Nie war es einfacher, den Nachthimmel zu fotografieren. Moderne digitale Kameras erlauben es heute praktisch jedem, astronomische Bilder zu fabrizieren, wie sie vor einem Jahrzehnt nur Profiastronomen oder ambitionierten Amateuren möglich waren. Wer eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) sein Eigen nennt, kann im Prinzip gleich loslegen: Kamera aufstellen, belichten, und die Bilder mit Software aus dem Internet auf Hochglanz bearbeiten.

zagler_ebook01Klingt wie ein Kinderspiel – doch die Realität sieht (wie immer) anders aus. Gerade als Einsteiger in die Fotografie und/oder Astronomie steht man zu Beginn vor einem Haufen von Problemen: Welche Kamera ist die beste, welches Zubehör brauche ich? Welche der vielen Einstellungen einer DSLR brauche ich für ein gutes Astrofoto? Wie bearbeite ich die Rohbilder, damit ein schönes Endresultat herauskommt? Und wann und wo kann ich die interessantesten Himmelsobjekte ablichten?

Anleitungen im Netz gibt es viele, eine auf blutige Anfänger zugeschnittene ist das Ebook „Die Milchstraße mit einer digitalen Speigelreflexkamera fotografieren“ des Mediengestalters, Fotografen und Bloggers Thomas Zagler aus Südtirol. Wie der Titel verrät, beschäftigt sich Zagler in seinem Buch mit der Fotografie der Milchstraße mit einer DSLR, doch die darin erklärten Arbeitsschritte lassen sich genauso gut auf die gesamte Weitwinkel-Astrofotografie anwenden.

Inhalt

Das 53-seitige Ebook ist als im pdf-Format erhältlich und ist aus vier wesentlichen Kapiteln aufgebaut. Nach einem Vorwort beschäftigt sch das zweite Kapitel mit dem Grundsätzlichen: Zagler erklärt kurz und knapp, dabei in klarer Sprache, was die Milchstraße ist und wann und wo kann man sie am besten sehen und fotografieren kann. Im zweiten Kapitel stellt er sinnvolles Equipment vor und erklärt, warum eine Vollformatkamera einer APS-C-Kamera überlegen ist. Die Wahl des richtigen Objektivs ist ebenso Thema wie die Frage nach den richtigen Einstellungen für die Belichtungszeit und den ISO-Wert des Kamerachips.

Screenshot aus dem Ebook "Die Milchstraße fotografieren" von Thomas Zagler (www.pixelsucht.net)
Screenshot aus dem Ebook “Die Milchstraße fotografieren” von Thomas Zagler (www.pixelsucht.net)

In Kapitel 4 geht es an die Praxis: Zunächst beschreibt der Autor, wie man stilvolle Aufnahmen mit Hilfe von Apps und Smartphone plant, um dann auf die Vorbereitung des Equipments und die richtigen Einstellungen der Kamera einzugehen. Nach Fokussierung (bei Sternfotos eine nicht-triviale Aufgabe) und Auslösung darf man sich dann Astrofotograf nennen – doch die eigentliche Arbeit kommt noch. Anhand des Programms Lightroom erklärt Zagler anschaulich und auch für den Anfänger verständlich, wie man die Rohaufnahme entwickelt – auf die Automatik der Kamera kann man sich als Astrofotograf nämlich nicht verlassen! In Kapitel 5 widmet sich der Autor schließlich der „Stacking-Technik“, mit der die Bildqualität erheblich verbessert werden kann. Dazu beschreibt er die notwendigen Arbeitsschritte einmal am frei verfügbaren und in Astrofotografenkreisen beliebten Programm DeepSkyStacker sowie an Adobes Bildbearbeitungsschlachtschiff Photoshop.

