Das wird ja immer dunkler: Auch die Eifel hat einen “Dark Sky Park” – vorläufig

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Gerade mal vor zwei Tagen wurde der Naturpark Westhavelland zum ersten “Dark Sky Reservat” auf deutschem Boden erklärt, nun zieht der Nationalpark Eifel nach: Mit dem Segen der Internationalen Dark Sky Association (IDA) darf der sich nun “Internationaler Dark Sky Park” nennen. Die Nachricht kommt überraschend, und enthält einen gewichtigen Zusatz: Zum ersten Mal hat die IDA einen Park “vorläufig” ausgezeichnet.

Was das bedeutet, steht in der Presseerklärung der IDA: Die Auszeichnung ist geknüpft an die Bedingung, dass die umliegenden Gemeinden bis 2017 ihre Außenbeleuchtungen an die strengen IDA-Regeln anpassen. Dann könnte das Prädikat “Dark Sky Park” permanent verliehen werden. Wenn nicht, schließe ich mal messerscharf, ist der schöne Titel wieder futsch.

Warum diese Vorsicht? Von “Freiwilligkeit und Aufklärung” bei der Umsetzung der IDA-Regeln ist hier die Rede – und das heißt auf deutsch: bindende Vorschriften, was die Außenbeleuchtung um den (an sich unbesiedelten, also weitgehend unbeleucheten) Nationalpark angeht, wollte man sich nicht einlassen.

Die berechtigte Frage, warum die IDA trotzdem diese einmalige, vorläufige Prämierung eines Parks ausgesprochen hat, konnte Daniel Fischer per Anfrage bei der IDA herausbekommen. Eine schmückende Auszeichnung soll so etwas wie “leichten Druck” auf die Zauderer ausüben, die freilich in erster Linie eine Aufwertung der Eifel als Tourismusstandort im Sinn haben dürften.

Bis wir soweit sind, dass der Schutz des Naturwunders Nachthimmel auch ohne wirtschaftlichen Interessen als ein berechtigtes Ziel angesehen wird, dauert es wohl noch ein bisschen. Trotzdem ein schöner Erfolg – zwei Sternenreservate in nur einer Woche, so darf es weitergehen.

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

6 Kommentare

  1. Die gute Nachricht ist, dass offenbar ein dunkler Nachthimmel als Standortvorteil beim Buhlen um wählerische Touristen gesehen wird. Das ist ja nicht von vorneherein ausgemachte ache. Ich kann mir problemlos Touristen vorstellen, die einen Freizeitpark mit Lichteffekten und Himmelsstrahlern als lohnendes Reiseziel sehen.

    Die Anerkennung als Dark-Sky-Park sollte grundsätzlich eine Überprüfung in festgelegtem Turnus unterliegen.

  2. Na, das ist ja mal eine tolle Nachricht! Bin begeistert.

    Wie ich lese

    http://eifelerpresseagentur.de/blog/2014/02/17/wir-wollen-die-eifel-nicht-verdunkeln/

    hat Initiator Harald Bardenhagen mittlerweile auch eine Sternwarte in Vogelsang eingerichtet. Wäre schön, wenn man auf dem Gelände auf asphaltiertem Boden auch mit eigenem Gerät beobachten dürfte, ohne sich mit irgendwelchen Jägern oder Bauern anlegen zu müssen. Liegt verkehrstechnisch ja auch ganz gut an der B266. Bisher gingen da allerdings nach 17:00 Uhr die Schranken runter. Werde mal eine Anfrage bei http://www.sterne-ohne-grenzen.de stellen.

    Wie ich sehe

    http://www.vogelsang-ip.de/nextshopcms/show.asp?lang=de&e1=901&ssid=1&mdocid=709&eventid=870

    läuft dort dieses Jahr eine Ausstellung zum Thema, da werde ich nächste Woche bestimmt mal hinfahren.

  3. @ Michael Khan

    Na ja, glitzernde Freizeitparks gibt es ja eigentlich schon reichlich. Ob ein weiterer glitzernder Park seine – nicht unbedingt geringen – Investitionen wieder reinholt ist dann fraglich und er taugt auch nicht wirklich zur Differenzierung gegenüber anderen Touristengebieten.

    Dagegen kann eine sinnvolle gemachte Beleuchtung für sich allein schon wirtschaftlich interessant sein.

    • Dass ein Freizeitpark nicht immer und grundsätzlich wirtschaftlich darstellbar ist, musste Kurt Beck auch schwermhaft feststellen.

      Ob sich dagegen ein Dark Sky Park als ausreichender Tourismusmagnet erweist, um die lokale Bevölkerung von seiner Sinnhaftigkeit zu überzeugen, wird sich zeigen. Ich hoffe es natürlich, bin da aber skeptisch. Hoffentlich bin ich da zu pessimistisch.

      • Korrektur des Tippfehlers “Das musste Kurz Beck auch schmerzhaft feststellen.”

        Ich möchte hinzufügen, dass meine Zweifel eher grundsätzlicher Natur sind. Das Interesse an einem dunklen Nachthimmel scheint mir in der breiten Bevölkerung nicht sehr ausgeprägt zu sein. Die Astronomen, in deren Gesellschaft ich mich sicherlich überdurchschnittlich oft tummele, sind wohl eher nicht repräsentativ für den Wissensstand und die Interessenlage der Gesamtheit.

        Der Nationalpark Eifel ist allerdings schon ein besonderer Fall, denn der ist ja bereits ein Naturpark, d.h., nicht besiedelt und nicht landwirtschaftlich oder industriell genutzt und gerate naturverbundenen Besuchern bekannt. Wenn so ein Dark-Sky-Projekt klappen sollte, dann da. Wenn es dagegen noch nicht einmal im Nationalpark Eifel klappt (und da scheint es ja bei der IDA gewisse Zweifel zu geben), dann … Oje.

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