Exoplaneten, Rekordgalaxien und Röntgenbilder aus dem All

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Der erste reguläre Tag des 221. AAS-Meetings war von einigen technischen Holprigkeiten geprägt – erst ging stundenlang das Internet nicht (richtig), dann klappte offenbar auch der Webcast der Pressekonferenzen nicht. Am Nachmittag war das jedoch behoben. Wie üblich weiss man als Besucher gar nicht so recht, wo man zuerst hin soll – zuviel läuft gleichzeitig.

Also erst mal durch die Austellungshalle gelaufen, ein paar nette Gespräche mit den Austellern und Posteranten geführt und den Gratiskaffee abgeholt. Das war dann auch das ganze Frühstück. Um 10:30 startete schon die erste Pressekonferenz, es ging um Exoplaneten:

Ein Drittel der insgesamt 10 Pressebriefings beschäftigt sich dieses Mal mit dem Thema Planeten bei anderen Sternen – daran sieht man wohl wie bedeutend das Thema für die Astronomie aber auch für die Öffentlichkeit ist. Soviel vorweg: die zweite Erde ist immer noch nicht gefunden. Besonders erfolgreich war wieder einmal das Weltraumobservatorium Kepler:

Den größten Zuwachs verzeichnen die erdgroßen Planetenkandidaten und die “Super-Erden”, Kepler wird immer besser beim Aufspüren kleiner Objekte. Folie aus dem Vortrag von Christopher Burke.

Übrigens werden die Pressekonferenzen nun doch für alle frei ins Netz übertragen, und zwar hier.

“Dank Kepler wissen wir nun, dass es 100 Milliarden Planeten in unserer Galaxie gibt.” So fasste John Johnson, Professor am California Institue of Technology die Ergebnisse zusammen, die am Montag in Long Beach vorgestellt worden waren. Nun hat Kepler natürlich keine 100 Milliarden Planeten gefunden. Verkündet wurden nur 461 neue Planeten-Kandidaten, von denen 10 bis 20 Prozent sich noch als “Falschmeldungen” herausstellen dürften. Insgesamt summiert sich die Zahl der entdeckten Kandidaten damit auf 2740 auf.

Die Kernbotschaft der Kepler-Wissenschaftler Christopher Burke (SETI Institute) und Francois Fressin auf der gestrigen AAS-Pressekonferenz aber war: Praktisch jeder Stern besitzt Planeten. Weil auch die besonders zahlreichen, aber wegen ihrer geringen Leuchtkraft schwierig beobachtbaren Roten Zwergsterne Planeten besitzen, kommt man eben auf diese astronomische Zahl, die in Wirklichkeit noch etwas größer sein dürfte: Schließlich besitzt der Rote Zwerg Kepler-32 schon alleine fünf bekannte Begleiter.

Bis aus einem Kandidaten ein bestätigter Planet wird, dauert es natürgemäß länger: erst wenn genügend Transits des Objekts vor seinem Stern beobachtet wurden, kann man sicher sein, dass es sich wirklich um einen planetaren Begleiter handelt. Natürlich gilt die Suche weiterhin der “zweiten Erde”: einem erdgroßen Planeten, der einen sonnenähnlichen Stern in der habitablen Zone umkreist. Um von einem solchen Planeten allerdings genügend Transits beobachten zu können, muss man logischerweise mehrere Jahre warten. Sieben bis acht Jahre, meinte Christopher Burke. Mindestens – bis jetzt gibt es noch nicht einmal einen Kandidaten. Korrektur: Einen Kandidaten gibt es doch in den neu gefundenen Planeten!

Zeit für eine kurze Pause – Sonnenschein, 18°C und eine leichte Brise vom Meer helfen, den Kopf wieder frei zu bekommen:

In der zweiten Pressekonferenz ging es um die mögliche Entdeckung einer Galaxie mit einer Rotverschiebung von 11,9 – das wäre nur rund 350 Millionen Jahre nach dem Urknall. Ob das allerdings so ist, oder ob die Galaxie (oder was immer in einem einzigen Filter gesehen wurde) viel näher liegt, werden erst weitere Untersuchungen zeigen, erklärte Richard Ellis (Caltech). 

In der dritten Pressekonferenzstaffel am Nachmittag ging es um die Röntgenastronomie. Die hat sich in den vergangenen 40 Jahren so prächtig entwickelt, wie es die optische Astronomie in 400 Jahren getan hat, meine Stephen Murray von der John Hopkins University. Für die Zukunft sieht es allerdings nicht so rosig aus: Weder die USA noch Europa möchte derzeit in ein neues, großes Weltraumteleskop für diesen Wellenlängenbereich investieren. So hofft man, dass die gegenwärtige Flotte noch eine Weile halten wird und erfreut sich solange an den Bildern und Ergebnissen kleinerer Missionen – etwa dem im Juni 2012 gestarteten NuSTAR-Satelliten.

Dessen erste Bilder wurden in Long Beach vorgestellt. Sie zeigen den Supernovaüberrest Cassiopeia A und die Spiralgalaxie IC 342, in deren Spiralarmen NuSTAR Röntgenquellen aufgespürt hat – vermutlich Schwarze Löcher. Fiona Harrison (Caltech) erklärte gleich, was NuSTAR so besonders macht: “Frühere Satelliten hätten statt dieswer Bilder nur einen einzigen “Pixel” gezeigt.” NuStar ist der erste Röntgensatellit, der scharfe Abbildungen oberhalb von 10 Kiloelektronvolt liefert.

Präsentiert wurden außerdem noch: Ein Video mit dem Röntgenjet des Velapulsars, sowie Gammastrahlen von einem weit entfernten Quasar. Außerdem fand ich in der Ausstellungshalle eine acht Meter Lange Darstellung eines Ausschnitts der galaktischen Ebene, die die Sternlichtpolarisation anzeigte. Acht Jahre lang wurde dazu die Polarisation des Lichts tausender Sterne vermessen, das Ziel ist es, eine Vorstellung von der Lage und Stärke der galaktischen Magnetfelder zu erhalten.

Soviel für heute. Eine Zusammenfassung der Pressekonferenzen gibt es auch bei Daniel Fischer!

 

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

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