Stärken und Schwächen

Man merkt, dass das Buch von einem ausgebildeten Mediengestalter stammt: Die Seiten sind ansprechend und übersichtlich gestaltet – viele eigene Bilder dienen als Anschauungsobjekte wie auch zur (sehr gelungenen) Dekoration. So macht es Spaß, das Buch am Bildschirm zu lesen, die gelungenen Aufnahmen sind Inspiration, es dem Autor nachzumachen Die Texte sind kurz, klar und inhaltsreich – Zagler kommt schnell auf den Punkt und liefert alles Wesentliche für den Start in die Weitwinkel-Astrofotografie. Die Bildbearbeitungsanleitungen in Kapitel 4 und 5 sind klar und übersichtlich dargestellt, und auch für unerfahrene Leser leicht nachvollziehbar. Die Beispielbilder im Buch enthalten zudem sämtliche Metadaten. Damit kann man die verwendeten Einstellungen an der eigenen Kamera 1:1 nachvollziehen und so die eigenen Ergebnisse mit denen des Autors vergleichen.

Screenshot aus dem Ebook "Die Milchstraße fotografieren" von Thomas Zagler (www.pixelsucht.net)
Screenshot aus dem Ebook “Die Milchstraße fotografieren” von Thomas Zagler (www.pixelsucht.net)

Schwächen hat das Buch allenfalls im vorderen, astronomischen Teil – doch diese sind leicht zu verschmerzen und mindern den Wert des Buchs kaum. Wer, wie auf Seite 15 empfohlen, im (südlichen) Sommer auf die Südhalbkugel reist, um das Zentrum der Milchstraße zu fotografieren, wird enttäuscht sein: Auch dort ist das Zentrum in den Monaten Dezember bis Februar nicht sichtbar. Auf Seite 22 suggeriert der Autor, dass Strichspuren, zu denen die Sterne aufgrund der Erdrehung abhängig von Belichtungszeit und Brennweite verlaufen, besonders gut in den Bildecken zu erkennen seien – dabei dürften die strichförmigen Sterne hier eher auf die (fehlende) Abbildungsqualität des verwendeten Objektivs zurückzuführen sein.

Zwei Themen vermisse ich allerdings: Zum einen beschreibt Zagler ausschließlich die Milchstraßenfotografie mit feststehender Kamera. Das macht es zwar für Anfänger leichter, in die Praxis einzusteigen, ein zusätzliches Kapitel zum Thema Nachführung würde den Wert des Buchs aber sehr steigern. Zweitens fehlen meiner Meinung ein paar Seiten zur Panoramafotografie – die sich für die Milchstraße geradezu aufdrängt. So zeigt uns der Autor auf Seite 8 ein schönes Panorama aus drei Einzelbildern. Man hätte zu gerne erfahren, wie ein solches Bild entsteht. Mit 14,90€ ist das Ebook nicht ganz billig, im Preis enthalten sind aber zukünftige Ergänzungen und Updates – was nicht ist, kann also noch werden.

Screenshot aus dem Ebook "Die Milchstraße fotografieren" von Thomas Zagler (www.pixelsucht.net)
Screenshot aus dem Ebook “Die Milchstraße fotografieren” von Thomas Zagler (www.pixelsucht.net)

Fazit

„Die Milchstraße fotografieren“ ist ein ideales Buch für den Einsteiger in die Astrofotografie. Es erklärt die wesentlichen Arbeitsschritte klar, verständlich und ohne Ballast, und dürfte so schnell zu Erfolgserlebnissen führen. Wer sich nicht lange durch Tutorials im Netz wühlen will und bereit ist, den Preis zu zahlen, erhält mit dem Buch eine kompakte Anleitung zum ersten eigenen Astrofoto. Wer hingegen definitiv an nachgeführter Astrofotografie interessiert ist, wird mit dem Buch nicht zufrieden gestellt. Auch dürften erfahrenere Amateurastronomen und Astrofotografen in den ersten drei Kapiteln nicht viel Neues erfahren, profitieren aber eventuell aus den Anleitungen zur Entwicklung und zum Stacking.

Buchdaten

Autor: Zagler, Thomas
Titel: Die Milchstraße mit einer digitalen Spiegelreflexkamera fotografieren
Auflage: 1. Auflage, Januar 2015
Publikationsform: pdf
ISBN: keine
Verlag: Eigenverlag
Preis: 14,90€

Disclaimer

Für diese Rezension erhielt ich vom Autor des rezensierten Buches keine Vergütung, weder direkt noch durch Affiliate-Links. Der Autor stellte mir ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung.

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

2 Kommentare

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